Forscher aus Brasilien untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen Depressionen und der Aufnahme der Vitamine A, C und E sowie von Selen und Zink. Die Studie war Teil einer großen Langzeitstudie zur Gesundheit Erwachsener. Die Auswertung der Daten ergab, dass eine niedrige Aufnahme von Retinol signifikant mit einem vermehrten Auftreten von Depressionen oder mit der Einnahme von Antidepressiva assoziiert war. Möglicherweise hat also die Aufnahme von Vitamin A einen Schutzeffekt gegen depressive Störungen.

Referenz:
Lara Ferriani, Daniela Silva et al.: Antioxidants Consumption and Depression: A Cross-Sectional Analysis of the ELSA-Brasil Study; Current Developments in Nutrition, Volume 4, Issue Supplement_2, June 2020, Page 1801, https://doi.org/10.1093/cdn/nzaa067_028

Antioxidantien 320Australische Wissenschaftler untersuchten bei älteren Männern die Zusammenhänge zwischen der Antioxidantienaufnahme, den Ernährungsgewohnheiten und depressiven Symptomen . Bei 794 Männern wurden die Ernährungsgewohnheiten detailliert abgefragt und depressive Symptome mittels eines Fragebogen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass eine unzureichende Aufnahme von Antioxidantien speziell von Zink und Vitamin E mit einem erhöhten Risiko für klinisch signifikante depressive Symptome bei älteren Männern assoziiert waren.

Referenz:
Arpita Das, Robert G Cumming et al.: The Association Between Antioxidant Intake, Dietary Pattern and Depressive Symptoms in Older Australian Men: The Concord Health and Ageing in Men Project; Eur J Nutr. 2020 May 8.

depressionen

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen und werden oft auch in ihrer Schwere unterschätzt. Schätzungen zufolge leiden inzwischen weltweit ca. 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sich Depressionen zur zweithäufigsten Volkskrankheit entwickeln. Es besteht ein Lebenszeitrisiko von 16 - 20 Prozent, an einer depressiven Episode zu erkranken. Es gibt Hinweise, dass in den letzten Jahrzehnten insbesondere leichtere Depressionen ständig zunehmen. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig an depressiven Episoden wie Männer.

 

Ursachen einer Depression

Für die Entstehung einer Depression spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel eine genetische Prädisposition, eine biografische Belastung, körperliche Erkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente, psychosoziale Stressfaktoren sowie neurobiologische Veränderungen.

 

Störungen im Neurotransmitterhaushalt

Das wohl bekannteste biochemisch-neurobiologische Erklärungsmodell ist die sogenannte Monoaminmangel- Hypothese. Diese postuliert, dass im synaptischen Spalt ein Mangel an Serotonin und Noradrenalin vorliegt, der zum Beispiel durch Antidepressiva ausgeglichen werden kann. Bei der Monoaminmangel-Hypothese gibt es einige offene Fragen, weshalb dieses Erklärungsmodell eine zeitlang ganz infrage gestellt wurde, inzwischen aber wieder eine Renaissance erfährt. Die Ergebnisse neurochemischer Studien zeigen weitgehend übereinstimmend, dass bei Depressiven eine erniedrigte Serotoninaktivität in Regionen des Hirnstamms vorliegt. In neueren neurochemischen Modellen spielt nicht nur Serotonin und Noradrenalin eine Rolle, sondern es werden auch Dopamin sowie das GABAerge und glutamaterge System mit einbezogen.

Entzündung bei Depressionen

In den letzten Jahren liest man häufig, dass die Depression eine entzündliche Erkrankung sei. Tatsächlich sind bei vielen Patienten mit Depressionen erhöhte Konzentrationen von proentzündlichen Botenstoffen des Immunsystems nachweisbar.

 

Andere Erklärungsmodelle bei Depressionen

Es gibt auch verschiedene Hinweise auf eine Dysfunktion der Hormonregulation. Bei depressiven Patienten kann häufig eine Überaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse nachgewiesen werden, die mit erhöhten Cortisolspiegeln einhergeht.

Eine Dysfunktion der Mitochondrien könnte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielen. Ein weiteres Erklärungsmodell geht davon aus, dass bei der Depression eine Störung der Neuronenbildung, speziell im Bereich des Hippocampus, vorliegt, die durch Antidepressiva korrigiert werden kann. Ein Mangel an Nervenwachstumsfaktoren ist möglicherweise maßgebend für die Beeinträchtigung der Neurogenese.

 

Stress: Häufiger Auslöser von Depressionen

Als gesichert kann gelten, dass psychosozialer Stress ein wichtiger auslösender Faktor für Depressionen ist. Stress beeinträchtigt die Neurogenese und die Funktion der Mitochondrien und begünstigt die Entstehung von oxidativem Stress sowie einer erhöhten Entzündungsaktivität im Stoffwechsel. Außerdem führt Stress zu einer Daueraktivierung der HPA-Achse.

 

Die Rolle der Ernährung bei Depressionen

Auch das Gehirn gehört zu den ernährungsabhängigen Organen. Die psychische Befindlichkeit und die Hirnleistungsfähigkeit sind in hohem Maße von einer ausreichenden Versorgung mit allen erforderlichen Nährstoffen abhängig. Eine besondere Bedeutung hat hierbei die Versorgung mit Mikronährstoffen, die zahlreiche pathobiochemische und pathophysiologische Prozesse im Rahmen einer Depression beeinflussen können. Mikronährstoffe sind essenziell für die Bildung von Neurotransmittern. Sie verbessern die antioxidative Kapazität und den Energiestoffwechsel der Nervenzellen. Mikronährstoffe können einer überschießenden Entzündungsaktivität entgegenwirken und verbessern die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren. Mikronährstoffe sind auch erforderlich für die Bildung von Strukturen des zentralen Nervensystems wie zum Beispiel der Myelinscheiden und vieles mehr.

Ein wichtiges Therapieprinzip zur Vorbeugung und Behandlung von Depressionen ist deshalb eine Optimierung des Mikronährstoffstatus.

Eine Mikronährstofftherapie kann auch parallel zur Einnahme von Antidepressiva durchgeführt werden und die Wirksamkeit dieser Medikamente verbessern.

Eine Mikronährstoff-Supplementierung sollte gezielt erfolgen, nämlich auf der Basis einer Mikronährstoff-Analyse, die Aufschluss über tatsächlich vorhandene Mikronährstoffmängel gibt.

Im Folgenden werden die Mikronährstoffe vorgestellt, die bei der Behandlung von Depressionen eine Rolle spielen.

 

Mineralstoffe und Spurenelemente bei Depressionen

Magnesium

Magnesium ist Cofaktor zahlreicher Enzyme und beeinflusst im Nervensystem verschiedene biochemische Prozesse. Magnesium ist auch wichtig für die korrekte Fluidität der Nervenzellmembranen. Ein Magnesiummangel kann verschiedene neuropsychiatrische Symptome hervorrufen, zum Beispiel Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und eben auch Depressionen. Bei Patienten mit Depressionen wurde ein signifikanter Abfall der Magnesium-Konzentrationen im Blut nachgewiesen, der mit der Intensität der klinischen Symptome der Depression korrelierte. Magnesium beeinflusst die HPA-Achse, deren Funktion bei psychiatrischen Patienten meist verändert ist. Magnesium spielt auch eine wichtige Rolle für die Aktivität der glutamatergen NMDA-Rezeptoren.

