immunsystem vertigo signs fotoliaDie Herbst- und Wintermonate sind für viele auch „Erkältungsmonate“. Um drohenden Infekten vorzubeugen, ist es sinnvoll, die Voraussetzungen für ein intaktes Immunsystems ein bisschen zu verstehen. Die Aufgabe des Immunsystems besteht darin, den Organismus vor schädlichen äußeren Einflüssen wie z.B. Viren, Bakterien und Pilzen zu schützen.

Auch körpereigene Zellen können so geschädigt sein, dass sie vom Immunsystem erkannt und beseitigt werden müssen. Das Immunsystem sollte angemessen reagieren, d.h. eine Unterfunktion mit einer ggf. daraus resultierenden Infektanfälligkeit oder eine Überfunktion, wie sie bei Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen vorkommen, sind nicht erwünscht. Viele verschiedene Faktoren können zu einer Dysregulation und verminderten Funktionsfähigkeit des Immunsystems führen. Dazu zählen z.B. Ernährungsfaktoren wie Unterernährung, Überernährung und Mikronährstoffmängel durch Fehlernährung. Auch die psychische Befindlichkeit des Menschen hat einen großen Einfluss auf die Aktivität des Immunsystems. Es ist z.B. vielfach nachgewiesen, dass chronischer psychischer Stress oder auch Depressionen und Angstzustände die Freisetzung von Entzündungsmediatoren fördern und die Aktivität von Immunzellen wie Lymphozyten und Makrophagen beeinträchtigen. Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu einem Nachlassen der Immunfunktion, weshalb Senioren leichter Infektionskrankheiten erleiden. Das Immunsystem ist gerade in der heutigen Zeit einer Vielzahl von belastenden Faktoren ausgesetzt; zu erwähnen sind Umweltschadstoffe wie Schwermetalle, Pestizide und Holzschutzmittel, ferner Genussmittel, Lebensmittelzusatzstoffe, Medikamenteneinnahmen, z.B. Antibiotika, sowie viele andere Lebensstilfaktoren.

Zur Erfüllung seiner vielfältigen Funktionen ist das Immunsystems stets auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren angewiesen. Wenn nur einer der benötigten Mikronährstoffe fehlt, kann sich dies bereits in einer gestörten Immunantwort bemerkbar machen. Es ist auch bekannt, dass eine optimale Zufuhr verschiedener Mikronährstoffe einen positiven und regulierenden Effekt auf das Immunsystem hat. Eine andauernd hohe Aktivität des Immunsystems, wie sie z.B. bei chronischen Entzündungen auftritt, führt zu einer vermehrten Bildung von freien Radikalen, die wiederum einen Mehrbedarf an Antioxidantien nach sich zieht. Im Folgenden wird die Bedeutung einiger Mikronährstoffe für das Immunsystem kurz angerissen:

Eine Auswahl an Mikronährstoffen, die für das Immunsystem bedeutsam sind, finden Sie im WOHL&FÜHLEN-Info-Kasten. Wer jetzt allerdings glaubt, die willkürliche Einnahme möglichst vieler Mikronährstoffe würde besonders gut helfen, kann sich auch irren, denn: Ein gut funktionierendes Immunsystem ist von einer ausgewogen abgestimmten Mikronährstoffversorgung abhängig. Besonders die eigenmächtige Zufuhr von Aminosäuren kann sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken.

Wer gezielt sein Immunsystem unterstützen möchte, sollte deshalb sein Blut einer genauen Mikronährstoffanalyse unterziehen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Laboruntersuchung kann beurteilt werden, welche Mikronährstoffe als Nahrungsergänzung sinnvollerweise zugeführt werden sollten und in welchem Umfang:

 

WOHL&FÜHLEN Gesundheitstips:

 

Vitamin C

ist das wichtigste wasserlösliche Antioxidans und hat vielfältige Funktionen im Immunsystem. Es stimuliert die zelluläre und humorale Immunantwort und verlängert die Funktionsdauer der Immunzellen. Vitamin C beschleunigt auch den Histaminabbau im Blut; Histamin ist ein Molekül, das wesentlich am Zustandekommen der Erkältungssymptome teilhat.

 

Vitamin E

verbessert die Immunkompetenz bei älteren Menschen. Es vermindert die Bildung und Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe des Immunsystems und schützt dessen Zellmembranen vor freien Radikalen.

 

Vitamin A

Ein Mangel kann die Infektanfälligkeit der Atemwege erhöhen. Vitamin A ist wichtig für die richtige Entwicklung und für den Schutz von Haut und Schleimhäuten, die die erste Abwehrbarriere für Bakterien darstellen. Außerdem wird Vitamin A für die Aktivität verschiedener Immunzellen benötigt.

 

Vitamin D 

ist ein Immunmodulator, der vor allem ein Überreagieren des Immunsystems verhindern kann; außerdem wird Vitamin D für die richtige Entwicklung der Immunzellen benötigt. Eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung kommt sehr häufig vor.

 

Vitamin B6

ist für die Bildung der Antikörper und für die zelluläre Immunität erforderlich.
Auch ein Folsäuremangel kann zu einer Immunschwäche führen, z.B. aufgrund einer Reduzierung der Antikörpersynthese oder einer unzureichenden Bildung neuer Immunzellen.

