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Veröffentlichungen über Mikronährstoffe in der Fachpresse

 

2017

AKOM, 02/ 2017
Herzinsuffizienz und Mikronährstoffe


2016

AKOM, 03/ 2016
Depressionen und Mikronährstoffe

 

2015

Elltern family, November 2015:
Sich glücklich essen

 

2014

Comed, Dezember 2014:
Epilepsie und Mikronährstoffe

Comed,  August 2014:
Burnout und MIkronährstoffe

Comed, Juli 2014:
Koronare Herzkrankheit

 

2013

Comed, Oktober 2013:
Aminosäuren - Diagnostisches und therapeutische Aspekte

Comed, Juli 2013:
Diagnose Demenz: Können Mikronährstoffe helfen?

 

2012

Report Naturheilkunde, Nr. 1/ 2012:
Orthomolekulare Medizin bei Angsterkrankungen

 

2011

Reflexe, September 2011:
Aminosäuren-Stoffwechsel

 

2010

Report Naturheilkunde, Oktober 2010:
Fit im Alter mit Mikronährstoffen 

Comed, Januar 2010:
Polyneuropathie und Mikronährstoffe

 

2009

Interview, März 2009:
Hirnforscher beweisen: Essen sorgt für gute Laune von Lena Berger

Report Naturheilkunde, Juni 2009:
Arterielle Hypertonie und Mikronährstoffe 

Naturheilpraxis, Heft 4/ 2009:
Gedächtnis und Mikronährstoffe

Body Media, Jan./ Feb. 2009:
Wohl dosiert statt Übermaß - Über die Supplementierung mit Aminosäuren im Sport

 

2008

Wohl & Fühlen, Herbst/ Winter/ Frühjahr 2008/2009:
Mikronährstoffe: Wichtig für´s Immunsystem 

Report Naturheilkunde, Heft 5, Bd. 12:
Hyperaktivitätssyndrom und psychische Befindlichkeit von Kindern - Zusammenhänge zwischen Hirnfunktion und Ernährung

 OPTIMISTEN:
Vitamin D und Stimmung 

Praxis Magazin, Juni  2008:
Übergewicht und Mikronährstoffe 

Naturheilpraxis, Heft 4/ 2008:
Orthomolekulare Medizin beim Burn-out-Syndrom

 

2007

Comed Nr. 10/ 2007:
Orthomolekulare Medizin bei Depressionen 

Naturheilpraxis Heft 8/ 2007:
Angsterkrankungen orthomolekular behandeln 

Die Naturheilkunde Heft 2/ 2007:
Stress und Mikronährstoffe (PDF) 

Die Naturheilkunde Heft 2/ 2007:
Sind Antioxidantien lebensgefährlich? 

Natur-Heilkunde Journal, Mai/ 2007:
Multitalent für die Gesundheit Aminosäuren (1) (PDF)

 

2006

Comed Nr. 12/ 2006:
Der Einfluss der Ernährung auf die Psyche 

Comed Nr. 3/ 2006:
UV-Schutz der Haut

 

2005

Comed Nr. 12/ 2005:
Erschöpfung 

Comed Nr. 8/ 2005:
Mikronährstofftherapie beim Kolonkarzinom 

Comed Nr. 5/ 2005:
Ernährungsproblem Nr. 1: Adipositas 

Comed Nr. 2/ 2005:
Orthomolekulare Medizin bei Atemwegserkrankungen

 

2004

Comed Nr. 10/ 2004:
Mikronährstoffe bei neurologischen Erkrankungen / (PDF) 

Comed Nr. 7/ 2004:
Die endotheliale Dysfunktion ist der Beginn der meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen 

Comed Nr. 4/ 2004:
Vegetarische Ernährung / (PDF) 

Comed Nr. 3/ 2004:
Entgiftung und Mikronährstoffe / (PDF) 

Der Heilpraktiker & Volksheilkunde Nr. 3/ 2004:
Allergien und Mikronährstoffe / (PDF) 

die Akzente/ 1. Quartal 2004:
ADHS und Mikronährstoffe / (PDF) 

Erfahrungsheilkunde 2004:
Orthomolekulare Medizin bei kardiovaskulären Erkrankungen

 

2003

Comed Nr. 11/ 2003:
Labordiagnostik - Mikronährstoffdefizite klar erkennen 

Comed Nr. 8/ 2003:
Aminosäuren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen 

Comed Nr. 3/ 2003:
Aminosäuren in der Nervenheilkunde / (PDF) 

Der Heilpraktiker & Volksheilkunde Nr.4/ 2003:
Aminosäuren in der Orthomolekularen Medizin

 

2002

Comed Nr. 8/ 2002:
Aminosäuren in der Anti-Aging-Medizin (Teil 2) / (PDF) 

Comed Nr. 7/ 2002:
Aminosäuren in der Anti-Aging-Medizin (Teil 1) / (PDF)

 

2001

Erfahrungsheilkunde Nr. 8/ 2001:
Aminosäuren und Nervensystem

 

2000

privatärztliche praxis Heft 1/ 00:
Mehr als nur Proteinbausteine / (PDF) 

Praxis Telegramm Heft 1/ 00:
Aminosäuren und andere Mikronährstoffe bei Erkrankungen des Nervensystems / (PDF)

 

1999

Praxis Telegramm Heft 6/ 99:
Die immunologische Bedeutung der Aminosäuren / (PDF)

 

 

 

 

 

frau rainer sturm pixelio 200 2Der Lebensabschnitt des Alters beginnt mit dem 65. Lebensjahr. Für den Erhalt der Gesundheit spielt, neben vielen anderen Faktoren, natürlich auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Im Alter ist der Energiebedarf eher rückläufig - bei gleichbleibendem oder sogar erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen. Ein Mehrbedarf an Mikronährstoffen kann z.B. durch Erkrankungen wie die atrophische Gastritis bedingt sein, die mit einer Einschränkung der Verdauungsleistung einhergehen.

Wie aus den Daten der Nationalen Verzehrstudie II (NVS II) ersichtlich, ist die Mikronährstoffversorgung bei Senioren alles andere als befriedigend. Besonders schlecht ist die Versorgungslage bei Folsäure und Vitamin D. 94,2 Prozent der Männer zwischen 65 und 80 und 97,4 Prozent der Frauen im gleichen Altersabschnitt haben eine zu geringe Vitamin-D-Zufuhr. Was die Folsäure betrifft, sind 90,8 Prozent der älteren Frauen und 89,5 Prozent der älteren Männer unterversorgt. Auch bezüglich der Vitamine B1, B2 und E sowie Calcium und Magnesium ist die Versorgung insgesamt unbefriedigend.

