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Das Fibromyalgiesyndrom ist ein Beschwerdekomplex, zu dem neben chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen auch Schlafstörungen und Erschöpfung/ Müdigkeit gehören. Das Fibromyalgiesyndrom kann mit depressiven Störungen assoziiert sein, ist aber nicht als depressive Störung einzustufen. In den neuen Kriterien der amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACR-2010-Kriterien) spielen die Tenderpoints für die Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms nicht mehr die entscheidende Rolle.

In den S3-Leitlinien 2012 gehört zu den allgemeinen Behandlungsgrundsätzen der Hinweis für die Patienten, dass seinen Beschwerden keine organische Krankheit im Sinne einer distinkten rheumatischen Krankheit, sondern eine funktionelle Störung zugrunde liegt. Die Beschwerden des Patienten sollen mit Hilfe eines biopsychosozialen Krankheitsmodells, das an die subjektive Krankheitstheorie des Patienten anknüpft, in anschaulicher Weise erklärt werden. Störungen in der Stressverarbeitung dürften beim Fibromyalgiesyndrom die wichtigste Rolle spielen. Das Fibromyalgiesyndrom ist eine relativ häufige Erkrankung. Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung, davon hauptsächlich Frauen, dürften von diesem Krankheitsbild betroffen sein.

Beim Fibromyalgiesyndrom wurden verschiedene biochemische und neurophysiologische Auffälligkeiten nachgewiesen, die aber alle nicht beweisend und spezifisch für dieses Krankheitsbild sind. Zu erwähnen ist eine Dysfunktion der HPA-Achse, wobei sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion vorkommen können. Auch wurde beim Fibromyalgiesyndrom mehrfach ein Mangel an Wachstumshormon festgestellt sowie eine Störung des serotonergen Systems. Das Fibromyalgiesyndrom wird nicht zu den entzündlichen Erkrankungen gezählt, es kann aber dennoch eine Erhöhung verschiedener Zytokine wie Interleukin-6 oder Interleukin-8 vorliegen.

Fibromyalgie-Patienten sind häufiger als gesunde Personen übergewichtig oder adipös. Mehrfach wurden auch eine mitochondriale Dysfunktion und ein oxidativer Stress beobachtet, die beide an der Pathogenese dieses Krankheitsbildes beteiligt sind.

Bei Fibromyalgie-Patienten zeigten sich auch häufig Störungen der Mikronährstoffversorgung. Dazu einige Fakten:

 

Spurenelemente

Türkische Wissenschaftler fanden bei Patienten mit Eisenmangel-Anämie häufiger ein Fibromyalgiesyndrom als bei gesunden Kontrollpersonen.  Bei Frauen mit Fibromyalgiesyndrom lagen die Ferritinkonzentrationen signifikant niedriger als bei gesunden Kontrollpersonen. Möglicherweise spielt Eisen als Cofaktor der Serotonin- und Dopaminsynthese in der Ätiologie der Fibromyalgie eine Rolle.

In einer Studie der Universität Tübingen, die 1998 publiziert wurde, wiesen Fibromyalgie-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen signifikant niedrigere Selenkonzentrationen im Serum auf. Wissenschaftler der Universität von Bagdad fanden bei Fibromyalgie-Patienten sowohl niedrigere Selen- als auch Zinkkonzentrationen.
Über niedrige Zinkkonzentrationen wurde auch in einer türkischen Studie berichtet, die 2008 publiziert wurde. In dieser Untersuchung korrelierte der Zinkspiegel mit der Zahl der Tenderpoints; die Magnesiumkonzentration war mit Müdigkeit assoziiert.

Eine Supplementierung mit Magnesiumcitrat führte bei Fibromyalgie-Patienten zu einer signifikanten Verminderung der Zahl der  schmerzempfindlichen Punkte und verbesserte auch die Ergebnisse beim „Fibromyalgia Impact Questionnaire score“.

 

Aminosäuren

In einer Studie der Universität München wurde bei Fibromyalgie-Patienten ein signifikanter Zusammenhang zwischen Schmerz-Scores und den Tryptophankonzentrationen festgestellt. Je höher die Tryptophankonzentration, desto niedriger war auch der Spiegel des Schmerzmediators Substanz P. In wenigstens zwei Doppelblindstudien erwies sich 5-Htp als nützlich bei der Verbesserung verschiedener Fibromyalgiesymptome, insbesondere Müdigkeit, Schmerzintensität, Zahl der Tenderpoints und Ängstlichkeit. Im Jahr 2000 publizierten niederländische Wissenschaftler, dass bei Patienten mit Fibromyalgie im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant niedrigere Plasmakonzentrationen von Valin, Leucin und Isoleucin sowie Phenylalanin vorlagen.

Wissenschaftler der Universität von Pisa fanden bei Fibromyalgie-Patienten signifikant niedrigere Plasmakonzentrationen von Taurin, Alanin, Tyrosin, Valin, Methionin, Phenylalanin und Threonin. Sie vermuteten mögliche Defekte in der Resorption bestimmter Aminosäuren. Außerdem könnte beim Fibromyalgiesyndrom eine Störung des katecholaminergen Systems vorliegen.

