Buchbesprechung: Der Burn-out-Irrtum


der burn-out-irrtum 220Seit einigen Jahren füllt das Phänomen „Burnout“ immer wieder die Schlagzeilen, denn die schnelllebige Zeit mit all ihren technischen Fortschritten hat ihren Preis: Immer mehr muss innerhalb kurzer Zeit erledigt werden, der Leistungsdruck steigt und steigt. Die Folgen liegen auf der Hand: Überarbeitung, Überforderung, mangelnder Freizeitausgleich, Konkurrenzkampf sind einige der Gründe dafür, dass irgendwann nach längerer Zeit die Energiereserven erschöpft sind und ein Burnout diagnostiziert wird.

Neben den erschwerenden psychischen Faktoren manifestieren sich meist körperliche Leiden wie Rückenschmerzen, Darmerkrankungen, Infektanfälligkeiten, Störungen des Botenstoff- und Hormonstoffwechsels u.v.m. Diese Aspekte werden in der Schulmedizin auch berücksichtigt, aber was passiert eigentlich auf zellulärer Ebene - dort, wo die eigentliche Energieproduktion stattfindet?

In dem Buch „Der Burnout-Irrtum“ von Uschi Eichinger und Kyra Hoffmann-Nachum wird dem nachgegangen. Sie beschreiben eindrucksvoll, was auf zellulärer Ebene bei Burnout bzw. Erschöpfung passiert. Hier eine Zusammenfassung einiger wichtiger Passagen:

Der menschliche Körper verfügt über etwa 70 Bio. Körperzellen, die alle mit Energie versorgt werden müssen. Die Nervenzellen haben einen enormen Energieverbrauch – bis zu 5.000 Mitochondrien kann eine Nervenzelle enthalten. Jede Zelle ist eine kleine Energiefabrik. In den Mitochondrien der Zellen wird die meiste Energie durch die Bildung von ATP (Adenosintriphosphat) in der so genannten Atmungskette erzeugt. Für die Herstellung von ATP werden Molküle aus Zucker und Fettäure verbrannt.

Verschiedene Mikronährtoffe sind an diesem Energiegewinnungsprozess beteiligt wie z.B. Magnesium, Carnitin, Q10, B-Vitamine. Die Energiegewinnung in den Mitochondrien, die normalerweise sehr effektiv ist, hat aber auch ihren Preis: Bei der Produktion von ATP entstehen freie Radikale, für deren Neutralisation ausreichend Antioxidantien zur  Verfügung stehen müssen wie Vitamin C, D, Zink, Selen, Mangan, Cystein, Glutathion etc.

Energie in Form von ATP kann aber auch im Zellplasma gewonnen werden, was allerdings nicht so ergiebig ist wie in den Mitochondrien. Zum Vergleich: Findet die Energiegewinnung in den Mitochondrien statt, entstehen aus einer Einheit Zucker 38 Einheiten ATP; das Zellplasma gewinnt aus einer Einheit Zucker lediglich zwei Einheiten ATP. Die Energieerzeugung im Zellplasma ist eine Art Schutzmechanismus gegen freie Radikale und kommt dann zum Einsatz, wenn sich die Zelle teilt.

Damit der Stoffwechsel genügend Energie produzieren kann, müssen zum einen ausreichend Makromoleküle wie Kohlenhydrate und Fette über die Nahrung zugeführt werden, zum anderen alle für die Energieproduktion erforderlichen Cofaktoren zu Verfügung stehen sowie ausreichende Schutzsysteme gegen freie Radikale. Wenn letzteres nicht gewährleistet ist, schaltet der Stoffwechsel die Energieproduktion auf Sparflamme um, die Energiegewinnung findet dann nicht mehr in den Mitochondrien statt, sondern in Zellplasma und ist nicht mehr so ergiebig.

Hohe Arbeitsbelastungen, familiäre Probleme, Entzündungen im Körper, Rauchen, Alkohol, Medikamentenkonsum, Umweltgifte, Elektrosmog, Röntgenstrahlen sind einige Faktoren, die zu freien Radikalen führen. Je mehr Dispositionen mit freien Radikalen bestehen, desto besser sollte der antioxidative Schutz sein, um die optimale Energieleistung aufrecht zu erhalten.

