Obst 320Vitamine regulieren Stoffwechselreaktionen

Definitionsgemäß sind Vitamine organische Verbindungen, die der Körper nicht selbst oder nicht in ausreichenden Mengen herstellen kann. Die Vitamine gehören zu den Mikronährstoffen. Sie dienen dem Organismus nicht als Energielieferanten oder als Bausteine von Organen und Geweben. Vitamine sind an sehr vielen Stoffwechselreaktionen im Organismus beteiligt und haben auch regulatorische Funktionen für die Verwertung von Makronährstoffen. Einige Vitamine sind für das Zellwachstum und für die Zelldifferenzierung notwendig sowie für die Regulierung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels. Außerdem sind Vitamine auch Bestandteile des antioxidativen Systems der Zellen.

Oel 150Eine Pressemitteilung der Oregon State University beschäftigt sich mit der Bedeutung von Vitamin E. Die führende Vitamin-E-Expertin Prof. Maret Traber vom Linus Pauling Institute kritisiert, dass viele Leute glauben, ein Vitamin-E-Mangel käme nie vor. Das sei nicht wahr, vielmehr ereigne sich ein Vitamin-E-Mangel mit alarmierender Häufigkeit sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in anderen Ländern. Die Folgen einer unzureichenden Vitamin-E-Zufuhr seien allerdings weniger offensichtlich, wie z.B. der Einfluss von Vitamin E auf die Hirnentwicklung und das Nervensystem...weiter

Vitamin C

Vitamin C ist ein wasserlösliches Vitamin, das von höheren Pflanzen aus Glucose gebildet wird und entsprechend weit verbreitet vorkommt. Vitamin C ist ein hoch effektives Antioxidans und schützt Proteine, Lipide, Kohlenhydrate und Nukleinsäuren vor freien Radikalen.

Vitamin C kann auch andere Antioxidantien wie Vitamin E regenerieren. Es ist an zahlreichen Synthesereaktionen im Stoffwechsel beteiligt, z.B. an der Bildung von Kollagen, Carnitin, Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin, CRH und TRH.

Vitamin C ist auch für den Abbau von Cholesterin und für die Gallensäuren-Synthese erforderlich. Eine wichtige Bedeutung hat Vitamin C im Immunsystem, wie Stimulierung der Aktivität und Funktionsfähigkeit der Leukozyten, Schutz der Immunzellen vor oxidativem Stress u.v.m. Vitamin C besitzt auch Endothel-protektive Eigenschaften. In mehreren randomisierten Doppelblindstudien wurde nachgewiesen, dass eine Behandlung mit Vitamin C die Funktionsfähigkeit der Blutgefäße verbessert. Eine Vitamin-C-Supplementierung kann bei vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll sein, z.B. Koronare Herzkrankheit, arterielle Hypertonie oder Schlaganfälle. Diabetes Mellitus gehört zu den Erkrankungen, bei denen der oxidative Stress eine wichtige pathophysiologische Rolle spielt. Auch hier ist eine Vitamin-C-Supplementierung häufig von Vorteil. Es gibt zunehmend Beweise dafür...weiter

Niacin ist ein Sammelbegriff für Nicotinsäure und Nicotinamid sowie deren biologisch aktive Coenzyme NAD(H) und NADP(H). Eine andere Bezeichnung für Niacin ist Vitamin B3.

Nicotinamid kommt bevorzugt in tierischen Organismen vor, Nicotinsäure hingegen vorrangig in pflanzlichen Geweben wie Getreide und Kaffeebohnen. Nicotinsäure und Nicotinamid sind quantitativ und qualitativ gleichwertig und können im Organismus ineinander übergeführt werden. NAD bzw. NADP werden aus Nicotinsäure oder Nicotinamid gebildet und sind außerordentlich wichtige Coenzyme im Stoffwechsel.

NAD (Nikotinamid-adenin-dinucleotid) ist an über 400 Reaktionen im Stoffwechsel beteiligt. Es ist ein wichtiges Oxidationsmittel. NAD kann zwei Elektronen und ein Proton aufnehmen, die dann in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) zur Energiegewinnung wieder abgegeben werden. NAD spielt also eine wesentliche Rolle beim Abbau der Kohlenhydrate, Fette und Aminosäuren. Demgegenüber ist NADPH ein bedeutendes Reduktionsmittel, das Elektronen und ein Proton abgibt. NADPH wird für die Biosynthese von Cholesterin und Fettsäuren benötigt sowie für den Schutz vor Sauerstoffradikalen. Aber auch die Bildung von Sauerstoffradikalen zur Abtötung von Bakterien ist NADPH-abhängig. Insgesamt ist NADPH für ca. 30 Stoffwechselreaktionen erforderlich.

