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Bluthochdruck 320

Die arterielle Hypertonie ist die häufigste internistische Erkrankung, von der ca. 30 Prozent der Erwachsenen betroffen sind. Bei älteren Menschen ist die Prävalenz noch höher. Die Häufigkeit des Bluthochdrucks ist auch abhängig vom Körpergewicht, dem sozioökonomischen Status und dem Geschlecht. Männer haben häufiger als Frauen einen zu hohen Blutdruck.

Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie liegt eine Hypertonie vor, wenn die systolischen Blutdruckwerte 140 mm Hg und oder die diastolischen Blutdruckwerte 90 mm Hg übersteigen.

Über 90 Prozent der Hypertoniepatienten haben eine essenzielle oder primäre Hypertonie, d. h. für den Bluthochdruck sind nicht ursächlich andere Erkrankungen verantwortlich. Die primäre Hypertonie gilt als multifaktorielle Erkrankung. Hypertoniefördernd wirken Übergewicht, Insulinresistenz, erhöhter Alkoholkonsum, vermehrte Kochsalzaufnahme, Stressfaktoren, Rauchen, zunehmendes Alter, Bewegungsmangel, niedriger sozioökonomischer Status sowie eine erniedrigte Kalium- und Calciumaufnahme.

Etwa zehn Prozent aller Hypertoniepatienten leiden an einer sekundären Hypertonie. Diese entsteht auf dem Boden einer Primärerkrankung. Die häufigsten Primärerkrankungen sind Störungen des Hormonsystems, zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion und Cushing-Syndrom, Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Herzklappen, starke Schmerzen etc. Nicht selten führt auch die Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Schmerzmittel oder Steroide, zu einem erhöhten Blutdruck.

Viele Hypertoniepatienten wissen gar nichts von ihrer Erkrankung; Beschwerden können längere Zeit nicht auftreten. Die arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, zum Beispiel KHK und Herzinsuffizienz, einschließlich von Schlaganfällen.



Bei der Behandlung der arteriellen Hypertonie muss es zunächst darum gehen, ungünstige Lebensstilfaktoren zu verändern. Dazu gehören Gewichtsnormalisierung, salzarme Diät, vermehrte Bewegung, Einstellung des Rauchens, Reduzierung des Kaffee- und Alkoholkonsums und vieles mehr. Hypertoniefördernd wirkt der Western-Diet-Ernährungsstil, d. h. ein reichlicher Verzehr von Fleisch, Fleischprodukten und raffinierten Kohlenhydraten. Eine vegetarische Ernährung oder eine mediterrane Kost haben einen Schutzeffekt gegen die Entwicklung einer arteriellen Hypertonie oder können leicht blutdrucksenkend wirken.

Bei der arteriellen Hypertonie sind verschiedene pathophysiologische Faktoren nachweisbar, die entweder für die Entstehung oder für die Aufrechterhaltung der Erkrankung eine wesentliche Rolle spielen. Dazu gehören oxidativer Stress, entzündliche Gefäßveränderungen, endotheliale Dysfunktion, Dysregulation des Sympathikus und des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems. Mikronährstoffe haben eine zentrale Bedeutung für die Begrenzung des oxidativen Stress und für die Aufrechterhaltung einer normalen Endothelfunktion. Mikronährstoffe haben oftmals auch einen günstigen Effekt bei einer überhöhten Sympathikusaktivität und beeinflussen auch das RAAS-System.

 

Aminosäuren

Arginin ist die Ausgangssubstanz für das Signalgas Stickstoffmonoxid (NO), das für die Endothelfunktion und für die Regulierung des Blutdrucks eine wichtige Rolle spielt. Bei Personen mit einer genetischen Prädisposition für Bluthochdruck wurden zum Beispiel reduzierte NO-Spiegel nachgewiesen.

Citrullin ist eine biochemische Vorstufe von Arginin. Eine Citrullin-Supplementierung vermag die Argininspiegel im Plasma effektiv zu erhöhen. Wissenschaftler aus Dänemark und der Universität Magdeburg publizierten 2019 einen Übersichtsartikel über die Wirkungen einer oralen Arginin- und Citrullin-Supplementierung auf den Blutdruck. Sowohl Arginin wie auch Citrullin können effektiv den Arginin-Plasmaspiegel erhöhen. Hierbei ist Citrullin ungefähr doppelt so wirksam wie Arginin.
Der blutdrucksenkende Effekt von Arginin und Citrullin liegt in der Größenordnung, wie sie auch durch Ernährungsumstellung und vermehrte Bewegung erreicht werden.