Eine besonders gefährliche Verbindung für die Mitochondrien ist Peroxinitrit. Dieses Superradikal entwickelt sich, wenn ein durch einen unzureichenden antixoxidativen Schutz ein Überhang an Stickstoffmonoxid (NO) besteht. Peroxinitrit vermag die Mitochondrien zu zerstören und die Energiebildung völlig zum Erlahmen zu bringen. Peroxinitrit kann auch mit der Aminosäure Tyrosin eine Verbindung eingehen, es entsteht Nitrotyrosin. Die Folge ist, dass Tyrosin nicht mehr für seine Stoffwechselfunktionen wie die Bildung von Schilddrüsenhormonen und den Katecholaminen Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin zur Verfügung steht - mit weitreichenden Wirkungen. Es bahnt sich z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion an, die Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Leistungsknick etc. nach sich zieht.

Steht die Aminosäure Tyrosin nicht mehr für die Bildung der Katecholamine zur Verfügung hat das ebenso katastrophale Folgen: Störung der Aufmerksamkeit, der Konzentration, der Gedächtnisleistung, der Stimmung, Unruhe, Nervosität etc. Peroxinitrit vermag auch mit der Aminosäure Tryptophan ein Verbindung einzugehen, so dass die Synthese des stimmungsaufhellenden Botenstoffes Serotonin und des Schlafhormons Melatonin gestört ist.

Im Zusammenhang mit Burnout leiden viele Betroffene an chronischen Entzündungen wie Darmschleimhaut-Entzündungen oder Hashimoto Thyreoiditis. Bei Entzündungen verlagert der Stoffwechel ebenso die Energieproduktion ebenso auf die Zellplasma-Ebene, was sicherlich ein wesentlicher Grund für die Erschöpfungszustände dieser Patienten ist.

Bei einem manifestierten Burnout spielen sicherlich die Lebensumstände und Lebensgewohnheiten eine wesentliche Rolle, die kritisch untersucht und weitgehend korrigiert werden sollten. Die Vermeidung von Stress, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anstrengung und Ruhephasen, eine gesunde Kost, ausreichend Bewegung etc. sind nur einige wesentliche Aspekte. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielet hier auch eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen, zu denen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren gehören.

Sie bieten letztlich antioxidativen Zellschutz, verbessern die Hormon- und Botenstoffbildung und sind maßgeblich am Energiestoffwechsel beteiligt, wie im Folgenden einige Beispiele aufzeigen.

  • Carnitin ist ein Transportmolekül, welches die langkettigen Fettsäuren in die Mitochondrien der Zellen bringt. Bei einem Carnitinmangel steht den Mitochondrien unzureichendes Material für die ATP-Synthese zur Verfügung. Carnitin transportiert außerdem Schadstoffe aus den Mitochondrien.
  • Coenzym Q10 ist ein Vitaminoid, das in der Mitochondrienmembran Elektronen transportiert. Q10 ist zudem ein wesentliches fettlösliches Antioxidans. Für die Herstellung von Q10 braucht der Stoffwechsel u.a. Vitamin B12 und Folsäure. Q10 kann außerdem oxidiertes Vitamin E recyceln.
  • Magnesium ist ein Mineralstoff, der für alle energieabhängigen Stoffwechselprozesse benötigt wird. Nach Kalium findet man Magnesium am zweithäufigsten in den Zellen. Magnesium ist am Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel beteiligt. Bei Stress kann es eine verbesserte Stresstoleranz bewirken und die Freisetzung der Stresshormone dämpfen.
  • Mangan ist ein Aktivator von Enzymen, die antioxidativen Zellschutz bieten. Damit schützt Mangan die Nervenzellen auch vor den Superradikalen. Mangan ist außerdem Bestandteil wichtiger Enzym-Systeme im Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel.


In dem Buch werden noch weitere Mikronährstoffe beschrieben, die im Zusammenhang mit Burnout beachtet werden sollten, wie Alpha-Liponsäure, Phenylalanin/ Tyrosin, Tryptophan, Zink, Selen, Folsäure, Vitamin B1, B2, B3, B6, B12, C, E sowie sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Eine sehr informative Lektüre, die die Zusammenhänge zwischen den Biomolekülen und dem zellulären Energiestoffwechsel anschaulich und verständlich aufzeigt.

 

Referenz:
Uschi Eichinger, Kyra Hoffmann-Nachum: Der Burnout-Irrtum, Systemed-Verlag, 2012

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