Türkische Wissenschaftler publizierten 2009 über einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Glutathionspiegeln und der morgendlichen Steifigkeit. Der Glutathionspiegel und der Spiegel der Katalase waren bei Fibromyalgie-Patienten signifikant niedriger als bei Kontrollpersonen.

 

Oxidativer Stress

Französische Wissenschaftler fanden bei Fibromyalgie-Patienten signifikant niedrigere Konzentrationen von Stickoxid, Katalase und Thiolverbindungen sowie eine signifikant erhöhte Peroxidation.

Türkische Forscher konnten bei 85 Frauen mit Fibromyalgiesyndrom signifikant höhere Malondialdehyd-Spiegel als bei gesunden Kontrollpersonen nachweisen. Die Konzentration der Superoxiddismutasen war hingegen deutlich vermindert. Die Wissenschaftler vermuteten, dass erhöhte Spiegel freier Radikale für die Entwicklung der Fibromyalgie verantwortlich sind.

In einer weiteren Studie türkischer Wissenschaftler wurden bei Fibromyalgie-Patienten ebenfalls erhöhte Malondialdehyd-Spiegel nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass Fibromyalgie-Patienten unter oxidativem Stress stehen. 2006 wurde von der Harran Universität veröffentlicht, dass die totale antioxidative Kapazität bei Fibromyalgie-Patienten signifikant vermindert ist. Es wird eine Supplementierung antioxidativer Vitamine wie Vitamin C und E empfohlen.

Coenzym Q10

Mehrfach wurden Studien über den Status und das Verhalten von Coenzym Q10 bei Fibromyalgie-Patienten durchgeführt. Spanische Wissenschaftler fanden bei Fibromyalgie-Patienten Defekte in der Verteilung und im Stoffwechsel von Coenzym Q10 in verschiedenen Zellsystemen und Geweben, u.a. wurden auch Hautbiopsien von Fibromyalgie-Patienten untersucht, in denen ein oxidativer Stress, eine mitochondriale Dysfunktion und ein Coenzym-Q10-Mangel nachgewiesen werden konnten. Auch die mononuklearen Zellen im Blut zeigten einen Q10-Mangel. Die spanischen Wissenschaftler vermuteten eine mitochondriale Dysfunktion als Ursprung des oxidativen Stresses bei Fibromyalgie-Patienten. Bei fünf Fibromyalgie-Patienten wurde eine Therapie mit Coenzym-Q10 erprobt. Die Patienten erhielten täglich 300 mg Coenzym Q10 über einen Zeitaum von 9 Monaten, was zu einer signifikanten Verminderung der Symptome führte. In einer weiteren Studie aus Spanien, die 2012 publiziert wurde, konnte durch eine Q10-Therapie eine deutliche Besserung der Kopfschmerzsymptome und anderer klinischer Parameter bei Fibromyalgie-Patienten erreicht werden. Die Autoren der Studie empfehlen die Erprobung von Coenzym Q10 in einer größeren placebokontrollierten Studie.


Vitamin D

Aus mehreren Studien resultierte auch ein Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Konzentrationen und der Fibromyalgie. In einer Studie, die in Saudi-Arabien durchgeführt wurde, zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Konzentration und dem Schmerzindex. Bei den Patientinnen wurde sehr häufig ein sehr gravierender Vitamin-D-Mangel festgestellt, der hauptsächlich durch den Bekleidungsstil der Patientinnen erklärbar war. Auch in einer pakistanischen Untersuchung von 40 Fibromyalgie-Patientinnen zeigte sich häufig ein Vitamin-D-Mangel. Zwei Drittel der Patientinnen hatten eine Konzentration kleiner 20 ng/ ml. In einer ägyptischen Untersuchung von 50 Fibromyalgie-Patienten zeigte sich ebenfalls, dass diese signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel aufwiesen als Kontrollpersonen. Bei den Patienten mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 20 ng/ ml waren auch häufiger Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen, Verwirrtheit, Schlafstörungen etc. nachweisbar.

In der European Male Ageing Study wurde bei niedrigen Vitamin-D-Konzentrationen generell über mehr Schmerzen berichtet. Das Vorhandensein von Schmerzen war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines niedrigen Vitamin-D-Spiegels assoziiert.

 

Carnitin

Italienische Wissenschaftler untersuchten die Wirksamkeit einer Behandlung mit Acetyl-L-Carnitin bei Fibromyalgie-Patienten. Nach einer zehnwöchigen Behandlung waren bei den Patienten, die Acetyl-L-Carnitin erhalten hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ein Placebopräparat eingenommen hatte, deutliche Besserungen der Fibromyalgiesymptomatik nachweisbar.


Referenz:

Unsere Empfehlung für eine Mikronährstoffanalyse: DCMS-Neuro-Check