Demenz Angela-Parszyk pixelio

Der Alterungsprozess des Menschen geht auch beim Gehirn nicht spurlos vorüber: Es schrumpft. Mit zunehmendem Alter, schrumpfen genauer gesagt die Nervenzellen des Gehirns, und es verringert sich die Anzahl der Dendriten und Synapsen. Wissenschaftler konnten bei 80-Jährigen einen Gewichtsverlust der Hirnmasse von 10 Prozent ermitteln.

Damit kann sich auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns vermindern. Forscher haben herausgefunden, dass im Alter von 80 Jahren die Hirnleistungsfähigkeit im Vergleich zu einem 20-Jährigen 40 bis 60 Prozent abnimmt: Die Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit sinken dann, für Problemlösungen benötigt das Arbeitsgedächtnis mehr Zeit. Auch die motorischen Funktionen wie Reaktion, Bewegung, Koordination von Händen und Füßen laufen langsamer ab.
Dementgegen bleibt im Alter die kristalline Intelligenz, also auch das, was im Laufe des Lebens erlernt wurde, konstant oder nimmt sogar zu.

Für die Alterung des Gehirns spielen oxidative Prozesse eine zentrale Rolle. Die fetthaltigen Strukturen des Gehirns sind gegenüber freien Radikalen sehr empfindlich, das Gehirn verfügt aber nur über eine relativ geringe antioxidative Kapazität. Je mehr diese sich verringert, desto mehr Abbauprozesse können im Gehirn ablaufen. Das Gehirn hat einen sehr hohen Sauerstoffverbrauch, dadurch entstehen sehr viele Sauerstoffradikale (ROS), die dann die Mitochondrien der Nervenzellen schädigen können. Infolgedessen entsteht ein Kreislauf, und es bilden sich immer mehr ROS.
Im Gehirn gibt es auch Immunzellen, so genannte Mikrogliazellen, die bei Entzündungen ebenfalls vermehrt ROS bilden. Die reaktiven Sauerstoffradikale nehmen Einfluss auf die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren. Ein Mangel an Nervenwachstumsfaktoren fördert die Entstehung neurodegenerativer Prozesse. Auch Stresshormone, wie z.B. Cortisol, fördern entzündliche Prozesse, wodurch vermehrt ROS freigesetzt werden, und es zu einer Schädigung bestimmter Hirnstrukturen kommen kann.

Früher glaubte man, dass die Ernährung keinen großen Einfluss auf die Hirnleistungsfähigkeit ausübt, solange die Grundversorgung des Gehirns gewährleistet ist. Heute weiß man aus vielen Studien, dass die Ernährung sogar einen sehr starken einen auf das Gehirn hat. Ernährungsfehler machen sich sehr schnell bemerkbar, so kann z.B. bei Diabetikern eine einzige opulente fettreiche Mahlzeit zu einer Hirnleistungsstörung führen.

Für den Erhalt der Hirnleistungsfähigkeit im Alter ist deshalb eine gesunde Ernährung und vor allem eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen von größter Bedeutung. Der Kalorienbedarf ist zwar im Alter oft eingeschränkt, nicht aber der Bedarf an Mikronährstoffen. Der ältere Mensch sollte deshalb auf eine sehr mikronährstoffhaltige Ernährung achten, was nicht immer sehr einfach ist.

Mikronährstoffe sind für die weitgehende Aufrechterhaltung der  Hirnleistungsfähigkeit unverzichtbar und besitzen einen Schutzeffekt gegenüber der Entwicklung von Demenzerkrankungen. An dieser Stelle muss aber betont werden, dass der normale Alterungsprozess des Gehirns keineswegs zu einer Demenzerkrankung führen muss, auch wenn immer mehr ältere Menschen an M. Alzheimer leiden.

Im Folgenden werden verschiedene Mikronährstoffe vorgestellt, die für den Erhalt der Hirnleistungsfähigkeit bei älteren Menschen sehr wesentlich sind:

 

Homocystein/ B-Vitamine

Homocystein ist ein Abbauprodukt im Stoffwechsel der Aminosäure Methionin. Homocystein kann im Stoffwechsel durch die Vitamine B6, B12 und Folsäure abgebaut werden. Auch Vitamin B2 ist indirekt am Homocysteinabbau beteiligt. Der Homocysteinspiegel im Blutplasma steigt an, wenn Homocystein im Stoffwechsel nicht abgebaut wird.

In vielen Studien konnte ein erhöhter Homocysteinanstieg mit einer Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit in Verbindung gebracht werden. Bei Personen mit erhöhten Homocysteinspiegeln sind die Abbauprozesse im Gehirn beschleunigt. Es empfiehlt sich, bereits in mittleren Jahren regelmäßig die Homocystein- und die B-Vitamin-Konzentrationen im Blut/ Serum testen zu lassen. Hohe Konzentrationen der Vitamine B6, B12 und Folsäure wirken einer Hirnatropie (Hirnschwund) entgegen.

Bei niedrigen B12-Konzentrationen kommt es schneller zu einer Hirnatrophie, das weiß man aus verschiedenen Studien, z.B. aus England und Norwegen. Bekanntlich sind die Vitamin-B12-Spiegel bei vielen älteren Menschen unzureichend, da die Vitamin-B12-Aufnahme mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird. Eine optimale Versorgung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure ist eine der sinnvollsten Maßnahmen für den Erhalt der Hirnleistungsfähigkeit im Alter.


