Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern untersuchten den Einfluss einer Supplementierung von Vitamin B2 auf die Darmflora. Die Zusammensetzung der Darmflora wurde durch Vitamin B2 nicht verändert; es zeigte sich aber eine Zunahme der Butyrat-Konzentration. Butyrat (Buttersäure) ist eine wichtige Energiequelle der Darmzellen und von großer Bedeutung für eine stabile Darmbarriere.

Referenz:
Lei Liu, Mehdi Sadaghian Sadabad et al.: Riboflavin supplementation promotes butyrate production in the absence of gross compositional changes in the gut microbiota; Antioxid Redox Signal. 2022 Aug 9

Es ist bekannt, dass eine starke körperliche Belastung die Darmbarriere schädigen kann. Japanische Wissenschaftler untersuchten in einer Studie, inwieweit eine Supplementierung von Cystin und Glutamin eine Schädigung der Darmbarriere nach einem anstrengenden Dauerlauf verhindern kann. An der Studie nahmen 16 sportlich aktive jüngere Männer teil. Durch die Supplementierung der erwähnten Aminosäuren kam es zu einer Verminderung der Marker der gastrointestinalen Permeabilität. Die Aminosäuren Cystin und Glutamin haben also einen gewissen Schutzeffekt auf die Darmbarriere nach körperlichem Stress.

Referenz:
Yusei Tataka, Miki Haramura: Effects of oral cystine and glutamine on exercise-induced changes in gastrointestinal permeability and damage markers in young men; Eur J Nutr . 2022 Feb 1.

Bei der Behandlung des Reizdarmsyndrom wird häufig eine sogenannte FODMAP-Diät durchgeführt. Fodmaps sind bestimmte Zucker und Alkoholverbindungen, die in Lebensmitteln enthalten sind und bei empfindlichen Menschen Darmbeschwerden hervorrufen können. Wissenschaftler aus dem Iran untersuchten in einer Studie einen möglichen Zusatznutzen einer Glutamin-Supplementierung während einer FODMAP-Diät. Durch die Einnahme von 15 g Glutamin täglich wurden die Reizdarmbeschwerden deutlich stärker gebessert als durch die Einnahme eines Placebopräparates. Eine Glutamin-Supplementierung verbesserte also deutlich den diätetischen Erfolg bei Reizdarmpatienten.

Referenz:
Samira Rastgoo , Nasser Ebrahimi-Daryani et al.: Glutamine Supplementation Enhances the Effects of a Low FODMAP Diet in Irritable Bowel Syndrome Management; Front Nutr. 2021 Dec 16;8:746703.

Wissenschaftler aus China publizierten eine Metaanalyse zum Effekt einer Glutamin-Supplementierung auf die Immunfunktionen und mögliche postoperative Komplikationen bei Patienten mit Darmkrebs. In die Auswertung wurden 31 Studien mit 2.201 Patienten einbezogen. Die Auswertung der Daten ergab, dass Glutamin signifikant humorale Immunfunktionen verbesserte, ebenso wie Indikatoren der T-Zellfunktion. Durch eine Supplementierung von Glutamin kam es auch weniger häufig zu Wundinfektionen und Leckagen der Anastomosen. Außerdem verminderte sich die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus.

Referenz:
Tao Yang, Xuhong Yan et al.: Meta-analysis of Glutamine on Immune Function and Post-Operative Complications of Patients With Colorectal Cancer; Front Nutr. 2021 Dec 6;8:765809.

Bekanntlich spielt Zink für die Homöostase des Darms eine wichtige Rolle. Forscher aus dem Iran untersuchten bei 61 Patienten mit Reizdarmsyndrom und bei 61 gesunden Kontrollpersonen unter anderem die Zinkspiegel sowie die Konzentration von Zonulin. Zonulin ist ein Markerprotein für eine erhöhte Darmdurchlässigkeit. Die Zinkspiegel waren bei den Reizdarmpatienten niedriger als bei den gesunden Kontrollpersonen. Die Zinkspiegel korrelierten bei den Reizdarmpatienten negativ mit den Serumkonzentrationen von Zonulin. Je niedriger die Zinkspiegel waren, umso höher war die Wahrscheinlichkeit für ein Reizdarmsyndrom. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass Zink wohl in der Pathogenese des Reizdarmsyndroms eine Rolle spielt.

