Unter Epilepsie versteht man das wiederholte Auftreten von Anfällen als Folge synchroner anfallsartiger Entladungen von Nervenzellgruppen des Gehirns. Bei etwa fünf Prozent der Bevölkerung tritt einmal im Leben ein epileptischer Anfall auf, bei rund zehn Prozent zeigt das EEG eine erhöhte Krampfbereitschaft. Von einer Epilepsie spricht man aber erst nach zwei durch keine äußerlichen Ursachen erklärbaren Krampfanfällen.


Epilepsien werden unterteilt in fokale Anfälle und generalisierte Anfälle, was für die Arzneimitteltherapie eine wichtige Rolle spielt. Epileptische Anfälle treten meist ohne erkennbare Ursachen auf, was man als idiopathisch bezeichnet. Daneben können epileptische Anfälle auch symptomatisch als Folge von verschiedenen Erkrankungen auftreten, z.B. bei Entzündungen, Hirntumoren, Unterzuckerung u.v.m.

Epilepsien entstehen entweder durch eine krankhaft gesteigerte Erregung oder durch eine abgeschwächte Hemmung der physiologischen Erregung. Die genauen Zusammenhänge zwischen einer krankhaften Erregbarkeit und epileptischen Krankheitsbildern ist noch unklar. Zur Übererregbarkeit tragen verschiedene Phänomene bei, z.B. eine Veränderung der Erregbarkeit von Natriumkanälen, Calciumkanälen und Glutamatrezeptoren oder eine Verminderung der Hemmung von Kaliumkanälen und GABA-Rezeptoren.

Epileptische Anfälle können durch verschiedene Faktoren (Trigger) ausgelöst werden. Dazu zählen z.B. Unterzuckerung, Erschöpfung, Schlafmangel, extreme Hitze oder Kälte, flackerndes Licht, emotionaler Stress u.v.m. Auch Nahrungsbestandteile wie Natriumglutamat, Aspartam oder Koffein können als Trigger fungieren, ebenso wie verschiedene Umweltgifte.

Epilepsiepatienten sollten wissen, dass es durch die Einnahme von Antiepileptika zu vielfältigen Störungen der Mikronährstoffversorgung kommt, was sicherlich zu einem großen Teil die hohe Nebenwirkungsrate dieser Medikamentengruppe erklärt.

Der Wirkstoff Phenytoin kann z.B. zu einem Vitamin-D-Mangel führen, begünstigt die Entstehung einer Hyperhomocysteinämie und eines Mangels an Folsäure, Biotin und Vitamin B1. Es kommt zu einer Beschleunigung des Abbaus von Vitamin K. Verschiedene Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Primidon steigern die Verstoffwechselung und den Abbau von Vitamin D. Valproinsäure erhöht Carnitinverluste über den Urin, dadurch kommt es zu verminderten Blutspiegeln von Carnitin. Patienten mit Epilepsie haben ein zwei- bis sechsmal höheres Risiko für Knochenbrüche als die Normalbevölkerung.

Wenn die Einnahme von Antiepileptika erforderlich ist, sollte in besonderem Maße auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen geachtet werden. Mikronährstoffmängel können aber auch bei der Pathogenese epileptischer Anfälle eine Rolle spielen, zu erwähnen ist hier der oxidative Stress, mitochondriale Dysfunktion, Elektrolytungleichgewichte, Hyperhomocysteinämie u.v.m.


Spurenelemente und Mineralstoffe

Mangan ist ein essentielles Spurenelement, das für die Entwicklung und für die Funktion des zentralen Nervensystems eine wichtige Rolle spielt. Veränderungen der Mangankonzentration können mit Krampfsymptomen assoziiert sein. Kolumbianische Wissenschaftler veröffentlichten 2007 eine systematische Übersicht über die bis dahin bekannten Zusammenhänge zwischen Mangan und dem Auftreten von Krampfsymptomen. Die Auswertung der Studien hat ergeben, dass zwischen Epilepsie und niedrigen Mangankonzentrationen ein Zusammenhang besteht, wobei es hierfür noch keine zufriedenstellende Erklärung gibt. Mangan ist auch in synaptischen Vesikeln nachweisbar und wird während der Nervenimpulsübertragung auch freigesetzt. Möglicherweise beeinflusst Mangan die elektrophysiologische Aktivität der Nervenzellen. Auch zu hohe Mangankonzentrationen können zu Krampfanfällen führen.

Kinder mit schwer behandelbarer Epilepsie zeigten in einer Studie signifikant niedrigere Serumkonzentrationen von Selen und Zink im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Auch bei erwachsenen Epileptikern wurden signifikante Veränderungen der Zink- und Selenkonzentration nachgewiesen. In einer Fallkontrollstudie wurden 40 Kinder mit schwer behandelbarer generalisierter Epilepsie mit 40 gesunden Kindern verglichen. Bei den Patienten waren die Konzentrationen von Malondialdehyd signifikant höher als bei den Kontrollpersonen. Die Zink-, die Selen- und die GPX-Werte in den Erythrozyten waren hingegen signifikant niedriger.

Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Verbindung zwischen den Nervenzellen. Ein Magnesiummangel ist mit Krampfanfällen assoziiert. Magnesiumionen fungieren als natürliche Calcium-Kanal-Blocker und können dadurch dem excitatorischen Effekt von Calcium-Ionen entgegenwirken.