Vitamin D3

Vitamin D3 besitzt sehr viele Stoffwechselfunktionen. Inzwischen wurden in fast allen Organsystemen, einschießlich dem Gehirn, Vitamin-D-Rezeptoren gefunden. Daraus kann man schließen, dass Vitamin D einen regulierenden Effekt auf die Organfunktion ausübt. Inzwischen sind auch verschiedene biochemische Funktionen im Gehirnstoffwechsel bekannt. Vitamin D3 fördert nicht nur die Bildung von Glutathion, einem sehr wichtigen Antioxidans, sondern es bildet auch einen Schutzeffekt gegen entzündliche Prozesse im Gehirn. Vitamin D3 hat einen Einfluss auf die Bildung und Freisetzung von Nervenwachstumsfaktoren, die zum Schutz der Nervenzellen benötigt werden. Ein Mangel an Vitamin D führt zu einer Beeinträchtigung der Hirnleistung - das beweisen verschiedene Studien der letzten Jahre. Im Alter sollte nicht nur für den Erhalt der Hirnleistungfähigkeit auf eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr geachtet werden, sondern auch, um das Sturzrisiko zu senken.


Antioxidantien

Um den degenerativen oxidativen Prozessen im Gehirn entgegenzuwirken, sind die Vitamine C und E sehr wesentlich. Vitamin E ist fettlöslich und vermag sich in den Zellmembranen der Nervenzellen anzureichern. Dort schützt es dann als Antioxidans die mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation. Auch Coenzym Q10 kann die Zellmembran-Lipide vor Oxidation schützen. Zudem ist es für die Energiebildung in der Zelle unverzichtbar.

Glutathion, eines der wichtigsten intrazellulären Antioxidantien, hat zahlreiche Stoffwechselreaktionen inne. Im Alter nimmt der Glutathionspiegel in der Zelle kontinuierlich ab. Die Folgen können z.B. eine Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit und eine Störung des Immunsystems sowie der Muskulatur sein. N-Acetylcystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die den Glutathionspiegel anheben kann und bei vielen neuropsychiatrischen Störungen hilfreich ist.


Spurenelemente

Zink hat eine fundamentale Bedeutung im Stoffechsel der Neurotransmitter. Das Gleichgewicht der Botenstoffe beeinflusst letztlich nicht nur die psychische Befindlichkeit, sondern auch die Hirnleistungsfähigkeit. Bei älteren Menschen tritt ein Zinkmangel sehr häufig auf, was dann die Hirnfunktion beeinträchtigt und das Immunsystem beeinflusst.

Eisen ist ebenfalls ein wichtiges Spurenelement für den Hirnstoffwechsel. Auch dieses Spurenelement ist für die Synthese der Nervenbotenstoffe erforderlich. Eisen wird zudem benötigt für den Energiestoffwechsel der Nervenzelle, für die Nervenimpulsübertragung, für die Ausbildung der Synapsen und Dendriten u.v.m. Ein Eisenmangel kann bei Senioren zu einer Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit führen, auch dann, wenn keine Anämie vorliegt.
Keinesfalls sollte man durch den Verzehr von Fleisch und Wurst versuchen, seinen Eisenspiegel anzuheben. Das Hämeisen aus Fleisch und Wurst kann nachteilige Effekte haben.


Aminosäuren

Bestimmte Aminosäuren sind Nervenbotenstoffe oder werden benötigt, um Nervenbotenstoffe zu bilden. Damit besitzen auch die Aminosäuren eine bedeutende Funktion für die psychische Befindlichkeit und für die Hirnleistungsfähigkeit. Aminosäuren haben aber auch einen Schutzeffekt gegen altersabhängige Prozesse im Gehirn. So besitzt die Aminosäure Taurin neuroprotektive Eigenschaften und kann Einfluss auf bestimmte Neurotransmittersysteme nehmen, z.B. auf GABA.  Die Aminosäure Arginin ist Ausgangssubstanz für die Synthese des Signalgases Stickstoffmonoxid (NO), dass u.a. für die Regulierung der Gefäßweite und auch für die Gedächtnisleistung eine zentrale Rolle spielt. Eine Supplemtierung mit Arginin hat vor allem einen günstigen Effekt bei Gefäßveränderungen, die zu einer Verschlechterung der Durchblutung des Gehirns führen können.

Die Aminosäure Cystein ist notwendig, um das Tripeptid Glutathion zu bilden. Im Alter sinkt sowohl die Cysteinkonzentration als auch die Glutathionkonzentration im Blutplasma. Bei älteren Menschen kommt es häufig zu niedrigen Cysteinkonzentrationen und gleichzeitig zu erhöhten Entzündungswerten, was dann altersbedingte Abbauprozesse fördert.

Tryptophan ist Ausgangssubstanz, um Serotonin zu bilden. Bei einer erhöhten Entzündungsaktivität, wie sie bei älteren Menschen häufig vorkommt, wird vermehrt Tryptophan abgebaut - folglich steigt der Tryptophanbedarf an. Tryptophan ist eine semiessentielle Aminosäure, die nur zu einem geringen Anteil über das Essen aufgenommen wird. Bei einem Tryptophanmangel kann also auch die Proteinsynthese im gesamten Stoffwechsel gestört sein.

Schlussfolgerung:

Gerade ältere Menschen müssen zum Erhalt der Gehirnstruktur und Hirnleistungsfähigkeit auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen achten. Einzelne Mikronährstoffmängel können zu einem erheblichen Abbau der Hirnsubstanz führen, was sich durch eine Supplementierung der betreffenden Mikronährstoffe leicht vermeiden lässt. Demenzerkrankungen entstehen oftmals auf der Basis einer langjährigen Unterversorgung mit Mikronährstoffen. Empfehlenswert ist eine individuelle Mikronährstoffsupplementierung auf der Grundlage einer vorausgehenden Blutanalyse.

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