 

Zink

Zink hat eine wichtige Bedeutung im Hirnstoffwechsel und ist erforderlich für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme (Glutamat,GABA, Glycin und Dopamin). Eine Metaanalyse kanadischer Wissenschaftler, die im Dezember 2013 publiziert wurde, hat ergeben, dass Depressionen mit verminderten Zinkkonzentrationen assoziiert waren. Eine Metaanalyse von neun Studien, die im Mai 2017 veröffentlicht wurde, fand ebenfalls einen inversen Zusammenhang zwischen der Zinkaufnahme und dem Risiko für Depressionen. Zink ist wichtig für die Regulierung der HPA-Achse und für die zelluläre Immunantwort. Ähnlich wie Magnesium beeinflusst auch Zink die Aktivität der NMDA- Rezeptoren. Zink verstärkt auch die Bildung von BDNF, einem wichtigen Wachstumsfaktor der Zellen. Ein Anstieg von BDNF ist häufig mit einer Stimmungsaufhellung assoziiert.

 

Eisen

Eisen ist nicht nur wichtig für den Sauerstofftransport und für die Sauerstoffspeicherung, sondern hat darüber hinaus auch zahlreiche andere Funktionen im Stoffwechsel. Im Gehirn ist Eisen erforderlich für die Bildung von Serotonin und Dopamin, für die Funktionsfähigkeit von Synapsen, die Ausbildung von Dendriten, die Myelinsynthese sowie für den Energiestoffwechsel. Ein Eisenmangel geht nicht nur mit verminderter körperlicher Belastbarkeit einher, sondern auch mit depressiver Verstimmung oder Störungen der Leistungsfähigkeit. Ein Eisenmangel ist bei depressiven Patienten häufig nachweisbar, wobei ein Eisenmangel auch dann vorliegen kann, wenn das Blutbild normal ist. In der oben erwähnten Metaanalyse chinesischer Wissenschaftler vom Mai 2017 zeigte sich auch ein inverser Zusammenhang zwischen der Eisenaufnahme und dem Risiko für Depressionen. Eine Web-basierte Untersuchung bei 11.876 Japanern zeigte, dass Depressionen häufig auch mit einer Eisenmangelanämie assoziiert waren.

 

Kupfer / Selen

Kupfer ist für die Myelinsynthese sowie für die Biosynthese von Katecholaminen erforderlich, außerdem auch für den Abbau der Neurotransmitter. Ein ausgeprägter Kupfermangel kann daher zu Depressionen führen. Meist haben depressive Patienten aber erhöhte Kupferkonzentrationen im Serum, infolge einer vermehrten Entzündungsaktivität.

In einigen Untersuchungen konnte auch nachgewiesen werden, dass Selen einen gewissen Einfluss auf die Stimmung und auf die psychische Befindlichkeit hat. Selen ist ein wichtiges antioxidatives Spurenelement. Da Depressionen mit oxidativem Stress assoziiert sind, ist eine ausreichende Zufuhr anti- oxidativer Mikronährstoffe von großer Bedeutung.

 

Vitamine bei Depressionen

Die Nervenzellen decken ihren Energiebedarf ganz überwiegend durch den Abbau von Kohlenhydraten, weshalb Vitamin B1 für die Energieversorgung der Nervenzellen von zentraler Bedeutung ist. Vitamin B1 ist auch am Stoffwechsel mehrerer Neurotransmitter beteiligt. Verschiedentlich wurde nachgewiesen, dass eine Supplementierung von Vitamin B1 zu einer Besserung der psychischen Befindlichkeit führte, auch wenn noch kein Vitamin B1-Mangel nachweisbar war. Wissenschaftler aus der Schweiz und dem Iran konnte nachweisen, dass Vitamin B1 als Adjuvans zu Serotonin-Wiederaufnahmehemmern im Vergleich zu einem Placebopräparat zu einem schnelleren Ansprechen der antidepressiven Therapie führte.

Die Einnahme von trizyklischen Antidepressiva erhöht die Ausscheidung von Vitamin B2 und beeinträchtigt die Umwandlung des Vitamins in seine coenzymatische aktive Form. Wissenschaftler aus dem Iran fanden bei depressiven Patienten ein vermehrtes Auftreten eines leichten Vitamin B2-Mangels.

Vitamin B6 ist eines der wichtigsten Vitamine im Neurotransmittermetabolismus und ist für die Bildung von Serotonin, Noradrenalin, Glutamat und GABA erforderlich. Verschiedentlich konnte bei depressiven Patienten ein Vitamin- B6-Mangel festgestellt werden. In einer iranischen Studie, publiziert 2019, wurde nachgewiesen dass eine höhere Vitamin-B6-Aufnahme mit einem niedrigeren Risiko für Depressionen und Angststörungen bei Frauen assoziiert war.
Insgesamt konnte aber in klinischen Studien nicht verbindlich nachgewiesen werden, dass Vitamin B6 einen erheblichen Einfluss auf Depressionen hatte. Bei depressiven Verstimmungszuständen, im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms, ist eine Vitamin-B6-Supplementierung häufig erfolgversprechend.

Die wesentliche Funktion der Folsäure ist die Übertragung von Methylgruppen mit besonderer Bedeutung für den Nukleinsäure- und Aminosäurestoffwechsel.

Bei einem Folsäuremangel sind häufig Stimmungsschwankungen und andere Symptome einer Depression zu beobachten. Durch ein Folsäuredefizit sinkt die Verfügbarkeit von Serotonin im ZNS. Außerdem kommt es zu einer Erhöhung des neurotoxischen Homocysteins. Erhöhte Homocysteinkonzentrationen im Blut sind häufig mit depressiven Symptomen assoziiert. Allerdings ist noch unklar, inwieweit eine Erhöhung des Homocysteins hierbei eine kausale Rolle spielt. Jedenfalls ist die Folsäure das wichtigste Vitamin zur Senkung erhöhter Homocysteinkonzentrationen. Von großer praktischer Bedeutung ist, dass ein Folsäuremangel die Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern erheblich beeinträchtigen kann. Empfehlenswert ist also bei einer Therapie mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern auch eine Supplementierung von Folsäure.

Rund 30 Prozent der Patienten mit Depressionen, die stationär behandelt wurden, hatten einen Vitamin-B12-Mangel. Bei älteren Menschen besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Vitamin-B12-Konzentration und dem Risiko für Depressionen. Da die Vitamin-B12-Resorption sehr komplex und deshalb störanfällig ist, ist besonders bei älteren Menschen eine unzureichende Vitamin-B12-Versorgung nicht selten. Die Vitamin-B12-Aufnahme wird auch durch häufig verordnete Medikamente wie Metformin oder Protonenpumpenhemmer beeinträchtigt.

Vitamin C ist erforderlich für die Biosynthese von Neurotransmittern, zum Beispiel für die Umwandlung von Tryptophan zu 5-HTP oder die Bildung von Noradrenalin aus Dopamin. Vitamin C ist auch an der Bildung von Glukokortikoiden beteiligt. Generell ist der Vitamin-C-Verbrauch und -Bedarf bei chronischem mentalem Stress deutlich erhöht. Vitamin C ist ein wichtiges wasserlösliches Antioxidans. Bei vielen psychiatrischen Erkrankungen, so auch der Major Depression, besteht ein oxidativer Stress, was eine vermehrte Zufuhr von Antioxidantien erforderlich macht.