 

Zink

ist für das Abwehrsystem von zentraler Bedeutung. Bei einem Zinkmangel kommt es zu einer deutlichen Verminderung der zellulären Immunität und der Antikörperproduktion. Auch die Fähigkeit der Fresszellen (Makrophagen) zur Aufnahme von Krankheitserregern ist erheblich beeinträchtigt. Es entsteht eine erhöhte Anfälligkeit für Virusinfekte und für allergische Erkrankungen.

 

Selen

ist ein Bestandteil der Glutathionperoxidase, einem wichtigen Enzym zur Bekämpfung freier Radikale. Es wird für die Antikörperproduktion benötigt und stimuliert die Aktivität der NK-Zellen sowie die Bildung von Botenstoffen des Immunsystems (Cytokine). Ein Selenmangel erhöht die Infektanfälligkeit gegenüber Viren und steigert die Komplikationsrate bei Infektionen.

 

Kupfer

Ein Mangel bewirkt eine Verminderung der Anzahl der weißen Blutkörperchen.

 

Arginin

ist die Ausgangssubstanz für den gasförmigen Signalstoff Stickoxid (NO). Die Makrophagen produzieren dieses Gas in großen Mengen zur Bekämpfung der Erreger in den Zellen. Arginin verbessert zum einen die Immunkompetenz als Lieferant von NO, zum anderen trägt es zur Stimulierung der Aktivität und Neubildung der Lymphozyten bei.

 

Cystein

spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem, da die Glutathionsynthese wesentlich vom Cysteinangebot abhängt. Glutathion ist eines der wichtigsten Moleküle für die Immunregulation. Bei einem Cystein-/ Glutathionmangel kommt es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit. Umgekehrt führen schwere und langandauernde Infektionskrankheiten auch sehr häufig zu einem Cystein-/ Glutathionmangel.

 

Glycin

In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise, dass Glycin ein wichtiger immunmodulierender Nährstoff mit der Fähigkeit ist, entzündliche Prozesse zu vermindern. Glycin ist also vor allem für die Abschwächung überschießender Immunreaktionen hilfreich.

 

Glutamin

ist ein Hauptenergiesubstrat des Immunsystems und auch der Zellen des Darmtrakts. Ein Glutaminmangel beeinträchtigt deshalb die Funktionsfähigkeit des Dünndarms und die Aktivität des Immunsystems. Es kommt zu einer verminderten Bildung von Botenstoffen des Immunsystems und vor allem auch zu einer reduzierten Neubildung der Immunzellen. Glutamin gehört neben Arginin zur so genannten Immunonutrition, einer immununterstützenden Therapie, die heute auch oftmals in der Intensivmedizin angewandt wird.

 

Taurin

ist ein Aminosäurederivat mit sehr vielfältigen Eigenschaften; dazu gehört ein antientzündlicher Effekt, der notwendig ist, um ein Überschießen von Immunreaktionen bei bakteriellen Infektionen zu verhindern. Ein Taurinmangel begünstigt Lungenentzündungen bei Kindern und Erwachsenen.

 

Orthomolekulare Laboruntersuchungen: bestimmt werden Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren im Blut. Es werden Mikronährstoffprofile für bestimmte Erkrankungen und Organsysteme angeboten wie z.B. für das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem oder für den Bewegungsapparat. Aufgrund des Analysenergebnisses wird ein persönlicher Befundbericht mit genauer Therapieempfehlung erstellt. Mehr Infos: Diagnostisches Centrum für Mineralanalytikund Spektroskopie DCMS GmbH

 

 

Veröffentlicht:
Wohl&Fühlen, Herbst/ Winter/ Frühjahr 2008/2009, Autor: DCMS GmbH
Bild: Vertigo Signs, Fotolia.com

husten-sigrid-rossmann-pixelio 2Die Wirkung von Mikronährstoffen bei Asthma Bronchiale

Asthma bronchiale ist ein klinisches Syndrom mit verschiedenen Symptomen, die von milden saisonalen Beschwerden bis zu einer schweren, lebensbedrohlichen Atemnot reichen können. Der Atemfluss wird durch asthmatische Bronchokonstriktion, Schwellung der Schleimhäute, Hypersekretion der Drüsen und eine Viskositätszunahme des Schleims beeinträchtigt. Typisch für das Asthma bronchiale ist auch eine bronchiale Hyperreagibilität, bei der das Bronchialsystem des Betroffenen auf verschiedene Reize wie kalte Luft, körperliche Anstrengung etc. mit einer Bronchokonstriktion reagiert.

Der Asthma-Symptomatik liegt eine chronische Entzündung der Bronchien mit Zellinfiltraten zugrunde, bestehend aus Mastzellen, Lymphozyten und eosinophilen Granulozyten. Lymphozyten bilden proinflammatorische Zytokine; Mastzellen speichern und sezernieren Mediatoren wie Histamin, Tryptase und Prostaglandin D2; eosinophile Granulozyten produzieren Leukotriene, Sauerstoffradikale und verschiedene toxische Metabolite wie das Major Basic Protein (MBP) und die eosinophile Peroxidase (EPO).

Unter den Zytokinen ist das Interleukin-5 spezifisch für eosinophile Granulozyten. Die Bestimmung von IL-5 könnte zukünftig für die Diagnostik und für die Verlaufskontrolle des Asthmas eine wichtige Rolle spielen.

Die Hauptschwerpunkte der antiasthmatischen Therapie sind die Bronchospasmolyse und die Entzündungshemmung. Darüberhinaus können verschiedene Mikronährstoffe als adjuvante Therapie den Verlauf und Schweregrad des Asthma bronchiale bessern. Einige Mikronährstoffe haben immunmodulierende, antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften und können deshalb die pathobiochemischen Mechanismen des Asthma bronchiale günstig beinflussen.

 


Vitamin A

Ein marginaler Vitamin-A-Mangel fördert Erkrankungen der Atemwege durch Veränderungen der Respirationsschleimhaut. Diese Veränderungen bestehen aus einem Verlust an Flimmerepithel und einer Zunahme sezernierender Zellen. Zwischen einem leichten Vitamin-A-Mangel und der Häufigkeit respiratorischer Infekte besteht eine nachgewiesene Korrelation. Vitamin A reguliert die Genexpression der Immunglobuline. Bei einem Vitamin-A-Mangel kann deshalb die Antikörperbildung vermindert sein. Außerdem wird eine Verringerung der Zahl der NK-Zellen beobachtet.

Eine Vitamin-A-Supplementierung verbesserte bei Patienten mit COPD die Lungenfunktion; bei Kindern senkte Vitamin A die Zahl und Länge respiratorischer Infekte.

 

Vitamin C

Asthmatiker haben in der Regel erniedrigte Vitamin-C-Konzentrationen im Blutplasma und im epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Vitamin C ist neben Glutathion das wichtigste Antioxidans im Bronchialsekret. Histamin ist ein Entzündungsmediator, der bronchokonstriktorisch wirkt und die Gefäßpermeabilität erhöht. Niedrige Vitamin-C-Plasma-Konzentrationen führen zu einem Histaminanstieg im Blutplasma. Die chemotaktische Aktivität der neutrophilen Granulozyten fällt bei einem Histaminanstieg im Blutplasma ab und steigt bei einer Vitamin-C-Supplementierung an.

Vitamin C hat offensichtlich auch einen protektiven Effekt gegen Anstrengungsasthma. In Placebo-kontrollierten Versuchen zeigten 2 g Vitamin C vor einer siebenminütigen körperlichen Belastung bei ca. 50 % der Patienten eine vorbeugende Wirkung gegen Asthma-Anfälle.

 

Vitamin E

Bei Asthmapatienten werden vermehrt Leukotriene gebildet. Die wasserlöslichen Leukotriene sind potente Bronchokonstriktoren und dabei 200- bis 2000fach stärker wirksam als Histamin. Vitamin E beeinflusst den Arachidonsäuremetabolismus durch Verminderung der Aktivität der Lipoxigenase und Cyclooxigenase. Dadurch werden weniger proinflammatorische Leukotriene und Prostaglandine gebildet.

Neben dem antientzündlichen Effekt spielt auch die antioxidative Wirkung von Vitamin E bei Asthma eine Rolle, da Entzündungsmediatoren vermehrt freie Radikale erzeugen. Eine Stichprobe von ca. 2600 Erwachsenen ergab, das höhere Vitamin-E-Konzentrationen mit niedrigeren IgE-Serum-Konzentrationen und mit einer weniger häufigen Allergen-Sensibilisierung assoziiert sind.

 

Vitamin B6

Bei Asthma-Patienten wurden in einer Studie signifikant niedrigere Vitamin-B6-Konzentrationen gefunden. Eine hochdosierte Vitamin-B6-Supplementierung mit
2 x 50 mg führte zu einer Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad der Asthma-Attacken. In einigen Studien wurde nachgewiesen, dass eine antiasthmatische Therapie mit Theophylin die Vitamin-B6-Spiegel erheblich verminderte, so dass bei einer Therapie mit Theophylin auf jeden Fall auf eine ausreichende Vitamin-B6-Versorgung geachtet werden muss.

 

Vitamin B12

In einer Untersuchung führte eine wöchentliche intramuskuläre Injektion von 1000 µg Vitamin B12 über einen Zeitraum von 4 Wochen zu einer deutlichen Verbesserung der Asthma-Symptomatik. Eine Sulfit-Intoleranz verschlechtert die Symptomatik bei vielen Asthma-Patienten. In einer kleinen Studie an Kindern mit Asthma und nachgewiesener Sulfit-Intoleranz konnte ein Bronchospasmus nach Sulfitexposition verhindert werden, wenn zuvor 1,5 mg Cyanocobalamin eingenommen wurde.

 

Magnesium

Bei Asthmapatienten wurden mehrfach erniedrigte Magnesiumkonzentrationen im Serum und in den Erythrozyten nachgewiesen. Verminderte Magnesium- und Phosphatkonzentrationen sind die häufigste Elektrolytstörungen bei Patienten mit chronischem Asthma. In einigen Studien erwies sich Magnesium in Form einer intravenösen Magnesiumsulfat-Applikation als hilfreich in der Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls, besonders wenn die Magnesium-Injektion rechtzeitig durchgeführt wurde. Ein Magnesium-Defizit senkt die allergische Reaktionsschwelle, Mastzellen setzten dann schneller und vermehrt Histamin frei.

 

Zink

Bekanntlich ist Zink von herausragender Bedeutung für das Immunsystem. Bei einem Zinkmangel kommt es zu einer reduzierten zellulären und humoralen Immunreaktion. Ein Zinkdefizit fördert eine TH2-Polarisierung der Immunantwort. Die Proliferation von TH2-Zellen wird forciert auf Kosten der TH1-Zellen. TH2-Cytokine spielen eine zentrale Rolle für die Auslösung allergisch-entzündlicher Reaktionen.

