Bauchweh2 320 Darmerkrankungen können, je nach Ausmaß, zu beträchtlichen Störungen der Mikronährstoffversorgung führen, z. B. durch häufige Durchfälle, krankhafte Veränderungen der Darmoberfläche, Unverträglichkeiten auf viele Lebensmittel und eine dadurch resultierende Einschränkung der Lebensmittelauswahl und vieles mehr.

Bereits bestehende Mikronährstoffdefizite wiederum fördern die Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen und erschweren den Krankheitsverlauf.

Die häufigste Darmerkrankung überhaupt ist das Reizdarmsyndrom, von dem in Deutschland etwa jeder Sechste betroffen ist. Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, zuvor muss abgeklärt werden, ob andere Darmerkrankungen vorliegen oder nicht.



Eine große Bedeutung haben auch die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Laut „dasgastroenterologieportal.de“ sind in Deutschland etwa über 320.000 Menschen an einer chronischen Darmentzündung erkrankt. Es gibt aber auch höhere Zahlen, die von 420.000 bis 470.000 Betroffenen ausgehen. In den Industrieländern ist eine Zunahme der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu beobachten. Bei jungen Patienten ist die Symptomatik meist ausgeprägter als in höherem Lebensalter, da im Laufe des Lebens die Entzündungsaktivität abnimmt. Der Morbus Crohn betrifft ohnehin hauptsächlich jüngere Patienten.

 

Darmerkrankungen und Ernährungsfaktoren

Ernährungsfaktoren können bei der Auslösung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine gewisse Rolle spielen. Beobachtungsstudien gaben Hinweise, dass eine hohe Zufuhr raffinierter Kohlenhydrate, chemisch gehärteter Fette sowie von Kuhmilchprotein und Fleisch das Erkrankungsrisiko erhöhte. Obst und Gemüse sowie eine hohe Ballaststoffzufuhr hatten einen protektiven Effekt.

Der Entstehungsprozess entzündlicher Darmerkrankungen ist noch nicht völlig aufgeklärt. Auslöser der Erkrankung scheint ein Defekt der Mukosabarriere zu sein, die dann sekundär zu einer Aktivierung des darmassozierten Immunsystems führt. Nachfolgend kommt es dann zu entzündlichen Veränderungen.

Im Folgenden werden Mikronährstoffe vorgestellt, die für die Prävention und Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen und des Reizdarmsyndroms von Bedeutung sind.

 

Aminosäuren und Darm

Wissenschaftler aus China publizierten 2017 einen Fachartikel über das therapeutische Potenzial der Aminosäuren in der Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen:

Aminosäuren werden für die Aufrechterhaltung der Integrität der Darmmukosa und der Barrierefunktion benötigt.

Glutamin ist ein wichtiger Nährstoff für die Schleimhautzellen des Magen-Darm-Trakts und Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Glutathion, von anderen Aminosäuren und Nukleinsäuren. Eine Supplementierung von Glutamin hat zur Verbesserung der Symptome bei entzündlichen Darmerkrankungen einen günstigen Effekt. Glutamin besitzt antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften und kann auch die Zusammensetzung der Darmflora günstig beeinflussen.

Ähnlich wie Glutamin wird auch Glutaminsäure zur Energiegewinnung der Darmschleimhautzellen herangezogen.

Arginin ist eine bedingt essenzielle Aminosäure und Ausgangssubstanz für die Bildung von biologisch aktiven Molekülen wie Stickstoffmonoxid und Polyaminen. Eine Verabreichung von Arginin kann bei Darmentzündungen die Heilung der Darmmukosa fördern und trägt zu einer normalen Darmphysiologie bei.

Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die die Freisetzung von proentzündlichen Mediatoren vermindern kann. Meist wird Cystein in Form von N-Acetylcystein supplementiert, das im Darm schnell zu Glutathion verstoffwechselt wird. N-Acetylcystein kann die Zusammensetzung der Darmflora verbessern. Lactobacillus und Bifidobakterien nehmen zu, Escherichia coli nehmen ab.

