Welche Spurenelemente sind wichtig für die psychische Befindlichkeit

 

Shownotes

Mikronährstoffe haben vielfältige Wirkungen im Nervenstoffwechsel. Sie sind erforderlich für den Bildung von Nervenbotenstoffen, sind am Energiestoffwechsel beteiligt und vieles mehr. Sie erfahren, warum eine Optimierung des Mikronährstoffstatus ein sinnvoller Therapieansatz in der Behandlung von Depressionen sein kann. In dieser Episode wird auf die Rolle der Spurenelemente eingegangen.

 


Mikronährstoffanalyse
https://www.diagnostisches-centrum.de/dcms-neuro-check.html

DCMS-News
DCM-News - Psyche

 

 

Transkript

 

 

Musik


Moderator:


Einen recht schönen guten Tag allen Zuhörern. Heute geht es um Depressionen und Mikronährstoffe. Wer an einer Depression erkrankt ist, spricht meistens nicht so gerne darüber, und doch ist diese Erkrankung recht häufig. Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder an einer chronisch depressiven Verstimmung. So die Zahlen auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit. Und Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen öfter als junge. Außerdem, gerade in Zeiten des Lockdowns - bei einem Leben auf Distanz, einer Zeit, in der vielen Menschen ihre geordnete Tagesstruktur fehlt - leiden immer mehr unter psychischen Problemen, darunter viele viele Kinder. Sicherlich müssten jetzt oben genannte Zahlen nach oben korrigiert werden. Unser Thema: Welche Rolle haben die Mikronährstoffe für die psychische Befindlichkeit? Und: Kann man Mikronährstoffe in der Behandlung von Depression einsetzen? Diese Frage gebe ich jetzt mal gleich an Dr. Kugler weiter.


Dr. Kugler:

Auch ich begrüße die Hörer ganz herzlich. Um es kurz zu machen: Ja, man kann mit einer geeigneten Mikronährstofftherapie in vielen Fällen die psychische Befindlichkeit verbesserun, und auch bei Depressionen können Mikronährstoffe einiges bewirken. Um zu erklären, warum und wie Mikronährstoffe wirken, muss ich etwas ausholen. Sprechen wir zunächst über die bekannten Ursachen für die Entstehung von Depressionen. Es spielen hierbei verschiedene Faktoren eine Rolle z. B. eine genetische Prädisposition, wenn z. B. Depressionen in der Familie häufiger vorkommen, eine biografische Belastung z. B. Traumatisierung während der Kindheit, körperliche Erkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und psychosoziale Stressfaktoren sowie neurobiologische Veränderungen.


Moderator:

Zu letzteren gehört dann wohl auch eine Störung im Neurotransmitterhaushalt, z. B. ein Mangel des stimmungsaufhellenden Botenstoffs Serotonin, oder?


Dr. Kugler:

Ja, richtig, oder auch ein Mangel an Noradrenalin. Man nennt das dann Monoamin-Mangelhypothese. Das ist das wohl bekannteste biochemisch neurobiologische Erklärungsmodell für eine Depression. Man geht davon aus, dass im synaptischen Spalt ein Mangel an Serotonin und Noradrenalin vorliegt, der z. B. durch Antidepressiva ausgeglichen werden kann.


Moderator:

Ja, ich muss kurz dazwischen: Als synaptischer Spalt wird der Raum zwischen zwei Nervenzellen bezeichnet. Es werden hier Neurotransmitter über die Synapsen von einer Nervenzelle zur anderen übertragen.


Dr. Kugler:

Das ist richtig, ja.


Moderator:

Also ist eine mangelnde Transmitterübertragung von Serotonin und oder Noradrenalin die Ursache für Depressionen?


Dr. Kugler:

Das ist sicher eine wichtige Ursache, aber nicht die einzige. Es gibt einfach mehrere Erklärungsmodelle, die alle auch ihre Berechtigung haben. Die Ergebnisse neurochemische Studien zeigen zwar, dass bei Depressiven eine erniedrigte Serotoninaktivität in Regionen des Hirnstamms vorliegt, in neueren neurochemischen Modellen spielt nicht nur Serotonin und Noradrenalin eine Rolle, sondern es werden auch Dopamin sowie das GABAerge und glutamaterge System miteinbezogen. Auch GABA, Glutamat und Dopamin sind wichtige Neurotransmitter.


Moderator:

In den letzten Jahren liest man häufig, dass die Depression eine entzündliche Erkrankung sei. Ist das auch ein Ansatzpunkt für die eine Mikronährstofftherapie bei Depressionen?


Dr. Kugler:

Ja, durchaus - aber ganz so einfach ist das nicht. Tatsächlich sind bei vielen Patienten mit Depressionen, erhöhte Konzentrationen von proentzündlichen Botenstoffen des Immunsystems nachweisbar. Mikronährstoffe können mitwirken, eine Entzündung zu reduzieren.


Moderator:

Welche Rolle spielt Stress bei der Entstehung von Depressionen?