Zink ist Teil der Cu/Zn-Superoxiddismutasen, die Zellmembranen vor der oxidativen Schädigung schützen. Zink wird benötigt zur Synthese des retinolbindenden Proteins, deshalb ist auch der Vitamin-A-Metabolismus zinkabhängig.

 

Selen

Über den Effekt einer Selen-Supplementierung bei Asthma bronchiale wurden bisher nur wenige Studien durchgeführt. Die vorhandenen Daten lassen aber den Schluss zu, dass eine Selensupplementierung bei Asthma bronchiale eine sinnvolle adjuvante Therapie darstellt. Ähnlich wie bei Zink fördert auch ein Selenmangel eine TH2-Immundominanz. Die selenhaltigen Glutathionperoxidasen sind wichtige antioxidative Schutzmechanismen.

 

Cystein/ Glutathion

Glutathion ist das wichtigste Antioxidans im epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Bei Asthmapatienten sind im Bronchiallumen vermehrt eosinophile Granulozyten, Mastzellen und Makrophagen nachweisbar. Letztere weisen einen deutlich höheren Aktivierungsgrad auf als bei Normalpersonen. Die vermehrte Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Sauerstoffradikalen erhöht den Glutathionverbrauch. Verschiedene Transkriptionsfaktoren wie AP-1 und NF-Kappa-B sind redoxsensitiv und werden bei einem Glutathionmangel vermehrt aktiviert. Dies führt zu einer verstärkten Bildung und Freisetzung proinflammatorischer Mediatoren.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine Cysteinsupplementierung in Form von N-Acetylcystein die Glutathionspiegel im Blut und in der Lunge verbessern kann. NAC wird im Körper in Cystein umgewandelt und eignet sich wegen seiner chemischen Stabilität besser zur Supplementierung als das oxidationsempfindliche Cystein. Ein Mangel an Thiolverbindungen (Cystein und Glutathion) begünstigt eine TH2-Immundominanz. Glutathion ist eines der wichtigsten Entgiftungmoleküle des Stoffwechsels; Umweltgifte, Zigarettenrauch, Autoabgase etc. erhöhen den Glutathionbedarf. Im Rahmen der hepatischen Biotransformation werden Steroidverbindungen mittels Glutathion entgiftet. Glucokortikoide sind häufig eingesetzte Medikamente gegen Asthma bronchiale. Eine Supplementierung mit Alpha-Liponsäure kann ebenfalls die Glutathionspiegel anheben und verbessert das Verhältnis von reduziertem zu oxidiertem Glutathion.

 

Fallbeispiel

Es handelt sich um die Mikronährstoffanalyse bei einer 82-jährigen Patientin mit folgenden Diagnosen: Asthma bronchiale, kompensierte Herzinsuffiziens, Osteoporose

 

 

dcms-stoffwechsel-profil-befund1

 

 

Beurteilung:

  • Cystein ist sehr niedrig
    reduzierte Glutathionsynthese, Immunschwäche

  • Hyperhomocysteinämie
    Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und erhöht den
    Argininbedarf

  • Magnesium ist grenzwertig
    erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit und allergische Reaktionsbereitschaft,
    Spasmophilie

  • Vitamin C ist grenzwertig
    Vitamin C ist neben Glutathion das wichtigste Antioxidans im Bronchialsekret, fördert den Histaminabbau

  • Hinweis auf eventuellen Eisenmangel
    Zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Eisensupplementierung ist die Ferritinbestimmung erforderlich.

 

Therapieempfehlung

Der Patientin wurden als Tagesdosis folgende Mikronährstoffe verordnet:

NAC 600                 2 x 1
Magnesium              600 mg
Vitamin C                1 g

Vitamin-B-Komplex mit

Folsäure                 800 µg
B12                       60 µg
B 6                        40 mg

Durch die Mikronährstofftherapie konnte eine deutliche Besserung der Asthmasymptomatik erreicht werden.

 

 

Referenzen:
  1. Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin, WVG 2002, 2. Auflage
  2. Eric R. Bravermann, M.D.: The Healing Nutrients Within, Basic Health 2003, third edition
  3. Alexander Kapp et al.: Allergische Entzündungen, Thieme 2002
  4. Jane Higdon, Ph. D.: An Evidence-Based Approach to Vitamins and Minerals, Thieme 2003
Veröffentlicht:
CO`MED Nr. 2 - 2005; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
 

 

 

wiese-avarooa-fotoliaNach epidemiologischen Untersuchungen leiden 25 – 30 % der Bevölkerung an allergischen Beschwerden. Die Prävalenz für eine Rhinitis allergica liegt bei 10 – 15 %, für ein allergisches Asthma bronchiale bei 5 – 10%.

Im Wesentlichen werden heute drei Hauptgruppen von Ursachen für das Entstehen von Allergien verantwortlich gemacht:

  1. eine genetische Disposition
  2. eine frühe Allergenexposition, z.B. Säuglingsernährung mit Kuhmilch
  3. eine Adjuvansexposition, z.B. Luftschadstoffe wie Ozon, Dieselruß, SO2

Einen protektiven Effekt haben virale und bakterielle Atemwegsinfektionen im Kindesalter. Eine allergische Reaktionsbereitschaft wird durch eine unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen begünstigt.