Zahlreiche Publikationen in den letzten Jahren zeigen einen Zusammenhang zwischen der Konzentration von 25-OH-Vitamin-D und der psychischen Befindlichkeit. Bei depressiven Patienten wurden sehr häufig verminderte Vitamin-D-Spiegel nachgewiesen. Die Ergebnisse von Metaanalysen oder systematischen Übersichtsartikeln sind aber uneinheitlich in Bezug auf die Frage, inwieweit eine Supplementierung von Vitamin D Depressionen beeinflussen kann. Auf jeden Fall sollten bestehende Vitamin-D-Defizite ausgeglichen werden, zumal Vitamin D verschiedene Funktionen im Hirnstoffwechsel hat. Bei einem Vitamin-D-Mangel nimmt zum Beispiel die Serotonin-Synthese im Gehirn ab, während es in der Körperperipherie zu einer Zunahme der Serotoninbildung kommt. Vitamin D vermag auch die Glutathionsynthese zu verbessern und erhöht die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren.

 

Aminosäuren 

Aminosäuren spielen eine wichtige Rolle im Neurotransmittermetabolismus. Einige Aminosäuren wie Glycin, Glutaminsäure, Asparaginsäure fungieren selbst als Neurotransmitter. Tryptophan ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Serotonin; aus Tyrosin werden die Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin gebildet. Histidin ist die Ausgangssubstanz für Histamin. GABA kann aus Glutaminsäure oder Glutamin gebildet werden. Serin ist eine Vorstufe für die Bildung von Acetylcholin. Taurin kann die Wirkung von GABA verstärken. Es ist aber noch nicht verbindlich geklärt, ob Taurin als Neurotransmitter bezeichnet werden kann. Jedenfalls beeinflusst Taurin die Nervenimpulsübertragung.

Chinesische Wissenschaftler publizierten im Januar 2020 eine Metaanalyse über Metabolit im Blut bei Patienten mit Major Depression. Dabei fanden die Wissenschaftler bei 23 Metaboliten Unterschiede zwischen Depressionspatienten und Kontrollpersonen. Bei den Patienten mit Major Depression waren die Spiegel von fünf Aminosäuren vermindert: Serin, Methionin, Asparagin, Glutamin und Tryptophan. Bei Patienten, die nicht mit Antidepressiva behandelt wurden, waren Histidin, Leucin, Taurin und Tryptophan niedriger als bei den Kontrollpersonen. Patienten mit stärkerer depressiver Symptomatik hatten meist niedrigere Spiegel von Tryptophan. Im Rahmen einer Metaanalyse japanischer Wissenschaftler, publiziert im September 2014, wurde untersucht, inwieweit die Tryptophankonzentration im Plasma mit dem Auftreten einer depressiven Episode korrelierte. Die Auswertung der Daten zeigte, dass bei der depressiven Episode typischerweise verminderte Tryptophankonzentrationen im Plasma vorlagen, besonders bei unbehandelten Patienten. Tryptophan und Serotonin spielen also zweifelsohne eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie von Depressionen. Es besteht aber kein Automatismus dahingehend, dass bei jedem depressiven Patienten ein Tryptophan- oder Serotoninmangel im Blutserum nachweisbar sein müsste.

Tyrosin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung der Katecholamine. Auch das noradrenerge System kann an der Entstehung von Depressionen beteiligt sein. Eine Supplementierung von Tyrosin dürfte hauptsächlich bei Stress-Depressionen infrage kommen oder bei Erschöpfungszuständen, die mit depressiven Symptomen vergesellschaftet sind. Eine Supplementierung von Tyrosin führt nicht zwangsläufig zu einem Anstieg von Dopamin im ZNS, auch wenn dies aufgrund der Biochemie naheliegend ist.

Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die meist in Form von N-Acetylcystein (NAC) supplementiert wird. Cystein bzw. NAC ist eine wichtige Ausgangssubstanz für die Glutathionsynthese. Da viele psychiatrische Erkrankungen, unter anderem auch Depressionen, von oxidativem Stress begleitet sind, kommt dem Glutathion eine besondere Bedeutung zu. US-Wissenschaftler fanden eine gute Beweislage für die Verwendung von NAC bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen, unter anderem auch bei Depressionen.


Sonstige Mikronährstoffe bei Depressionen

Aus einem Übersichtsartikel koreanischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2014 geht hervor, dass L-Acetylcarnitin bei sehr guter Verträglichkeit einen günstigen Effekt bei der Behandlung von Depressionen hatte. L-Acetylcarnitin erwies sich bei der Behandlung der Dysthymie als gleich wirksam wie das Antidepressivum Fluoxetin.

Eine Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren kann bei der Behandlung einer Depression von großem Nutzen sein. Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Bestandteile der Nervenzell-Membranen und haben eine ganze Reihe von biochemischen Effekten, die der Entstehung einer Depression entgegenwirken, zum Beispiel Verbesserung der Neuroplastizität, Vermehrung der Dichte der Serotonin–Rezeptoren, Entzündungshemmung antioxidative Wirkung, Erhöhung der Glutathionspiegel etc.

 

Fazit

Bei depressiven Patienten sind meist zahlreiche Veränderungen des Mikronährstoffstatus nachweisbar. Häufig kommt es zu Störungen des Neurotransmittermetabolismus, woraus sich dann wieder Veränderungen der psychischen Befindlichkeit ergeben. Ein Ausgleich bestehender Mikronährstoffdefizite ist immer eine sinnvolle und logisch nachvollziehbare Basistherapie zur Prävention bei der Behandlung von Depressionen.

 

Referenzen:

  • Thomas Köhler: Biologische Grundlagen psychischer Störungen; hofgrefe, 3. überarbeitete Auflage
  • Klaus Lieb, Sabine Frauenknecht: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie; Elsevier, 9. Auflage
  • Martínez-Cengotitabengoa M, González-Pinto A: Nutritional supplements in depressive disorders, Actas Esp Psiquiatr. 2017 Sep;45(Supplement):8-15. Epub 2017 Sep 1.
  • Serefko A, Szopa A, Poleszak E: Magnesium and depression; Magnes Res. 2016 Mar 1;29(3):112-119.
  • Li Z, Li B, Song X1, Zhang D et al.: Dietary zinc and iron intake and risk of depression: A meta-analysis; Psychiatry Res. 2017 May;251:41-47. doi: 10.1016/j.psychres.2017.02.006. Epub 2017 Feb 3.
  • S Hidese, K Saito et al.: Association between iron-deficiency anemia and depression: A web-based Japanese investigation, Psychiatry and Clinical Neurosciences, Volume 72, Issue 7
  • Ali Ghaleiha, Hassan Davari et al.: Adjuvant thiamine improved standard treatment in patients with major depressive disorder: results from a randomized, double-blind, and placebo-controlled clinical trial; European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience volume 266, pages695–702(2016)
  • Marzi Kafeshani, Awat Feizi et al.: Higher Vitamin B6 Intake is Associated with Lower Depression and Anxiety Risk in Women but not in Men: A large Cross-Sectional Study; International Journal for Vitamin and Nutrition Research, https://doi.org/10.1024/0300-9831/a000589.
  • Katie Moore , Catherine F Hughes et al.: B-vitamins in Relation to Depression in Older Adults Over 60 Years of Age: The Trinity Ulster Department of Agriculture (TUDA) Cohort Study; J Am Med Dir Assoc 19 May;20(5):551-557.e1. doi: 10.1016/j.jamda.2018.11.031. Epub 2019 Jan 25.
  • Shareefa Alghamdi, Nabilah Alsulami et al.: Vitamin D Supplementation Ameliorates Severity of Major Depressive Disorder; J Mol Neurosci 2020 Feb;70(2):230-235. doi: 10.1007/s12031-019-01461-2. Epub 2019 Dec 13.
  • Juncai Pu, Yiyun Liu et al.: An integrated meta-analysis of peripheral blood metabolites and biological functions in major depressive disorder; Molecular Psychiatry (2020)
  • DCMS-News: Depressionen und Mikronährstoffe, Januar 2017