 

Oxidativer Stress

Wissenschaftler aus Indien bestimmten bei Epilepsiepatienten verschiedene Parameter des oxidativen Stress wie Lipidperoxidation, Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase etc., außerdem die Plasmakonzentration der Vitamine C, E und A. Die Epilepsiepatienten hatten im Vergleich zu den Kontrollpersonen signifikant niedrigere Konzentrationen der Vitamine C und A. Durch die antiepileptische Behandlung kam es dann zu einer Normalisierung der Vitaminkonzentrationen. Es ist also naheliegend, dass freie Radikale bei der Entstehung der Epilepsie eine Rolle spielen. Verschiedene Antiepileptika, vor allem die der älteren Generation,  können auch prooxidative Effekte aufweisen und das antioxidative Gleichgewicht stören. Der Verlust von Nervenzellen gehört zu den Hauptveränderungen im Gehirn von Epileptikern. Antioxidantien könnten die Krampfbildung und die oxidative Belastung vermindern. Insofern könnte den Antioxidantien auch ein antiepileptisches Potential zukommen.

 

Vitamine

Bereits 1988 konnten Wissenschaftler der Universität Heidelberg im Blut von über 500 Epilepsiepatienten vielfältige Vitaminmängel nachweisen. Wie bereits oben erwähnt, beeinträchtigen zahlreiche Antiepileptika den Stoffwechsel von Vitaminen, woraus sich dann weitere Risikofaktoren ergeben können, wie z.B. die Bildung einer Hyperhomocysteinämie. Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und besitzt bekanntlich ein beträchtliches neurotoxisches Potential. Homocystein ist an der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen und kognitiver Störungen beteiligt. Erhöhte Homocysteinkonzentrationen sind auch ein Faktor, der die Entwicklung von Knochenfrakturen begünstigt, weil Homocystein den Knochenstoffwechsel stört.

Viele Patienten mit Epilepsie haben einen Vitamin-B6-Mangel, der teilweise auf eine Behandlung mit Phenytoin zurückzuführen ist. Die Pyridoxinabhängige Epilepsie ist eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung, die durch epileptische Anfälle bei neugeborenen Kindern in Erscheinung tritt. Zur Behandlung dieser Erkrankung ist eine lebenslange Therapie mit Vitamin B6 erforderlich.
Bei Kindern mit Epilepsie wurden niedrigere Vitamin-E-Konzentrationen als bei Kontrollpersonen festgestellt, wobei die Vitamin-E-Spiegel bei den Kindern mit einer Mehrfachmedikation niedriger waren als bei den Kindern mit einer Monotherapie.

Vitamin D hat im Gehirn die Funktion eines Neurosteroids, das über Vitamin-D-Rezeptoren verschiedene Hirnfunktionen beeinflusst. In einer Studie von Wissenschaftlern aus Ungarn, veröffentlicht im Jahr 2012,  wurden die Vitamin-D3-Konzentrationen bei Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie gemessen. Bei den Patienten mit einem Vitamin-D3-Mangel wurde eine entsprechende Substitutionstherapie durchgeführt, wodurch sich die Zahl der epileptischen Anfälle signifikant verminderte. Man kann also davon ausgehen, dass eine Normalisierung der Vitamin-D3-Konzentration einen antikonvulsiven Effekt hat. In einigen Studien wurde auch eine Verminderung der Vitamin-B1-Konzentration im Blut von Epilepsiepatienten nachgewiesen.

 

Sonstiges

Eine Monotherapie mit Valproinsäure führte bei Kindern zu einer Verminderung der Serum-Carnitin-Spiegeln.

Taurin ist eine Aminosäure, die im ZNS als Neuromodulator an Glycin- und GABA-Rezeptoren fungiert. In mehreren älteren Studien wurde eine Taurintherapie bei Epilepsie erprobt. Allerdings ist aufgrund der geringen Qualität dieser Studien keine abschließende Beurteilung über den Nutzen einer Taurintherapie bei Epilepsie möglich.

Menschen, die an Epilepsie erkrankt sind, sollten regelmäßig ihren Mikronährstoffstatus untersuchen lassen. Eine zweckmäßige Untersuchung hierfür ist der DCMS-Neuro-Check. Auf der Basis der Messergenisse kann dann eine individuelle Mikronährstoffsupplementierung durchgeführt werden.

 

Referenzen:
  • Marija Krzovska: Neurologie Basics; Urban & Fischer, München, 3. Auflage 2012
  • Thomas Herdegen: Kurzlehrbuch Pharmakologie; Georg Thieme Verlag, 3. Auflage 2014-01-15
  • Uwe Gröber: Arzneimittel und Mikronährstoffe; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 3. Auflage 2014  
  • Carl GF et al.: Manganese and epilepsy: brain glutamine synthetase and liver arginase activities in genetically epilepsy prone and chronically seizured rats; Epilepsia. 1993 May-Jun;34(3):441-6
  • Takeda A: Manganese action in brain function; Brain Res Brain Res Rev. 2003 Jan;41(1):79-87.
  • LifeExtension, 08.05.2013: Epilepsy
  • Alan R. Gaby, MD: Natural Approaches to Epilepsy; Alternative Medicine Review, Volume 12, Number 1, 2007
  • Carlos Clayton Torres Aguiar et al.: Oxidative stress and epilepsy: Literature review; Oxidative Medicine and Cellular Longevity; Volume 2012, Article ID 795259, 12 pages
  • Holló A et al.: Correction of vitamin D deficiency improves seizure control in epilepsy: a pilot study; Epilepsy Behav. 2012 May;24(1):131-3. doi: 10.1016/j.yebeh.2012.03.011. Epub 2012 Apr 11.
  • Anil M et al.: Serum and muscle carnitine levels in epileptic children receiving sodium valproate; J Child Neurol. 2009 Jan;24(1):80-6. doi: 10.1177/0883073808321060.

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