polyneuropathie 2Polyneuropathien sind sehr häufige Erkrankungen. Die Prävalenz liegt bei den über 55-jährigen bei 8 Prozent und bis zu 30 Prozent bei den über 65-jährigen. Gerade bei den älteren Menschen lässt sich häufig keine eindeutige Ursache für die Erkrankung finden, weshalb man dann von einer idiopathischen Polyneuropathie spricht. Diabetes mellitus ist der häufigste Auslöser einer Polyneuropathie. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass bereits eine gestörte Glukosetoleranz zu der Entwicklung einer Polyneuropathie führen kann, noch bevor ein Diabetes mellitus labordiagnostisch nachgewiesen ist. Deshalb sollte vor Diagnostik einer idiopathischen Polyneuropathie zunächst ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden.

Im Folgenden werden verschiedene aktuelle Studien über die Zusammenhänge zwischen Polyneuropathien und Mikronährstoffen vorgestellt:

 

Vitamine

Im August 2020 publizierten Wissenschaftler aus Russland und Großbritannien einen Fachartikel über die Wirksamkeit einer Vitamin-D-Supplementierung bei der Behandlung der diabetischen Neuropathie. 67 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Polyneuropathie erhielten entweder 5.000 IU Vitamin D3 pro Woche oder wöchentlich 40.000 IU über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die Hochdosis-Supplementierung war mit einer Verbesserung der klinischen Symptomatik der Polyneuropathie, der Mikrozirkulation in der Haut und mit einer Senkung von Entzündungsmarkern assoziiert. Die Niedrigdosis-Supplementierung führte zu keinen Veränderungen.

Polyneuropathien sind sehr häufige Erkrankungen. Die Prävalenz liegt bei den über 55-jährigen bei 8 Prozent und bis zu 30 Prozent bei den über 65-jährigen. Gerade bei den älteren Menschen lässt sich häufig keine eindeutige Ursache für die Erkrankung finden, weshalb man dann von einer idiopathischen Polyneuropathie spricht. Diabetes mellitus ist der häufigste Auslöser einer Polyneuropathie. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass bereits eine gestörte Glukosetoleranz zu der Entwicklung einer Polyneuropathie führen kann, noch bevor ein Diabetes mellitus labordiagnostisch nachgewiesen ist. Deshalb sollte vor Diagnostik einer idiopathischen Polyneuropathie zunächst ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden.

Im Folgenden werden verschiedene aktuelle Studien über die Zusammenhänge zwischen Polyneuropathien und Mikronährstoffen vorgestellt:

 

Vitamine

Im August 2020 publizierten Wissenschaftler aus Russland und Großbritannien einen Fachartikel über die Wirksamkeit einer Vitamin-D-Supplementierung bei der Behandlung der diabetischen Neuropathie. 67 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Polyneuropathie erhielten entweder 5.000 IU Vitamin D3 pro Woche oder wöchentlich 40.000 IU über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die Hochdosis-Supplementierung war mit einer Verbesserung der klinischen Symptomatik der Polyneuropathie, der Mikrozirkulation in der Haut und mit einer Senkung von Entzündungsmarkern assoziiert. Die Niedrigdosis-Supplementierung führte zu keinen Veränderungen.



Wissenschaftler aus dem Libanon publizierten im Oktober 2020 einen systematischen Übersichtsartikel über die Wirksamkeit einer Vitamin-D-Supplementierung bei der diabetischen Polyneuropathie. In die Auswertung wurden vier Studien mit 364 Patienten einbezogen. Die Autoren des Fachartikels kamen zu dem Schluss, dass eine Vitamin-D-Supplementierung einen Zusatznutzen bei der Behandlung der schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie hat. Die Verminderung der Schmerzsymptomatik war abhängig von der Höhe des Vitamin-D-Spiegels, der durch die Supplementierung erzielt worden war.

Wissenschaftler aus Großbritannien konnten nachweisen, dass bei Diabetespatienten das Risiko für eine schmerzhafte Neuropathie bei einem bestehenden Vitamin-D-Mangel (25-OH-Vitamin-D) kleiner als 20 Nanogramm/Milliliter) um den Faktor 9,8 erhöht war und um den Faktor 4,4 bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (kleiner 30 Nanogramm/Milliliter).

Forscher aus China veröffentlichten im März 2021, dass ein schwerer Vitamin-D-Mangel als unabhängiger Risikofaktor für eine schmerzhafte diabetische Polyneuropathie anzusehen sei. Ausschlaggebend hierfür seien erhöhte Konzentrationen von Interleukin-6 und TNF-alpha.

