husten-sigrid-rossmann-pixelio 2Die Wirkung von Mikronährstoffen bei Asthma Bronchiale

Asthma bronchiale ist ein klinisches Syndrom mit verschiedenen Symptomen, die von milden saisonalen Beschwerden bis zu einer schweren, lebensbedrohlichen Atemnot reichen können. Der Atemfluss wird durch asthmatische Bronchokonstriktion, Schwellung der Schleimhäute, Hypersekretion der Drüsen und eine Viskositätszunahme des Schleims beeinträchtigt. Typisch für das Asthma bronchiale ist auch eine bronchiale Hyperreagibilität, bei der das Bronchialsystem des Betroffenen auf verschiedene Reize wie kalte Luft, körperliche Anstrengung etc. mit einer Bronchokonstriktion reagiert.

Der Asthma-Symptomatik liegt eine chronische Entzündung der Bronchien mit Zellinfiltraten zugrunde, bestehend aus Mastzellen, Lymphozyten und eosinophilen Granulozyten. Lymphozyten bilden proinflammatorische Zytokine; Mastzellen speichern und sezernieren Mediatoren wie Histamin, Tryptase und Prostaglandin D2; eosinophile Granulozyten produzieren Leukotriene, Sauerstoffradikale und verschiedene toxische Metabolite wie das Major Basic Protein (MBP) und die eosinophile Peroxidase (EPO).

Unter den Zytokinen ist das Interleukin-5 spezifisch für eosinophile Granulozyten. Die Bestimmung von IL-5 könnte zukünftig für die Diagnostik und für die Verlaufskontrolle des Asthmas eine wichtige Rolle spielen.

Die Hauptschwerpunkte der antiasthmatischen Therapie sind die Bronchospasmolyse und die Entzündungshemmung. Darüberhinaus können verschiedene Mikronährstoffe als adjuvante Therapie den Verlauf und Schweregrad des Asthma bronchiale bessern. Einige Mikronährstoffe haben immunmodulierende, antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften und können deshalb die pathobiochemischen Mechanismen des Asthma bronchiale günstig beinflussen.

 


Vitamin A

Ein marginaler Vitamin-A-Mangel fördert Erkrankungen der Atemwege durch Veränderungen der Respirationsschleimhaut. Diese Veränderungen bestehen aus einem Verlust an Flimmerepithel und einer Zunahme sezernierender Zellen. Zwischen einem leichten Vitamin-A-Mangel und der Häufigkeit respiratorischer Infekte besteht eine nachgewiesene Korrelation. Vitamin A reguliert die Genexpression der Immunglobuline. Bei einem Vitamin-A-Mangel kann deshalb die Antikörperbildung vermindert sein. Außerdem wird eine Verringerung der Zahl der NK-Zellen beobachtet.

Eine Vitamin-A-Supplementierung verbesserte bei Patienten mit COPD die Lungenfunktion; bei Kindern senkte Vitamin A die Zahl und Länge respiratorischer Infekte.

 

Vitamin C

Asthmatiker haben in der Regel erniedrigte Vitamin-C-Konzentrationen im Blutplasma und im epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Vitamin C ist neben Glutathion das wichtigste Antioxidans im Bronchialsekret. Histamin ist ein Entzündungsmediator, der bronchokonstriktorisch wirkt und die Gefäßpermeabilität erhöht. Niedrige Vitamin-C-Plasma-Konzentrationen führen zu einem Histaminanstieg im Blutplasma. Die chemotaktische Aktivität der neutrophilen Granulozyten fällt bei einem Histaminanstieg im Blutplasma ab und steigt bei einer Vitamin-C-Supplementierung an.

Vitamin C hat offensichtlich auch einen protektiven Effekt gegen Anstrengungsasthma. In Placebo-kontrollierten Versuchen zeigten 2 g Vitamin C vor einer siebenminütigen körperlichen Belastung bei ca. 50 % der Patienten eine vorbeugende Wirkung gegen Asthma-Anfälle.

 

Vitamin E

Bei Asthmapatienten werden vermehrt Leukotriene gebildet. Die wasserlöslichen Leukotriene sind potente Bronchokonstriktoren und dabei 200- bis 2000fach stärker wirksam als Histamin. Vitamin E beeinflusst den Arachidonsäuremetabolismus durch Verminderung der Aktivität der Lipoxigenase und Cyclooxigenase. Dadurch werden weniger proinflammatorische Leukotriene und Prostaglandine gebildet.

Neben dem antientzündlichen Effekt spielt auch die antioxidative Wirkung von Vitamin E bei Asthma eine Rolle, da Entzündungsmediatoren vermehrt freie Radikale erzeugen. Eine Stichprobe von ca. 2600 Erwachsenen ergab, das höhere Vitamin-E-Konzentrationen mit niedrigeren IgE-Serum-Konzentrationen und mit einer weniger häufigen Allergen-Sensibilisierung assoziiert sind.

 

Vitamin B6

Bei Asthma-Patienten wurden in einer Studie signifikant niedrigere Vitamin-B6-Konzentrationen gefunden. Eine hochdosierte Vitamin-B6-Supplementierung mit
2 x 50 mg führte zu einer Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad der Asthma-Attacken. In einigen Studien wurde nachgewiesen, dass eine antiasthmatische Therapie mit Theophylin die Vitamin-B6-Spiegel erheblich verminderte, so dass bei einer Therapie mit Theophylin auf jeden Fall auf eine ausreichende Vitamin-B6-Versorgung geachtet werden muss.

 

Vitamin B12

In einer Untersuchung führte eine wöchentliche intramuskuläre Injektion von 1000 µg Vitamin B12 über einen Zeitraum von 4 Wochen zu einer deutlichen Verbesserung der Asthma-Symptomatik. Eine Sulfit-Intoleranz verschlechtert die Symptomatik bei vielen Asthma-Patienten. In einer kleinen Studie an Kindern mit Asthma und nachgewiesener Sulfit-Intoleranz konnte ein Bronchospasmus nach Sulfitexposition verhindert werden, wenn zuvor 1,5 mg Cyanocobalamin eingenommen wurde.

 

Magnesium

Bei Asthmapatienten wurden mehrfach erniedrigte Magnesiumkonzentrationen im Serum und in den Erythrozyten nachgewiesen. Verminderte Magnesium- und Phosphatkonzentrationen sind die häufigste Elektrolytstörungen bei Patienten mit chronischem Asthma. In einigen Studien erwies sich Magnesium in Form einer intravenösen Magnesiumsulfat-Applikation als hilfreich in der Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls, besonders wenn die Magnesium-Injektion rechtzeitig durchgeführt wurde. Ein Magnesium-Defizit senkt die allergische Reaktionsschwelle, Mastzellen setzten dann schneller und vermehrt Histamin frei.

 

Zink

Bekanntlich ist Zink von herausragender Bedeutung für das Immunsystem. Bei einem Zinkmangel kommt es zu einer reduzierten zellulären und humoralen Immunreaktion. Ein Zinkdefizit fördert eine TH2-Polarisierung der Immunantwort. Die Proliferation von TH2-Zellen wird forciert auf Kosten der TH1-Zellen. TH2-Cytokine spielen eine zentrale Rolle für die Auslösung allergisch-entzündlicher Reaktionen.

Zink ist Teil der Cu/Zn-Superoxiddismutasen, die Zellmembranen vor der oxidativen Schädigung schützen. Zink wird benötigt zur Synthese des retinolbindenden Proteins, deshalb ist auch der Vitamin-A-Metabolismus zinkabhängig.

 

Selen

Über den Effekt einer Selen-Supplementierung bei Asthma bronchiale wurden bisher nur wenige Studien durchgeführt. Die vorhandenen Daten lassen aber den Schluss zu, dass eine Selensupplementierung bei Asthma bronchiale eine sinnvolle adjuvante Therapie darstellt. Ähnlich wie bei Zink fördert auch ein Selenmangel eine TH2-Immundominanz. Die selenhaltigen Glutathionperoxidasen sind wichtige antioxidative Schutzmechanismen.

 

Cystein/ Glutathion

Glutathion ist das wichtigste Antioxidans im epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Bei Asthmapatienten sind im Bronchiallumen vermehrt eosinophile Granulozyten, Mastzellen und Makrophagen nachweisbar. Letztere weisen einen deutlich höheren Aktivierungsgrad auf als bei Normalpersonen. Die vermehrte Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Sauerstoffradikalen erhöht den Glutathionverbrauch. Verschiedene Transkriptionsfaktoren wie AP-1 und NF-Kappa-B sind redoxsensitiv und werden bei einem Glutathionmangel vermehrt aktiviert. Dies führt zu einer verstärkten Bildung und Freisetzung proinflammatorischer Mediatoren.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine Cysteinsupplementierung in Form von N-Acetylcystein die Glutathionspiegel im Blut und in der Lunge verbessern kann. NAC wird im Körper in Cystein umgewandelt und eignet sich wegen seiner chemischen Stabilität besser zur Supplementierung als das oxidationsempfindliche Cystein. Ein Mangel an Thiolverbindungen (Cystein und Glutathion) begünstigt eine TH2-Immundominanz. Glutathion ist eines der wichtigsten Entgiftungmoleküle des Stoffwechsels; Umweltgifte, Zigarettenrauch, Autoabgase etc. erhöhen den Glutathionbedarf. Im Rahmen der hepatischen Biotransformation werden Steroidverbindungen mittels Glutathion entgiftet. Glucokortikoide sind häufig eingesetzte Medikamente gegen Asthma bronchiale. Eine Supplementierung mit Alpha-Liponsäure kann ebenfalls die Glutathionspiegel anheben und verbessert das Verhältnis von reduziertem zu oxidiertem Glutathion.

 

Fallbeispiel

Es handelt sich um die Mikronährstoffanalyse bei einer 82-jährigen Patientin mit folgenden Diagnosen: Asthma bronchiale, kompensierte Herzinsuffiziens, Osteoporose

 

 

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Beurteilung:

  • Cystein ist sehr niedrig
    reduzierte Glutathionsynthese, Immunschwäche

  • Hyperhomocysteinämie
    Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und erhöht den
    Argininbedarf

  • Magnesium ist grenzwertig
    erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit und allergische Reaktionsbereitschaft,
    Spasmophilie

  • Vitamin C ist grenzwertig
    Vitamin C ist neben Glutathion das wichtigste Antioxidans im Bronchialsekret, fördert den Histaminabbau

  • Hinweis auf eventuellen Eisenmangel
    Zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Eisensupplementierung ist die Ferritinbestimmung erforderlich.

 

Therapieempfehlung

Der Patientin wurden als Tagesdosis folgende Mikronährstoffe verordnet:

NAC 600                 2 x 1
Magnesium              600 mg
Vitamin C                1 g

Vitamin-B-Komplex mit

Folsäure                 800 µg
B12                       60 µg
B 6                        40 mg

Durch die Mikronährstofftherapie konnte eine deutliche Besserung der Asthmasymptomatik erreicht werden.

 

 

Referenzen:
  1. Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin, WVG 2002, 2. Auflage
  2. Eric R. Bravermann, M.D.: The Healing Nutrients Within, Basic Health 2003, third edition
  3. Alexander Kapp et al.: Allergische Entzündungen, Thieme 2002
  4. Jane Higdon, Ph. D.: An Evidence-Based Approach to Vitamins and Minerals, Thieme 2003
Veröffentlicht:
CO`MED Nr. 2 - 2005; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
 

 

 

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