Referenz:
Mahsa Rezazadegan, Maryam Soheilipour et al.: Correlation Between Zinc Nutritional Status with Serum Zonulin and Gastrointestinal Symptoms in Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome: A Case–Control Study; Digestive Diseases and Sciences (2022), Published: 06 January 2022

Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern haben die Rolle von Hämeisen bei der Krebsentstehung untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass Eisen in Konzentrationen, wie sie im menschlichen Darm bei fleischhaltiger Ernährung üblich sind, die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies fördert und Schäden an der DNA verursacht. Diese Effekte waren bei anorganischen Eisenverbindungen nur gering ausgeprägt.
Ausschließlich Hämeisen, aber nicht das anorganische Eisen, führte zum Absterben der normalen Darmzellen in Zellkulturen. Die Aufnahme von Hämeisen induzierte die Bildung von Hämoxygenase, das im Eisenstoffwechsel für den Abbau von Hämeisen zu anorganischen Eisen benötigt wird. Die Schutzfunktion des Enzyms reicht aber bei einer hohen Hämeisenzufuhr nicht aus. Hämeisen begünstigt das Wachstum von Tumorzellen im Darm und somit die Entstehung von Darmkrebs.

Referenz:
scienexx.de, 11.11.2020: Wie rotes Fleisch das Darmkrebsrisiko erhöht

In einem Fachartikel gingen britische Wissenschaftler der Frage nach, inwieweit eine orale Eisentherapie bei Patienten mit kolorektalem Karzinom sinnvoll ist. Veränderungen der Bakterienflora können zu der Entstehung und Progression des kolorektalen Karzinoms beitragen. Hierbei kommt es zu einem Überwiegen pathogener Bakterienstämme auf Kosten protektiver Bakterien. Die meisten pathogenen Bakterienstämme können in hohem Umfang Eisen aufnehmen und haben hierbei einen Wettbewerbsvorteil gegenüber protektiven Bakterienstämmen. Bei einer oralen Eisentherapie besteht also die Möglichkeit, dass ein prokarzinogenes Mikrobiom entsteht. Eine orale Eisentherapie ist die übliche Behandlungsform für eine Anämie bei Patienten mit kolorektalem Karzinom und kann zu erhöhten Eisenkonzentrationen im Darm führen. Aus diesem Grund sollte der Weg der Eisentherapie bei diesen Patienten neu bewertet werden.

Referenz:
Oliver Phipps, Hafid O. Al-Hassi et al.: Influence of Iron on the Gut Microbiota inColorectal Cancer; N utrients2020,12, 2512; doi:10.3390/nu12092512

Bei 20 Erwachsenen mit einer 25(OH)D-Konzentration kleiner als 30 Nanogramm/Milliliter wurde der Effekt von verschiedenen Dosen Vitamin D3 auf die Darmflora untersucht. Die Studienteilnehmer erhielten entweder 600 oder 4000 oder 10.000 IU pro Tag. Nach der Intervention wurde ein dosisabhängiger Anstieg des Auftretens von Bacteroides festgestellt. Eine Erhöhung der Serumkonzentration von 25(OH)D war mit einem vermehrten Auftreten günstiger Bakterienstämme und einem verminderten Auftreten pathogener Bakterienstämme assoziiert.

Referens:
Charoenngam N, Shirvani A et al.: The Effect of Various Doses of Oral Vitamin D3 Supplementation on Gut Microbiota in Healthy Adults: A Randomized, Double-blinded, Dose-response Study; Anticancer Res. 2020 Jan;40(1):551-556. doi: 10.21873/anticanres.13984.

In einer Studie wurde untersucht, wie sich eine orale Eisentherapie oder eine intravenöse Eisentherapie auf die Krankenhausaufenthalte bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auswirkte. Die Patienten, die eine intravenöse Eisentherapie erhielten, wurden weniger häufig ins Krankenhaus eingewiesen und verursachten insgesamt geringere Gesundheitskosten als die Patienten mit oraler Eisentherapie.

Referenz:
Jürgen Stein, Jennifer Scarlet Haas et al.: Oral versus intravenous iron therapy in patients with inflammatory bowel disease and iron deficiency with and without anemia in Germany – a real-world evidence analysis; Clinicoecon Outcomes Res. 2018; 10: 93–103.

Wissenschaftler aus Italien untersuchten bei Patienten auf der Intensivstation, die unter Magen-Darm-Störungen oder gar gastrointestinalem Versagen litten, die Plasmaspiegel von Citrullin, Glutamin und Arginin. Sowohl eine gastrointenstinale Dysfunktion sowie ein gastrointenstinales Versagen waren mit niedrigen Spiegeln von Citrullin und Glutamin verbunden. Je ausgeprägter das gastrointestinale Versagen war, umso niedriger waren die Citrullinkonzentrationen.

Referenz:
Fagoni N, Piva S et al.: The IN-PANCIA Study: Clinical Evaluation of Gastrointestinal Dysfunction and Failure, Multiple Organ Failure, and Levels of Citrulline in Critically Ill Patients; J Intensive Care Med. 2017 Jan 1:885066617742594