Wissenschaftler der Universität des Saarlandes haben einen systematischen Übersichtsartikel und eine Metaanalyse über die Assoziation zwischen Neuropathie und B-Vitaminen publiziert. In die Auswertung wurden 46 Beobachtungsstudien und sieben Interventionsstudien einbezogen. Polyneuropathien waren mit verminderten Vitamin-B12-Spiegeln sowie erhöhten Spiegeln von Methylmalonsäure und Homocystein assoziiert. Eine Vitamin-B12-Behandlung zeigte einen nicht signifikanten Zusammenhang mit einer Besserung der Polyneuropathie-Symptomatik. Eine Behandlung mit Vitamin B1 war mit einer signifikanten Besserung der Symptome assoziiert. Die Auswertung von sieben Studien zeigte eine nicht signifikante höhere Wahrscheinlichkeit für eine Besserung der Polyneuropathie-Symptome unter der Behandlung mit B-Vitaminen.

Wissenschaftler aus Kolumbien beschäftigten sich in einem Fachartikel mit der Bedeutung einer Kombination der Vitamine B1, B6 und B12 bei der Behandlung von Polyneuropathien. Die Autoren des Fachartikels betonten die synergetischen Effekte der erwähnten Vitamine. Vitamin B1 würde hauptsächlich als Antioxidans benötigt, Vitamin B6 wegen seiner neuroprotektiven Eigenschaften und Vitamins B12 wegen seiner Bedeutung für die Myelin-Regeneration. Eine Supplementierung der einzelnen Vitamine sei nicht so effektiv wie eine Kombinationstherapie.

 

Spurenelemente, Aminosäuren, oxidativer Stress

Türkische Wissenschaftler haben 2020 publiziert, dass Selen eine wichtige Rolle im Nervensystem spielt. Selen habe neuroprotektive Eigenschaften durch Beeinflussung einer exzessiven Produktion von Sauerstoffradikalen sowie durch Modulierung der Entzündungsaktivität und einer Calciumüberladung. Selen hätte auch einen Einfluss auf die Schmerzentstehung in peripheren Nerven.

Im Juli 2020 wurde ein Fachartikel von Wissenschaftlern aus Großbritannien und Zypern publiziert, der sich mit der Rolle von oxidativem Stress bei peripherer Neuropathie beschäftigte. Die Auswertung von 69 Studien führte zu dem Ergebnis, dass periphere Neuropathien mit oxidativem Stress und einer Verminderung der endogenen Antioxidantien assoziiert waren. Eine genetische Prädisposition gegenüber oxidativen Schäden könne ein wichtiger Faktor sein. Es sei erwiesen, dass oxidativer Stress an der Pathogenese von Polyneuropathien beteiligt sei oder oder zumindest bei Polyneuropathien vorliegt.

Forscher aus der Türkei fanden sowohl bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie wie auch bei Patienten mit nicht diabetischer Polyneuropathie eine Störung der Thiol-Disulfid-Homöostase. Disulfide entstehen bei der Oxidation von Thiol–Verbindungen. Die Autoren der Studie empfehlen, den Mangel an Thiolverbindungen mit N-Acetylcystein oder Alpha-Liponsäure auszugleichen, um damit die Schädigung der Nervenaxone zu vermindern.

In einem Fachartikel, der im Mai 2020 publiziert wurde, beschäftigten sich Wissenschaftler aus Thailand mit einer möglichen Rolle einer mitochondrialen Dysfunktion bei Neuropathie. Nach Auswertung der vorhandenen Fachliteratur kamen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Schädigung der Mitochondrien zu einer zellulären Apoptose führt, die ein Schlüsselfaktor in der Pathogenese von Neuropathien sei.

Es gibt eine ganze Reihe von genetisch bedingten oder hereditären Polyneuropathieformen. Eine Form dieser Polyneuropathien ist die hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN). Eine Hochdosis-Supplementierung von Serin konnte bei diesen Patienten das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen. Im April 2021 publizierten US-Wissenschaftler, dass bei Patienten mit Polyneuropathie infolge Typ-2-Diabetes und Übergewicht unter anderem eine Erhöhung der Alanin-Konzentration und eine Verminderung der Serin-Konzentration nachgewiesen wurde. Bei diesem Patienten wurden auch Veränderungen in der Konzentration bestimmter Sphingolipide nachgewiesen. Letztere sind wichtige Bausteine der Nervenzellen.

Ägyptische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass N-Acetylcystein die Neurotoxicität von Paclitaxel bei der Chemotherapie von Brustkrebspatientinnen vermindern konnte.

Wissenschaftler aus Italien publizierten 2019, dass aufgrund der vorhandenen Daten Acetyl-L-Carnitin als effektive und sichere Therapiesubstanz bei Patienten mit schmerzhafter Polyneuropathie anzusehen sei.

Referenzen:

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