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit sehr vielfältigen Eigenschaften. Dazu zählt auch ein blutdrucksenkender Effekt. Wissenschaftler aus Großbritannien publizierten 2018 eine Metaanalyse über den Effekt einer oralen Taurin-Supplementierung auf den Blutdruck. Die Auswertung von sieben Studien ergab, dass Taurin ohne Nebenwirkungen sowohl den systolischen wie auch den diastolischen Blutdruck um durchschnittlich 3 mm Hg reduzieren konnte. Brasilianische Wissenschaftler haben 2020 publiziert, dass Taurin durch Steigerung der Bildung von Schwefelwasserstoff NO-Effekte verstärken kann. Daraus resultiert eine Verbesserung der Endothelfunktion.

Insgesamt kann man davon ausgehen, dass pflanzliche Proteine für die Blutdruckregulierung vorteilhafter sind als tierische Proteine.

Bei mentalem Stress, der bekanntlich zur Blutdruckerhöhung beiträgt, kann eine Supplementierung von Tryptophan oder Glycin günstig sein. 2019 wurde ein Übersichtsartikel zur Bedeutung von Glutamin bei kardiovaskulären Erkrankungen publiziert. Darin wird betont, dass Glutamin auch für die Endothelfunktion eine bedeutende Rolle spielt, und eine Glutamin-Supplementierung auch bei der arteriellen Hypertonie von Nutzen sein kann.

 

Vitamine

Es gibt Hinweise, dass AGEs (advanced glycation endproducts) die Elastizität der Blutgefäße beeinträchtigen können. Aus diesem Grund ist eine Limitierung der AGEs-Bildung eine wichtige Maßnahme zur Prävention der arteriellen Hypertonie.
Forscher aus Australien konnten nachweisen, dass bei Personen mit einer Hyperglykämie im frühen Stadium eine hochdosierte Vitamin-B1-Supplementierung einen günstigen Effekt auf den Blutdruck hatte.

Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und neuropsychiatrische Störungen. Die Homocysteinkonzentration wird vom Organismus mithilfe der Vitamine B6, B12 und Folsäure begrenzt. Erhöhte Homocysteinkonzentrationen sollten Anlass geben, die Konzentrationen der Vitamine B6, B12 und Folsäure zu überprüfen. Erhöhte Homocysteinkonzentrationen beeinflussen nachteilig die Endothelfunktion. In mehreren Studien zeigten sich Zusammenhänge zwischen der Homocysteinkonzentration und einer arteriellen Hypertonie. Es gibt aber derzeit keine verbindliche Erkenntnis darüber, dass erhöhte Homocysteinkonzentrationen Bluthochdruck auslösen oder eine arterielle Hypertonie zu erhöhten Homocysteinkonzentrationen führt.

Japanische Wissenschaftler haben 2008 publiziert, dass mentaler Stress bei jungen Männern sowohl die Homocysteinspiegel wie auch den Blutdruck erhöhte. Bei Kindern führte eine Supplementierung von Folsäure sowohl zu einer Homocysteinsenkung wie auch zu einer Blutdrucksenkung. Eine Metaanalyse chinesischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2017 zeigte, dass eine Zugabe von Folsäure zu blutdrucksenkenden Medikamenten deren Wirksamkeit deutlich verbesserte. Griechische Wissenschaftler konnten in einer Studie bei Kindern nachweisen, dass eine Folsäure-Supplementierung sowohl die Homocysteinkonzentration wie auch den Blutdruck senkte.

Bei jüngeren Menschen hat Folsäure meist den größten Einfluss auf die Homocysteinsenkung, während dies bei älteren Menschen Vitamin B12 ist.

Oxidativer Stress ist ein bedeutender Faktor für eine Schädigung des Gefäßendothels. Oxidativer Stress ist auch mit einer erhöhten Entzündungsaktivität assoziiert.