Anfang Juni 2010 diskutierte eine renommierte Expertenrunde an der Universität Hohenheim die Frage: „Vitaminversorgung in Deutschland – ein Grund zur Sorge?“ Der Tenor der Veranstaltung war, dass die Vitaminversorgung in Deutschland deutlich besser werden muss, ansonsten droht ein Anstieg typischer Alterskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Demenz.

In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Fachartikel, die sich mit den Zusammenhängen zwischen altersassoziierten Erkrankungen und der Versorgung mit einzelnen Mikronährstoffen beschäftigen.

 

Folsäure

Folsäure ist ein wichtiger Methylgruppen-Donator im Stoffwechsel und an vielen biochemischen Reaktionen beteiligt. Eine Erhöhung der Homocysteinkonzentration ist häufig Folge einer unzureichenden Folsäure-Versorgung. In einer placebokontrollierten niederländischen Studie erhielten mehr als 800 Probanden täglich entweder ein Placebopräparat oder 800 mg Folsäure über einen Zeitraum von drei Jahren. Am Studienende hatte die Verumgruppe bei der Gedächtnisleistung, der Informationsverarbeitung und der sensomotorischen Geschwindigkeit signifikant bessere Ergebnisse als die Kontrollpersonen. Die Einnahme von Folsäure führte dazu, dass die Leistungen bei der Folsäuregruppe mit denen von zwei bis fünf Jahre jüngeren Menschen vergleichbar war.

2007 wurde im „Lancet“ eine Metaanalyse der Feinberg School of Medicine in Chicago publiziert, die sich mit der Frage beschäftigte, inwieweit Folsäure eine präventive Wirkung auf Schlaganfall hat. Dazu wurden 8 randomisiert kontrollierte Studien ausgewertet; es zeigte sich eine grenzwertig signifikante Reduktion der Schlaganfallhäufigkeit um 18 Prozent.

 

Vitamin B12

Wissenschaftler der Universität Oxford untersuchten bei 107 Personen im Alter von 61 bis 87 Jahren kernspintomographisch die Hirngröße sowie die Konzentration verschiedener Vitamine. Die gleichen Untersuchungen wurden nach fünf Jahren wiederholt. Dabei zeigte sich, dass die altersbedingte Hirnatrophie bei den Probanden mit der niedrigsten B12-Konzentration in der Ausgangsuntersuchung am größten war. Im Drittel mit der niedrigsten B12-Konzentration (< 416 ng/ l) wurden mehr als sechsfach häufiger Verluste an Hirnvolumen festgestellt.


Vitamin C

Eine hohe Vitamin-C-Aufnahme war bei älteren Männern mit geringeren Knochenverlusten verbunden, so die Ergebnisse der Framingham Osteoporosis Study. In einer mexikanischen Studie wurde nachgewiesen, dass eine Supplementierung von 400 I.E Vitamin E und 1000 mg Vitamin C über einen Zeitraum von einem Jahr das Voranschreiten der altersassoziierten Osteoporose deutlich verminderte.

 

Vitamin E

Bei 827 Personen über 65 Jahren wurde ein Zusammenhang zwischen der Vitamin-E-Konzentration und der Entwicklung von Gebrechlichkeit untersucht. Das Risiko, gebrechlich zu werden, war bei den Probanden mit den höchsten Vitamin-E-Konzentrationen deutlich geringer als bei den Probanden mit den niedrigsten Vitamin-E-Spiegeln.

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kam eine Studie, die 2008 in JAMA publiziert wurde. Bei 698 älteren Personen waren niedrige Vitamin-E-Konzentrationen mit einem stärkeren körperlichen Abbau assoziiert.

 

Vitamin D

In den letzen Jahrzehnten hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass das Vitamin D über seine Bedeutung als Knochenvitamin hinaus vielfältige Funktionen im Stoffwechsel inne hat. Nach US-amerkanischen und niederländischen Daten weisen über 50 Prozent der Senioren einen Vitamin-D-Mangel auf. Die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut verringert sich mit zunehmendem Lebensalter, mit 70 Jahren beträgt sie nur noch 50 bis 70 Prozent der Leistung in jüngeren Jahren.

Eine gute Vitamin-D-Versorgung hat einen protektiven Effekt gegen zahlreiche altersassoziierte Erkrankungen. Aus der Vielzahl von Publikationen zu diesem Thema können hier natürlich nur einige Beispiele aufgeführt werden.

Durch Supplementation von Vitamin D lässt sich die Sturzrate bei Menschen über 65 Jahren deutlich reduzieren, so das Ergebnis einer Metaanalyse von acht Studien mit insgesamt 2426 Teilnehmern. 25-OHD-Spiegel unter 60 nmol/ l übten keinen Schutzeffekt aus.

Im Rahmen der European Male Ageing Study (EMAS) wurden bei 3133 Männern im Alter zwischen 40 und 79 Jahren die Vitamin-D-Konzentrationen im Blut gemessen sowie eine Reihe von Testes zur kognitiven Leistungsfähigkeit durchgeführt. Die Studienteilnehmer mit höherer Vitamin-D-Konzentration schnitten bei den Tests, bei denen es um Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit ging, durchweg besser ab als die Studienteilnehmer mit niedrigeren Vitamin-D-Spiegeln. Dieser Effekt war umso ausgeprägter, je älter die Männer waren.

2007 wurden die Ergebnisse einer großen Metaanalyse publiziert, in der der Effekt einer Supplementierung von Vitamin E auf die Sterblichkeit untersucht wurde. Dabei zeigte sich, dass die Menschen, die zusätzlich zur Nahrung Vitamin D einnahmen, ein um sieben Prozent niedrigeres Sterberisiko aufwiesen als diejenigen, die keine Nahrungsergänzungsmittel schluckten.

In einer großen US-amerikanischen Studie, in der die Daten von 27.686 Menschen ab 50 ausgewertet wurden, lag die Sterbewahrscheinlichkeit bei den Probanden, die wenig Vitamin D im Blut aufwiesen, um 75 Prozent höher als bei Menschen mit normalen Werten. Ein Vitamin-D-Mangel erhöhte das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 45 Prozent, die Gefahr eines Apoplex sogar um 78 Prozent. Ein hoher Vitamin-D-Spiegel halbiert einer Metaanalyse zufolge das Diabetesrisiko. Auch das metabolische Syndrom war bei Probanden mit hohen Vitamin-D-Spiegeln nur halb so häufig wie bei Studienteilnehmern mit wenig Vitamin D.

Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen könnten auch das Risiko für M. Parkinson erhöhen, so jedenfalls die Ergebnisse des Mini-Finland Health Survey.

 

Zink

Bei 50 älteren Menschen im Alter zwischen 55 und 87 Jahren wurde der Effekt einer Zinksupplementierung auf die Infekthäufigkeit untersucht. Die Verumgruppe erhielt 45 mg Zink täglich über einen Zeitraum von 12 Monaten. Während dieses Zeitraums wurde das Auftreten von Infektionen dokumentiert, außerdem wurden verschiedene immunologische Parameter vor und nach der Therapie bestimmt. Im Vergleich zu einer Gruppe jüngerer Erwachsener hatten die älteren Versuchsteilnehmer signifikant niedrigere Zinkkonzentrationen, erhöhte Marker von inflammatorischen Zytokinen und oxidativem Stress. Bei den Probanden, die Zink eingenommen hatten, traten Infektionen deutlich seltener auf, und die Bildung von Entzündungsmarkern und oxidativem Stress war signifikant niedriger als in der Placebogruppe.

 

Aminosäuren

Mit zunehmendem Lebensalter kommt es auch zu Veränderungen im Aminosäurenstoffwechsel. Man kann dann feststellen, dass sich die Cysteinkonzentration im Blutserum/ Plasma vermindert. Cystein spielt eine erhebliche Rolle für die antioxidative Kapazität und ist die wichtigste Ausgangssubstanz für die Bildung von Glutathion. In verschiedenen klinischen Studien verbesserte eine Cysteinsupplementierung die Funktion der Skelettmuskulatur, die Immunfunktionen und die Plasma-Albuminspiegel, und sie verminderte die Plasmaspiegel des Entzündungsmarkers TNF-Alpha. All diese Parameter verschlechterten sich im Alter. Es ist also durchaus anzunehmen, dass ein Cysteinmangel, zumindest teilweise, zu altersassoziierten Beschwerden beiträgt und dass auch die Aufnahme von Cystein wahrscheinlich suboptimal ist. In älteren Lebensjahren erhöht sich im Plasma der Anteil an Cystin. Das Verhältnis Cystin zu Cystein wird größer.

Auch auf die Verfügbarkeit der verzweigtkettigen Aminosäuren sollte im Seniorenalter mehr Wert gelegt werden. Es ist schon länger bekannt, dass die essentiellen Aminosäuren, insbesondere die verzweigtkettigen Aminosäuren, die Muskelproteinsynthese stimulieren können; dabei ist Leucin der stärkste Stimulator. Es wurde festgestellt, dass insbesondere ältere Menschen höhere Dosen an verzweigtkettigen Amiosäuren benötigen, um die Muskelproteinsynthese anzuregen. Während des Alterungsprozesses kommt es also zu einer Verminderung des anabolen Effektes. Es gibt Hinweise, dass die Muskelproteinsynthese bei älteren Menschen gesteigert werden kann, wenn sie eine kleine Menge essentielle Aminosäuren einnehmen, die aber einen hohen Anteil an Leucin enthalten. Wenn der Leucinanteil geringer ist, besteht kein anaboler Effekt. In einer japanischen Studie konnte genau dies nachgewiesen werden. Ältere Frauen mit Sarkopenie erhielten über drei Monate eine Mischung essentieller Aminosäuren mit einem hohen Leucinanteil, die Kontrollgruppe erhielt kein Präparat. Die Aminosäurenmischung wurde zweimal täglich über einen Zeitraum von drei Monaten verabreicht. Bei den Personen, die diese Aminosäuren eingenommen hatten, wurden nach den drei Monaten eine Erhöhung des fettfreien Körperanteils festgestellt, außerdem war die Gehgeschwindigkeit und die maximale Gehstrecke signifikant höher als bei den Kontrollpersonen.

 

Carnitin

Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel. Gerade bei älteren Menschen kann eine Carnitinsupplementierung zur Verbesserung der psychischen und physischen Befindlichkeit sinnvoll sein. Italienische Wissenschaftler erprobten die Wirksamkeit von Acetyl-L-Carnitin bei älteren Personen und konnten nachweisen, dass Acetyl-L-Carnitin sowohl die physische wie auch die mentale Müdigkeit verminderte und körperliche Funktionen sowie den kognitiven Status verbesserte. In einer Studie aus China konnte die Wirksamkeit von Acetyl-L-Carnitin zur Verbesserung der Herzfunktion bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz nachgewiesen werden.

 

Coenzym Q10

Coenzym Q10 hat eine zentrale Bedeutung für die mitochondriale ATP-Synthese und ist ein wichtiges lipophiles Antioxidans. Es gibt Hinweise, dass Coenzym Q10 bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen von Nutzen sein könnte, allerdings reichen die Daten für eine endgültige Beurteilung noch nicht aus.


Abschließend kann gesagt werden, dass eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen eine der sinnvollsten präventiven Maßnahmen gegen altersbedingte Erkrankung ist. Um festzustellen, welche Mikronährstoffe im Defizit sind, ist allerdings die Durchführung einer Mikronährstoffanalyse des Blutes unbedingt zu empfehlen. Nur so können Mikronährstoffmängel erkannt und auch gezielt behoben werden.

 

 

