Erste klinische Daten haben gezeigt, dass tägliche Dosen von bis zu 300 mg Biotin Symptome der progressiven Multiplen Sklerose vermindern können. Daraus ergibt sich natürlich die Frage, wie Biotin im Nervensystem wirkt. Wissenschaftler aus den USA und Frankreich publizierten in der Zeitschrift Neuropharmacology einen Fachartikel, der sich mit den Wirkmechanismen von Biotin beschäftigte.

Die Autoren der Studie stellen die Hypothese auf, dass eine Hochdosis-Biotintherapie zwei pathophysiologische Mechanismen bei MS beeinflusst, einmal durch Anregung der Myelinsynthese (durch die Oligodendrozyten) und zum anderen durch eine Verbesserung der ATP-Konzentration in hypoxischen Neuronen. Bei MS-Patienten besteht der Verdacht, dass die axonale ATP-Bildung durch eine Dysfunktion der Mitochondrien beeinträchtigt ist. Das daraus resultierende Ungleichgewicht zwischen Energieverbrauch und Energieangebot führt zu einem Zustand, den die Autoren als "virtuelle Hypoxie" bezeichnen.

Was die Wirkung von Biotin anbelangt, sind natürlich viele Fragen offen - vor allem, ob Biotin die Myelinisierung oder Remyelinisierung beeinflusst. Außerdem müsste experimentell bewiesen werden, dass eine Hochdosis-Biotintherapie tatsächlich die ATP-Produktion bei MS-Läsionen steigert.

Referenz:
Sedel F, Bernard D et al.: Targeting demyelination and virtual hypoxia with high-dose biotin as a treatment for progressive multiple sclerosis; Neuropharmacology. 2016 Nov;110(Pt B):644-653.

Back to top