haut-twinlili-pixelioDie atopische Dermatitis oder Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, deren Symptome altersabhängig unterschiedlich lokalisiert und ausgeprägt sind. Sie gehört neben dem allergischen Asthma und der allergischen Rhinitis zu den atopischen Erkrankungen, die meist mit einer erhöhten IGE-Bildung einhergehen. Die atopische Dermatitis ist eine weitverbreitete Erkrankung mit stark steigender Tendenz. In den letzten fünf Jahrzehnten hat sich die Prävalenz um das Vier- bis Sechsfache erhöht; in Deutschland erkranken acht bis sechzehn Prozent aller Kinder bis zur Einschulung daran. Erwachsene sind mit einer Prävalenz von drei bis fünf Prozent seltener betroffen.

Die Ursachen der Neurodermitis sind noch nicht vollständig geklärt, sicher ist, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken.

Die Schutzfunktion der Haut ist beeinträchtigt; die verminderte Hautbarriere erlaubt das Eindringen von Allergenen. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass bei Neurodermitispatienten die Aktivität der Delta-6-Desaturase beeinträchtigt ist, wodurch der Organismus weniger Gamma-Linolensäure aus Linolsäure bilden kann. Die Gammalinolensäure ist ein wichtiger Bestandteil des Hautfetts. Bei der Neurodermitis liegen auch immunologische Störungen vor, wie bereits erwähnt, finden sich erhöhte IGE-Spiegel im Serum. Desweiteren ist ein Ungleichgewicht der TH1-/ TH2-Lymphozyten nachweisbar, es besteht eine Dominanz der TH2-Zellen.

Außerdem sind neurodegenerative Störungen charakteristisch wie der weiße Dermografismus. Beim Kratzen bilden sich statt roter weiße Streifen auf der Haut. Die Manifestation der Neurodermitis kann auch durch verschiedene Ernährungsfaktoren begünstigt werden, z.B. liegen häufig Überempfindlichkeitsreaktionen gegen bestimmte Lebensmittel vor. Auch die Zusammensetzung der Darmflora hat einen Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Es gilt inzwischen als weitgehend gesichert, dass die prä- und postnatale Gabe probiotischer Mikroorganismen das Risiko für Neurodermitis signifikant senkt.

Es gibt zahlreiche Studien, in denen über Zusammenhänge zwischen dem Mikronährstoffstatus und der Neurodermitis berichtet wird. Im Folgenden werden wesentliche Erkenntnisse der letzten Jahre vorgestellt.

 

Vitamin D

In einer Studie der University of California wurde nachgewiesen, dass Vitamin D3 bei Patienten mit atopischer Dermatitis die Bildung von Cathelicidinen deutlich erhöht. Cathelicidine sind antimikrobielle Peptide, die die Haut vor Infektionen schützen. Die Bildung dieser Moleküle ist bei Neurodermitispatienten stark vermindert, weshalb diese häufig an Hautinfektionen leiden. 14 Patienten mit atopischer Dermatitis und 14 Kontrollpersonen erhielten über einen Zeitraum von 21 Tagen 4000 I.E. Vitamin D3 täglich. Vor und nach diesen drei Wochen wurden Biopsien der Haut vorgenommen. Es konnte nachgewiesen werden, dass es durch die Einnahme von Vitamin D zu einem starken Anstieg der Cathelicidin-Produktion in der Haut der Neurodermitispatienten kam. Bei normaler Haut wurde ebenfalls ein leichter Anstieg beobachtet.

Wissenschaftler der Universität Verona untersuchten die Vitamin-D3-Konzentrationen bei 37 Kindern mit der Diagnose atopische Dermatitis. Die Vitamin-D3-Konzentrationen waren bei die Patienten mit einer milden Verlaufsform signifikant höher als bei den Patienten mit mittleren oder schweren Verlaufsformen. Außerdem waren in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Mangel auch vermehrt IGE-Antikörper gegen mikrobielle Antkörper nachweisbar. Die Daten dieser Studie sind also ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein Vitamin-D-Mangel mit dem Schweregrad der Neurodermitis korreliert.

