Faesser poldy pixelio SBei immer mehr Kindern wird bereits von Geburt an eine Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeit festgestellt. Bereits jedes zehnte Kind soll betroffen sein und an Autismus, Gehirnleistungsstörungen sowie an Hyperaktivität, Aggressivität u.a. auffälligen Verhaltensmustern leiden.
Neurowissenschaftler gehen davon aus, dass neben genetischen Gründen auch eine schleichende Vergiftung mit Chemikalien die Ursache sein könnte. Der Forscher Philippe Grandjean von der Universität von Süddänemark in Odense und Philip Landrigan von der Harvard University kamen zu diesem Konsens und berichteten darüber im Fachmagazin „Lancet Neurology“.

Dass Vergiftungen schon im Mutterleib das werdende Kind gefährden können, weiß man bereits aus früheren Studien. Wenn Schwangere mit toxischen Substanzen in Kontakt kommen, können diese Giftstoffe vom ungeborenen Kind aufgenommen werden. In früheren Untersuchungen wurden mehr als 200 Chemikalien im Nabelschnurblut nachgewiesen.

Im Jahr 2006 wurde bekanntgegeben, dass Blei, Quecksilber, Arsen, polychlorierte Biphenyle und das Lösungsmittel Toluol einen enormen Einfluss auf die Hirnentwicklung von Kindern nehmen kann. Ein geringeres Hirnvolumen, kognitive Störungen, ein gestörtes Sozialverhalten und eine Beeinträchtigung der Motorik können die Folgen sein.

Untersuchungen neueren Datums liefern den Neurowissenschaftlern jetzt Beweise dafür, dass sechs weitere Chemikalien einen negativen Einfluss auf die Hirnfunktion bei Kindern ausüben:

      • Studien aus Kanada und Bangladesh bringen Mangan mit einer Beeinträchtigung der mathematischen Fähigkeiten und mit Hyperaktivität in Verbindung.
      • Wissenschaftler aus Frankreich und aus den USA stellten fest, dass Kinder, deren Mütter mit Lösungsmitteln wie Tetrachlorenthylen in Kontakt kamen, zu   Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Aggressivität sowie zu psychischen Störungen tendieren.
      • Kamen die Mütter während der Schwangerschaft mit Organophosphat-Pestiziden in Berührung, wirkte sich dies auf das werdende Kind dahingehend aus, dass der Kopfumfang kleiner war und die geistige und soziale Entwicklung beeinträchtigt war.

"Unsere größte Sorge aber ist die große Zahl von Kindern, deren Gehirn durch giftige Chemikalien geschädigt wurde, die aber nie eine formelle Diagnose erhalten haben. Sie leiden unter Konzentrationsstörungen, einer verzögerten Entwicklung und schlechten schulischen Leistungen – aber keiner weiß warum" - so Philippe Grandjean.

Die Forscher betonen, dass mindestens die Hälfte der 214 bisher bekannten neurotoxischen Substanzen in großen Mengen produziert und in die Umwelt ausgebracht werden. Außerdem kommen Jahr für Jahr zwei weitere chemische Substanzen dazu, bei denen eine hirnschädigende Wirkung bekannt ist. Die Forscher warnen vor den Folgen. Sie weisen darauf hin, dass die Gesundheitsschäden, die bereits im Mutterleib durch Chemikalien verursacht werden, größtenteils nicht behandelbar sind und ein Leben lang bestehen bleiben.

Es gibt auch schon eine wirtschaftliche Berechnung über eine IQ-Einbuße durch eine Quecksilberbelastung: In der Europäischen Union liegt sie bei 600.00 IQ-Punkten pro Jahr – in Geldwert ausgedrückt entspricht dies einem ökonomischen Verlust von jährlich zehn Milliarden Euro.

Referenz:

Scinexx.de, 18.02.2014: Dumm durch Chemikalien

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