Referenzen:
  1. www.finanzachrichten.de: Vitamin-Defizit-Alarm für Deutschland/ Führende Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsrisiken durch Vitaminunterversorgung; 08.07.2010
  2. Aerzteblatt.de: Folsäure fördert kognitive Leistungsfähigkeit; Dt Ärztebl 2007; 104(12)
  3. Aerzteblatt.de: Meta-Analyse: Folsäure senkt Schlaganfallrisiko; 1. Juni 2007
  4. Aerzteblatt.de: Studie: Vitamin B12 verhindert Hirnatrophie im Alter; 9. September 2008
  5. Shivani Sahni et al.: High Vitamin C intake is associated with lower 4-year bone loss in elderly men; 2008 American Society for Nutrition J. Nutr. 138: 1931-1938, October 2008
  6. Quelle: Bartali B, Frongillo EA, Guralnik JM, Stipanuk MH, Allore HG, Cherubini A, Bandinelli S, Ferrucci L, Gill TM (2008): Serum micronutrient concentrations and decline in physical function among older person;, Journal of the American Medical Association. 2008 Jan 23;299(3):308-15, PMID: 18212315
  7. Ble A et al.: Lower plasma vitamin E levels are associated with the fraility syndrome: the InCHIANTI study; J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2006 Mar; 61(3): 278-83
  8. Aerztezeitung.de: Neuer Beleg: Vitamin D reduziert Sturzrate; 04.03.2010
  9. David M Lee et al. : Association between 25-hydroxyvitamin D Levels and cognitive performance in middle-aged and older european men ; J Neuro neurosurg Psychiatry. Pulished online first: 21. may 2009
  10. Focus.de: Länger leben dank Vitamin D; 11.09.2007
  11. Focus.de: Studie: Diabetesrisiko bei viel Vitamin D halbiert; 22.02.2010
  12. DerStandard.at: Höheres Schlaganfall-Risiko durch Vitamin D-Mangel; 16. November 2009
  13. Aerzteblatt.de: Vitamin-D könnte vor Demenz und Parkinson schützen; 13. Juli 2010
  14. Ananda S Prasad et al.: Zinc Supplementation decreases incidence of infections in the elderly: effect of zinc on generation of cytokines and oxidative stress; American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 85; No. 3, 837-844; March 2007
  15. Wulf Dröge: Oxidative stress and ageing: is ageing a cysteine deficiency syndrome? Phil. Trans. R. Soc. B (2005) 360, 2355-2372
  16. Hisamine Kobayashi et al. : Small dose high leucine essential amino acids supplementation ameliorates sarcopenia in sarcopenic older Japanese women ; The FASEB Journal; April 2010
  17. Satoshi Fujita and Elena Volpi: Amino Acids and muscle loss with aging; The Journal of Nutritio; Presented at the conference “Symposium on branched-chain Amino acids”, held May 23-24, 2005
  18. Michele Malaguarnera et al: Acetyl L-carnitine (ALC) treatment in elderly patients with fatique; Archives of Gerontology and Geriatrics; March 2008, Volume 46, Issue 2, Pages 181-190
  19. HU Jun, ZHU Fu et al.: Role of L-carnitine in improving cardiac function and relieving myocardial ischemia in elderly patients with congestive heart failure; en.cnki.com.cn
  20. Graciela Cristina dos Santos et al.: Coenzyme Q10 and its effects in the treatment of neurodegenerative diseases; Brazilian Journal of Pharmaceutical Sciences vol. 45, n. e, oct./dec., 2009

Veröffentlicht:
Report Naturheilkunde, Oktober 2010, Ausgabe 5; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

Gezieltes Vorgehen erforderlich

 

Mikronährstoffanalyse 2Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der meist mehrere Nerven betroffen sind und die eine systemische Ursache hat. Die zwei häufigsten Ursachen der Polyneuropathie in Europa sind Diabetes mellitus mit 30 Prozent und die Alkoholkrankheit mit 25 Prozent. Insgesamt sind ca. 600 Ursachen für eine Polyneuropathie beschrieben worden. Es gibt verschiedene hereditäre Formen, z.B. die neurale Muskelatrophie Charcot-Marie-Tooth. Rund fünf Prozent der Polyneuropathien treten im Rahmen von Infektionskrankheiten auf; hier sind besonders Borreliose und Lepra zu erwähnen. Zahlreiche Umweltgifte und Medikamente können zu einer toxischen Polyneuropathie führen, dazu zählen Schwermetalle wie Arsen, Thallium oder Blei und verschiedene Medikamente wie Chromoglicinsäure, Antidepressiva, Antirheumatika und Thyreostatika. Auch im Rahmen einer Tumorerkrankung als paraneoplastisches Syndrom oder infolge einer Zytostatikatherapie kann eine Polyneuropathie auftreten.

Pathologisch-anatomisch ist bei einer Polyneuropathie oftmals eine axonale Degeneration und/ oder eine Zerstörung der Myelinscheiden nachweisbar; es treten dabei meist handschuh- oder stumpfförmige Sensibilitätsstörungen und eine herabgesetzte Vibrationsempfindung an den Unterschenkeln sowie eine Verminderung der Eigenreflexe an den unteren Extremitäten auf. Man unterscheidet symmetrische und asymmetrische Verteilungsmuster, z.B. eine Monopolyneuropathie, die lediglich im Versorgungsbereich eines peripheren Nervenbereichs nachzuweisen ist. Der Ort des Auftretens gestattet auch Rückschlüsse auf die Ursache. Der symmetrische Typ an den Zehen wird bevorzugt durch toxische Substanzen ausgelöst, eine Mononeuropathie kommt häufig bei Diabetes mellitus vor.

Polyneuropathien schreiten in der Regel langsam voran und bilden sich in vielen Fällen auch allmählich zurück, wobei die Prognose natürlich von den zugrundeliegenden Ursachen abhängt. Bei der Behandlung der Polyneuropathie wird es zweifelsfrei zunächst darum gehen, die zugrundeliegenden Ursachen so weit wie möglich zu therapieren. Dazu gehören eine Alkoholkarenz bei einer alkohol-toxischen Polyneuropathie, eine optimale Einstellung eines Diabetes mellitus bei der diabetischen Polyneuropathie und eine entsprechende Antibiotikatherapie bei der Borreliose. Die symptomatische Therapie der Beschwerden, vor allem der Schmerzen, spielt eine wichtige Rolle. Hierbei kommen aber meist nicht die klassischen Analgetika zum Einsatz, sondern Wirkstoffe wie Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin und Amitriptylin.

Oxidativer Stress spielt eine wichtige Rolle bei der Pathogenese der diabetischen Polyneuropathie. Durch Nervenbiopsien bei Patienten konnte auch nachgewiesen werden, dass bei verschiedenen anderen Formen der Polyneuropathie (alkoholtoxisch, vaskulitisch, diabetisch, B12-Mangel) der Transkriptionsfaktor NF-Kappa-B aktiviert ist. NF-Kappa-B spielt bekanntlich eine zentrale Rolle für die Auslösung von Entzündungsprozessen. Es ist also davon auszugehen, dass bei einer Polyneuropathie auch inflammatorische Prozesse beteiligt sind. Für die Entstehung der diabetischen Neuropathie spielt neben dem oxidativen Stress auch die Sorbitolanhäufung in den Nervenzellen und die Glycierung wichtiger Strukturmoleküle eine wesentliche Rolle.

Im Folgenden geht es um die Möglichkeiten einer Mikronährstofftherapie bei Polyneuropathie. Eine Therapie mit Mikronährstoffen ist nicht nur bei einer Vitamin-Mangel-Polyneuropathie indiziert, sondern kann auch bei anderen Polyneuropathie-Formen eine wichtige unterstützende Maßnahme sein. Mikronährstoffe wirken auf verschiedene Art neuroprotektiv, antioxidativ, antiinflammatorisch, durchblutungsverbessernd etc.

