Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Organismus ausreichend mit Blut und Sauerstoff so versorgen. Eine Herzinsuffizienz kann aufgrund verschiedener Herzerkrankungen auftreten. In 60 bis 90 Prozent der Fälle liegt eine koronare Herzerkrankung oder eine arterielle Hypertonie vor. Andere Ursachen sind Kardiomyopathien, Myokarditis, Perikarditis. Die Prävalenz der Herzinsuffizienz ist altersabhängig; durchschnittlich sind in westlichen Ländern zwei Prozent der Erwachsenen betroffen, von den über 60-Jährigen sechs bis zehn Prozent.

Das Herz ist eine „Hochleistungsmaschine“ mit extremen Anforderungen an den Stoffwechsel. Mehr als 7.200 Liter Blut pumpt das Herz pro Tag, das sind im Jahr über 2,6 Mio. Liter. Bis zum achzigsten Lebensjahr schlägt das Herz mehr als 3 Mrd. mal. Die Hauptenergiequelle des Herzmuskels sind Fettsäuren. Aber auch Kohlenhydrate können als Energiequelle verwendet werden.

Herzinsuffizienz kann nicht als eine ausschließliche Erkrankung des Herzmuskels angesehen werden, das Krankheitsbild ist vielmehr eine systemische Erkrankung, die auf verschiedenen Faktoren beruht. Zu erwähnen sind hormonelle Veränderungen wie Hyperaldosteronismus mit einer Salz- und Wasserretention sowie ein sekundärer Hyperparathyreoidismus. Eine wichtige Rolle spielen auch ein oxidativer Stress und eine erhöhte Entzündungsbereitschaft des Stoffwechsels. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz wurden auch verschiedene Störungen des Mikronährstoffhaushalts nachgewiesen. Es gibt auch zahlreiche Studien über die günstigen Effekte einer Mikronährstofftherapie, wie die folgenden Beispiele zeigen.

 

Aminosäuren

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit sehr vielfältigen Eigenschaften. Ein starker Taurinmangel kann zu einer Kardiomyopathie führen, woraus sich ableiten lässt, dass Taurin für die Funktionsfähigkeit des Herzmuskels benötigt wird.
Bekannt ist, dass Taurin an der Regulierung des Calciumstoffwechsels des Herzmuskels beteiligt ist. Taurin besitzt auch regulatorisches Potential für die Mitochondrienfunktion sowie für die Aktivierung oder Deaktivierung verschiedener Stoffwechselenzyme bestimmter Muskelzellen. Taurin ist auch an der Bekämpfung freier Radikale beteiligt. Iranische Wissenschaftler untersuchten in einer Studie mit Patienten mit Herzinsuffizienz den Effekt einer Taurinsupplementierung. Die Hälfte der Patienten erhielt über einen Zeitraum von zwei Wochen 3 x 500 mg Taurin am Tag, die Kontrollgruppe ein Placebopräparat. Die Patienten der Tauringruppe erzielten am Schluss bei körperlicher Belastung deutlich bessere Ergebnisse im Vergleich zur Placebogruppe.

Arginin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Stickstoffmonoxid, das für die Endothelfunktion und für die Regulierung des Gefäßtonus eine zentrale Rolle spielt. Eine Argininsupplementierung hat sich bei verschiedenen cardiovaskulären Erkrankungen als nützlich erwiesen. In einer polnischen Studie aus dem Jahr 2004 verbesserte, im Vergleich zu einer Placebogruppe, eine Arginineinnahme von 9 Gramm über sieben Tage Ausdauer und Belastbarkeit bei Herzinsuffizienz-Patienten. In einer französischen Studie aus 2006 verbesserte die Einnahme von Arginin über sechs Wochen die körperliche Belastbarkeit bei Herzinsuffizienz-Patienten.


Vitamine

Vitamin B1 ist ein zentraler Cofaktor im Kohlenhydratstoffwechsel mit einer nur geringen Speicherkapazität. Ein schwerer Vitamin-B1-Mangel führt zum Krankheitsbild Beri Beri, das u.a. durch eine Herzvergrößerung gekennzeichnet ist. Herzinsuffizienz-Patienten leiden häufig an einem Vitamin-B1-Mangel, da durch die Verwendung von Diuretika vermehrt Vitamin B1 ausgeschieden wird. Eine intravenöse Vitamin-B1-Therapie führte auch zu einer Verbesserung der Auswurffraktion des Herzens. Entwässerungsmittel beschleunigen auch die Ausscheidung von Vitamin B2 und Vitamin B6, so dass bei Herzinsuffizienz-Patienten sowohl ein Vitamin-B2-Mangel als auch ein Vitamin-B6-Mangel häufig anzutreffen ist.