 

Vitamin E

Vitamin E ist das wichtigste fettlösliche Antioxidans mit antiinflammatorischen Eigenschaften. Forscher der Universität von Siena verglichen den Effekt einer Supplementierung von 400 i.E. Vitamin E mit einem Placebopräparat. Die Einnahme von Vitamin E führte zu einer deutlichen Verminderung der IGE-Spiegel und verbesserte die klinische Symptomatik bei den Neurodermitispatienten. Bei den Patienten mit einer starken Verbesserung der Neurodermitis kam es teilweise zu einer Verminderung der IGE-Spiegel von bis zu 62 Prozent im Vergleich zum Beginn der Studie. Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von acht Monaten. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Vitamin E ein ausgezeichnetes Therapeutikum bei atopischer Dermatitis sein könnte.

 

Spurenelemente

Wissenschaftler aus Köln untersuchten den Zusammenhang zwischen Selen und Neurodermitis.

Dazu führten sie eine offene prospektive klinische Studie bei 20 Kindern mit mittelschwerer und schwerer Neurodermitis durch. Der Selenspiegel war bei den Patienten im Vergleich zu gesunden Kindern statistisch signifikant niedriger. Die Patienten erhielten eine Therapie mit Natriumselenit. Die initiale Dosis betrug 15 µg/ kg Körpergewicht über sechs Wochen. Anschließend erfolgte eine Weiterbehandlung mit einer Dosierung von 7,5 µg/ kg Körpergewicht. Unter der Selentherapie kam es zu einer deutlichen Besserung des Hautbefundes. Parallel dazu stieg der Selenspiegel erwartungsgemäß signifikant an. Die Spiegel von Interleukin-4 verminderten sich signifikant.

In einer älteren Studie aus dem Jahr 1990 wurden bei Kindern mit Bronchialasthma und Neurodermitis verminderte Zinkkonzentrationen nachgewiesen. Eine Supplementierung von Zink kann bei Neurodermitis-Patienten auch deshalb sinnvoll sein, weil die Aktivität der Delta-6-Desaturase unter anderem von einer ausreichenden Zinkverfügbarkeit abhängt. Wie bereits erwähnt, wird dieses Enzym benötigt, um Gammalinolensäure aus der Linolsäure bilden zu können. Bei Neurodermitis-Patienten ist die Gammalinolensäure-Konzentration um etwa 50 Prozent reduziert, was auch zu einem Defizit an Prostanglandin-E1 führt. Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, dass für die Aktivität der Delta-6-Desaturase auch Calcium, Magnesium, Vitamin B6 und Biotin benötigt werden.

 

Sonstiges:
Bei Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist häufig ein verminderter Histaminabbau nachweisbar, der auf einer Reduzierung der Diaminoxidase (DAO) beruht. Auch bei der Neurodermitis sind sehr häufig Nahrungsmittelunverträglichkeiten nachweisbar, so dass auch hier von einer Beeinträchtigung des Histaminabbaus auszugehen ist. Der Histaminabbau kann prinzipiell durch eine vermehrte Zufuhr von Vitamin C oder durch eine Methioninsupplementierung verbessert werden.

In einer Studie mit Neurodermitispatienten führte die regelmäßige Zufuhr von Gammalinolensäure zu einer signifikanten Verbesserung des Hautbefundes.

 

 

Referenzen:
  1. Peroni DG et al.: Correlation between serum 25 (OH)-vitamin D levels and severity of atopic dermatitis in children; Br J Dermatol. 2010 Nov 18
  2. Tsoureli-Nikita E et al.: Evaluation of dietary intake of vitamin E in the treatment of atopic dermatitis: a study of the clinical course and evaluation of the immunoglobulin E serum levels; Int J Dermatol. 2002 Mar; 41(3): 146-50
  3. Tissa R. Hata, MD et al.: Administration of oral vitamin D induces cathelicidin production in atopic individuals; J Allergy Clin Immunol. 2008 October; 122(4): 829- 831.
  4. Maintz L et al.: Evidence for a reduced histamine degradation capacity in a subgroup of patients with atopic eczema; J Allergy Clin Immunol. 2006; 117(5): 1106-12
  5. Javanbakht MH et al.: Randomized controlled trial using vitamins E and D supplementation in atopic dermatitis; J Dermatolog Treat. 2010 Jul 24
  6. El-Kholy MS et al.: Zinc and copper status in children with bronchial asthma and atopic dermatitis ; The Journal of the Egyptian Public Health Association; Vol: 65 (5-6); p. 657-68/ 1990

Autor:
Dr. Hans-Günter Kugler, November 2010

 

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