Dr. Kugler:

Viele Patienten mit Depressionen haben erhöhte Cortisolspiegel. Es wird bei Stress unter anderem vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Bei den Patienten kann dann eine Überaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, auch HPA-Achse genannt, nachgewiesen werden. Als gesichert kann gelten, dass psychosozialer Stress ein wichtiger auslösender Faktor für Depressionen ist. Stress beeinträchtigt die Neubildung von Nervenzellen, also die Neurogenese, und die Funktion der Mitochondrien. Die Mitochondrien sind Zellorganellen, die für die Produktion von Energie in der Zelle notwendig sind. Stress begünstigt die Entstehung von oxidativem Stress und führt auch zu einer erhöhten Entzündungsaktivität im Stoffwechsel.


Moderator:

Gibt es weitere Erklärungsmodelle für die Entstehung von Depressionen?



Dr. Kugler:

Eine Dysfunktion der Mitochondrien könnte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielen. Ein weiteres Erklärungsmodell geht davon aus, dass bei der Depression eine Störung der Neuronenbildung, speziell im Bereich des Hippocampus, vorliegt und durch Antidepressiva korrigiert werden kann.


Moderator:

Und welche Rolle spielt dann die Ernährung?


Dr. Kugler:

Man kann ohne weiteres sagen: Eine große. Auch das Gehirn gehört zu den ernährungsabhängigen Organen. Die psychische Befindlichkeit und ihre Leistungsfähigkeit sind in hohem Maße von einer ausreichenden Versorgung mit allen erforderlichen Nährstoffen abhängig. Eine besondere Bedeutung hat hierbei die Versorgung mit Mikronährstoffen, die zahlreiche pathobiochemische und und pathophysiologische Prozesse im Rahmen einer Depression beeinflussen können.


Moderator:

Jetzt wird es spannend, weil wir jetzt zur Ausgangsfrage kommen: Warum sind Mikronährstoffe wichtig in Bezug auf die psychische Befindlichkeit?


Dr. Kugler:

Ich fasse es einmal zusammen: Mikronährstoffen sind essentiell, also lebenswichtig, für die Bildung von Neurotransmittern. Mikronährstoffe verbessern die antioxidative Kapazität, sie verbessern den Energiestoffwechsel der Nervenzellen. Sie können einer überschießenden Entzündungsaktivität entgegenwirken. Mikronährstoffe fördern die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren und sind auch erforderlich für die Bildung von Strukturen des zentralen Nervensystems, wie z. B. der Myelinscheiden. Die Myelinscheiden sind die Ummantelungen der Nervenzellen. Und vieles mehr. Ein wichtiges Therapieprinzip zur Vorbeugung und Behandlung von Depressionen ist deshalb eine Optimierung des Mikronährstoffstatus.


Moderator:

Also eine gute Versorgung mit den entsprechenden Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren etc. stabilisiert in vielen Fällen die Psyche.


Dr. Kugler:

Ja, so ist es und es gibt natürlich, wie am Anfang erwähnt, noch andere Faktoren, die der Entstehung einer Depression vorbeugen.


Moderator:

Und was ist eigentlich, wenn jemand schon in Behandlung ist und Psychopharmaka nimmt? Kann der trotzdem eine Mikronährstofftherapie durchführen?


Dr. Kugler:

Ja, eine Mikronährstofftherapie kann auch parallel zur Einnahme von Antidepressiva durchgeführt werden und in vielen Fällen auch die Wirksamkeit dieser Medikamente verbessern.


Moderator:

So, und welche Mikronährstoffe sind es denn, die für die Psyche so wichtig sind?


Dr. Kugler:

Fangen wir mit den Spurenelementen und Mineralstoffen mal an und zwar mit Magnesium. Man kennt Magnesium ja auch als Antistress-Mikronährstoff. Magnesium hat in der Tat einen beruhigenden Effekt. Magnesium beeinflusst das Nervensystem bei verschiedenen biochemischen Prozessen. Ein Magnesiummangel kann verschiedene neuropsychiatrische Symptome hervorrufen, z. B. Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und eben auch Depressionen. Bei Patienten mit Depressionen wurde ein signifikanter Abfall der Magnesiumkonzentrationen im Blut nachgewiesen, der mit der Intensität der klinischen Symptome der Depression korrelierte. Magnesium beeinflusst die HPA-Achse, deren Funktion bei psychiatrischen Patienten meist verändert ist. Magnesium spielt auch eine wichtige Rolle für die Aktivität der NMDA-Rezeptoren.


Moderator:

Was ist denn das?


Dr. Kugler:

Die NMDA-Rezeptoren verwenden Glutamat als Neurotransmitter, und sie sind wichtig für das Lernen, für Lernvorgänge und die Gedächtnisbildung.


Moderator:

Was ist mit Zink?


Dr. Kugler:

Zink hat eine wichtige Bedeutung im Hirnstoffwechsel und ist erforderlich für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme, z. B. Glutamat, GABA, Glycin und Dopamin.


