Die Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der etwa 10 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Das sind in Deutschland etwa acht Millionen Menschen, wobei die Migräne bei Frauen dreimal häufiger auftritt als bei Männern.

Die Migräne ist typischerweise durch einen periodisch wiederkehrenden, anfallartigen, pulsierenden und meist halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet. Dazu kommen weitere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Man unterscheidet prinzipiell zwischen einer Migräne ohne Aura, die etwa 80 bis 85 Prozent der Migränefälle ausmacht und einer Migräne mit Aura (klassische Migräne).

Eine Aura ist durch reversible neurologische Symptome, z.B. Sehstörungen, Gesichtsausfälle, Lichtblitzen, Wahrnehmen von bunten Linien und Flimmern, Gefühlsstörungen mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl, Sprachstörungen und einiges mehr charakterisiert. Die Aurasymptome halten im Durchschnitt 20 bis 30 Minuten an; während dieser Zeit tritt meist auch die Kopfschmerzphase ein. Ein Migräneanfall kann 2 bis 72 Stunden dauern. Die Prävalenz der Migräne hat in den Industrieländern in den letzen 40 Jahren um den Faktor zwei bis drei zugenommen, woraus man ersehen kann, dass Umweltfaktoren und Lebensstil sicherlich eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Migräne spielen. Migräne kann bei empfindlichen Personen durch so genannte Trigger (Schlüsselreize) ausgelöst werden. Zu den auslösenden Ernährungsfaktoren gehören z.B. Natriumglutamat, Nitrite, Tyramine als natürliche Bestandteile von Weinen und verschiedenen Käsesorten, außerdem Phenyläthylamin, ein Stoff, der z.B. in der Schokolade vorkommt. Auch hormonelle Faktoren dürften einen großen Einfluss haben. Ein Migräneanfall kann bei Frauen besonders während der späten lutealen Phase des Zyklus auftreten (Östrogenabfall). Häufiger Auslöser der Migräne sind auch Stress, Schlafmangel oder zuviel Schlaf, Wetterschwankungen sowie die Einnahme von Arzneimitteln, die gefäßerweiternde Eigenschaften besitzen.

Wie die Migräne überhaupt entsteht, ist noch nicht völlig aufgeklärt. Es gibt verschiedene sich ergänzende Hypothesen, mit denen versucht wird, die Entstehung einer Migräne zu beschreiben. Eine bedeutende Rolle spielt auf jeden Fall der Neurotransmitter Serotonin. Migränepatienten haben niedrigere Serotoninspiegel im Gehirn. Seit etwa 20 Jahren werden in der Therapie der Migräne Triptane verwendet, die auf einen bestimmten Typ von Serotoninrezeptoren einwirken. In früheren Jahren der Migräneforschung bestand die Auffassung, dass eine Erweiterung der Blutgefäße der entscheidende Faktor für die Entstehung eines Migräneanfalls ist. Mit dieser so genannten vaskulären Hypothese lässt sich auch gut der pulsierende Charakter des Migränekopfschmerzes erklären. Andere Faktoren wie die Aurasymptome und die Begleitsymptome der Migräne sind dadurch nicht ausreichend erklärbar. Heute wird die Migräne nicht mehr als eine ursächlich vaskuläre Erkrankung angesehen.

Ein weiterer pathophysiologischer Faktor ist eine Übererregbarkeit der Hirnrinde des Hinterhauptlappens. Diese Übererregbarkeit ist an eine Freisetzung von Kaliumionen in den Extrazellulärraum gekoppelt. Außerdem gibt es das Erklärungsmodell einer neurogenen Entzündung. Während eines Migräneanfalls kommt es zu einer vermehrten Freisetzung von Entzündungsmediatoren, wodurch im Gehirn eine „sterile“ neurogene Entzündung mit einer Aktivierung von Mastzellen ausgelöst wird. Darüber hinaus können bei der Migräne auch genetische Ursachen bei der Migräne eine Rolle spielen.

Die Migräne ist durch medizinische Maßnahmen derzeit nicht heilbar. Sowohl bei der Akuttherapie als auch zur Langzeitprophylaxe gibt es verschiedene Gruppen von Medikamenten. Darüberhinaus können zur Behandlung der Migräne verschiedene Mikronährstoffe erfolgreich eingesetzt werden.

