Teil 1: Erkältungskrankheiten vorbeugen - das Immunsystem mit Mikronährstoffen stärken


Jetzt in den Herbst- und Wintermonaten besteht ein erhöhtes Risiko für Erkältungskrankheiten. Warum das so ist und warum Mikronährstoffe das Immunsystem stärken, wird am Beispiel von Aminosäuren erklärt.


Shownotes

Insbesondere in der nasskalten Jahreszeit kommt man vermehrt mit Krankheitserregern in Kontakt. Der eine bekommt dann eine Erkältungskrankheit, der andere nicht. Stress, falsche Ernährungsgewohnheiten und andere Faktoren schwächen das Immunsystem und fördern das Risiko für einen grippalen Infekt. Das Immunsystem muss sich flexibel und auch schnell neuen Herausforderungen stellen und ist deshalb auch allezeit auf eine ausreichende Verfügbarkeit an Mikronährstoffen angewiesen. Aminosäuren erfüllen wesentliche Aufgaben im Immunsystem: Arginin stellt z. B. ein „Kampfgas“ bereit, Glutamin ist erforderlich, damit sich Immunzellen bilden können. Sie erfahren außerdem auch, warum es manchmal sinnvoll ist einen Schleimlöser einzunehmen, auch wenn Sie gar keinen Husten haben.

Mikronährstoffanalyse für das Immunsystem:
https://www.diagnostisches-centrum.de/laborleistungen/dcms-profile/dcms-immun-profil.html

 

Transkript

 

Music.

Moderator:

Jetzt kommt wieder die kalte Jahreszeit und es treten vermehrt Erkältungskrankheiten auf. Warum das so ist, und auf welche Mikronährstoffe wir achten sollten, sprechen wir in dieser und in der nächsten Episode. Heute nehmen wir mal primär die Aminosäuren unter die Lupe. Wieder dabei: Dr. Hans-Günter Kugler vom Diagnostischen Centrum aus Marktheidenfeld und Karin Großhardt. Hallo zusammen.

 

Dr. Kugler:

Die sogenannten banalen Atemwegsinfekte sind die häufigsten Erkrankungen in den Industriestaaten. Sie bewirken etwa 40 % aller Fehltage berufstätiger Menschen und sind auch die häufigste Ursache für die Abwesenheit im Unterricht bei Schülern.

 

Moderator:

Durch was infizieren sich die Leute? Durch Viren, durch Bakterien?

 

Dr. Kugler:

Auch ich sag erst Mal guten Tag. Erkältungskrankheiten beruhen in 97 % der Fälle auf einer Virusinfektion und verlaufen selbstlimitierend. Das heißt auf Deutsch, sie heilen ab, auch ohne medizinische Maßnahmen. Bei Virusinfektionen sind Antibiotika nicht wirksam, deshalb besteht bei Erkältungskrankheiten auch nur in seltenen Fällen die Notwendigkeit der Einnahme von Antibiotika.

 

Moderator:

Wenn man sich dann eine Erkältungskrankheit eingefangen hat, spricht man häufig auch von einem grippalen Infekt oder Grippe. Was ist eigentlich davon zu halten?

 

Dr. Kugler:

Man sollte Erkältungskrankheiten und Grippe nicht in einen Topf werfen. Sie sind etwas Verschiedenes. In Wirklichkeit ist die Grippe eine schwere Infektionserkrankung, verursacht durch Influenzaviren. Über 10.000 Menschen sterben jährlich an Influenza.

 

Moderator:

Der Ausdruck Erkältungskrankheiten suggeriert ja eindeutig, dass diese Erkrankungen mit Kälte zusammenhängen - das heißt, die Kälteexposition soll ein wesentlicher Faktor für das Auslösen der Beschwerden sein.

 

Dr. Kugler:

Inwieweit Kälte ein ursächlicher Faktor ist, ist wissenschaftlich höchst umstritten. In den meisten Untersuchungen konnte nicht nachgewiesen werden, dass Kälte tatsächlich das Infektionsrisiko erhöht.