Moderator:

Sicherlich gibt es auch hierzu eine Studie, über den Zusammenhang zwischen dem Zinkspiegel und dem Auftreten von Depressionen?


Dr. Kugler:

Genau. Eine Metaanalyse kanadischer Wissenschaftler, die im Dezember 2013 publiziert wurde, hat ergeben, dass Depressionen mit verminderten Zink-Konzentrationen assoziiert war. Eine Metaanalyse von 9 Studien, die im Mai 2017 veröffentlicht wurde, fand ebenfalls einen inversen Zusammenhang zwischen der Zinkaufnahme und dem Risiko für Depressionen. Es ist also sehr gut gesichert, dass Depressionen mit einem Zinkmangel zusammenhängen können.


Moderator:

Viele Menschen, vorwiegend auch Frauen, leiden unter einem Eisenmangel. Die Betroffenen sind dann oft nicht nur müde, sondern auch psychisch nicht gut drauf. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der psychischen Befindlichkeit und einem Eisenmangel?


Dr. Kugler:

Ja, den gibt es. Eisen hat viele Funktionen im Stoffwechsel. Im Gehirn ist Eisen erforderlich für die Bildung von Serotonin und Dopamin. Auch die Nervenzelle selbst ist auf Eisen eingewiesen. Eisen ist erforderlich für die Funktionsfähigkeit der Synapsen und die Ausbildung von Dendriten. Das sind die Verästelungen der Nervenzellen. Eisen ist auch erforderlich für die Myelinsynthese sowie für den Energiestoffwechsel.


Moderator:

Ja, dann kann man ja gar nicht gut drauf sein, wenn man einen Eisenmangel hat.


Dr. Kugler:

Das ist schon richtig. Ein Eisenmangel geht nicht nur mit verminderter körperlicher Belastbarkeit einher, sondern auch mit depressiver Verstimmung. Auch die Leistungsfähigkeit nimmt bei einem Eisenmangel meist ab. Man ist dann nicht mehr so belastbar.


Moderator:

Kannst du das aus der täglichen Praxis bestätigen?


Dr. Kugler:

Ja, durchaus. Ein Eisenmangel ist bei depressiven Patienten häufig nachweisbar. Wenn man den betreffenden Patienten dann Eisen verabreicht, sind es oft ganz andere Menschen. Sie fühlen sich besser, vitaler, aktiver. Was man unbedingt erwähnen muss, ist, dass ein Eisenmangel auch dann vorliegen kann, wenn das Blutbild normal ist. Es gibt auch viele Studien über den Zusammenhang zwischen der Eisenaufnahme und dem Risiko für Depressionen. Zum Beispiel hat eine Untersuchung in Japan oder bei Japanern gezeigt, dass Depressionen häufig auch mit einer Eisenmangelanämie assoziiert war.


Moderator:

Ich muss noch mal auf die Myelinsynthese zurückkommen. Das scheint ein wichtiger Faktor zu sein. Kannst du das für den Laien kurz erklären, warum der Schutz des Myelins so wichtig ist?


Dr. Kugler:

Die Myelinscheiden sind die Ummantelungen der Nervenzelle, die für eine korrekte Nervenimpulsübertragung wichtig sind. Auch Kupfer ist für die Myelinsynthese erforderlich.


Moderator:

Und sollte nicht im Mangel sein.


Dr. Kugler:

Ja, genauso ist es. Kupfer ist zudem noch wichtig für die Bildung der Katecholamine und für den Abbau der Neurotransmitter.


Moderator:

Katecholamine sind Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin.


Dr. Kugler:

Ja, und diese müssen ebenfalls in einem ausgewogenen Verhältnis sein, sonst gerät die Stimmung aus dem Gleichgewicht. Ein ausgeprägter Kupfermangel kann zu Depressionen führen. Meist haben depressive Patienten aber erhöhte Kupferkonzentrationen im Serum, infolge einer vermehrten Entzündungsaktivität.


Moderator:

Das heißt, man müsste bei einem hohen Kupferspiegel erst mal die Entzündungsparameter messen?


Dr. Kugler:
Richtig


Moderator:

Was ist eigentlich mit Selen?


Dr. Kugler:

In einigen Untersuchungen konnte auch nachgewiesen werden, dass Selen einen gewissen Einfluss auf die Stimmung und auf die psychische Befindlichkeit hat. Selen kann den oxidativen Stress vermindern, der ja sehr häufig bei Depressionen besteht.


Moderator:

Liebe Zuhörer, welche Vitamine, Aminosäuren und weitere Mikronährstoffe bei Depressionen noch berücksichtigt werden sollten, erfahren Sie in der nächsten Podcastepisodes. Wie immer, finden Sie die Links über weitere Infos zum Thema und auch über die Mikronährstoffuntersuchung in unserem Shownotes. Für heute sagen wir Tschüss bis zum nächsten Mal.


Musik

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