 

 

 

 

Wissenschaftler aus dem Iran untersuchten den Effekt von Zink, Vitamin D und einer Zink-/Vitamin-D-Kombination auf depressive Symptome bei übergewichtigen Personen. Zusätzlich wurden die Serumkonzentrationen von Cortisol und von BDNF bestimmt. Die Supplementierung von Vitamin D, Zink und der Zink-/Vitamin-D-Kombination führte zu einer Verminderung der depressiven Symptome. Hierbei hatte Zink einen stärkeren Effekt als Vitamin D. Die Konzentrationen von Cortisol und BDNF wurde nicht beeinflusst.

Referenz:
SomayeYosaeePh.D., SepidehSoltaniPh.D. et al.: Effects of zinc, vitamin D, and their co-supplementation on mood, serum cortisol, and brain-derived neurotrophic factor in patients with obesity and mild to moderate depressive symptoms: A phase II, 12-wk, 2 × 2 factorial design, double-blind, randomized, placebo-controlled trial; Nutrition. 2020 Mar;71:110601. doi: 10.1016/j.nut.2019.110601. Epub 2019 Oct 15.

Wissenschaftler aus Saudi-Arabien haben bei 62 männlichen und weiblichen Patienten mit Major Depression untersucht, inwieweit eine dreimonatige Supplementierung von Vitamin D (50.000 IU), zusätzlich zur Standardtherapie, einen Effekt auf die Symptomatik der Erkrankung hatte. Der Schweregrad der depressiven Symptome wurde mittels des Beck-Depressions-Inventar (BDI) erfasst. Bei allen Patienten wurde Serotonin bestimmt. Die weiblichen Patienten zeigten nach dreimonatiger Vitamin-D-Supplementierung die größte Verbesserung ihrer depressiven Symptome. Bei den männlichen Patienten profitierten nur die Studienteilnehmer mit schwerer Depression von der Vitamin-D-Zusatztherapie. Sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen kam es zu einem signifikanten Anstieg der Serotonin-Konzentrationen im Blutserum.

Referenz:
Alghamdi S, Alsulami N et al.: Vitamin D Supplementation Ameliorates Severity of Major Depressive Disorder; J Mol Neurosci. 2019 Dec 13. doi: 10.1007/s12031-019-01461-2.

Bei Kindern zeigte eine Studie eine direkte Korrelation zwischen der Vitamin-B1-Aufnahme und depressiven Symptomen. Es gibt auch Hinweise aus einigen Studien, dass eine Vitamin-B1-Supplementierung bei der Behandlung von Autismus von Nutzen ist.

Referenz:
Dhir S, Tarasenko M et al.: Neurological, Psychiatric, and Biochemical Aspects of Thiamine Deficiency in Children and Adults; Front Psychiatry. 2019 Apr 4;10:207. doi: 10.3389/fpsyt.2019.00207. eCollection 2019.

Wissenschaftler der University of California publizierten einen Fachartikel über die neurologischen, psychiatrischen und biochemischen Aspekte eines Vitamin-B1-Mangels bei Kindern und Erwachsenen. Die Wernicke-Enzephalopathie ist wohl das bekannteste neuropsychiatrische Krankheitsbild, das durch einen Vitamin-B1-Mangel hervorgerufen wird. Eine Reihe von Studien haben aber auch einen inversen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-B1-Spiegel und Depressionen gezeigt. Auch bei gesunden älteren und jüngeren Erwachsenen konnte durch eine Supplementierung von Vitamin B1 eine positive Stimmungsveränderung, eine Zunahme des Energielevels und eine Verbesserung der Schlafqualität beobachtet werden.

Referenz:
Dhir S, Tarasenko M et al.: Neurological, Psychiatric, and Biochemical Aspects of Thiamine Deficiency in Children and Adults; Front Psychiatry. 2019 Apr 4;10:207. doi: 10.3389/fpsyt.2019.00207. eCollection 2019.

Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern untersuchten in einer großen Kohortenstudie einen möglichen Zusammenhang zwischen der Vitamin-K-Aufnahme und depressiven Symptomen. An der Studie nahmen 4.375 Studienteilnehmer im Alter zwischen 45 und 79 Jahren teil. Die Personen mit der höchsten Vitamin-K-Aufnahme hatten das niedrigste Risiko für depressive Symptome. Dieser Effekt war aber nur bei den Personen vorhanden, die keine Vitamin-D-Supplemente einnahmen.

Referenz:
Bolzetta F, Veronese N et al.: The Relationship between Dietary Vitamin K and Depressive Symptoms in Late Adulthood: A Cross-Sectional Analysis from a Large Cohort Study; Nutrients. 2019 Apr 5;11(4). pii: E787. doi: 10.3390/nu11040787.

Forscher aus Virginia untersuchten bei schwangeren Frauen einen möglichen Zusammenhang zwischen niedrig normalem Vitamin B12 und Depressionen. Dabei erwies sich der Vitamin-B12-Spiegel als signifikanter Prädiktor von Depressionen. Schwangere Frauen mit niedrig normalen Vitamin-B12-Werten hatten ein 3,82-fach erhöhtes Risiko an Depressionen zu erkranken.

Referenz:
Peppard L, Oh KM et al.: Risk of depression in pregnant women with low-normal serum Vitamin B12; Res Nurs Health. 2019 Aug;42(4):264-272. doi: 10.1002/nur.21951. Epub 2019 May 22.

Wissenschaftler aus Brasilien publizierten einen Fachartikel über einen möglichen Zusammenhang zwischen der gesamten antioxidativen Kapazität und der Prävalenz von Depressionen bei Frauen im Klimakterium. Die Prävalenz von Depressionen in dieser Population betrug 44 Prozent. Depressive Frauen hatten eine niedrige Aufnahme von Polyphenolen, Vitamin B6, Vitamin A und Vitamin C.

Referenz:
Natiani Gonçalves de Oliveira, Iranice Taís Teixeira et al.: Dietary total antioxidant capacity as a preventive factor against depression in climacteric women; Dement Neuropsychol. 2019 Jul-Sep; 13(3): 305–311.