Threonin ist eine essenzielle Aminosäure, die für die Proteinsynthese in der Darmmukosa benötigt wird, speziell für die Bildung von Mucinen (Schleimstoffen). Bei Darmerkrankungen kann es zu einem vermehrten Threoninverbrauch und einem erhöhten Threoninbedarf kommen, da in Folge der Darmentzündung vermehrt Mucine gebildet werden.

Auch Glycin könnte einen Stellenwert in der Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen haben. Glycin führt zu einer Herunterregulierung proinflammatorischer Zytokine. Allerdings sind die Daten diesbezüglich begrenzt.

 

Vitamin D und andere fettlösliche Vitamine bei Darmerkrankungen

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die den großen Stellenwert von Vitamin D bei der Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen und des Reizdarmsyndroms belegen. Vitamin D besitzt antientzündliche Eigenschaften, es vermindert die Freisetzung von Interleukin-1, Interleukin-6 und TNF alpha und verbessert dadurch die intestinale Epithelbarriere. In einer US-amerikanischen Studie, die 2016 publiziert wurde, zeigte sich ein inverser Zusammenhang der 25(OH)D-Konzentration mit Schleimhautentzündungen und der Krankheitsaktivität bei Patienten mit Colitis ulcerosa.

Auch bei Patienten mit dem Reizdarmsyndrom wurden im Vergleich zu Kontrollpersonen wiederholt verminderte Vitamin-D-Konzentrationen festgestellt. In einer iranischen Doppelblindstudie führte die Supplementierung von Vitamin D in der Verumgruppe im Vergleich zur Placebogruppe zu einer deutlichen Besserung von Reizdarmsymptomen. US-Wissenschaftler fanden bei Kindern mit Reizdarmsyndrom in mehr als 50 Prozent der Fälle 25(OH)D-Konzentrationen unter 20 ng/ml.

Eine Metaanalyse polnischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass die Konzentration fettlöslicher Vitamine bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Vergleich zu Kontrollpersonen generell niedriger ist und dass eine Supplementierung fettlöslicher Vitamine angezeigt ist.

Wissenschaftler aus Israel konnten bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen u. a. Vitamin-K-Mängel nachweisen, die wohl mit einer erhöhten Entzündungsaktivität zusammenhingen. Forscher aus Polen fanden bei Kindern mit entzündlichen Darmerkrankungen häufig Vitamin-K-Defizite, die bevorzugt bei Patienten mit erhöhter Krankheitsaktivität des Morbus Crohn auftraten.

 

Darmerkrankungen: auch antioxidative Mikronährstoffe sind wichtig

Die Darmmukosa enthält in einem gewissen Umfang antioxidative Wirkstoffe, da bereits der normale Verdauungsprozess reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und reaktive Stickstoffspezies (RNS) produziert. Bei starkem oxidativem Stress kann die Mukosabarriere Schaden nehmen und wird zunehmend durchlässig. Eine Entzündung produziert große Mengen an ROS, weshalb Patienten mit Darmerkrankungen hohe Spiegel von ROS im Verdauungstrakt aufweisen, die zur Schädigung des Darms beitragen. Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen wurde eine verminderte antioxidative Kapazität nachgewiesen. Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen hatten signifikant erniedrigte Spiegel von Carotinoiden und Vitamin C. Bei entzündlichen Darmerkrankungen werden der Transkriptionsfaktor NF-Kappa-B und der Hormonrezeptor PPAR-gamma vermehrt freigesetzt, die an der Aktivierung der Immunzellen beteiligt sind. Es gibt Hinweise aus Studien, dass das Spurenelement Selen und Selenoproteine die Zusammensetzung der Darmflora verändern kann und insgesamt zu einer Verminderung der Entzündungsaktivität beitragen kann.

 

B-Vitamine haben einen Einfluss auf die Darmgesundheit

Wissenschaftler aus Italien konnten in einer Pilotstudie nachweisen, dass eine hoch dosierte Thiaminsupplementierung Müdigkeitssymptome bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen deutlich verminderte. Dieser Effekt war zu beobachten, obwohl bei den Patienten kein Vitamin-B1-Mangel im Blut messbar war. Die italienischen Wissenschaftler vermuteten, dass die Müdigkeit eine Manifestation eines Thiaminmangels war, ausgelöst durch Transportstörungen oder durch Enzymabnormalitäten.

