Kind 250Weltweit leiden etwa zwei Milliarden Menschen unter "Hidden Hunger" - einem sogenannten verborgenen Hunger, der durch einen Mangel an Mikronährstoffen gekennzeichnet ist. In vielen Entwicklungsländern ernähren sich die Menschen vorwiegend nur mit den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais oder Weizen. Bei dieser einseitigen Ernährung ist ein Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen vorprogrammiert. Betroffen ist ein Drittel der Weltbevölkerung.

Der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit "Hidden Hunger" und hat im März 2015 seinen zweiten Kongress zu diesem Thema in Stuttgart abgehalten. Eingeladen waren Wissenschaftler aus aller Welt, u.a. auch Vertreter der WHO, der FAO und der Weltbank.

Biesalski wies darauf hin, dass der verborgene Hunger auch in Deutschland und in den westlichen Industriestaaten ein Thema ist, besonders in der ärmeren Bevölkerungsschicht. Eine Ernährungsweise, bei der überwiegend Reis, Nudeln und Fleisch verzehrt werden, macht zwar satt, liefert aber nicht alle für den Stoffwechsel notwendigen Nährstoffe.

Die besonderen Leidtragenden sind kleine Kinder und werdende Kinder im Mutterleib. „Ist die schwangere Frau mangelernährt, schadet das dem Fötus. Das Kind entwickelt sich langsamer, kommt kleiner zur Welt, und die neurologische Entwicklung ist gestört“, so der US-Experte Robert Black vom Zentrum für internationale Gesundheit der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Betont wurde auch, dass eine Mangelversorgung in den ersten zwei Lebensjahren besonders einschneidend für die geistige und körperliche Entwicklung ist.
Ein Mangel an Mikronährstoffen hat weitreichende Folgen. Bei einem Vitamin-A-Mangel kann es u.a. zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit und des Immunsystems kommen. Bei einem Jodmangel ist die neurologische Entwicklung gestört und die Funktion der Schilddrüse. Ein Eisenmangel vermag eine Blutarmut hervorzurufen. Hier sei noch einmal betont, dass ein Eisenmangel in der frühen Kindheit zu erheblichen Störungen des Hirnstoffwechsels führen kann. Durch einseitige Ernährung ist auch ein Zinkmangel nicht selten, wodurch dann u.a. das Immunsystem und der Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe gestört sein können. Bei einer Mangelversorgung besteht die Gefahr, dass diese und weitere Beschwerden auftreten.

Jedenfalls wurde auf dem Kongress die Warnung ausgesprochen, dass ein Mangel an Vitamin A, Jod, Eisen und Zink in den ersten Lebensjahren zu gesundheitlichen Problemen führen kann, mit langfristigen Folgen, die nicht mehr korrigiert werden können.

Biesalski möchte das Thema "Hidden Hunger" mehr in die Öffentlichkeit rücken und betonte, dass in Deutschland diesbezüglich kaum geforscht wird und warnte: "Wenn in der Öffentlichkeit immer wieder artikuliert wird, wir könnten die zu erwartenden 9 Milliarden Menschen ernähren, dann stimmt das nur, wenn ich damit meine: Wir können sie satt machen, aber wir können all diese Menschen nicht wirklich anständig ernähren. Davon sind wir weit, weit, weit entfernt und der Klimawandel wird sein übriges tun." Biesalski appelierte an die Wissenschaftler und Politiker die Augen zu öffnen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

 

Referenzen:
dw.de: Hungern im Verborgenen, 03.03.2015
stuttgarter-zeitung.de, 04.03.2015: Hunger gibt es, wo man ihn nicht vermutet

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