In einem Fachartikel beschäftigten sich italienische Wissenschaftler mit den molekularen Grundlagen der Vitamin- D-Wirkung bei Depressionen und Angststörungen. Vitamin D besitzt antioxidative und antientzündliche, proneurogene und neuromodulatorische Eigenschaften. Proneurogen bedeutet, dass Vitamin D an der Bildung von Nervenwachstumsfaktoren beteiligt ist. Ein Vitamin-D-Mangel während der Schwangerschaft kann zum Beispiel direkt die Hirnentwicklung beim heranwachsenden Kind beeinträchtigen. Die antientzündlichen Eigenschaften von Vitamin D sind wichtig zur Begrenzung von Nervenverlusten, die bei Patienten mit chronischen Depressionen und Angststörungen nachweisbar sind. Vitamin D kann direkt die Biosynthese von Monoaminen beeinflussen, insbesondere die Bildung von Serotonin und Dopamin. Vitamin D vermag zum Beispiel den Serotoninspiegel bei Patienten mit Depressionen anzuheben, ebenso wie den Dopaminspiegel bei ADHS-Kindern. In den letzten Jahren wird zunehmend deutlich, dass auch das Mikrobiom einen erheblichen Einfluss auf die psychische Befindlichkeit hat. Vitamin D kann die Entzündungsaktivität im Darm vermindern, zum Beispiel durch eine günstige Beeinflussung des Darmmikrobioms.

Referenz:
Bruna R Kouba, Anderson Camargo et al.: Molecular Basis Underlying the Therapeutic Potential of Vitamin D for the Treatment of Depression and Anxiety; Int J Mol Sci. 2022 Jun 25;23(13):7077

In einer Querschnittsstudie bei 7.387 Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren untersuchten iranische Wissenschaftler einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von B-Vitaminen und Depressionen, Angststörungen sowie Stress-Symptomen. Eine höhere Aufnahme von Biotin war mit einem niedrigeren Risiko für Depressionen, Angststörungen und Stress-Symptomen assoziiert. Außerdem bestand ein inverser Zusammenhang zwischen der Vitamin-B6-Aufnahme und Stress-Symptomen. Eine moderate Aufnahme von Vitamin B1, Niacin und Pantothensäure war mit einem niedrigeren Risiko für Angststörungen verbunden. Nach Einschätzung der Autoren des Fachartikels ist ein Highlight dieser Studie, dass erstmals ein signifikanter Schutzeffekt von Biotin gegen Depressionen, Angststörungen und Stress-Symptome nachgewiesen wurde.

Referenz:
Baharak Mahdavifar, Mahdieh Hosseinzadeh et al.: Dietary intake of B vitamins and their association with depression, anxiety, and stress symptoms: A cross-sectional, population-based survey; Journal of Affective Disorders, Volume 288, 1 June 2021, Pages 92-98

 

Wissenschaftler aus dem Iran untersuchten in einer Querschnittsstudie, unter Einbeziehung von 3.175 Erwachsenen, einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von verzweigtkettigen Aminosäuren und dem Risiko für psychologische Störungen, einschließlich Depressionen, Angststörungen und mentalem Stress. Die Studienteilnehmer im obersten Drittel der Aufnahme von verzweigtkettigen Aminosäuren hatten im Vergleich zu den Personen im untersten Drittel ein geringeres Risiko für Depressionen und Angststörungen. Es zeigte sich ein signifikanter inverser Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Leucin und Depressionen sowie Angststörungen. Das gleiche wurde auch für Isoleucin nachgewiesen. Eine höhere Aufnahme von Valin war ebenfalls mit einem geringeren Risiko für Depressionen und Angststörungen assoziiert.

Referenz:
Glareh Koochakpoor, Asma Salari-Moghaddam et al.: Dietary intake of branched-chain amino acids in relation to depression, anxiety and psychological distress; Nutrition Journal volume 20, Article number: 11 (2021)

Wissenschaftler aus Korea untersuchen einen möglichen Zusammenhang zwischen der Vitamin D- Konzentration im Serum, CRP und Ängstlichkeitssymptomen bei 51.003 erwachsenen Koreanern. Im Vergleich zu 25 (OH)D- Konzentrationen größer 20 Nanogramm/Milliliter waren Konzentrationen unter 20 Nanogramm/Milliliter mit einem erhöhten Risiko für Ängstlichkeitssymptome assoziiert. Die CRP -Konzentrationen hatte keinen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen den Vitamin D Spiegeln und dem Risiko für Ängstlichkeitssymptome.

Referenz:
Sun-Young Kim, Sang-Won Jeon et al.: The Relationship between Serum Vitamin D Levels, C-Reactive Protein, and Anxiety Symptoms; Psychiatry Investig. 2020 Apr; 17(4): 312–319.

Wissenschaftler aus den USA betonten in einem Fachartikel, dass bereits bei vergleichsweise niedrigen Bleikonzentrationen ein breites Spektrum an Symptomen auftreten kann. Eine erhöhte Bleibelastung kann zum Beispiel zu einer vermehrten Irritabilität, zu Erschöpfung und Angststörungen führen, die üblicherweise einer posttraumatischen Stressstörung oder einer anderen psychiatrischen Störung zugeordnet werden. Besonders bei Personen im Bereich des Militärs sollte eine mögliche Bleibelastung abgeklärt werden.

Referenz:
Cassleman KL, Dorrance KA, Todd AC et al.: Neuropsychiatric Implications of Chronic Lead Exposure; Mil Med. 2019 Oct 31. pii: usz362. doi: 10.1093/milmed/usz362.

Wissenschaftler aus Italien publizierten die Ergebnisse einer Studie über den Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und dem Schweregrad von Ängstlichkeitssymptomen bei postmenopausalen Frauen. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von Ängstlichkeitssymptomen und den 25-OH-D-Konzentrationen – unabhängig vom Lebensalter und Depressionen.

Referenz:
Gabriella Martino, Antonino Catalano et al.: Vitamin D status is associated with anxiety levels in postmenopausal women evaluated for osteoporosis; MJCP | Mediterranean Journal of Clinical Psychology; Home > Vol 6, No 1 (2018) > Martino

Wissenschaftler aus den USA, den Niederlanden und Schweden untersuchten den Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und dem Schweregrad von Depressionen und Angstsymptomen bei Patienten mit Majordepression.

Die Studienpopulation umfasste 69 körperlich gesunde Personen mit Majordepression, die noch nicht medikamentös behandelt wurden. Die psychische Symptomatik wurde mittels Fragebögen ermittelt, außerdem wurden F2-Isoprostane, oxidatiertes Glutathion und reduziertes Glutathion bestimmt. Die Auswertung der Daten zeigte, dass oxidativer Stress näher mit Angstsymptomen als mit depressiven Symptomen bei Majordepression assoziiert war.

Referenz:
Lisa R. Steenkamp, Christina M. Hough et al.: Severity of Anxiety– but not Depression– is Associated with Oxidative Stress in Major Depressive Disorder; Journal of Affective Disorders, Available online 6 May 2017