Dazu drei Studien:

1. Eisenmangel und kognitive Fähigkeiten

Eisen ist ein zweischneidiges Schwert für das Gehirn. Ein Eisenmangel kann zu einer Beeinträchtigung von Kognition und Lernprozessen führen, was mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Veränderung der Dopaminrezeptoren-Empfindlichkeit zurückzuführen ist.
Der genaue Mechanismus, wie die Dopaminrezeptoren durch den Eisenmangel beeinflusst werden, ist noch nicht ausreichend verstanden, möglicherweise kommt es zu Interaktionen mit den endogenen Opiaten, Enkephalinen und Dynorphinen, die vor allem den Hippocampus und das Striatum betreffen.
Unbestritten spielt jedoch andererseits eine Akkumulation von Eisen eine wichtige Rolle bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen. Inzwischen konnten z.B. auch die biochemischen Details der Eisenanhäufung bei der Parkinsonerkrankung näher geklärt werden. Ungeklärt ist noch die Frage, warum der Prozess der Neurodegeneration zu einer Eisenanhäufung führt.

Referenz:
Moussa B.H. et al.: Iron Deficiency and Express in the Brain: Implications for Cognitive Impairment and Neurodegeneration; 10. März 2010
 
 

2. Eisenmangel in jungen Jahren

Ein Eisenmangel in der Kindheit hat einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Nervensystems und kann zu persistierenden Veränderungen des zentralen Nervensystems führen. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten junge Erwachsene mit 19 Jahren, die als Kind einen schweren Eisenmangel hatten. Bei diesen Personen zeigten sich Veränderungen verschiedener Exekutivfunktionen sowie eine Beeinträchtigung bei bestimmten Gedächtnistests.
Die Wissenschaftler vermuten, dass ein Eisenmangel in der Kindheit den Hippocampus und das dopaminerge System dauerhaft schädigt.

Referenz:
Lukowski et al.: Iron deficiency in infancy and neurocognitive functioning at 19 years: evidence of long-term deficits in executive function and recognition memory; Nutritional Neuroscience, Volume 13, Number 2, April 2010, pp. 54-70(17)
 
 

3. Metaanalyse über Eisensupplementierung

Britische Wissenschaftler führten eine Metaanalyse zur Klärung der Frage durch, ob eine Eisensupplementierung kognitive Fähigkeiten verbessern kann, z.B. Konzentration, Intelligenz, Gedächtnis, psychomotorische und schulische Fertigkeiten. Man vermutet, dass 25 Prozent der Weltbevölkerung an einer Anämie leiden und dass davon 50 Prozent auf einen Eisenmangel zurückzuführen sind. Es ist bekannt, dass niedrige Konzentrationen von Hämoglobin zu einer Reihe von Symptomen führen, z.B. Schwäche, allgemeine Müdigkeit, verminderte Immunkompetenz etc.

Im Alter von 6 – 12 Monaten besteht ein erhöhtes Anämierisiko, dann wieder während der Pupertät, besonders bei Mädchen, außerdem bei Frauen im gebärfähigen Alter und bei älteren Menschen. Es besteht auch ein erhöhtes Anämierisiko im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die ja bekanntlich bei älteren Menschen auftreten. Man vermutet, dass 47 Prozent der Vorschulkinder weltweit unter Anämie leiden. Langzeitstudien zeigten, dass ein Eisenmangel in der Frühkindheit zu einer schlechteren Hirnleistungsfähigkeit führt. Ältere Kinder und Erwachsene weisen ein geringeres Risiko für eine Anämie auf, trotzdem dürften doch 25 Prozent der Kinder weltweit an einer Anämie leiden, 30 Prozent der nichtschwangeren Frauen, 42 Prozent der schwangeren Frauen und 17 Prozent der älteren Menschen.

In die Metaanalyse wurden 14 randomisierte Doppelblindstudien einbezogen, die bei Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Frauen durchgeführt wurden. Mit einiger Evidenz kann gesagt werden, dass eine Eisensupplementierung die Aufmerksamkeit, die Konzentration und den IQ verbessert, was aber noch in Langzeitstudien verifiziert werden muss.

Die Verbesserung der Hirnleistungsfähigkeit nach einer Eisensupplementierung zeigte sich unabhängig vom Ausgangswert der Eisenkonzentration.

Referenz:
Martin Falkingham et al.: The effect of oral iron supplementation on cognition in older children and adults: a systematic review and meta-analysis; Nutrition Journal 2010; 9:4






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