 

Moderator:

Trotzdem muss es ja wohl einen Zusammenhang geben. Die meisten Erkältungskrankheiten gibt es ja in der kalten bzw. in der nasskalten Jahreszeit.

 

Dr. Kugler:

Man weiß also, dass die Kälte zu einer reflektorischen Verengung der Blutgefäße im oberen Respirationstrakt führt, und diese Verschlechterung der Durchblutung könnte dann dazu führen, dass weniger immunkompetente Zellen transportiert werden.

 

Moderator:

Die Ansteckungsgefahr für Erkältungskrankheiten ist wohl im Winter stärker - warum eigentlich?

 

Dr. Kugler:

Das ist ganz einfach, man kommt in den Wintermonaten vermehrt mit Krankheitserregern in Berührung. Im Herbst und Winter überstehen die Viren längere Zeit ohne einen Virt, außerdem verbringen wir im Winter mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Darüber hinaus kommt es zu einer vermehrten Austrocknung der Schleimhäute in Nase und Rachen, so dass insgesamt die Ansteckungsgefahr im Winter erhöht ist.

 

Moderator:

Ob ich mich jetzt bei so einer Grippewelle anstecke oder nicht, ist natürlich auch davon abhängig, ob mein Immunsystem intakt ist oder nicht. Kannst du uns kurz eine Übersicht über das Immunsystem geben? Was gehört hier dazu?

 

Dr. Kugler:

Das Immunsystem besteht aus vielfältigen komplexen Strukturen, und man kann sich das Immunsystem wie ein Netzwerk vorstellen, das im ganzen Körper verteilt ist. Dazu gehören z.B. das Knochenmark, der Thymus, die Lymphknoten, Milz, Darmschleimhaut und die Haut.

Grundsätzlich unterscheidet man beim Immunsystem zwei Komponenten: Es gibt also das unspezifische oder angeborene Immunsystem, und zum zweiten ein spezifisches erworbenes Immunsystem. Das unspezifische Immunsystem funktioniert bereits ab der Geburt, während das spezifische Immunsystem sozusagen erlernt werden muss.

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Funktionsfähigkeit des Immunsystems beeinträchtigen, was dann z.B. die Infektanfälligkeit erhöht oder andere Fehlreaktion des Immunsystems bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen begünstigt.

 

Moderator:

Und was sind das für Faktoren?

 

Dr. Kugler:

Das Immunsystem wird z.B. geschwächt durch Stressfaktoren, z.B. Aufregung, anhaltenden psychosozialen oder intrapsychischen Stress, dazu kommen Schlafmangel, falsche Ernährungsgewohnheiten (z.B. zu hohe Kalorienzufuhr) oder Mangelernährung.

Auch einige Medikamente können das Immunsystem schwächen. Beispiele sind Schmerzmittel oder Cortison. Zu erwähnen sind auch Umweltschadstoffe, Wohngifte und Genussmittel.

 

Moderator:

Das Immunsystem muss sich demnach auch flexibel und schnell neuen Herausforderungen stellen.

 

Dr. Kugler:

Das ist richtig, und deshalb ist das Immunsystem alle Zeit auf eine ausreichende Verfügbarkeit an Nährstoffen angewiesen - wobei wir jetzt beim Thema Mikronährstoffe sind. Bereits der Mangel an einem Mikronährstoff kann die Immunkompetenz stören.

 

Moderator:

Ja genau. Für das Immunsystem sind neben den Vitaminen, Vitaminoiden,
den Spurenelementen und Mineralstoffen auch die Aminosäuren wichtig, z.B. auch die Aminosäure Arginin. Was hat es mit Arginin auf sich?

 

Dr. Kugler:

Arginin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung des Signalgases Stickstoffmonoxid. Das Stickstoffmonoxid wird meist als NO abgekürzt. NO wird von einigen Immunzellen zur Bekämpfung von Krankheitserregern freigesetzt.

 

Moderator:

Wie kann man sich diesen Kampf gegen die Erreger vorstellen, was passiert da?