2020 publizierten chinesische Wissenschaftler einen Übersichtsartikel und eine Metaanalyse über den Zusammenhang zwischen den Vitamin-C-Konzentrationen im Serum und dem Blutdruck. Personen mit Bluthochdruck haben relativ niedrige Vitamin-C-Konzentrationen im Serum. Vitamin C ist invers mit dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck assoziiert. In einer weiteren Metaanalyse wurde der Effekt einer Vitamin-C-Supplementierung auf die essenzielle Hypertonie bewertet. Das Ergebnis war, dass eine Vitamin-C-Supplementierung zu einer signifikanten Verminderung des Blutdrucks bei Patienten mit essenzieller Hypertonie führte.

Vitamin E ist ein wichtiges lipophiles Antioxidans. Forscher aus dem Iran publizierten 2019 einen systematischen Übersichtsartikel und eine Metaanalyse über den Effekt einer Vitamin-C-Supplementierung auf den Blutdruck. Die Metaanalyse kam zu dem Ergebnis, dass Vitamin-E-Supplemente nur den systolischen Blutdruck senkten.

Wissenschaftler aus China konnten nachweisen, dass bei chinesischen Erwachsenen mit Bluthochdruck ein inverser Zusammenhang zwischen der Vitamin-A-Konzentration und dem Risiko für den ersten Schlaganfall bestand.

Vitamin D: In den letzten Jahren wird zunehmend deutlich, dass Vitamin D auch für die Regulierung des Blutdrucks eine wichtige Rolle spielt. Das Risiko für eine arterielle Hypertonie ist bei einem Vitamin-D-Mangel deutlich erhöht. Vitamin D beeinflusst in der Gefäßwand den Calciumstoffwechsel der Endothelzellen und hat auch einen Einfluss auf die Aktivität und Bildung des Blutdruckhormons Renin. Bei Bluthochdruck sollte also in jedem Fall der Vitamin-D-Spiegel überprüft und gegebenenfalls eine Supplementierung vorgenommen werden.

 

Vitaminoide

Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel als Transportmolekül langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien. 2019 publizierten Wissenschaftler aus den USA und dem Iran einen systematischen Übersichtsartikel und eine Metaanalyse über den Einfluss einer Carnitin-Supplementierung auf den Blutdruck. Die Autoren des Fachartikels kamen zu dem Schluss, dass eine Carnitin-Supplementierung den diastolischen Blutdruck verminderte, ohne den systolischen Blutdruck zu beeinflussen.

Coenzym Q10 ist ein lipophiles Antioxidans und spielt eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit der Atmungskette in den Mitochondrien. Coenzym Q10 ist ein wesentlicher Mikronährstoff, der als Adjuvans bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird, unter anderem auch bei der Behandlung der arteriellen Hypertonie.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die Entstehung der Hypertonie nicht nur von der Höhe der Natriumzufuhr, sondern vor allem auch vom Natrium/Kalium-Verhältnis in der Nahrung abhängig ist. Eine hohe Kaliumzufuhr, zum Beispiel durch reichlichen Verzehr von Obst und Gemüse, schwächt die blutdrucksteigernde Wirkung von Natrium ab. Bei einer kaliumarmen Ernährung kommt es bei konstanter Kochsalzzufuhr zu einem Anstieg des Blutdrucks.

Magnesium spielt eine zentrale Rolle für die Stressabschirmung und ist auch für die Erweiterung koronarer und peripherer Gefäße erforderlich. In zahlreichen Untersuchungen konnte für Magnesium eine eindeutige blutdrucksenkende Wirkung nachgewiesen werden.

Eine Erkenntnis der Intermap-Study ist, dass es einen inversen Zusammenhang zwischen der Eisenaufnahme und der Nicht-Hämeisenaufnahme mit dem Blutdruck gibt. Eindeutig nachteilig ist aber eine hohe Aufnahme von Hämeisen, der Eisenverbindung, die in Fleisch und in der Wurst vorkommt.

Vor einer Mikronährstoff Supplementierung sollte eine geeignete Mikronährstoff-Analyse für das Herz-Kreislauf-System durchgeführt werden. Dazu empfehlen wir die Durchführung des DCMS-Herz-Kreislauf-Profils.

 

Referenzen: