Bluthochdruck: Auf welche Mikronährstoffe es ankommt
Darum geht es
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) betrifft viele Menschen und kann langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.
Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Reduzierung ungünstiger Lebensstilfaktoren bilden wichtige Grundlagen der Prävention und Behandlung.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Mikronährstoffen für die Gefäßfunktion und die Blutdruckregulation. Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren sind an verschiedenen Stoffwechselprozessen beteiligt, die unter anderem die Gefäßgesundheit und den Schutz vor oxidativem Stress unterstützen.
Durch eine gezielte Mikronährstoffdiagnostik können mögliche Versorgungslücken erkannt und individuelle Maßnahmen abgeleitet werden. Ziel ist es, die Herz-Kreislauf-Gesundheit ganzheitlich zu unterstützen und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mikronährstoffen sicherzustellen.
Inhaltsverzeichnis
- Bluthochdruck allgemein
- Sinnvolle Maßnahmen bei Bluthochdruck
- Welche Mikronährstoffe bei Bluthochdruck eine Rolle spielen
- Häufig gestellte Fragen
- Referenzen
Bluthochdruck allgemein
Die arterielle Hypertonie ist die häufigste internistische Erkrankung, von der ca. 30 Prozent der Erwachsenen betroffen sind. Bei älteren Menschen ist die Prävalenz noch höher. Die Häufigkeit des Bluthochdrucks ist auch abhängig vom Körpergewicht, dem sozioökonomischen Status und dem Geschlecht. Männer haben häufiger als Frauen einen zu hohen Blutdruck.
Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie liegt eine Hypertonie vor, wenn die systolischen Blutdruckwerte 140 mm Hg und oder die diastolischen Blutdruckwerte 90 mm Hg übersteigen.
Über 90 Prozent der Hypertoniepatienten haben eine essenzielle oder primäre Hypertonie, d. h. für den Bluthochdruck sind nicht ursächlich andere Erkrankungen verantwortlich. Die primäre Hypertonie gilt als multifaktorielle Erkrankung. Hypertoniefördernd wirken Übergewicht, Insulinresistenz, erhöhter Alkoholkonsum, vermehrte Kochsalzaufnahme, Stressfaktoren, Rauchen, zunehmendes Alter, Bewegungsmangel, niedriger sozioökonomischer Status sowie eine erniedrigte Kalium- und Calciumaufnahme.
Etwa zehn Prozent aller Hypertoniepatienten leiden an einer sekundären Hypertonie. Diese entsteht auf dem Boden einer Primärerkrankung. Die häufigsten Primärerkrankungen sind Störungen des Hormonsystems, zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion und Cushing-Syndrom, Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Herzklappen, starke Schmerzen etc. Nicht selten führt auch die Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Schmerzmittel oder Steroide, zu einem erhöhten Blutdruck.
Viele Hypertoniepatienten wissen gar nichts von ihrer Erkrankung; Beschwerden können längere Zeit nicht auftreten. Die arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, zum Beispiel KHK und Herzinsuffizienz, einschließlich von Schlaganfällen.
Sinnvolle Maßnahmen bei Bluthochdruck
Bei der Behandlung der arteriellen Hypertonie muss es zunächst darum gehen, ungünstige Lebensstilfaktoren zu verändern. Dazu gehören Gewichtsnormalisierung, salzarme Diät, vermehrte Bewegung, Einstellung des Rauchens, Reduzierung des Kaffee- und Alkoholkonsums und vieles mehr. Hypertoniefördernd wirkt der Western-Diet-Ernährungsstil, d. h. ein reichlicher Verzehr von Fleisch, Fleischprodukten und raffinierten Kohlenhydraten. Eine vegetarische Ernährung oder eine mediterrane Kost haben einen Schutzeffekt gegen die Entwicklung einer arteriellen Hypertonie oder können leicht blutdrucksenkend wirken.
Bei der arteriellen Hypertonie sind verschiedene pathophysiologische Faktoren nachweisbar, die entweder für die Entstehung oder für die Aufrechterhaltung der Erkrankung eine wesentliche Rolle spielen. Dazu gehören oxidativer Stress, entzündliche Gefäßveränderungen, endotheliale Dysfunktion, Dysregulation des Sympathikus und des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems. Mikronährstoffe haben eine zentrale Bedeutung für die Begrenzung des oxidativen Stress und für die Aufrechterhaltung einer normalen Endothelfunktion. Mikronährstoffe haben oftmals auch einen günstigen Effekt bei einer überhöhten Sympathikusaktivität und beeinflussen auch das RAAS-System.