 

Dr. Kugler:

Die Makrophagen, als die großen Fresszellen, die bilden NO sozusagen als Kampfgas, um damit die Erreger zu bekämpfen.

Außerdem weiß man, dass Argininsupplemente auch die Vermehrung immunkompetenter Zellen steigern können.

 

Moderator:

Und die Aminosäure Cystein? Ich weiß aus der Praxiserfahrung, dass du bei einem Cysteinmangel NAC verschreibst. Die Patienten wundern sich dann, dass ihnen ein Hustenmittel verordnet wird.

 

Dr. Kugler:

Bei einem Cysteinmangel wird in der Mikronährstoffmedizin gerne Cystein in Form von N-Acetylcystein supplementiert. NAC wird zwar als Schleimlöser vertrieben, das Wirkprofil der Substanz ist aber viel umfassender. Eine Supplementierung von der NAC konnte in einer Studie die Häufigkeit und den Schweregrad von Grippesymptomen deutlich vermindern. Und jetzt geht der Grund: Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure und steigert die Aktivität verschiedener Immunzellen.


Modeator:

Das heißt also, NAC hat bei Husten eine Doppelfunktion inne, zum einen löst es den Schleim und zum anderen verbessert N-Acetylcystein die Immunkompetenz.

 

Dr. Kugler:

Außerdem kann man sagen, Cystein ist auch Bestandteil von Glutathion, neben den Aminosäuren Glycin und Glutaminsäure. Glutathion ist ein sogenanntes Tripeptid und ein wichtiges intrazelluläres Antioxidants
und Regulatormolekül des Zellstoffwechsels. Glutathion spielt eine wichtige Rolle für die Aktivität des Immunsystems.

 

Moderator:

Kommen wir zur Aminosäure Glutamin - nicht zu verwechseln mit Glutaminsäure. Welche Effekte hat Glutamin für das Immunsystem?



Dr. Kugler:

Glutamin ist ein essentielles, das heißt lebenswichtiges Nährsubstrat für sich schnell teilende Immunzellen.



Moderator:

Das heißt dann aber auch, ein Glutaminmangel verhindert die schnelle Neubildung von Immunzellen.

 

Dr. Kugler:

Genau, das kann man so sagen. Ein Glutaminmangel kommt wiederum zustande durch Infektionen, Entzündungen oder anderweitigen starken physischen oder psychischen Stress.


Modeator:

Was kannst du über die Aminosäure Taurin in Bezug auf das Immunsystem sagen?

 

Dr. Kugler:

Generell ist Taurin eine Aminosäure mit sehr vielfältigen Funktionen. Es ist eine schwefelhaltige Aminosäure und es wird z.B. benötigt zur Begrenzung von Immunreaktionen.

 

Moderator:

Was meinst du damit?

 

Dr. Kugler:

Die Immunzellen können sehr aggressive Substanzen freisetzen, um Erreger zu bekämpfen und zu begrenzen. Dies muss aber kontrolliert werden zur Vermeidung von Zellschäden, und genau dafür ist Taurin notwendig.


Moderator:

Das heißt, so eine Art Überreaktion des Immunsystems wird durch Taurin vermieden.

Kommen wir zu den Aminosäuren Glycin und Lysin. Du sagtest ja bereits, Glycin ist auch Teil von Glutathion.

 

Dr. Kugler:

Genau, außerdem besitzt Glycin antientzündliche Eigenschaften. Lysin ist auch eine essentielle Aminosäure und ist wichtig bei Fieberbläschen, diese werden ausgelöst durch Herpes simplex Viren Typ 1.

Lysin kann durchaus auch vorbeugend eingenommen werden und ist Gegenspieler der Aminosäure Arginin, die für das Wachstum der Herpesviren benötigt wird.

 

Moderator:

So, das war der erste Teil zum Thema "Das Immunsystem mit Mikronährstoffen stärken". In der zweiten Episode geht's weiter, bis dahin verbleiben wir mit einem herzlichen:

 

Dr. Kugler und Moderator:

Auf Wiederhören.

 

Music.