Neben seiner Beteiligung an Redoxreaktionen hat NAD auch noch andere Funktionen. Es ist z.B. für die DNA-Synthese vonnöten und dient zur Bildung von ADP-Ribose. Dieses Molekül kann auf verschiedene Proteine übertragen werden. Diese Reaktionen sind wiederum wichtig für die DNA-Reparatur, die Zelldifferenzierung, den Zelltod, die Signalübertragung zwischen den Zellen u.v.m.

NAD kann in einem gewissen Umfang auch aus der Aminosäure Tryptophan gebildet werden. 60 mg Tryptophan sind in etwa einem Gramm Nicotinamid äquivalent. Allerdings ist die Umwandlung von Tryptophan zu Nicotinamid von einer ausreichenden Verfügbarkeit der Vitamine B2, B6 und Folsäure abhängig und daher auch störanfällig. Auch ein Überschuss der Aminosäure Leucin kann zu Störungen im Tryptophan- bzw. Niacinstoffwechsel führen, weil Leucin die zelluläre Aufnahme von Tryptophan hemmt, ebenso wie die NAD-Synthese. In Ländern, in denen Mais ein Grundnahrungsmitteln ist, wie z.B. Mexiko, kam es in der Vergangenheit häufig zum Auftreten von Vitamin-B3-Mangelerscheinungen, da der konventionelle Mais einen hohen Leucin- und einen geringen Tryptophangehalt aufwies. Die klassische Vitamin-B3-Mangelerkrankung ist Pellagra, die durch die drei D´s gekennzeichnet ist: Dermatitis, Demenz, Durchfall.

Niacin hat therapeutisch eine ganze Reihe von gesundheitlichen Effekten, die sich nicht mit einem Niacinmangel erklären lassen. Durch hohe Dosen von Nicotinsäure kommt es zu einer Verminderung der Konzenration der wichtigsten Lipide und der Apolipoprotein-B-haltigen Lipoproteine. Diese sind VLDL und LDL. Darüber hinaus erhöht Nicotinsäure die Konzentration von HDL. Die Verabreichung höherer Dosen der Nicotinsäure zählt zu den effektivsten Therapiemaßnahmen für die Behandlung einer Hypercholesterinämie. Eine Metaanalyse von 11 klinischen Studien mit mehr als 6.600 Patienten zeigte einen positiven Effekt von Nicotinsäure, entweder als Einzeltherapie oder in Kombination mit Statinen auf kardiovaskuläre Ereignisse. Allerdings ist eine Senkung erhöhter Blutfettwerte nicht zwingend mit einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse verbunden, aus diesem Grund wurde 2011 eine große Studie  nach 32 Monaten abgebrochen.

Es gibt auch Hinweise, dass Niacin die Entstehung eines Typ-1-Diabetes vermindern kann. Dies wurde in einer Studie in Neuseeland mit fünf- bis achtjährigen Kindern nachgewiesen. Außerdem hatte Niacin einen günstigen Effekt auf die Gefäßfunktion bei Typ-2-Diabetikern.

Durch eine ausreichende Aufnahme von Niacin wird auch der Serotoninstoffwechsel verbessert. Wenn genügend Niacin zugeführt wird, ist eine Umwandlung von Tryptophan zu Niacin nicht erforderlich, wodurch sich die Verfügbarkeit von Tryptophan für die Serotoninsynthese erhöht. Es gibt verschiedene Berichte über den Einsatz von Niacin bei der Schizophrenie. Die Schizophrenie ist mit einem NAD-Mangel in verschiedenen Regionen des Gehirns assoziiert. Hohe Dosen von Niacin, zusammen mit Vitamin C, konnten psychotische Symptome zum Stillstand bringen.

Die Gabe von Nikotinamid erwies sich auch bei der polymorphen Lichtdermatose als wirksam. Zur Vorbeugung von Sonnenallergien können 600 mg Nikotinamid pro Tag empfohlen werden.  

Referenzen:
Gerald F Combs, Jr.: The Vitamins, Academic Press, 2012
Abraham Hoffer et al.: Niacin the real story; Basic Health, 2012

Back to top