Bei Herzinsuffizienz-Patienten ist vielfach auch ein oxidativer Stress nachweisbar, so dass auf eine ausreichende Zufuhr antioxidativer Vitamine, z.B. Vitamin C und E, geachtet werden sollte. Außerdem haben Herzinsuffizienz-Patienten oftmals niedrige Vitamin-D3-Konzentrationen. Ein niedriger Vitamin-D-Status ist mit einer schlechteren Prognose dieser Erkrankung assoziiert. Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen sind mit einer Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und mit einem Anstieg von Entzündungsmarkern assoziiert. Außerdem korrelierte die Vitamin-D-Konzentration mit der Dilatation des linken Ventrikels bei männlichen Patienten.


Spurenelemente

Ein Eisenmangel verschlechtert die Prognose für Herzinsuffizienz. Dazu wurden in den letzten Jahren verschiedene Studien veröffentlicht. 2010 kamen Wissenschaftler aus Breslau in einer Studie zu dem Ergebnis, dass ein Eisenmangel bei chronischer Herzinsuffizienz auch unabhängig von einer gleichzeitig bestehenden Anämie als prognostisch ungünstiges Zeichen zu bewerten ist.


2009 wurden die Ergebnisse einer Studie von Kardiologen der Charitee Berlin publiziert. In dieser Studie wurde bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz eine intravenöse Eisentherapie erprobt. Durch die parenterale Verabreichung von Eisen kam es bei den Herzinsuffizienz-Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit sowie zu einer verbesserten Lebensqualität.
In einer Studie des Imperial College London wurde bei 43 Prozent von 157 Patienten mit Herzinsuffizienz ein Eisenmangel nachgewiesen, wobei Eisenmangel als Transferrinsättigung kleiner als 20 Prozent definiert wurde. Ein Eisenmangel war mit einer schlechteren Eisenversorgung assoziiert und mit einem deutlich erhöhten Sterblichkeitsrisiko, unabhängig von der Hämoglobinkonzentration. Der Nutzen einer parenteralen Eisentherapie bei Patienten mit Herzinsuffizienz hängt nicht unbedingt mit der Hämoglobinkonzentration zusammen.

Bei Herzinsuffizienz-Patienten bestehen oftmals auch ein Zink- und Selenmangel, was den oxidativen Stress bei diesem Krankheitsbild begünstigt. Die verminderte Aufnahme dieser Spurenelemente ist teilweise auf eine Mangelernährung zurückzuführen, aber auch auf die Einnahme von ACE-Hemmern, die eine vermehrte Zinkausscheidung bewirken.

Die hohen Aldosteronspiegel bei Herzinsuffizienz-Patienten führen auch zu vermehrten Calciumverlusten; die häufig eingenommenen Diuretika verursachen sowohl Calcium- als auch Magnesiumverluste.


Vitaminoide

Mehrfach wurde nachgewiesen, dass eine Supplementierung von Coenzym Q10 bei Herzinsuffizienz-Patienten eine vorteilhafte Wirkung im Sinne einer Verbesserung der Funktionsfähigkeit der linken Herzkammer zeigt. In einer neuseeländischen Studie war die Plasma-Q10-Konzentration ein unabhängiger prognostischer Faktor für die Sterblichkeit in Folge Herzinsuffizienz. Auch Carnitin, besonders in Form von Propionyl, verbesserte bei Herzinsuffizienz-Patienten die körperliche Belastbarkeit. Ähnlich wie Coenzym Q10 ist Carnitin ein wichtiger Mikronährstoff zur Verbesserung der Mitochondrienfunktion.

Mikronährstoffmängel treten bei Herzinsuffizienz-Patienten häufig auf.
Zur Verbesserung der Prognose dieses Krankheitsbildes sollten Mikronährstoffmängel durch eine gezielte Therapie behoben werden.

 
Referenz:
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DCMS-Herz-Kreislauf-Profil

DCMS Herz Kreislauf Profil 150Das Herz-Kreislauf-System ist auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Mikronährstoffen angewiesen. Sie sind u.a. beteiligt an der Gefäßregulation, üben eine antioxidative Schutzfunktion in den Gefäßen aus oder sind am Energiestoffwechsel der Herzmuskelzelle maßgeblich beteiligt...weiterlesen

 

 

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