 

Vitamin B1

Vitamin B1 ist von erheblicher Bedeutung für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen. Ein hoher Alkoholkonsum korreliert negativ mit dem Vitamin-B1-Status. Bei 20 Prozent der chronischen Alkoholiker tritt eine Polyneuropathie auf. Noch vor der Alkoholkrankheit ist der Diabetes mellitus die häufigste Ursache für die Entstehung einer Polyneuropathie.

Bei bis zu einem Drittel der Diabetiker treten neuropathische Symptome auf. Wie auf dem Kongress der europäischen Diabetsgesellschaft 2008 berichtet wurde, haben sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker deutlich erniedrigte Thiaminkonzentrationen im Blutplasma. Hohe Glukosekonzentrationen unterdrücken die Bildung von Thiamin-Transportern in den Nieren, weshalb Diabetiker vermehrt Thiamin über den Urin ausscheiden. Bei Diabetikern ist die Aktivität des B1-abhängigen Enzyms Transketolase vermindert, wodurch es zu einer vermehrten Bildung von AGEs kommt. Besonders effektiv lässt sich die Transketolase-Aktivität durch Benfotiamin anheben. Benfotiamin ist ein lipidlösliches Vitamin-B1-Präparat, das deutlich besser resorbiert wird als das wasserlösliche Thiamin.

 

Vitamin B6

Vitamin B6 wirkt im Stoffwechsel der Proteine und Aminosäuren entscheidend mit. Es ist auch für die Synthese von Phospholipiden, Sphingolipiden und Myelin erforderlich. Ein Vitamin-B6-Mangel kann mit der Entwicklung einer Polyneuropathie assoziiert sein. Eine Polyneuropathie mit Vitamin-B6-Mangel wurde z.B. bei Urämiepatienten beobachtet sowie bei Patienten, die sich zur Behandlung einer Tuberkulose einer Isoniazit-Therapie unterzogen hatten. Bei der diabetischen Polyneuropathie dürfte Vitamin B6 vor allem dann von Nutzen sein, wenn ein Mangel vorliegt. Beim Karpaltunnelsyndrom, einer chronischen Kompression des Nervus medianus, erwies sich eine Vitamin-B6-Therapie auch dann als hilfreich, wenn kein Vitamin-B6-Mangel nachgewiesen werden konnte. Bei langfristiger Einnahme von hohen Dosen Vitamin B6, zwischen 0,5 und 6 Gramm, wurde mehrfach das Auftreten einer sensorischen Polyneuropathie festgestellt. Vitamin-B6-Dosen bis 500 mg täglich über zwei Jahre korrelierten nicht mit dem Auftreten einer Polyneuropathie.

 

Vitamin B12

Vitamin B12 ist für die Bildung von Cholin, Lecithin und Sphingomyelin erforderlich. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kommt es zu einer Beeinträchtigung von Methylierungsreaktionen in den Myelinscheiden.

Es gibt auch Hinweise, dass bei der Pathogenese der B12-Mangel-Polyneuropathie auch Veränderungen des Zytokinmusters eine Rolle spielen. Vitamin B12 wurde in mehreren kleinen Studien erfolgreich zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie eingesetzt. Bei Patienten mit Nierenversagen ist häufig ein B12-Mangel nachweisbar. Bei der Urämie ist wahrscheinlich Methylcobalamin die am besten geeignete Form der B12-Therapie, da mit dieser Substanz auch eine Cyanidbelastung bei Urämiepatienten gesenkt werden kann. Bei 30 Prozent der über 65-Jährigen ist eine atrophische Gastritis nachweisbar, wodurch es zu einer Beeinträchtigung der Vitamin-B12-Aufnahme kommt. Generell treten neurologische und auch psychiatrische Symptome eines B12-Mangels meist sehr viel früher auf als die hämatologischen Veränderungen. Bei Polyneuropathie-Erkrankungen älterer Menschen sollte also auf jeden Fall die Vitamin-B12-Versorgung abgeklärt werden.

 

Folsäure

Über den Homocysteinmetabolismus ist Folsäure sehr eng mit dem B12-Stoffwechsel verbunden. In einer japanischen Studie an 343 Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen, hauptsächlich axonalen Neuropathien, zeigten 19,5 Prozent niedrige Folsäurespiegel im Serum. Eine Hochdosis-Folsäure-Therapie (15 mg/ Tag) führte bei 67 Prozent der betroffenen Patienten zu einer Besserung der neurologischen Symptome. Bei Patienten mit alkoholtoxischer Polyneuropathie wurde in 50 Prozent der Fälle ein funktioneller Folsäuremangel nachgewiesen. Verschiedene Medikamente, z.B. Methotrexat, Antiepileptika, Sulfasalacin, können über einen Folsäuremangel eine Polyneuropathie auslösen. Besonders Patienten, die über längere Zeit Antiepileptika einnehmen, sind erheblich Polyneuropathie-gefährdet.

 

Biotin

Biotin spielt eine wichtige Rolle für die Regulierung des Blutzuckerspiegels und für die Fettsäuresynthese. Biotin wurde in einer kleinen Studie an Dialysepatienten erprobt, die an einer Enzephalopathie und Polyneuropathie litten. Innerhalb von drei Monaten kam es zu einer deutlichen Besserung der Symptome. Mikrotubuli sind wesentliche Bestandteile der Axone der Nervenzellen. Die urämische Neuropathie ist dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer Degeneration der Axone kommt. In vitro konnte mittels Zugabe von Biotin die Störung der Mikrotubuliformation durch urämisches Plasma verhindert werden.

Auch bei der diabetischen Polyneuropathie zeigte Biotin deutliche therapeutische Effekte; allerdings wurde diese Studie nur an einer sehr kleinen Patientenzahl durchgeführt.

 

Vitamin E

An der Entstehung der Polyneuropathie ist auch der oxidative Stress maßgeblich beteiligt, z.B. bei Diabetikern. In einer Studie zeigte sich bei 21 Typ-2-Diabetikern mit Polyneuropathie durch die tägliche Gabe von 900 mg Vitamin E nach sechs Monaten eine deutliche Verbesserung elektrophysiologischer Parameter im Vergleich zur Placebogruppe. Besonders gefährdet hinsichtlich einer Vitamin-E-Mangel-Polyneuropathie sind Patienten, die sich einer Gastrektomie unterziehen mussten. In zwei Pilotstudien und in einer kleinen randomisierten Studie erwies sich Vitamin E als hilfreich für die Verminderung der Neurotoxizität von Cisplatin.

 

Vitamin D

In der Aprilausgabe 2008 der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine erschien ein kurzer Artikel australischer Wissenschaftler, die bei 51 Typ-2-Diabetes-Patienten mit neuropathischen Schmerzen die Vitamin-D-Konzentrationen bestimmt hatten. Alle Patienten wiesen zu niedrige Vitamin-D-Konzentrationen mit einem Mittelwert von 18 ng/ ml auf. Die Schmerzintensität wurde mit Hilfe zweier Fragebogen bewertet. Aufgrund einer Vitamin-D-Therapie kam es zu einer deutlichen Besserung der Schmerz-Scores. Es ist schon länger bekannt, dass Vitamin D eine neurotrophe Substanz ist und sowohl die neuromuskuläre Funktion als auch das neuronale Wachstum moduliert. Wie diese Studie zeigt, ist Vitamin D vermutlich auch eine wirksame Substanz für die Behandlung neuropathischer Schmerzen.

 

Glutamin

Glutamin ist die Aminosäure mit der höchsten Konzentration im Blutserum. Zwei Studien zeigten, dass die Einnahme von Glutamin wirksam eine Polyneuropathie verminderte, die durch eine Hochdosis-Therapie mit Paclitaxel verursacht wurde. Auch bei einer Chemotherapie mit Oxaliplatin zeigte Glutamin einen neuroprotektiven Effekt.

 

Arginin

Bei der Pathogenese der diabetischen Polyneuropathie spielen auch vaskuläre Faktoren eine Rolle. Bei Diabetikern ist häufig der NO-Metabolismus gestört. Bei Patienten mit Hyperglykämie kommt es im Vergleich zu Kontrollpersonen zu einer signifikanten Verminderung der Durchblutung der Nerven. Arginin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von NO, deshalb kann eine Argininsupplementierung die NO-Verfügbarkeit verbessern.

 

Cystein/ Glutathion

Bei Coloncarzinom-Patienten, die mit Oxaliplatin behandelt wurden, hatte eine begleitende Therapie mit 1200 mg NAC einen deutlich protektiven Effekt gegen die Entwicklung einer Polyneuropathie. Cystein ist eine wichtige Ausgangssubstanz für die Glutathionsynthese.

Glutathioninfusionen wirkten, ähnlich wie NAC, bei Patienten mit fortgeschrittenem Coloncarzinom protektiv gegen die Neurotoxizität von Platinverbindungen.

 

Spurenelemente und Mineralstoffe

Eine Zinktherapie verbesserte die Blutzuckerkontrolle und Symptome einer diabetischen Polyneuropathie. Die Nervenleitgeschwindigkeit motorischer Nerven war nach 6 Wochen Zinktherapie signifikant besser als vorher.

Auch ein Chrommangel kann als Ursache für eine Polyneuropathie in Frage kommen, da Chrom für die Blutzuckerregulation essentiell ist. Beschrieben wurde dies im Zusammenhang mit einer parenteralen Ernährung, die offensichtlich zu wenig Chrom enthielt. Das Zytostatikum Oxaliplatin ist bekannt für seine neurotoxische Wirkung. 96 Patienten mit fortgeschrittenem colorektalen Karzinom erhielten ein Gramm Calciumgluconat und Magnesiumsulfat vor und unmittelbar nach einer Oxaliplatin-Infusion. Nach Ende der Oxaliplatintherapie hatten 65 Prozent der Patienten, die Calcium und Magnesium erhalten hatten, keine Symptome einer Neuropathie im Vergleich zu 37 Prozent in der Kontrollgruppe.

 

Carnitin, Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure ist Bestandteil von Multienzymkomplexen und findet häufig in der Behandlung von diabetischer Polyneuropathie Verwendung. Besonders gute Ergebnisse wurden an Typ-2-Diabetikern bei anfänglicher intravenöser Zufuhr und anschließender oraler Verabreichung erreicht. Hochdosierte Alpha-Liponsäure bewirkt offensichtlich eine Verbesserung der Mikrozirkulation.

Acetyl-Carnitin unterstützt auf verschiedene Weise den Stoffwechsel der Nervenzellen, z.B. durch Verminderung des oxidativen Stresses, Verbesserung der DNA-Synthese in den Mitochondrien und Erhöhung der Konzentration des Nervenwachstumsfaktors in den Nervenzellen. Acetyl-L-Carnitin ist in verschiedenen Studien sowohl bei der diabetischen wie auch bei der medikamentös-toxischen Polyneuropathie erfolgreich eingesetzt worden. Es vermindert die Neurotoxizität der Chemotherapeutika Paclitaxel und Cisplatin.

Natürlich können auch noch verschiedene andere Substanzen für die Behandlung der Neuropathie in Frage kommen, z.B. Myo-Inositol, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Flavonoide u.a.

Bei einer Polyneuropathie können je nach Ursache verschiedene Mikronährstoffmängel vorliegen. Eine höher dosierte Therapie mit Mikronährstoffen sollte auf alle Fälle den entsprechenden Mängeln angepasst sein, die nur auf der Basis einer gezielten Mikronährstoffanalyse des Blutes ermittelt werden können.

 

 

Referenzen:
  1. Ueda N et al.: Correlation between neurological dysfunction with vitamin E deficiency and gastrectomy; J Neurol Sci. 2009 Aug 24.
  2. Visovxky C et al.: Putting evidence into practice: evidence-based interventions for chemotherapy-induced peripheral neuropathy. Clin J Oncol Nurs. 2007
  3. Vanotti A et al.: Overview on pathophysiology and newer approaches to treatment of peripheral neuropathies; CNS Drugs. 2007; 21 Suppl 1: 3-12, discussion 45-6.
  4. Wang WA et al.: Oral glutamine is effective for preventing oxaliplatin-induced neuropathy in colorectal cancer patients; Oncologist. 2007 Nov; 12(11): 1371-2
  5. Head KA: Peripheral neuropathy: pathogenic mechanisms and alternative therapies; Altern Med Rev. 2006 Dec; 11(4): 294-329
  6. LifeExtension Health Concerns: Neuropathy (Diabetic) Updated: 04/25/2006
  7. Haslbeck M et al.: Oxidativer Stress und NF-Kappa-B-Aktivierung bei Polyneuropathien; Aktuelle Neurologie 2003, Thema: Peripheres Nervensystem III – GBS/ CIDP
  8. Koutsikos D et al.: Biotin for diabetic peripheral neuropathy; Biomed Pharmacother. 1990; 44(10): 511-4
  9. Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Neurologie, 6. Auflage, Thieme 2007

Veröffentlicht:
COmed Januar, 2010; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

Bild: Archiv

kraft-stephanie-hofschlaeger-pixelio 2Wer beim Training höhere Leistung erzielen will, greift gerne mal auf Nahrungsergänzungen wie z.B. Aminosäuren zurück. Wie viel gesund ist und was sie bewirken erläutert Dr. med. Hans-Günter Kugler, einer der führenden Spezialisten in punkto medizinische Wertigkeit von Aminosäuren.


