tabletten-rainer-sturm-pixelioEnde Februar wurde von der Fachzeitschrift „JAMA“ eine Meta-Analyse von 68 randomisierten klinischen Studien mit Antioxidantien-Supplementen publiziert. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass eine Supplementierung mit Antioxidantien das Mortalitätsrisiko erhöht und zwar um 16 Prozent für Vitamin A, 7 Prozent für Beta-Carotin und 4 Prozent für Vitamin E. Vitamin C und Selen hätten keinen Einfluss auf die Sterblichkeit.

Die Qualität und das Ergebnis dieser Meta-Analyse wurde von internationalen Fachkreisen heftig kritisiert - vor allem die Studienauswahl bzw. die angewandten Vergleichskriterien. So wurden z.B. zwei großangelegte qualitativ hochwertige Studien aus dem „Journal of the National Cancer Institute“ und dem „Lancet“ nicht berücksichtigt, auch eine große Zahl anderer aussagekräftiger Studien wurde völlig ignoriert.

Eine Meta-Analyse gilt sozusagen als der Goldstandard in der medizinischen Statistik und ist dann grundsätzlich sinnvoll, wenn die eingehenden Studien möglichst ähnlich in Design und Studienpopulation sind. In dieser Meta-Analyse wurden die unterschiedlichsten Personen miteinbezogen, z.B. Gesunde, Alte und Patienten mit Herzerkrankungen oder Krebs. Auch die Dosierung der Antioxidantien bewegte sich in einem breiten Spektrum, beispielsweise wurden bis zu 200.000 IE Vitamin A verabreicht – eine Dosierung, die geltende Höchstmengenempfehlungen mehrfach überschreitet. Außerdem ist es verwunderlich, dass Vitamin A überhaupt in diese Analyse miteinbezogen wurde, nachdem es gar kein Antioxidans ist.

Stellvertretend für viele andere Antioxidatantien-Experten sei hier der Leiter des Linus Pauling Instituts der Oregon State University zitiert: „Dies ist eine fehlerhafte Analyse von fehlerhaften Daten und sie trägt wenig zum Verständnis der gesundheitlichen Wirkungen von Antioxidantien bei, weder für die nützlichen noch für die anderen“. Außerdem seien in vielen Studien die Todesursachen nicht beachtet worden, es hätte sich z.B. auch um Unfälle handeln können oder um Todesursachen, die mit Ernährung und Antioxidantien gar nichts zu tun haben.

Es bleibt festzuhalten, dass es sich bei dieser Meta-Analyse um eine stark fehlerhafte Studie handelt mit einer sehr geringen Aussagekraft. Bedauerlich ist nur, dass solche „Pseudo-Studien“ sehr gerne und schnell an die große Glocke gehängt werden, z.B. mit der Überschrift „Vitaminpillen verkürzen das Leben“ und damit die Menschen unnötigerweise verunsichern. Es muss auch die Frage gestellt werden, warum die zahleichen Studien, die die gesundheitlichen Vorteile einer Antioxidantien-Supplementierung belegen, nicht mit dem gleichen publizistischen Eifer behandelt werden.

Vitaminpillen verkürzen nicht das Leben, sondern sind im Rahmen eines orthomolekularen Behandlungskonzepts häufig sehr wirksam bei der Behandlung verschiedener Krankheiten, z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neuropsychiatrischen Störungen, Gelenkerkrankungen etc.

Allerdings sollte eine hochdosierte Supplemtierung von orthomolekularen Substanzen nur nach einer vorhergehenden Diagnostik und ärztlichen Beratung erfolgen.
 

Veröffentlicht:
Die Naturheilkunde, Heft 2/ 2007; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

Back to top

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok