erschoepfungJeder Mensch kennt wohl das Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung nach geistigen oder körperlichen Anstrengungen. Zum Problem werden Erschöpfung und Müdigkeit dann, wenn sie chronisch werden. Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass rund 30 Prozent der arbeitenden Menschen in Deutschland sich chronisch erschöpft fühlen. Bei einer Befragung gaben 31 Prozent der über 16-Jährigen an, gelegentlich oder häufig unter Ermüdungserscheinungen zu leiden. In der hausärztlichen Praxis schildern etwa sieben bis 10 Prozent der Patienten eine belastende Müdigkeit. Erschöpfung kann aus ganz unterschiedlichen Gründen auftreten, z.B. als Folge chronischer körperlicher Erkrankungen. Das chronische Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom ist ein Krankheitsbild, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Sehr häufig ist Erschöpfung eine Folge von chronischem Stress z.B. durch psychosoziale oder intrapsychische Konflikte.


Bei Erschöpfung fehlt Energie

Erschöpfung bedeutet Energiemangel, deshalb geht es zunächst um die Frage, ob der Organismus überhaupt in der Lage ist, genügend Energie zu bilden. Für die Energiebildung im Organismus sind zahlreiche biochemische Reaktionen erforderlich, die nur dann störungsfrei ablaufen können, wenn alle daran beteiligten Makro- und Mikronährstoffe in ausreichender Menge vorhanden sind. Die Gründe für einen Energiemangel müssen also zunächst einmal auf biochemischer Ebene gesucht werden.

Die Energiewährung unseres Körpers ist das Molekül Adenosintriphosphat (ATP). ATP ist eine so genannte energiereiche Verbindung, für deren Stabilität unbedingt auch Magnesiumionen erforderlich sind. Sehr viele biochemische Reaktionen im Organismus können nur unter Beteiligung und Verbrauch von ATP ablaufen. Deshalb hat der Mensch einen sehr hohen ATP-Umsatz. Der Organismus eines Normalgewichtigen bildet im Laufe eines Tages mehr ATP als dem Körpergewicht entspricht. Ein Hochleistungssportler kann z.B. in einer Minute mehr als ein Kilogramm ATP produzieren. Die ATP-Synthese erfolgt ganz überwiegend in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle). Eine Körperzelle kann, je nach Energiebedarf, zwischen einigen Hundert bis mehreren Tausend Mitochondrien enthalten. Meist sind es so zwischen 500 und 2000 Mitochondrien pro Zelle, was insgesamt 15 bis 20 Prozent des Gesamtzellvolumens ausmacht. Die überragende Bedeutung der Mitochondrien für den Energiestoffwechsel wird auch deutlich, wenn man sich die Energiebilanz anschaut: Beim Abbau eines Glukosemoleküls entstehen bei normaler Mitochondrienfunktion 32 ATP Moleküle, ohne Mitochondien nur zwei.

Die Mitochondrien sind von zentraler Bedeutung für die Umwandlung von Nahrungsenergie in Zellenergie. Der Citratzyklus steht im Zentrum des Intermediärstoffwechsels und liefert die reduzierten Coenzyme NADH und FADH. Letztere sind elektronenreiche Verbindungen, die dann in der Atmungskette mit Hilfe von Sauerstoff oxidiert werden. Die dabei gewonnene Energie wird dann für die ATP-Bildung verwendet. Ausgangssubstanz für NADH ist Vitamin B3, für FADH das Vitamin B2.

Die Atmungskette besteht aus fünf Enzymkomplexen. Für die Funktion von Komplex 1 sind z.B. Coenzym Q10, Vitamin B2, Niacin sowie Eisen-Schwefelverbindungen erforderlich, der Komplex 4 ist auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Vitamin C und Kupfer angewiesen. Die Vitamine A und D sowie Vitamin K haben ebenfalls einen Einfluss auf die Aktivität der Atmungskette.

 

Mikronährstoffe sind wichtig für den Energiestoffwechsel und somit bei Erschöpfung

Für den gesamten Energiestoffwechsel ist eine erhebliche Zahl von Mikronährstoffen notwendig. Wenn ein oder mehrere Mikronährstoffe fehlen, kommt es zwangsläufig zu einer Beeinträchtigung von Stoffwechselreaktionen. Die Mikronährstoffe sind z.B. Vitamin B1, B2, B3, Pantothensäure, Carnitin, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Eisen, Kupfer und Magnesium. Die Mitochondrien sind recht empfindliche Zellorganellen, die durch verschiedene Einflüsse geschädigt werden können. Mitochondrien sind z.B. allein durch ihre Stoffwechselaktivität vermehrt freien Radikalen ausgesetzt und deshalb in besondere Weise auf antioxidativen Schutz angewiesen. Eine Störung der Mitochondrienfunktion, die so genannte mitochondriale Dysfunktion, wird mit immer mehr Erkrankungen in Verbindung gebracht. Da die Mitochondrien eine zentrale Bedeutung für die Energiegewinnung haben, ist ihre Dysfunktion der Hauptgrund für einen Energiemangel.

Bei jeder Art von Erschöpfung ist es also sinnvoll und zweckmäßig zu überprüfen, ob dem Organismus alle für den Energiestoffwechsel notwendigen Mikronährstoffe zur Verfügung stehen.

Referenzen:

  • Rüdiger Schmitt-Homm, Simone Homm: Handbuch Anti-Aging und Prävention; VAK Verlags GmbH, 2013
  • Melanie Königshoff, Timo Brandenburger: Kurzlehrbuch Biochemie; Georg Thieme Verlag, 3. Auflage 2012
  • Uwe Gröber: Arzneimittel und Mikronährstoffe; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage 2014
  • Kristin Filler et al.: Association of mitochondrial dysfunction and fatigue: A review of the literature; BBA Clinical, available online 13 April 2014
  • Jana Hroudová et al: Mitochondrial functions in mood disorders

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