Welche Mikronährstoffe bei Bluthochdruck eine Rolle spielen
Aminosäuren bei erhöhtem Blutdruck
Arginin ist die Ausgangssubstanz für das Signalgas Stickstoffmonoxid (NO), das für die Endothelfunktion und für die Regulierung des Blutdrucks eine wichtige Rolle spielt. Bei Personen mit einer genetischen Prädisposition für Bluthochdruck wurden zum Beispiel reduzierte NO-Spiegel nachgewiesen.
Citrullin ist eine biochemische Vorstufe von Arginin. Eine Citrullin-Supplementierung vermag die Argininspiegel im Plasma effektiv zu erhöhen. Wissenschaftler aus Dänemark und der Universität Magdeburg publizierten 2019 einen Übersichtsartikel über die Wirkungen einer oralen Arginin- und Citrullin-Supplementierung auf den Blutdruck. Sowohl Arginin wie auch Citrullin können effektiv den Arginin-Plasmaspiegel erhöhen. Hierbei ist Citrullin ungefähr doppelt so wirksam wie Arginin.
Der blutdrucksenkende Effekt von Arginin und Citrullin liegt in der Größenordnung, wie sie auch durch Ernährungsumstellung und vermehrte Bewegung erreicht werden.
Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit sehr vielfältigen Eigenschaften. Dazu zählt auch ein blutdrucksenkender Effekt. Wissenschaftler aus Großbritannien publizierten 2018 eine Metaanalyse über den Effekt einer oralen Taurin-Supplementierung auf den Blutdruck. Die Auswertung von sieben Studien ergab, dass Taurin ohne Nebenwirkungen sowohl den systolischen wie auch den diastolischen Blutdruck um durchschnittlich 3 mm Hg reduzieren konnte. Brasilianische Wissenschaftler haben 2020 publiziert, dass Taurin durch Steigerung der Bildung von Schwefelwasserstoff NO-Effekte verstärken kann. Daraus resultiert eine Verbesserung der Endothelfunktion.
2024 publizierten chinesische Wissenschaftler eine Metaanalyse über den Nutzen von Taurin bei kardiovaskulären Erkrankungen. Die Autoren des Fachartikels kamen zu dem Schluss, dass Taurin nennenswerte Effekte bezüglich Prävention von Bluthochdruck und Verbesserung der Herzfunktion hat.
Taurin hatte günstige Effekte auf den Blutdruck und die vaskuläre Dysfunktion bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, so die wesentlichen Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Doppelblindstudie von Wissenschaftlern aus China und Dänemark.
Insgesamt kann man davon ausgehen, dass pflanzliche Proteine für die Blutdruckregulierung vorteilhafter sind als tierische Proteine.
Bei mentalem Stress, der bekanntlich zur Blutdruckerhöhung beiträgt, kann eine Supplementierung von Tryptophan oder Glycin günstig sein. 2019 wurde ein Übersichtsartikel zur Bedeutung von Glutamin bei kardiovaskulären Erkrankungen publiziert. Darin wird betont, dass Glutamin auch für die Endothelfunktion eine bedeutende Rolle spielt und eine Glutamin-Supplementierung auch bei der arteriellen Hypertonie von Nutzen sein kann.
Bei 14.883 Teilnehmern einer prospektiven Studie in China zeigte sich eine signifikante positive Assoziation zwischen der Aufnahme der verzweigtkettigen Aminosäuren (Isoleucin, Leucin und Valin) und der Entwicklung eines Bluthochdrucks.
Die Aminosäure Isoleucin ist ein kausaler Faktor für die Entstehung einer Hypertonie, so die zentrale Erkenntnis einer Metaanalyse chinesische Wissenschaftler von 2024.
2025 publizierten Wissenschaftler aus dem Iran einen systematischen Übersichtsartikel und eine Metaanalyse über den Zusammenhang zwischen der Aminosäurenaufnahme und dem Risiko für Bluthochdruck. Die verzweigtkettigen und aromatischen Aminosäuren waren mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert, während Glycin einen protektiven Effekt aufwies.