Einige Mikronährstoffe beeinflussen grundlegend die TH1/TH2 –Polarisierung des Immunsystems. T-Helferzellen vom Typ 1 spielen eine dominierende Rolle bei der Infektabwehr aller Erregertypen bis auf die Helminthen.

Die Effektorzellen der TH1-Lymphozyten sind die neutrophilen Granulozyten und Monozyten. Die Leitzytokine sind Interferon gamma, Interleukin 2 und der Tumornekrosefaktor beta.

Die TH2-Immunzellen sind von essentieller Bedeutung für die Abwehr von Helminthen und für die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft. Die Leitzytokine der TH2-Zellen sind die Interleukine 4, 5, 6, 9, 10,13. Die Effektorzellen sind eosinophile und basophile Granulozyten und Mastzellen.

Der Typ des Antigens sowie die Antigendosis spielen offensichtlich eine wichtige Rolle für die Polarisierung der T-Zellen. Während die systemische Exposition mit relativ hohen Antigendosen eher eine TH1-Immundominanz fördert, führt eine mucosale Antigenexposition mit geringen Dosen eher zu einer TH2-Immundominanz.

 

Cystein/ Glutathion

Eine fundamentale Bedeutung für die Polarisierung des Immunsystems und damit für die allergische Reaktionsbereitschaft hat das Redoxpotential der Immunzellen. Dieses wird hauptsächlich über das Verhältnis von reduziertem zu oxidiertem Glutathion bestimmt. Zahlreiche Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Verfügbarkeit von Thiolverbindungen maßgeblich das Cytokinmuster und die Steuerung des Immunsystems beeinflusst. Ein GSH-Mangel führt zu einer TH2-Immundominanz.

N-Acetyl-Cystein (NAC) ist eine Vorläufersubstanz für Cystein und Glutathion und wird häufig als Wirksubstanz zur Anhebung der cellulären Thiolkonzentrationen verwendet. Es zeigte sich, dass NAC die Expression von Interleukin 4 vermindert. Interleukin 4 ist das wichtigste proallergische Cytokin. Außerdem vermindert NAC die Expression von NF-Kappa-B in dentritischen Zellen. NF-Kappa-B ist ein wesentlicher Steuerungsfaktor für die Bildung von Entzündungsmediatoren. Die nachgewiesenen Effekte des NAC sind nur teilweise auf eine Anhebung des zellulären Glutathionspiegels zurückzuführen. Das Cystein hat auch eigenständige Effekte auf die Immunzellen.

 

Methionin

Methionin ist eine essentielle schwefelhaltige Aminosäure, aus der bei normalen Stoffwechselverhältnissen Cystein gebildet werden kann. Methionin ist ein Methylgruppendonator und kann den Histaminabbau zu N-Methyl-Histidin beschleunigen. Histamin ist bekanntlich einer der wichtigsten Mediatoren bei allergischen Erkrankungen.

 

Taurin

Taurin ist ein Metabolit des Cysteins und hat im Stoffwechsel vielfältige Funktionen wie Osmoregulation, Neuromodulation, antioxidative Schutzwirkung, Bildung von Gallensäurenkonjugaten etc. Für das Immunsystem ist die Bedeutung des Taurins im Rahmen von entzündlichen Prozessen wichtig. Taurin reagiert mit der von den Granulozyten freigesetzten hypochlorigen Säure unter Bildung von Taurinchloramin. Durch diese Reaktion wird die Toxizität der hypochlorigen Säure vermindert. Taurinchloramin hemmt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und TNF-alpha bei Entzündungen. Taurin wirkt protektiv gegen entzündliche Veränderungen der Lunge bei Ozon und anderen Umweltgiften.

 

Glutamin

Glutamin ist die Aminosäure mit der höchsten Konzentration im Blutplasma. Zu den Stoffwechselfunktionen des Glutamin gehört die Regulation der Muskelproteinsynthese und des Säuren-Basen-Gleichgewichts in den Nieren. Es ist Ausgangssubstanz für die Nukleotidsynthese und wird von den Immunzellen und Enterozyten als Energieträger verwertet. Niedrige Glutaminkonzentrationen sind mit einem Immundefizit und einer erhöhter Infektanfälligkeit verbunden. Bei schweren Infekten und Enzündungen kommt es häufig zu einer Glutaminverarmung des Organismus. Ein Glutaminmangel führt zu einer vermehrten Durchlässigkeit der Darmwand (leaky­gut-syndrome), wodurch auch vermehrt potentiell allergene Nahrungsbestandteile in die Blutbahn gelangen können.

 

Arginin

Arginin spielt eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Stickmonoxid (NO) ist ein gasförmiger Botenstoff, der aus Arginin in den Makrophagen gebildet wird. NO ist essentiell für die Bekämpfung intrazellulärer Erreger wie Viren und Mykoplasmen. TH1-Zellen aktivieren die induzierbare NO-Synthase und verstärken somit die Bildung von NO. TH2-Zellen stimulieren das Enzym Arginase, das Arginin zu Ornithin abbaut. Eine ausgeprägte TH2-Immundominanz kann zu einer verminderten Argininverfügbarkeit führen, da Arginin vermehrt zu Ornithin und Polyaminen abgebaut wird. Gleichzeitig ist die Bildung von NO sowie die Lymphozytenproliferation stark reduziert, wodurch die Bekämpfung vor allem intrazellulärer Erreger stark beeinträchtigt ist.