Proteine und Aminosäuren als Nahrungsergänzung sind bei Sportlern meist sehr gefragt, wobei durch die Supplementierung unterschiedliche Ziele angestrebt werden: z.B. eine Verbesserung der Stickstoffbilanz und des Muskelaufbaus oder eine schnellere Regeneration des Muskelglykogens nach Belastung. Es wird allerdings seit vielen Jahren unter Fachleuten kontrovers diskutiert, ob und in welchem Umfang bei Sportlern der Proteinbedarf erhöht ist.

2001 publizierte der Arbeitskreis „Sport und Ernährung“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Stellungnahme zum Thema „Proteine im Breitensport“. Im Fazit heißt es: „Für Breiten- und Leistungssportler/innen müssen keine besonderen Empfehlungen für die Proteinzufuhr formuliert werden, denn mit einer ausgewogenen und vielseitigen Ernährung nach den Empfehlungen der DGE nehmen sie mehr als die erforderliche Menge zu sich. Aminosäurenverluste werden mit Sicherheit kompensiert. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist auch bei vegetarischer Ernährung möglich.“

Einen ähnlichen Standpunkt hat auch die US-amerikanische National Academy of Sciences eingenommen. Bis zu einem überzeugenden Beweis des Gegenteils sei eine zusätzliche Proteinzufuhr bei Sportlern nicht erforderlich. Im Gegensatz dazu stehen die American Dietetic Association und das American College of Sports Medicine auf dem Standpunkt, dass der Proteinbedarf bei sehr aktiven Menschen höher ist. Ausdauerathleten sollten 1,2 bis 1,4 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht aufnehmen, bei Kraftsportlern liegt der Bedarf sogar bei 1,6 bis 1,7 Gramm je Kilogramm Körpergewicht.

Hier ist jetzt unbedingt anzumerken, dass z.B. in Deutschland und auch in anderen Industriestaaten ohnehin sehr viel mehr Eiweiß konsumiert wird, als empfohlen. In Deutschland liegt die Eiweißzufuhr durchschnittlich bei 1,2 Gramm je Kilogramm Körpergewicht, also in dem für Ausdauerathleten empfohlenen Bereich. Ein leicht erhöhter Proteinbedarf bei Ausdauersportlern dürfte dadurch zustande kommen, dass nach Abbau der Glykogenreserven verschiedene Aminosäuren als Energieträger herangezogen werden, z.B. die verzweigtkettigen Aminosäuren. Beim Kraftsportler spielt eine Energiegewinnung aus Aminosäuren keine Rolle, vielmehr besteht der Mehrbedarf an Aminosäuren durch den belastungsbedingten Gewebsumbau.

Aminosäuren sind nicht nur Proteinbausteine, sondern haben darüber hinaus zahlreiche wichtige Funktionen im Stoffwechsel. Zu erwähnen sind besonders ihre Bedeutung als Neurotransmitter (Glycin, Glutaminsäure, Asparaginsäure) oder als unmittelbare Vorstufe für die Neurotransmittersynthese (Tyrosin, Tryptophan, Histidin). Aminosäuren sind auch Ausgangssubstanz für die Bildung wichtiger Biomoleküle wie Glutathion, Carnitin, Kreatin, Purine, Stickstoffmonoxid etc. Einige Aminosäuren können für den Sportler aufgrund ihrer Eigenschaften von Nutzen sein, da sie z.B. in der Lage sind, die Regeneration nach körperlicher Belastung zu beschleunigen und einer Immunschwäche vorzubeugen. Zu diesen Aminosäuren gehören:

 

Arginin

Arginin ist eine bedingt essentielle Aminosäure, das heißt, sie kann vom Stoffwechsel eines gesunden Erwachsenen selbst hergestellt werden. Für Säuglinge und Kleinkinder wird Arginin als essentiell eingestuft. Arginin hat an der Ammoniakentgiftung (Harnstoffzyklus) einen Anteil und ist zugleich die Ausgangssubstanz für die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO), einem gasförmigen Signalmolekül, das für die Regulierung der Gefäßweite und Durchblutung sowie für die Immunkompetenz eine zentrale Rolle spielt. Die Makrophagen (Fresszellen) verwenden NO zur Bekämpfung von Erregern in der Zelle wie z.B. Viren. Für den Sportler kann die Einnahme von Argininsupplementen in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft sein, weil Arginin die Wundheilung fördert, die Durchblutung der Muskulatur verbessert, das Immunsystem stärkt und die Biosynthese von Kreatin fördert. Schon länger ist bekannt, dass Arginin, in größeren Mengen intravenös verabreicht, die Sekretion des Wachstumshormons steigert. Es ist allerdings umstritten, ob dieser Effekt auch bei oraler Gabe eintritt.

 

Verzweigtkettige Aminosäuren

Die Aminosäuren Isoleucin, Leucin und Valin bilden die Gruppe der verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAAs = branched-chain amino acids). Sie sind für den Muskelstoffwechsel und für die Muskelproteinsynthese von entscheidender Bedeutung. Die kontraktilen Muskelproteine bestehen zu 35 Prozent aus BCAAs. Leucin, Isoleucin und Valin können im Bedarfsfall zur Energiegewinnung der Muskulatur herangezogen werden, wenn die Glykogenreserven der Muskelzellen erschöpft sind. Dies ist z.B. bei einem Marathonlauf der Fall; es kommt dann zu einem Abfall der Konzentration der BCAAs im Blut. Insbesondere Leucin hat auch einen regulierenden Effekt auf den Muskelstoffwechsel, z.B. durch die Beeinflussung der Glukoseverbrennung in der Skelettmuskulatur.

In den letzten Jahren konnte auch nachgewiesen werden, dass Leucin durch Aktivierung des so genannten mTOR-Signalwegs die Muskelproteinsynthese stimuliert. Die Wirkung einer BCAAs-Supplementierung wurde in vielen Studien untersucht - mit sehr uneinheitlichen Ergebnissen. In mehreren dieser Untersuchungen konnte aber doch ein günstiger Effekt für die sportliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden, z.B. eine schnelle Erholung des Immunsystems, eine Stabilisierung der Glutaminkonzentration, eine Verminderung von Muskelschäden, eine Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit und eine Reduzierung der Ermüdbarkeit.

 

Glutamin

Glutamin, eine bedingt essentielle Aminosäure, weist von allen Aminosäuren die höchsten Konzentrationen im Blut und in der Muskulatur auf. Glutamin ist ein lebenswichtiges Nährsubstrat für alle sich schnell teilenden Zellsysteme, z.B. für die Zellen der Darmschleimhaut und des Immunsystems. Es ist außerdem ein Regulator der Muskelproteinbilanz, Ausgangsubstanz für die Glutathionsynthese und mitverantwortlich für die Regulierung des Säure-Basen-Haushalts. Bei intensiver körperlicher Belastung kommt es zu einem deutlich erhöhten Glutaminverbrauch und –bedarf. Zum Beispiel bei Ausdauerbelastung zeigt sich ein Abfall der Glutaminplasmaspiegel.

Ähnlich wie die Supplemente der verzweigtkettigen Aminosäuren wurden in verschiednen Studien ebenso Sportlern verabreichte Glutaminsupplemente auf ihre Wirkung hin getestet. Auch bezüglich des Glutamins fallen die Ergebnisse verschieden aus. In einigen Untersuchungen war überhaupt kein Effekt nachweisbar, in anderen konnte z.B. nachgewiesen werden, dass eine längerfristige Nahrungsergänzung mit Glutamin den belastungsbedingten Ammoniakanstieg bei Fußballspielern verringerte. Außerdem wurde wiederholt festgestellt, dass nach intensiven Training die Einnahme eines glutaminhaltigen Getränks die Infektionsrate verringerte. Es gibt auch Hinweise, dass Glutamin die Muskelproteinsynthese verbessert.

 

Cystein

Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die für den antioxidativen Schutz des Organismus eine maßgebende Rolle spielt. Cystein ist eine Vorläufersubstanz für die Glutathionsynthese und an der Regulierung der Muskelproteinbilanz beteiligt. Niedrige Cysteinkonzentrationen fördern den Muskelproteinverlust. Cystein wird meist in Form von N-Acetylcystein (NAC) supplementiert, dessen Wirksamkeit im Sport ebenfalls in einigen Studien untersucht wurde. Man konnte feststellen, dass die Einnahme von NAC bei Ausdauerathleten die Muskelermüdung verminderte, wahrscheinlich durch eine günstige Beeinflussung der Natrium-/ Kaliumpumpe. Bei griechischen Basketballspielern ergaben die Untersuchungen, dass die Einnahme von Cystein trainingsbedingte DNA-Schäden zu verringern vermochte.

 

Methionin

Methionin ist eine essentielle schwefelhaltige Aminosäure, die für die Proteinsynthese und für zahlreiche Stoffwechselreaktionen benötigt wird. Ein erhöhter Methioninbedarf besteht in anabolen Phasen; allerdings sollte Methionin nicht leichtfertig eingenommen werden, da bei dessen Abbau erhebliche Mengen an Wasserstoffionen anfallen, die z.B. eine verstärkte Calciumausscheidung bewirken können. Außerdem kann es nach einer Methioninbelastung auch zu einem Anstieg von Homocystein kommen, einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Taurin

Taurin ist ein schwefelhaltiges Aminosäurenderivat mit zahlreichen Funktionen im Stoffwechsel. Es wirkt z.B. antioxidativ, entzündungshemmend, immunstimulierend, antiarrhythmisch, herzmuskelstärkend, cholesterinsenkend u.v.m. Taurin wird gerne von Kraftsportlern verwendet, um den Flüssigkeitshaushalt in den Muskelzellen zu optimieren. Im Ausdauersport kann Taurin zur Verbesserung und Stabilisierung der Herzmuskelkraft beitragen. Ein Taurinmangel erhöht die Entzündungsbereitschaft und vermindert die Immunkompetenz.

 

Weitere Aminosäuren

Glycin besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. In einer spanischen Studie, die im Jahr 2007 veröffentlicht wurde, zeigte Glycin eine gute Wirksamkeit gegen entzündliche und degenerative Gelenkbeschwerden. Bei Fußballspielern konnte ein Zusammenhang zwischen der Verletzungsanfälligkeit und niedrigen Glycinkonzentrationen im Blut festgestellt werden. Die Aminosäure Tyrosin kann bei längerer körperlicher Belastung zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer hilfreich sein.

Aminosäuren sind mit Sicherheit für viele leistungsorientierte Sportler förderlich, sie sollten jedoch nicht nach dem Motto eingenommen werden: „Viel hilft viel.“ Eine unsachgemäße Einnahme von Aminosäuren kann nämlich im Stoffwechsel auch ein Aminosäurenungleichgewicht auslösen, das dann möglicherweise auch zu gesundheitlichen Problemen führt. Die 20 Aminosäuren werden über lediglich 9 Transportsysteme in die Zellen gebracht. Es kommt deshalb sehr darauf an, dass das Verhältnis der Aminosäuren zueinander ausgeglichen ist, bevor sie in die Zellen gelangen.

Wir empfehlen deshalb vor einer Nahrungsergänzung mit Aminosäuren die Durchführung einer Aminosäurenanalyse im Blut. Aufgrund der Ergebnisse kann dann eine sinnvolle und gezielte Therapie mit Aminosäuren erfolgen.

 

 

Referenzen:
  1. Tsakiris S et al.: The benefical effect of L-cysteine supplementation on DNA oxidation induced by forced training; Pharmacol Res. 2006 Apr; 53(4): 386-90
  2. Bassit RA et al.: Branced-chain amino acid supplementation and the immune response of long-distance athletes; Nutrition 2002 May; 18(5): 376-9
  3. Melvin Williams: Dietary supplements and sports performance: amino acids; Journal of the International Society of Sports Nutrition 2(2): 63-67, 2005
  4. Gleeson M et al.: Dosing and efficacy of glutamine supplementation in human exercise and sport training; J. Nutr. 2008 Oct; 138(10): 2045S-2049S
  5. Bassini-Cameron A et al.: Glutamine protects against increases in blood ammonia in football players in an exercise intensity-dependent way; Br. J Sports Med. 2008 Apr; 42(4): 260-6
  6. Klaus Arndt, Torsten Albers: Handbuch Protein und Aminosäuren; Novagenics 2001
  7. Uwe Gröber: Metabolic Tuning statt Doping; S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2008

Veröffentlicht:
Body Media, Januar/ Februar 2009; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

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