 

Vitamin B2 (Riboflavin)

In verschiedenen Studien erwies sich eine Supplementierung von Riboflavin (Vitamin B2) als effektiv zur Prävention der Migräne bei Kindern und Erwachsenen. 2004 haben Wissenschaftler der Charité publiziert, dass durch Supplementierung von 400 mg Riboflavin die Häufigkeit der Kopfschmerzen signifikant zurückging, außerdem wurden weniger Migränemedikamente benötigt. Die günstigen Effekte des Riboflavins dürften hauptsächlich darauf zurückzuführen sein, dass dieses Vitamin die mitochondriale Energieproduktion verbessert. Riboflavin ist besonders effektiv bei Migränepatienten mit Abnormitäten der mitochondrialen Gene.


Coenzym Q10

Auch Coenzym Q10 ist ein Mikronährstoff, der für die die mitochondriale ATP-Synthese eine zentrale Rolle spielt. Coenzym Q10 ist ein wichtiges fettlösliches Antioxidans. In einer Dosierung zwischen 100 und 300 mg täglich hatte es einen günstigen Effekt bei der Prävention von Migräneanfällen bei Erwachsenen; ebenso ging die Häufigkeit der Migräneanfälle zurück. Auch bei Kindern und Heranwachsenden mit Migräne wurde ein Q10-Mangel nachgewiesen.

 

Magnesium

Magnesium beeinflusst verschiedene neuronale und vaskuläre Prozesse, die bei der Entwicklung eines Migräneanfalls eine Rolle spielen. Migränepatienten haben meist niedrige Magnesiumspiegel im Serum, die auch mit der Häufigkeit von Migräneanfällen korrelieren. Eine Kombination aus Magnesium und L-Carnitin könnte sich zur Migräneprophylaxe eignen, was aber noch in längeren Studien bestätigt werden muss.

 

Vitamin E

2009 wurde eine Studie iranischer Wissenschaftler publiziert. Bei 72 Frauen mit menstrueller Migräne wurde der Effekt einer Vitamin-E-Supplementierung untersucht. Zwei Tage vor und drei Tage nach der Menstruation wurde Vitamin E in einer Dosierung von 400 i.U. verabreicht. Vitamin E erwies sich gegenüber einem Placebopräparat in der Verbesserung verschiedener Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit und Übelkeit als überlegen.


Oxidativer Stress

Mehrfach wurden bei Migränepatienten erhöhte Parameter des oxidativen Stresses nachgewiesen, auch bei Kindern und Jugendlichen, wie eine Studie türkischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2010 zeigte. Forscher der Universität Graz publizierten 2011, dass erhöhter oxidativer Stress mit Migräne assoziiert ist. Die österreichischen Forscher halten den oxidativen Stress für einen Schlüsselfaktor in der Pathophysiologie der Migräne. In einer weiteren türkischen Studie aus dem Jahr 2011 wurde nachgewiesen, dass bei Migränepatienten das Gleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien in Richtung oxidativer Stress verschoben ist.


Aminosäuren

Eine Tryptophandepletion, d.h. ein experimentell ausgelöster Serotoninmangel im Gehirn, verschlechterte Übelkeit, Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit bei Migränepatienten. Japanische Wissenschaftler haben 2008 publiziert, dass bei Migränepatienten mit Aura die Serotoninspiegel im Plasma signifikant niedriger waren als bei Kontrollpersonen und bei Migränepatienten ohne Aura.

Auch der Spiegel der Glutaminsäure könnte für die Pathophysiologie der Migräne eine Rolle spielen. Bereits 1998 wurde veröffentlicht, dass bei Migränepatienten die Aminosäuren Glutaminsäure, Glutamin und Glycin erhöht waren, während sich die Konzentration der Thiole (Cystein/Cystin) als vermindert erwies.

Italienische Wissenschaftler konnten in einer Studie nachweisen, dass bei Migränepatienten erhöhte Glutamatspiegel im Plasma vorliegen. Eine Prophylaxe, die zu einer Verminderung der Kopfschmerz-Häufigkeit führte, senkte signifikant den Glutamatspiegel. Weibliche Migränepatienten zeigten eine verminderte Glutamatausscheidung im Urin, die mit einem rund vierfach erhöhten Risiko für Migräne assoziiert war.


Sonstige

Möglicherweise könnte auch eine Homocysteinsenkung Migränebeschwerden bessern. Bei Frauen mit menstrualer Migräne wurde häufig eine Eisenmangelanämie nachgewiesen.

 

Referenzen:

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