 

Vitamin C

Vitamin C ist das wichtigste wasserlösliche Antioxidans und an der Entgiftung immuntoxischer Schadstoffe beteiligt. Es senkt die Histaminblutspiegel. Asthmatiker haben häufig erniedrigte Vitamin-C-Spiegel in Plasma und Leukozyten. Oxidiertes Glutathion (GSSG) kann durch Vitamin C wieder regeneriert werden.

 

Vitamin E

Vitamn E ist das wichtigste lipidlösliche Antioxidans. Es wirkt antiinflammatorisch durch Hemmung einiger Enzyme der Arachidonsäure-Kaskade. Dadurch werden weniger PGE2 und LTB4 gebildet. Auch die Freisetzung proallergischer Zytokine wie Interleukin 4 und 6 wird vermindert.

 

Vitamin A

Ein Vitamin-A-Defizit erhöht die Infektanfälligkeit der Atemwege. Vitamin A ist wichtig für die Integrität der Schleimhäute und für die Immunkompetenz.

 

Vitamin D3

Es gibt zunehmend Hinweise aus Studien, dass pharmakologische Dosierungen von Vitamin D3 Autoimmunprozesse unterdrücken können. Grundsätzlich ist Vitamin D3 ein „Ordnungsfaktor“ des Immunsystems.

 

Calcium/ Magnesium

Magnesium wirkt als Mastzellstabilisator, die Ausschüttung der Mastzellmediatoren erfolgt erst bei stärkeren allergenen Reizen. Durch Calcium-Supplemente lässt sich die Freisetzung von Histamin vermindern.

 

Selen

Bei Asthmatikern wurden verminderte Selenkonzentrationen festgestellt. Durch eine mehrwöchige Selensupplementierung konnte bei kortikoidabhängigen Asthmatikern eine signifikante Reduktion der erforderlichen Glukokortikoid-Dosis erreicht werden.

 

Zink

Zink hat antiallergische und entzündungshemmende Eigenschaften. Ein Zinkmangel begünstigt das Auftreten allergischer Erkrankungen, da bei niedrigen Zinkkonzentrationen die Bildung der Typ1-Cytokine Interleukin 2 und Interferon- gamma vermindert ist. Die Produktion von Typ 2-Cytokinen wie Interleukin 4, 6 und 10 ist durch einen Zinkmangel nicht beeinträchtigt.

 

Fazit:
Mehrere Mikronährstoffe haben das therapeutische Potential, die allergische Reaktionsbereitschaft und allergische Symptome günstig zu beinflussen. Die Orthomolekulare Medizin ist eine sinnvolle und logisch nachvollziehbare Basistherapie bei allen allergischen Erkrankungen, weil einige Mikronährstoffe grundlegend die allergiespezifischen Fehlsteuerungen des Immunsystems beeinflussend verändern können.

Eine Therapie mit Mikronährstoffen bewährt sich auch in der klinischen Praxis. Bei einer Patientin mit schwerem Asthma bronchiale und multiplen Nahrungsmittelallergien konnte durch eine Supplementierung mit Glutamin, Taurin, Cystein und Glycin eine deutliche Besserung der Symptomatik erreicht werden.

Nach unserer Erfahrung ist eine orthomolekulare Labordiagnostik eine unbedingt notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie mit Mikronährstoffen. Besonders bei der Therapie mit Aminosäuren sollte eine Supplementierung nur auf der Basis vorhandener Laborwerte erfolgen und nicht aufgrund theoretisch biochemischer Überlegungen.

Da Allergien in den Industriestaaten stark zunehmen, wird die Therapie mit Mikronährstoffen zukünftig sicherlich an Bedeutung gewinnen.
 
 
 
Veröffentlicht:
Der Heilpraktiker & Volksheilkunde, Ausgabe 3/ 2004; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
Bild: Avarooa, Fotolia.com

Die Funktionen des Immunsystems sind in hohem Maße abhängig von einer ausreichenden Versorgung des Organismus mit Makro- und Mikronährstoffen. Mangel und Überernährung wirken sich negativ auf die Immunlage aus. Das Immunsystem steht in enger Wechselwirkung mit dem Nervensystem, der Psyche und dem Endokrinum im Sinne der Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie. Nur ein ausgewogenes Angebot an Aminosäuren, Energieträgern, Vitaminen und Mineralstoffen ermöglicht die optimale Synthese der für das Immunsystem wichtigen Biomoleküle wie Immunglobuline, Enzyme, Zytokine etc.

Der Protein- und Aminosäurenstoffwechsel steht unter endokriner Kontrolle. Insulin als wichtigstes anaboles Hormon fördert die Aufnahme von Aminosäuren in der Zelle und stimuliert die Proteinsynthese. Beim Überwiegen kataboler Hormone als Folge einer massiven Sympathikus-Stimulation kommt es zu einer verstärkten Muskelproteolyse, zu einer Steigerung der Glukoneogenese und Harnstoffsynthese. Bei Patienten nach schweren Operationen, Traumen, Infektionen, Entzündungen etc. kann deshalb ein erheblicher Proteinverlust auftreten.

 

Charakteristisch bei Erkrankungen mit katabolem Muskelstoffwechsel ist ein Anstieg der Glutaminsäure sowie ein Abfall der Plasmakonzentrationen von Glutamin und Cystein (CG-Mangelsyndrom). Verschiedene biochemische Mechanismen führen zu einem massiven Stickstoffverlust sowie zu einer Schwächung des Immunsystems.

Ein Proteinmangel beeinflußt vor allem die zellulären Immunreaktionen, wobei es u.a. zu einer Verringerung der Lymphozytenzahl und zu einer Einschränkung ihrer Funktion kommt. Die Produktion von Zytokinen ist herabgesetzt, außerdem ist die zytotoxische Aktivität der natürlichen Killerzellen, Makrophagen etc. verringert. Insgesamt resultiert eine erhöhte Anfälligkeit für bakterielle Infekte. Für einige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ist schon länger ein positiver Effekt auf das Immunsystem nachgewiesen und wird auch therapeutisch genutzt. Das Immunsystem ist aber auch elementar auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Aminosäuren angewiesen zur Peptid- und Proteinsynthese.

Zu einem Mangel an Aminosäuren kann es aus unterschiedlichen Gründen kommen:
Durch Fehlernährung, durch sämtliche Erkrankungen, die mit Maldigestion und Malabsorption verbunden sind. Durch Veränderung der neuroendokrinen Reaktionslage (Überwiegen kataboler Hormone) werden Aminosäuren in die Glukoneogenese eingeschleust und zur Energiegewinnung herangezogen. Bei einigen Erkrankungen können nichtessentielle Aminosäuren nicht mehr ausreichend synthetisiert werden (z.B. Niereninsuffizienz). Bei sehr starker körperlicher Beanspruchung, z.B. Leistungssport, werden einige Aminosäuren zur Energiegewinnung oxidiert.

Ein ganz wichtiger Aspekt, der ernährungsphysiologisch bisher eher wenig Beachtung findet, ist die Frage nach der Qualität der Nahrungsbausteine, die dem Körper zur Verfügung stehen. Nach Ohlenschläger können alle Aminosäuren einer Schädigung durch freie Radikale unterliegen. Metallionen induzieren häufig Veränderungen an Histidin, Arginin, Cystein, Lysin und Methionin. Cystein und Histidin im aktiven Zentrum von Enzymen sind bevorzugter Angriffsort radikalischer Reaktionen. Von besonderer pathobiochemischer Bedeutung sind die Veränderungen des Cysteins. SH-Gruppen gehen sehr leicht Chelatbindungen ein und werden leicht oxidiert, wodurch die Bildung von Disulfid-Brücken gestört ist. Dadurch kommt es zu beträchtlichen Veränderungen in der Struktur und Funktion von Proteinen. Außerdem ist die Glutathionsynthese gestört, Glutathion ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans und stabilisiert das Redoxpotential der Zelle. Gerade für die Zellen des Immunsystems spielt Glutathion eine herausragende Rolle. Die verschiedenen Proteine der Immunglobulin-Gen-Superfamilie haben als gemeinsame Funktion die spezifische Erkennung und Unterscheidung von Makromolekülen. Cytokine sind hormonähnliche Peptide und Proteine mit Signalfunktion, die das Immunsystem steuern. Für eine regelrechte Proteinsynthese müssen alle Aminosäuren ausreichend verfügbar sein, das gilt natürlich insbesondere für die essentiellen Aminosäuren. Im Folgenden sollen nun einige Aminosäuren näher besprochen werden, die eine besondere Bedeutung für das Imunsystem haben.

 

Glutamin

Glutamin ist die Aminosäure mit der höchsten Konzentration in Plasma und Muskelgewebe und hat die höchste Umsatzrate aller Aminosäuren. Glutamin hat eine entscheidende Bedeutung für die Lymphozytenproliferation und die Differenzierung der B-Zellen; auch die Phagozytoseleistung der Makrophagen sowie die Expression bestimmter Antigene ist Glutaminabhängig. Katabole Krankheitszustände, wie schwere Infekte, Traumen, Entzündungen, Krebserkrankungen etc. gehen fast immer mit einer ausgeprägten Glutaminverarmung einher. Die intestinale Aufnahme von Glutamin steigt bei metabolischem Streß stark an und vermindert den Glutaminpool. Die endogene Synthese kann den Bedarf nicht decken, so daß dem Immunsystem zu wenig Glutamin zur Verfügung steht. Dadurch erklärt sich zum größten Teil die Immunsuppression im Postaggressionsstoffwechsel.

Glutamin hat auch einen erheblichen Einfluß auf die Regulation des Muskelprotein-Gleichgewichts, für anabole Vorgänge ist eine entsprechende Konzentration von Glutamin in der Muskulatur erforderlich. Abnormal tiefe Plasma-Glutaminwerte finden sich besonders bei HIV-Patienten. Seit der Einführung glutaminhaltiger Dipeptide im Rahmen der parenteralen Ernährung konnte eine deutliche Verringerung der Infektions- und Komplikationsrate festgestellt werden.

 

Cystein

Cystein spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Bei Infekten und/oder Immunschwächen besteht häufig ein Mangel an Cystein. Durch die Bildung von Disulfidbrücken ist Cystein für Aufbau, Konformation, Struktur und Funktion fast aller Peptide, Proteine und Enzyme wichtig. Dies gilt besonders auch für die Immunzellen mit ihren verschiedenen Rezeptorformen.