Ein Mangel an Vitamin B2 beim Erwachsenen stört die Proliferation und das proliferative Potenzial bei Darmzellen, was sich auch auf die gastrointestinale Funktion auswirkt. Wissenschaftler aus England konnten bei Probanden mit niedrigem Vitamin-B2-Status signifikante Veränderungen der Zwölffingerdarm-Krypten nachweisen. Außerdem wurde eine Verlangsamung des Zellzyklus bei Dickdarmzellen festgestellt.

Wie japanische Wissenschaftler publiziert haben, hat Vitamin B6 einen regulierenden Effekt auf die Genomaktivität von Darmzellen und könnte einen Schutzeffekt gegen die Entwicklung des Kolonkarzinoms haben. Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom konnten Forscher aus Norwegen eine niedrigere Vitamin-B6-Konzentration aufweisen als bei Kontrollpersonen.

Bei Patienten mit Colitis ulcerosa wurden im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant verminderte Folsäurekonzentrationen im Serum gemessen.

Eine Metaanalyse chinesischer Wissenschaftler kam zu dem Ergebnis, dass entzündliche Darmerkrankungen mit einem Folsäuremangel zusammenhingen, obwohl die Resultate keinen kausalen Zusammenhang zeigten.

Wissenschaftler aus Japan fanden bei Patienten mit Morbus Crohn ein häufiges Auftreten von niedrigen Vitamin-B12-Konzentrationen und eine Erhöhung der Homocysteinkonzentration. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2011 hat gezeigt, dass das Risiko für eine Hyperhomocysteinämie bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen signifikant höher war als bei Kontrollpersonen.

 

Darmerkrankungen und die Bedeutung von Eisen und anderen Spurenelementen

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden sehr häufig unter einem Eisenmangel. Bei erhöhter Entzündungsaktivität ist die Eisenaufnahme aus dem Darm ohnehin vermindert. Erschwerend kommt hinzu, dass Eisenpräparate häufig schlecht vertragen werden, was sich dann natürlich bei bereits vorhandenen Störungen der Darmfunktion noch gravierender auswirkt. Insgesamt sollte also bei diesen Patienten eine parenterale Eisentherapie erwogen werden.

Wie bereits erwähnt, hat auch das Spurenelement Selen eine gewisse Bedeutung in der Prävention und Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen. Forscher aus Spanien fanden bei Patienten mit Morbus Crohn größere Veränderungen der Serumselenspiegel und des kardiovaskulären Status als Patienten bei Collitis ulcerosa.

Auch Zink hat einen Einfluss auf die Pathogenese entzündlicher Darmerkrankungen. Je stärker der Entzündungsprozess war, umso niedriger waren die gemessenen Zinkkonzentrationen.

US-Wissenschaftler publizierten im Januar 2017, dass Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen und einem Zinkdefizit mit größerer Wahrscheinlichkeit Komplikationen entwickelten als Patienten ohne Zinkmangel. Eine Normalisierung des Zinkstatus führte dann in der Studie zu einem unkomplizierteren Krankheitsverlauf.

 

Sonstige Mikronährstoffe, die bei Darmerkrankungen berücksichtig werden sollten

Auch Carnitin könnte eine gewisse Bedeutung bei der Behandlung von Darmerkrankungen haben. Unzureichende Carnitinspiegel sind mit einer verstärkten Bildung proentzündlicher Zytokine assoziiert. Carnitin ist ein wichtiger Modulator von Immunreaktionen.

Eine Supplementierung von Magnesium ist insbesondere beim Reizdarmsyndrom mit Obstipation zu erwägen. Auch die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA können von Vorteil sein, da sie eine immunmodulatorische und entzündungshemmende Wirkung haben und das Verhältnis Omega 6 zu Omega 3 verbessern.


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