Fallbeispiel eines 46-jährigen Patienten

mit folgenden Diagnosen: Tumor des Bauchspeicheldrüsenkopfes, Zustand nach Darmverschluss, Eiweißmangel

 

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Das Aminosäurekomplettprofil zeigt generell zu niedrige Aminosäurenkonzentrationen. Besonders niedrig sind die verzweigtkettigen Aminosäuren (Isoleucin, Leucin, Valin), was zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Muskelstoffwechsels führen kann.

Der Patient erhielt ein pflanzliches Eiweißkonzentrat und nimmt seit vier Wochen eine Aminosäurenmischung bestehend aus Leucin, Isoleucin, Valin.

Seither besteht kein Gewichtsverlusst mehr, vielmehr eine leichte Gewichtszunahme, außerdem konnte die Schmerzmitteldosis deutlich reduziert werden. Der Patient fühlt sich insgesamt besser.

 

 


 

Fallbeispiel aus der täglichen Praxis:

Interpretation eines Aminosäuren-Profils einer 77-jährigen Patientin mit Hepatitis C und kleinem Ascites:

  • Die Asparaginsäurekonzentration ist relativ niedrig, was bei chronischen Lebererkrankungen häufig nachzuweisen ist. Asparaginsäure ist ein wichtiger Metabolit des Harnstoffcyclus und kann auch über Oxalacteat den Citratcyclus aktivieren.

  • Glutamin ist deutlich erhöht. Glutamin ist ein NH3-Carrier und steigt im Blutserum an. Bei einer ver­minderten Aktivität des Harnstoffcyclus oder wenn eine erhöhte NH3-Belastung vorliegt, z.B. in Folge von Dysbiose.

  • Die Konzentrationen der verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin sind deutlich vermindert, was typisch ist bei chronischer Hepatitis oder Leberzirrhose. Eine Supplementierung mit BCAAs steigert die Albuminsynthese und kann hepatische Encephalopathien  verhindern. Bei einem Mangel an verzweigtkettigen Amino­säuren gelangen die aromatischen Aminosäuren, z.B. Tyrosin, vermehrt durch die Blut-Hirn-Schranke und können dort zur Bildung falscher Neurotrans­mitter führen.

  • Tyrosin ist erhöht, was die Notwendigkeit einer Supplementierung von BCAAs unterstreicht.

  • Tryptophanmangel.
    Tryptophan gehört ebenfalls zu den aromatischen Aminosäuren. Tryptophan ist aber auch der limitierende Faktor für die hepatische Proteinsynthese. Ohne ein ausreichendes Tryptophanangebot kommt es zwangsläufig zu einer Dysproteinämie, z.B. verminderten Albuminsynthese.

  • Threonin ist relativ niedrig.
    Niedrige Threoninkonzentrationen sprechen meistens für Maldigestion, da Threonin von allen Aminosäuren am schlechtesten resorbiert wird.Eine Supplementierung der fehlenden Aminosäuren führte bei der Patientin zu einer deutlich Besserung der Albuminkonzentrationen und generell zu einer verbesserten körperlichen und psychischen Verfassung.

 


 

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