Die physiologische, dreidimensionale Raumentfaltung wird durch definiert angeordnete Disulfidbrücken gewährleistet. Für die biologische Funktion des Tripeptids Glutathion ist vor allem der Cysteinanteil entscheidend. Das Glutathionsystem garantiert die Redoxgrundregulation aller Zellen und ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans. Die SH-Gruppen des Cysteins schützen auch bei unterschiedlichen Strahlenschäden die DNA und RNA. Allerdings sind gerade die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin
und Cystein besonders empfindlich gegenüber oxidativem Streß. Schwermetallbelastete, proteinhaltige Lebensmittel enthalten nach Ohlenschläger das Cystein bereits oft in Chelatbildung. Die biologische Verfügbarkeit unveränderter Cysteinmoleküle ist also in der heutigen Zeit zunehmend in Frage gestellt.

Bei schweren Krankheiten, wie HIV-Infektionen, Tumorerkrankungen und entzündlichen Darmerkrankungen wird neben einem Glutaminmangel fast immer auch ein niedriger Cysteinspiegel im Blut festgestellt, die Glutaminsäure ist häufig erhöht. Man nennt diese Konstellation Low-CG-Syndrome (CG-Mangelsyndrom). Dabei kommt es zu massiven Stickstoffverlusten des Organismus. Es besteht eine erhöhte glycolytische Aktivität mit Lactatbildung in der Muskulatur; in der Leber wird Cystein verstärkt abgebaut. Das beim Eiweißabbau anfallende Ammoniak wird in Harnstoff umgewandelt und ausgeschieden.

Prinzipiell könnte das beim Eiweißabbau anfallende Ammoniak auch zur Bildung von Glutamin verwendet werden und somit für anabole Stoffwechselvorgänge. In dieser besonderen Situation läuft dieser Syntheseweg nur in ganz geringem Umfange ab. N-Acetylcystein (NAC) ist ein Derivat von Cystein, das chemisch stabil ist im Gegensatz zu Cystein und sich deshalb zur Substitutionstherapie eignet. NAC fördert auch die Glutathionsynthese. NAC scheint auch nach ersten Studien dem Verlust von Skelettmuskulatur entgegenzuwirken, wie er beim CGMangelsyndrom typisch ist.

 

Taurin

Taurin ist in hoher Konzentration in Leukozyten enthalten und erhöht die Aktivität von NK-Zellen sowie die Freisetzung von Interleukin 1. Eine Taurinverarmung des Gewebepools erhöht die Entzündungsbereitschaft. Taurin schützt die Zellen vor einem erhöhten Calcium-Influx als Folge einer Lipidperoxidation durch freie Radikale.

 

Arginin

Arginin ist die Vorstufe von Stickoxid, einem Signalmolekül, das auch von Makrophagen freigesetzt wird und inzwischen als wichtiger Immunmodulator gilt. Über verschiedene biochemische Mechanismen hat NO auch eine direkte antimikrobielle Wirkung. Es gibt inzwischen zahlreiche experimentelle Ergebnisse zu immunologischen Effekten von Arginin, wie z.B. Erhöhung des Thymusgewichtes, der Lymphozytenanzahl, der Lymphozytenproliferation, der cytolytischen Kapazität von Makrophagen u.v.m. Die bisher vorliegenden klinischen Studien zeigen eine Immunstimulation bei Arginingaben im Gramm-Bereich.

 

Threonin

Threonin ist eine essentielle Aminosäure, die am schlechtesten im Dünndarm resorbiert wird. Es spielt insofern eine wichtige Rolle für das Immunsystem, weil es als einzige der essentiellen Aminosäuren als Bindeglied zwischen dem Protein- und Kohlenhydratanteil der Glykoproteine fungiert. Die verschiedenen Rezeptoren der Immunzellen und die meisten Immunglobuline sind Glykoproteine. Wir beobachten häufig niedrige Threoninspiegel im Serum bei den verschiedenen Formen der Malabsorption und bei Darmdysbiose.

 

Carnitin

Carnitin besteht aus den Aminosäuren Methionin und Lysin und ist das Carriermolekül, das Fettsäuren vom Cytoplasma in die Mitochondrien transportiert. Camitin kann aber auch verschiedene Zellen des Immunsystems beeinflussen, es steigert z.B. die Phagozytoseleistung menschlicher Granulozyten und stimuliert Makrophagen. HIVPatienten leiden häufig an einem Carnitin-Mangel.

 

Niedrige Glutamin- und Cystein-Konzentrationen sind charakteristisch für schwere Infektionskrankheiten (CG-Mangelsyndrom). Die Glutaminsäure ist typischerweise erhöht, erhöhte extrazelluläre Glutamat-Konzentrationen verhindern die Aufnahme von Cystein in Makrophagen und stören die Glutathion-Synthese. Die Methionin-Konzentration im Serum ist bei diesem Patienten ebenfalls sehr niedrig, so daß von einer unzureichenden endogenen Cysteinbildung und CamitinSynthese auszugehen ist.

Ein niedrig-normaler Taurinspiegel ist wegen der antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften dieser Aminosäure ungünstig bei HIV-Infektionen. Threonin-Mangel kann häufig bei Malabsorption beobachtet werden, weil diese Aminosäure am schlechtesten resorbiert wird. Threonin ist ein wichtiger Bestandteil der Immunglobuline.

 

Veröffentlicht:
PRAXIS-telegramm – Nr. 9/1999; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
 

Unsere Empfehlung für eine Mikronährstoffanalyse: DCMS-Immun-Profil

 

 

 

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