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Die bipolare Störung wurde bis vor einigen Jahren als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Die bipolare Störung gehört zu den Affektstörungen und zeigt sich in entgegengesetzten (bipolar) Auslenkungen von Stimmung, Aktivität und Antrieb in Richtung Depression oder Manie. Die bipolare Störung beginnt meist früher als die unipolare Störung, nämlich im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Die bipolaren Störungen werden unterteilt in Bipolar 1 und Bipolar 2. Als Bipolar 1 wird eine sieben- bis vierzehn Tage andauernde manische Episode bezeichnet, der mindestens eine depressive Episode nachfolgt. Bipolar 2 ist eine mindestens 14 Tage andauernde depressive Episode, gefolgt von mindestens einer leichteren Form der Manie, der so genannten Hypomanie. Im Rahmen der bipolaren Störung gibt es auch einen manisch-depressiven Mischzustand, wenn depressive und manische Symptome gleichzeitig auftreten. Ein Beispiel ist sehr schnelles Denken und Sprechen als Kennzeichen einer Manie und gleichzeitig Ängstlichkeit oder gedrückte Stimmung als Kennzeichen einer Depression.

Bei affektiven Erkrankungen spielen verschiedene auslösende Faktoren eine Rolle, z.B. genetische, biologische oder psychosoziale Faktoren. Im Vergleich zur unipolaren Depression geht man heute davon aus, dass bei bipolaren Störungen die genetische Disposition eine besonders große Rolle spielt. Zu den biologischen Faktoren gehören auch Veränderungen des Mikronährstoffhaushalts und damit...weiter

In einem umfangreichen Übersichtsartikel beschäftigten sich Wissenschaftler aus der Slowakei mit pathophysiologischen und pathobiochemischen Auffälligkeiten bei depressiven Störungen. Inzwischen steht die Major-Depression an vierter Stelle der Liste der Behinderungen weltweit und dürfte bis zum Jahr 2030 die zweithäufigste Erkrankung sein.

Verschiedene molekulare Mechanismen sind an der Pathogenese der Depression beteiligt, z.B. Abnormalitäten im Stoffwechsel der Neurotransmitter, entzündliche Prozesse, eine verminderte Neurogenese und dadurch krankhafte Reorganisation des zentralen Nervensystems, eine mitochondriale Dysfunktion sowie eine Dysfunktion der HPA-Achse. Außerdem sind verminderte Konzentrationen von Antioxidantien sowie erhöhte Level von oxidativem Stress nachweisbar. Bei Patienten mit Depressionen und bipolaren Störungen kommt es typischerweise zu einer Verminderung der Konzentrationen des Nervenwachstumsfaktors BDNF...weiter

Stimmungsschwankungen - Spaziergang im Nebel

Das Gehirn besteht aus etwa 100 Mrd. Nervenzellen, wobei jede Nervenzelle mit etwa 1000 anderen Nervenzellen verbunden ist. Daraus ergibt sich die gewaltige Zahl von 100 Mio. Synapsen. Für ein gut funktionierendes und ausgewogenes Nervensystem ist die ausreichende Verfügbarkeit aller erforderlichen Cofaktoren unabdingbar. Mikronährstoffe sind aus verschiedenen Gründen für das Nervensystem wichtig: Sie fungieren als Botenstoffe, sind an der Bildung von Neurotransmittern beteiligt, sind Baumaterial für die Nervenzellen, sind notwendig für den Energiestoffwechsel, sind erforderlich für den antioxidativen Schutz und für die Nervenreizweiterleitung.

Nervenzellen sind in besonderem Maße von Vitamin B1 abhängig, da sie auf Glucose als Energieträger angewiesen sind. Die Vitamine Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 werden für den Homocysteinabbau benötigt. Homocystein ist nicht nur ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, sondern auch für neuropsychiatrische Störungen. Ein Folsäure- und/oder B12-Mangel kann mit Gedächtnisschwäche, Angstzuständen und Depressionen einhergehen. Es wurde auch nachgewiesen, dass ein Vitamin-B12-Mangel hirnatrophische Prozesse beschleunigen kann.

In den letzten Jahren wird zunehmend deutlich, dass auch dem Vitamin D wichtige Funktionen im Gehirn zukommen, z. B. eine Beteiligung an der Bildung von Nervenwachstumsfaktoren, Regulierung der Glutathionsynthese und Serotoninbildung und Beeinflussung der Neubildung von Nervenzellen. Zahlreiche Studien haben einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und der psychischen Befindlichkeit sowie Hirnleistungsfähigkeit ermittelt.

Psychiatrische Erkrankungen und bereits psychischer Stress gehen mit oxidativem Stress einher. Aus diesem Grund sollte auf eine gute Versorgung mit Vitamin E und C geachtet werden.

Eisen ist beteiligt an der Bildung von Synapsen, Dendriten, Myelinscheiden und Neurotransmittern. Ein Eisenmangel beim Erwachsenen zeigt sich häufig in Erschöpfung, Depressionsneigung und Hirnleistungsstörungen. Eisen ist auch von zentraler Bedeutung für die Hirnentwicklung bei Kindern. Auch das Spurenelement Zink hat eine große Bedeutung im Hirnstoffwechsel, da es für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme benötigt wird.

Die Aminosäuren Glutaminsäure, Asparaginsäure und Glycin sind Neurotransmitter im ZNS. Aus Tryptophan entsteht der Neurotransmitter Serotonin. Dopamin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung der Katecholamine. Wenn psychische Befindlichkeitsstörungen oder Hirnleistungsstörungen auftreten, ist eine Bestimmung der Mikronährstoffe sinnvoll. Auf der Basis der gemessenen Laborwerte kann dann der individuelle Mikronährstoffbedarf ermittelt werden. Häufig lässt sich durch eine gezielte Supplementierung sowohl eine Verbesserung der psychischen Befindlichkeit wie auch der Hirnleistungsfähigkeit erreichen.

Referenz:
https://www.diagnostisches-centrum.de/images/PDF-DCMS-News/DCMS-News_Vitalstoffe2_2018.pdf

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