head 320Die Mikronährstoffe sind von zentraler Bedeutung für die kognitive Leistungsfähigkeit und auch für die psychische Befindlichkeit in jedem Lebensalter. Regelmäßig erscheinen neue Studien über die Zusammenhänge zwischen Mikronährstoffen und mentaler Gesundheit.

Zu diesem Thema haben wir einige Fakten zusammengestellt:

  • US-Forscher untersuchten in einer Studie, inwieweit ein Eisenmangel in der frühen Kindheit noch im Erwachsenenalter zu nachweisbaren Veränderungen der Hirnaktion führt. Dazu wurden Ruhestandsnetzwerke des Gehirns mithilfe der Kernspintomografie abgebildet. Unter Ruhestandsnetzwerken versteht man Gehirnaktionen, die beim Nichtstun aktiviert werden und beim Lösen von Aufgaben deaktiviert werden. An der Studie nahmen 14 Studienteilnehmer teil, die in der frühen Kindheit eine Eisenmangelanämie hatten sowie 17 Kontrollpersonen im Durchschnittsalter von 21,5 Jahren. Die US-Forscher fanden kernspintomographisch deutliche Unterschiede bei der Vernetzung verschiedener Hirnregionen.

  • Forscher aus Indien untersuchten bei 47 Schülerinnen, inwieweit eine Eisenmangelanämie die Hirnleistungsfähigkeit beeinflusste. Dazu wurde die P300-Welle gemessen. Dabei zeigten die Schülerinnen mit einer Anämie eine Verzögerung des Auftretens der P300-Welle. In der Kontrollgruppe war die Amplitude signifikant größer. Die P300-Welle ist ein ereigniskorreliertes Potential, darunter versteht man Wellenformen im EEG, die durch kognitive Prozesse ausgelöst werden. Die P300-Welle wird häufig auch als Aufmerksamkeitsmaß verwendet. Das heißt, bei Schülerinnen mit Eisenmangelanämie ist die Aufmerksamkeit vermindert.

  • Forscher aus China untersuchten bei Heranwachsenden den Zusammenhang zwischen Eisen und der Kognition. Die Studiengruppe bestand aus 428 Heranwachsenden im Alter von etwa 12 Jahren. Bestimmt wurden die Eisenkonzentrationen, außerdem wurde die kognitive Leistungsfähigkeit mittels eines Testverfahrens ermittelt. Sowohl ein Eisenmangel, wie auch hohe Eisenkonzentrationen führten zu einer Beeinträchtigung der neurokognitiven Leistungsfähigkeit.

  • Ein Fachartikel, der im März 2017 publiziert wurde, beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit das mittlere Blutblättchenvolumen bei Kindern mit ADHS und bei autistischen Erkrankungen verändert ist. Außerdem wurden die Vitamine B12 und Vitamin D bestimmt. Die Patientengruppen zeigten niedrigere Konzentrationen der Vitamine B12 und D. Bei den ADHS-Patienten bestand eine negative Korrelation zwischen beiden Vitaminen und dem mittleren Blutblättchenvolumen. Daraus kann abgeleitet werden, dass sowohl ADHS als auch Autismus mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht.

  • In einer US-amerikanischen Untersuchung wurden Einflussfaktoren auf den Studienerfolg bei Studentinnen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass niedrige Eisenspeicher und eine niedrige aerobe Fitness die Lernleistungen verminderten.

  • Von kanadischen Forschern wurde im Februar 2017 publiziert, dass die Verwendung der Vitamine E und C mit einem reduzierten Risiko für kognitiven Abbau assoziiert war. Dazu wurden Daten der kanadischen Studie of Health und Aging verwendet.

  • Kanadische Forscher beschäftigten sich auch mit der Frage, ob eine Hochdosissupplementierung von Vitamin D die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. Dabei konnten sie nachweisen, dass vor allen Dingen das nichtverbale Gedächtnis mit höheren Dosen von Vitamin D verbessert werden kann, vor allen Dingen bei Studienteilnehmern mit 25(OH)D-Konzentrationen kleiner als 30 ng/ml.

  • Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern untersuchten Entzündungsmarker und Marker des oxidativen Stresses bei Patienten mit Major-Depression. In Übereinstimmung mit vorangegangenen Studien zeigten sich bei Majorsdepressionspatienten erhöhte Marker von Entzündung und oxidativem Stress. Ein schlechteres Ansprechen auf die antidepressive Therapie war mit höheren Spiegeln oxidativer Stressmarker verbunden.

  • Bei über 1000 älteren Erwachsenen in den USA wurde untersucht, inwieweit eine Anämie das Schlafverhalten beeinflusste. Es zeigte sich, dass Patienten mit einer Anämie ohne Eisenmangel häufiger Schlafstörungen aufwiesen als nichtanämische Patienten.

Kommentar:
Eine gezielte Supplementierung fehlender Mikronährstoffe ist bei allen Erkrankungen, die mit verminderter Hirnleistungsfähigkeit oder schlechterer psychischer Befindlichkeit einhergehen, eine sinnvolle Basismaßnahme.

 

Referenzen:

  • Cecilia Algarin, Keerthana Deepti Karunakaran et al.: Differences on Brain Connectivity in Adulthood Are Present in Subjects with Iron Deficiency Anemia in Infancy; Front Aging Neurosci. 2017; 9: 54, Published online 2017 Mar 7.
  • Pranali S. Kharat, Pradnya P. Waghmare: Could anemia be the reason for dysfunctional cognition??? Int J Res Med Sci. 2015; 3(3): 663-669
  • Ji X, Cui N, Liu J: Neurocognitive Function Is Associated With Serum Iron Status in Early Adolescents; Biol Res Nurs. 2017 Jan 1:1099800417690828. doi: 10.1177/1099800417690828
  • Mesut Garipardic, Murat Doğan et al.:  Association of Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Autism Spectrum Disorders with Mean Platelet Volume and Vitamin D; Med Sci Monit 2017; 23:1378-1384
  • Samuel P Scott, Mary Jane De Souza et al.: Combined Iron Deficiency and Low Aerobic Fitness Doubly Burden Academic Performance among Women Attending University1,2; First published November 23, 2016, doi: 10.3945/jn.116.240192, J. Nutr.jn240192
  • Luta Luse Basambombo, MSc, Pierre-Hugues Carmichael, MSc, et al.: Use of Vitamin E and C Supplements for the Prevention of Cognitive Decline; Ann Pharmacother. 2017 Feb;51(2):118-124. doi: 10.1177/1060028016673072. Epub 2016 Oct 5.
  • Pettersen JA:  Does high dose vitamin D supplementation enhance cognition?: A randomized trial in healthy adults; Exp Gerontol. 2017 Apr;90:90-97. doi: 10.1016/j.exger.2017.01.019. Epub 2017 Feb 4.
  • Lindqvist D, Dhabhar FS et al.: Oxidative stress, inflammation and treatment response in major depression; Psychoneuroendocrinology. 2017 Feb;76:197-205. doi: 10.1016/j.psyneuen.2016.11.031. Epub 2016 Nov 30.
  • Chen-Edinboro LP, Murray-Kolb LE et al.: Association Between Non-Iron-Deficient Anemia and Insomnia Symptoms in Community-Dwelling Older Adults: The Baltimore Longitudinal Study of Aging; J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2017 Jan 20. doi: 10.1093/gerona/glw332. [Epub ahead of print]

 

Back to top