Wissenschaftler aus Südkorea untersuchten in einer Studie die Nährstoffaufnahme bei 56 Studentinnen mit Depressionen und bei 122 Studentinnen ohne Depressionen. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Taurinaufnahme zwischen den depressiven Studentinnen und der Kontrollgruppe. Die depressiven Studienteilnehmerinnen hatten aber im Vergleich zu den Kontrollpersonen eine signifikante niedrigere Aufnahme von Vitamin A und Kalzium. Die depressive Symptomatik korrelierte negativ mit der Aufnahme von Vitamin A, Folsäure, Vitamin C und Kalzium.

Referenz:
Park SH, Oh EY et al.: Relationship Among Dietary Taurine Intake, Dietary Attitudes, Dietary Behaviors, and Life Stress by Depression in Korean Female College Students; Adv Exp Med Biol. 2019;1155:293-300. doi: 10.1007/978-981-13-8023-5_28.

Wissenschaftler der Uniklinik Frankfurt publizierten eine Studie, in der untersucht wurde, wie sich der Eisenstatus bei Typ-1-Diabetikern auf Depressionen und auf die Lebensqualität auswirkte. An der Studie nahmen 109 Patienten mit Typ-1-Diabetes teil. Die Lebensqualität sowie die Depressivität wurden mittels Fragebogen ermittelt. Bei 28 Prozent der Patienten wurden Ferritinspiegel kleiner 50 µg/Liter festgestellt, 18,3 Prozent der Patienten litt an einer Anämie. Ein ungenügender Eisenstatus korrelierte signifikant mit Depressivität und beeinträchtigter Lebensqualität.

Referenz:
Bergis D, Tessmer L et al.: Iron deficiency in long standing type 1 diabetes mellitus and its association with depression and impaired quality of life. Diabetes Res Clin Pract. 2019 May;151:74-81. doi: 10.1016/j.diabres.2019.03.034. Epub 2019 Mar 30.

Depressionen A 320Forscher aus den USA konnten nachweisen, dass bei Patienten mit Major Depression verschiedene Faktoren für die Entstehung einer endothelialen Dysfunktion eine Rolle spielten. Es zeigte sich eine Verminderung der NO-abhängigen Gefäßerweiterung durch oxidativen Stress sowie eine Veränderung der Funktion der Gefäßmuskulatur. Bei Patienten mit Major Depression war die Expression und Aktivität von Markern des oxidativen Stresses erhöht.

Referenz:
Greaney JL et al.: Oxidative Stress Contributes to Microvascular Endothelial Dysfunction in Men and Women with Major Depressive Disorder. Circ Res. 2018 Dec 12.

Wissenschaftler aus Österreich bestimmten bei 78 Patienten mit Laktoseintoleranz und bei 160 Personen mit Laktosetoleranz die Plasmaspiegel von Homocystein, Folsäure und Vitamin B12. Bei den 78 Patienten mit Laktoseintoleranz hatten 22 Personen eine Majordepression und zeigten signifikant höhere Homocysteinspiegel und niedrigere Folsäurekonzentrationen im Vergleich zu den anderen 56 Personen ohne Depressionen.

In der Gruppe der laktosetoleranten Studienteilnehmer zeigte sich kein Zusammenhang. Depressive Personen mit Laktoseintoleranz hatten also signifikant höhere Homocysteinkonzentrationen und niedrigere Folsäurespiegel. Die Erkenntnisse dieser Studie legen nahe, dass es zwischen erhöhten Homocysteinkonzentrationen, Laktosemalabsorption und Depressionen einen Zusammenhang gibt.

Referenz:
Enko D, Meinitzer A et al.: Association between increased plasma levels of homocysteine and depression observed in individuals with primary lactose malabsorption; PLoS One. 2018 Aug 23;13(8):e0202567. doi: 10.1371/journal.pone.0202567. eCollection 2018.

Wissenschaftler aus dem Iran untersuchten den Effekt einer Vitamin-D-Supplementierung auf die Behandlung von Depressionen bei älteren Erwachsenen. Die Studienteilnehmer erhielten über einen Zeitraum von acht Wochen entweder 50.000 IU Vitamin D3 pro Woche oder ein entsprechendes Placebopräparat. In der Vitamin-D-Gruppe kam es zu einer Verminderung der Depressionsscores.

Referenz:
Alavi NM, Khademalhoseini S et al.: Effect of vitamin D supplementation on depression in elderly patients: A randomized clinical trial; Clin Nutr. 2018 Sep 19. pii: S0261-5614(18)32449-X.

Forscher aus dem Iran untersuchten in einer Studie den Effekt einer zusätzlichen Q10-Supplementierung (200 mg pro Tag) auf den Verlauf der bipolaren Depression. Die Standardmedikation der Patienten bestand aus Antidepressiva sowie Phasenprophylaktika. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass die Q10-Supplementierung den Behandlungserfolg deutlich verbesserte.

Referenz:
Mehrpooya M, Yasrebifar F et al.: Evaluating the Effect of Coenzyme Q10 Augmentation on Treatment of Bipolar Depression: A Double-Blind Controlled Clinical Trial; J Clin Psychopharmacol. 2018 Oct;38(5):460-466.

Wissenschaftler aus China untersuchten anhand von Daten von NHANES 2009-2014 einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Zink, Eisen, Kupfer und Selen und Depressionen. In die Studie wurden 14.834 Erwachsene einbezogen. Es zeigte sich, dass die Gesamtaufnahme der erwähnten Spurenelemente invers mit Depressionen assoziiert war.

Referenz:
Li Z, Wang W et al.: Association of total zinc, iron, copper and selenium intakes with depression in the US adults; J Affect Disord. 2018 Mar 1;228:68-74. doi: 10.1016/j.jad.2017.12.004. Epub 2017 Dec 6.

Depressionen Pexels 320US-Wissenschaftler publizierten einen Fachartikel über einen möglichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-B6-Status und depressiven Symptomen. Bei einer Kohorte von älteren Erwachsenen lateinamerikanischer Herkunft wurde innerhalb von fünf bis sieben Jahren mehrfach die depressive Symptomatologie abgefragt und der Vitamin-B6-Status bestimmt. Eine suboptimale Konzentration von Pyridoxalphosphat (PLP) war mit stärkeren depressiven Symptomen assoziiert. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Feststellung eines Vitamin-B6-Mangels und die Behandlung des Defizits eine sinnvolle präventive Maßnahme bei dieser Bevölkerungsgruppe ist.

Referenz:
Sandra P. Arévalo, Tammy M. Scott et al.: Vitamin B-6 and depressive symptomatology, over time, in older Latino adults; Nutritional Neuroscience; Pages 1-12 | Published online: 16 Jan 2018

Depressionsrisiko 320

US-Wissenschaftler untersuchten mit Hilfe von NHANES-Daten (2011 – 2012) einen möglichen Zusammenhang zwischen der Folsäurekonzentration und depressiven Symptomen bei nicht schwangeren Frauen im gebärfähigen Alter.16,7 Prozent der Frauen berichteten über moderate bis zu schweren Depressionen. Die Folsäurekonzentrationen im Serum waren schwach mit einem erhöhten Risiko für moderate bis schwere Depressionen assoziiert.

Die Autoren der Studie empfehlen aber prospektive Studien, um diese Zusammenhänge zu belegen.

Referenz:
Nguyen B, Weiss P et al.: Association between blood folate concentrations and depression in reproductive aged U.S. women, NHANES (2011-2012); J Affect Disord. 2017 Dec 1;223:209-217. doi: 10.1016/j.jad.2017.07.019. Epub 2017 Jul 17.

Psyche 320

Wissenschaftler aus Spanien untersuchten den Zusammenhang zwischen der Mikronährstoffaufnahme und dem Risiko für Depressionen bei Teilnehmern der SUN Cohort Studie. Bei dieser Studie handelt es sich um eine Cohorte von spanischen Universitätsabgängern, deren Nährstoffaufnahme ermittelt und nach 10 Jahren erneut abgefragt wurde.
Es wurde überprüft, in wieweit die Aufnahme von Vitamin B1, B2, B3, B6, B12, C, A, D, E, Folsäure, Zink, Jod, Selen, Eisen, Kalzium, Kalium, Phosphor, Magnesium und Chrom ausreichend war.

Bei den 13.983 Studienteilnehmern war eine unzureichende Aufnahme von mehr als vier Nährstoffen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Depressionen verbunden.

Referenz:
Sánchez-Villegas A, Pérez-Cornago A et al.: Micronutrient intake adequacy and depression risk in the SUN cohort study; Eur J Nutr. 2017 Sep 4. doi: 10.1007/s00394-017-1514-z

Wissenschaftler aus den USA, den Niederlanden und Schweden untersuchten den Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und dem Schweregrad von Depressionen und Angstsymptomen bei Patienten mit Majordepression.

Die Studienpopulation umfasste 69 körperlich gesunde Personen mit Majordepression, die noch nicht medikamentös behandelt wurden. Die psychische Symptomatik wurde mittels Fragebögen ermittelt, außerdem wurden F2-Isoprostane, oxidatiertes Glutathion und reduziertes Glutathion bestimmt. Die Auswertung der Daten zeigte, dass oxidativer Stress näher mit Angstsymptomen als mit depressiven Symptomen bei Majordepression assoziiert war.

Referenz:
Lisa R. Steenkamp, Christina M. Hough et al.: Severity of Anxiety– but not Depression– is Associated with Oxidative Stress in Major Depressive Disorder; Journal of Affective Disorders, Available online 6 May 2017

51 Patienten, die wegen einer Major Depression stationär behandelt wurden, erhielten zusätzlich zur Therapie mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern Vitamin B1 oder ein Placebopräparat. Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserte die adjuvante Thiamintherapie die Symptome der Depression nach sechs Wochen Behandlungszeit. Das Ergebnis der Studie lässt den Schluss zu, dass eine adjuvante Therapie mit Vitamin B1 zu einer schnelleren Besserung der Krankheitssymptome führte.

Referenz:
Ghaleiha A, Davari H et al.: Adjuvant thiamine improved standard treatment in patients with major depressive disorder: results from a randomized, double-blind, and placebo-controlled clinical trial; Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2016 Dec;266(8):695-702

Brasilianische Wissenschaftler publizierten in der Fachzeitung Medical Hypotheses interessante und plausible Gedanken zur Pathophysiologie der Winterdepression. Die Winterdepression tritt bekanntlich in den Herbst- und Wintermonaten auf und verschwindet wieder im Frühjahr. Man kann durchaus davon ausgehen, dass eine exzessive Melatoninproduktion durch die verkürzte Tageslänge eine Rolle spielt. Melatonin wird aus Tryptophan in der Epiphyse gebildet, die außerhalb der Blut-Hirn-Schranke liegt. Eine Überproduktion von Melatonin dürfte dann auch zu einem vermehrten Verbrauch von Tryptophan führen, wodurch es zu einem Abfall der Tryptophankonzentration im Blut kommt. Daraus resultiert eine Beeinträchtigung der Tryptophanaufnahme über die Blut-Hirn-Schranke, so dass die Serotoninproduktion im Gehirn abnimmt. Insgesamt steht also weniger Tryptophan für die Serotoninsynthese zur Verfügung.

Melatonin beeinflusst die TRH-Expression in der Hypophyse, woraus sich dann ein zentraler Hypothyreoidismus entwickeln kann, der wiederum eine Depression nach sich zieht.

Die vermehrte Schläfrigkeit bei der Winterdepression kann auf stark erhöhte Melatoninkonzentrationen zurückgeführt werden, aber auch der zentrale Hyperthyreoidismus  verstärkt das Schlafbedürfnis. Die Autoren der Studie empfehlen Studien zur Prüfung, inwieweit eine vermehrte Tryptophanzufuhr während der Herbst- und Wintermonate die Winterdepression beeinflusst. Möglicherweise könnte auch die Verabreichung von Trijodthyronin bei Patienten mit Winterdepression das hohe Schlafbedürfnis vermindern.

Referenz:
José Carlos Pereira Jr., Márcia Pradella Hallinan, Rosana Cardoso Alves: Secondary to excessive melatonin synthesis, the consumption of tryptophan from outside the blood-brain barrier and melatonin over-signaling in the pars tuberalis may be central to the pathophysiology of winter depression; Medical Hypotheses; January 2017 Volume 98, Pages 69–75

Forscher aus Japan untersuchten bei 1.745 schwangeren Frauen den Einfluss der Aufnahme verschiedener Spurenelemente auf die Entstehung depressiver Symptome. Entsprechende Informationen wurden während der fünften und 39. Schwangerschaftswoche ermittelt. Die Auswertung der Studie zeigte, dass eine höhere Manganaufnahme die Prävalenz für depressive Symptome während der Schwangerschaft verminderte.

Referenz:
Miyake Y, Tanaka K et al.: Manganese intake is inversely associated with depressive symptoms during pregnancy in Japan: Baseline data from the Kyushu Okinawa Maternal and Child Health Study; Journal of affective Disorders; March 15, 2017Volume 211, Pages 124–129

Depressionen und MikronährstoffeMikronährstoffe sind wichtig für die psychische Befindlichkeit

Rund 20 Prozent der Patienten einer hausärztlichen Praxis leiden unter depressiven Störungen. Depressionen sind inzwischen so häufig, dass man sogar von einer Volkskrankheit sprechen kann. Laut WHO dürften Depressionen bis zum Jahr 2020 die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sein. Die Erkrankungen des depressiven Formenkreises sind primär durch Störungen der Stimmung und des Antriebs charakterisiert. Häufig steht aber die psychische Symptomatik gar nicht im Vordergrund, vielmehr zeigen sich körperliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Gewichtsveränderungen, Schlafstörungen, Schmerzempfindungen am ganzen Körper u.a.

Wie bei anderen Zivilisationskrankheiten dürften für die Entstehung einer Depression auch verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Es kommt zu neurobiologischen Veränderungen, wie zu einer erhöhten Aktivität von CRH und Glukokortikoiden im ZNS, zu einer verstärkten Atrophie des Hypocampus sowie der frontalen Hirnrinde, zu einer Verminderung der noradrenergen und serotonerge Neurotransmission und zu einer Verminderung der Neubildung von Nervenzellen im Hippocampusbereich etc.

Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, weitere auslösende Faktoren sind ein langanhaltender psychosozialer Stress, hormonelle Veränderungen, manchmal auch jahreszeitliche Veränderungen, wie bei der so genannten Winterdepression. Chronische Infektionen können Depressionen auslösen, ebenso die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antibiotika, Betablocker und Antiepileptika. Bei depressiven Patienten werden oftmals auch messbare biochemische Veränderungen beobachtet, z.B. eine erhöhte Entzündungsaktivität, eine verminderte antioxidative Kapazität, ein vermehrter oxidativer Stress, eine erhöhte Kortisolkonzentrationen und einiges mehr. Daraus ergibt sich auch, dass Stoffwechselveränderungen bei Depressionen in gewissem Umfang auch durch eine geeignete Ernährung beeinflussbar sind, z.B. durch eine vermehrte Zufuhr antioxidativer und antientzündlicher Pflanzeninhaltsstoffe. Eine große Bedeutung hat die Versorgung mit Mikronährstoffen, da diese einen direkten Einfluss auf die pathobiochemischen und pathophysiologischen Veränderungen bei Depressionen haben. Mikronährstoffe modulieren z.B. den Neurotransmittermetabolismus, verbessern die antioxidative Kapazität, vermindern die Entzündungsaktivität, steigern die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren, verbessern den Energiestoffwechsel der Nervenzellen uvm.

Bei depressiven Patienten sind häufig Mikronährstoffdefizite nachweisbar. Die Bedeutung der Mikronährstoffe in Bezug auf Depressionen wird im Folgenden dargestellt:

 

Aminosäuren

Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die meist in Form von N-Acetylcystein supplementiert wird aufgrund der höheren chemischen Stabilität dieser Verbindung. NAC ist eine wichtige Ausgangssubstanz für die Glutathionsynthese. Es ist bekannt, dass viele psychiatrische Erkrankungen, u.a. Depressionen, mit oxidativem Stress und erhöhter Entzündungsaktivität einhergehen, so dass dem Glutathion eine besondere Bedeutung zukommt. Im April 2016 wurde eine Metaanalyse zum Stellenwert von N-Acetylcystein bei depressiven Symptomen publiziert. Nach Auswertung der Daten von fünf Studien kamen die Autoren des Fachartikels zu dem Schluss, dass die Verabreichung von N-Acetylcystein depressive Symptome und die Funktionalität verbessert und eine gute Verträglichkeit hat.

Tryptophan
ist die Aminosäure, die generell in Nahrungsmitteln am wenigsten vorkommt. Aus Tryptophan entstehen die Neurotransmitter Serotonin und das Epiphysenhormon Melatonin. Im Bedarfsfall wird Tryptophan auch für die Bildung von NAD(H) und NADP(H) verwendet. Das serotonerge System ist das weitreichendste Transmittersystem des Gehirns. Serotonin entfaltet über verschiedene Serotoninrezeptoren ganz unterschiedliche Effekte. Es beeinflusst die Stimmungslage, was man schon daran erkennen kann, dass eine reduzierte Tryptophanaufnahme über die Nahrung zu Stimmungstiefs führen kann. In klinischen Untersuchungen an psychiatrischen Patienten wurden häufig Veränderungen des serotonergen Systems beobachtet.

Im Rahmen einer Metaanalyse japanischer Wissenschaftler, publiziert im September 2014, wurde untersucht, inwieweit die Tryptophankonzentration im Plasma mit dem Auftreten einer depressiven Episode korrelierte. Die Auswertung der Daten zeigte, dass bei depressiven Episoden typischerweise verminderte Tryptophankonzentrationen im Plasma vorlagen, besonders bei unbehandelten Patienten. Tryptophan und Serotonin spielen zweifellos eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Depressionen. Es besteht aber kein Automatismus dahin gehend, dass bei allen depressiven Patienten ein Tryptophan- oder Serotoninmangel nachweisbar sein müsste.

Tyrosin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung der Katecholamine Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Auch das noradrenerge System kann an der Entstehung von Depressionen beteiligt sein. Der Einfluss einer Tyrosinsupplementierung auf die Stimmungslage ist aber wesentlich weniger gut nachgewiesen als bei Tryptophan. Gut belegt ist, dass Tyrosin in Stresssituationen die Hirnleistungsfähigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern kann. Eine Tyrosinsupplementierung dürfte hauptsächlich bei Stressdepressionen in Frage kommen oder bei Erschöpfungszuständen, die mit depressiven Symptomen vergesellschaftet sind.

 

Vitamine

Vitamin B1 ist für die Energieversorgung der Nervenzellen von zentraler Bedeutung, da diese ihren Energiebedarf ganz überwiegend durch den Abbau von Kohlenhydraten decken. Vitamin B1 ist auch an der Neurotransmission und am Stoffwechsel verschiedener Neurotransmitter beteiligt. Mehrfach wurde nachgewiesen, dass eine Vitamin-B1-Supplementierung zu einer Besserung der psychischen Befindlichkeit führte, selbst wenn noch kein Vitamin-B1-Mangel bestand.
Vitamin B1 konnte auch Depressionen in Zusammenhang mit dem prämenstruellen Syndrom vermindern.

Im März 2016 wurde publiziert, dass bei jüngeren Patienten mit Mayor Depression eine schnelle Besserung der Symptomatik bei einer Kombination SSRI / Vitamin B1 eintrat im Vergleich zu einer ausschließlichen SSRI-Behandlung.

Vitamin B2 ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Flavoenzymen, die wiederum für den Stoffwechsel der Folsäure und für das Glutathionrecycling benötigt werden. Glutathion spielt eine zentrale Rolle für den antioxidativen Schutz des Gehirns. Depressionen sind meist mit oxidativem Stress und einer verminderten antioxidativen Kapazität assoziiert. Durch die Einnahme von trizyklischen Antidepressiva kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Vitamin B2 und auch zu einer Beeinträchtigung der Umwandlung des Vitamins in seine coenzymatisch-aktive Form.

Vitamin B6 ist eines der wichtigsten Vitamine im Neurotransmittermetabolismus und ist für die Bildung von Serotonin, Noradrenalin, Glutamat und GABA erforderlich. 2013 wurde eine Untersuchung aus Japan publiziert, in der bei städtischen Angestellten ein vermindertes Risiko für depressive Symptome bei einem hohen Vitamin-B6-Status nachgewiesen wurde.

Der Beweis ist aber bisher nicht verbindlich erbracht worden, dass eine Vitamin-B6-Therapie einen erheblichen Einfluss auf Depressionen hätte. Gut belegt ist aber ein positiver Effekt von Vitamin B6 auf depressive Verstimmungszustände im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms.

Depressive Patienten haben häufig einen Folsäuremangel, wodurch die Verfügbarkeit von Serotonin im ZNS abnimmt. Folsäure ist auch das wichtigste Vitamin für die Senkung von Homocystein. Erhöhte Homocysteinkonzentrationen sind neurotoxisch und häufig mit depressiven Symptomen assoziiert. Eine kausale Rolle von Homocystein auf die Depressionsentstehung ist aber nicht belegt.

Von großer praktischer Bedeutung ist, dass ein Folsäuremangel die Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern beeinträchtigen kann, weshalb grundsätzlich bei einer Therapie mit diesen Wirkstoffen Folsäure supplementiert werden sollte.

Ein Vitamin-B12-Mangel bei depressiven Patienten ist relativ häufig. Bei älteren Menschen besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Vitamin-B12-Konzentration und dem Risiko für Depressionen. Gerade bei älteren Menschen ist eine unzureichende Vitamin-B12-Versorgung aufgrund einer Beeinträchtigung der Vitamin-B12-Resorption sowie der Einnahme häufig verwendeter Medikamente wie Protonenpumpenhemmer und Metformin recht häufig. Es konnte auch nachgewiesen werden, dass bei Senioren ein Vitamin-B12-Mangel hirnatrophische Prozesse beschleunigt.

Zur Prävention von Depressionen sollte auch auf eine gute Vitamin-C-Versorgung geachtet werden. Psychiatrische Erkrankungen, auch Depressionen, sind sehr häufig mit oxidativem Stress assoziiert, so dass ein Mehrbedarf an antioxidativen Mikronährstoffen besteht.

Vitamin C ist für die Biosynthese verschiedener Neurotransmitter notwendig und auch für die Bildung von Neuropeptiden und Glukokortikoiden. Schon aus diesem Grund spielt Vitamin C für die Stressbewältigung und Stimmung eine bedeutende Rolle. Eine gute Vitamin-C-Versorgung kann Stressfolgen zumindest abschwächen.

Auch eine Supplementierung von Vitamin B3 könnte bei depressiven Patienten in Frage kommen. Vitamin B3 kann in einem gewissen Umfang aus Tryptophan gebildet werden, aber nur bei Aktivierung des Enzyms IDO. Antidepressiva können diese Enzymaktivierung vermindern, so dass möglicherweise bei schlechten Ernährungsgewohnheiten ein Niacinmangel entstehen kann.

Zahlreiche Publikationen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch dem Vitamin D eine wichtige Bedeutung für die psychische Befindlichkeit zufällt. Studien in verschiedenen Ländern konnten nachweisen, dass ein Vitamin-D-Mangel oder ein suboptimaler Vitamin-D-Status das Auftreten von Depressionen begünstigte. In den Hirnregionen, die an der Stimmungsregulierung beteiligt sind, sind auch Vitamin-D-Rezeptoren nachgewiesen worden. Vitamin D steigerte die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn, verbesserte die Glutathionsynthese und erhöhte die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren.

 

Mineralstoffe und Spurenelemente

Magnesium gilt als der Antistress-Mikronährstoff und ist sowohl für die neuromuskuläre wie auch für die zentralnervöse Erregbarkeit wichtig. In verschiedenen Studien war eine niedrige Magnesiumaufnahme mit Depressionen assoziiert. Im März 2015 publizierten Wissenschaftler der Universität von Vermont, dass eine niedrige Magnesiumaufnahme, besonders bei jungen Erwachsenen, mit Depressionen verbunden war.

Zink ist ein Spurenelement mit einer Vielzahl von Funktionen im Stoffwechsel. Zink wird für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme benötigt (Glutamat, GABA, Glycin und Dopamin), was schon nahelegt, dass Zink auch für die Stimmung und für die psychische Befindlichkeit eine Rolle spielt. Eine Metaanalyse kanadischer Wissenschaftler, die Ende 2013 publiziert wurde, hat ergeben, dass Depressionen mit verminderten Zinkkonzentrationen assoziiert waren. Die Metaanalyse beruhte auf Zinkbestimmungen von 1.643 depressiven Patienten und 824 Kontrollpersonen. Zink ist, ähnlich wie Magnesium, ein direkter Antagonist an NMDA-Rezeptoren, was seine antidepressive Wirkung wohl zum Teil erklären kann. Die NMDA-Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle für Lernvorgänge und für die Gedächtnisbildung. Auch die Bildung von BDNF, einem wichtigen Wachstumsfaktor der Nervenzellen, ist zinkabhängig.

Kupfer ist für die Myelinsynthese sowie für die Biosynthese der Katecholamine erforderlich, außerdem für den Neurotransmitterabbau. Ein ausgeprägter Kupfermangel kann daher zu Depressionen führen. Depressive Patienten haben aber häufig erhöhte Kupferkonzentrationen im Rahmen einer erhöhten Entzündungsaktivität.

Eisen ist nicht nur wichtig für den Sauerstofftransport und für die Sauerstoffspeicherung, sondern hat darüber hinaus zahlreiche andere Funktionen im Stoffwechsel. Das Gehirn benötigt Eisen für die Bildung von Serotonin und Dopamin, für die Funktionsfähigkeit von Synapsen, für die Ausbildung von Dendriten sowie für die Myelinsynthese und für den Energiestoffwechsel. Meist gilt die Feststellung einer Eisenmangelanämie als beweisend für einen Eisenmangel, was aber für die Beurteilung der Eisenversorgung keinesfalls ausreichend ist. Auch wenn keine Eisenmangelanämie vorliegt, kann dennoch der Eisenbedarf erhöht sein, insbesondere dann, wenn grenzwertige oder niedrig normale Ferritinkonzentrationen festgestellt werden. Für die mitochondriale ATP-Synthese sind mehrere eisenhaltige Enzymkomplexe erforderlich, so dass eine unzureichende Eisenversorgung zu einer Einschränkung der Energiebildung der Zelle führen kann, die sich dann z.B. in Form von Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Depressionsneigung bemerkbar macht. Aber auch bei hohen Ferritinkonzentrationen ist eine sorgfältige Abwägung des Eisenstatus notwendig. Menschen mit Übergewicht haben häufig erhöhte Ferritinkonzentrationen bei gleichzeitig verminderter Eisenaufnahme über den Darm und den typischen Symptomen eines Eisenmangels. Dieses Phänomen wird Dysmetabolic Iron Overload Syndrome (DIOS) genannt und bietet auch eine Erklärung dafür, dass gerade bei übergewichtigen Menschen eine orale Eisentherapie oftmals wenig erfolgversprechend ist, und in diesen Fällen Eiseninfusionen besser wirken.

 

Sonstige Mikronährstoffe

Auch verschiedene andere Mikronährstoffe können bei der Behandlung der Depressionen in Frage kommen, z.B. Omega-3-Fettsäuren, S-Adenosylmethionin, Acetyl-L-Carnitin und Coenzym Q10. 2014 publizierten Wissenschaftler aus Korea einen Übersichtsartikel über die Bedeutung von Acetyl-L-Carnitin bei der Behandlung von Depressionen und konnten nach Auswertung von vier randomisierten klinischen Studien eine Überlegenheit von Acetyl-L-Carnitin gegenüber einem Placebopräparat feststellen. Bei Patienten mit Depressionen kann auch eine mitochondriale Dysfunktion vorliegen, weshalb mitochondriale Mikronährstoffe wie Coenzym Q10 einen gewissen Stellenwert haben. Coenzym Q10 ist bekanntlich an der Elektronenübertragung in der Atmungskette der Mitochondrien beteiligt.

Anmerkung:
Bei depressiven Patienten können sehr unterschiedliche Mikronährstoffdefizite vorliegen. Es ist nicht sinnvoll und zielführend, einfach Mikronährstoffe zu verabreichen, von denen eine Wirkung auf das Nervensystem bekannt ist. Aus diesem Grund sollte zunächst eine Mikronährstoffanalyse erfolgen, bevor eine Mikronährstofftherapie eingeleitet wird.

 

Referenzen:

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  • Prof. Dr. Uwe Till: Die B-Vitamine Folsäure, B6 und B12 in der Prävention; 2. Auflage - Bremen: UNI-MED, 2013
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Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

Veröffentlichung: AKOM, 3/ 2016

AKOM Depressionen 150
PDF: Depressionen und Mikronährstoffe

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