frau rainer sturm pixelio 200 2Es mehren sich die Hinweise, dass Ernährungsgewohnheiten die Gesundheit des Gehirns und das Risiko für psychiatrische Erkrankungen beeinflussen. Vitaminmängel aufgrund unterschiedlicher Ursachen können wesentlich zu der Entstehung psychischer Störungen beitragen und zu einer Verstärkung der Symptome führen. Andererseits sind psychiatrische Erkrankungen auch der Auslöser für eine Fehlernährung mit daraus resultierenden Vitaminmängeln. Die Regeneration psychiatrischer Patienten kann bei einer suboptimalen Vitamin-Versorgung beeinträchtigt sein.

B-Vitamine werden für Methylierungsreaktionen, für die Bildung von Monoaminen, für die DNA-Synthese sowie für die Bildung von Phospholipiden benötigt. Die fettlöslichen Vitamine A, D und E spielen eine wichtige Rolle für die Transkription der Gene, das Recycling von Antioxidantien und für die Regulierung der Entzündungsaktivität.

B-Vitamine werden für Methylierungsreaktionen, für die Bildung von Monoaminen, für die DNA-Synthese sowie für die Bildung von Phospholipiden benötigt. Die fettlöslichen Vitamine A, D und E spielen eine wichtige Rolle für die Transkription der Gene, das Recycling von Antioxidantien und für die Regulierung der Entzündungsaktivität.

Vitamin B1

Vitamin B1 ist für den Glukosestoffwechsel von zentraler Bedeutung. Schwangerschaft, Stillzeit und Fieber können den Vitamin-B1-Bedarf erhöhen. Ein schwerer Vitamin-B1-Mangel kann zu Beri-Beri, Wernicke-Enzephalopathie und Korsakoff-Psychose führen. Weil Vitamin B1 einen kritischen Cofaktor für die Glykolyse und den Citratzyklus darstellt, kommt es bei einem Vitamin-B1-Mangel zu einer Beeinträchtigung des Energiestoffwechsels. Ein Defizit an Vitamin B1 führt zu einem Anstieg von ROS, proinflammatorischen Zytokinen und zu einer Dysfunktion der Blut-Hirn-Schranke.


Vitamin B2

Vitamin B2 ist für den Energiestoffwechsel, für die Monoaminsynthese und für Methylierungsreaktionen essentiell. Das Vitamin B2 wird für die Bildung wichtiger Flavoprotein-Coenzyme benötigt. Letztere spielen eine bedeutende Rolle für die Synthese von L-Methylfolat und für die richtige Nutzung von Vitamin B6. Ein Vitamin-B2-Mangel kann bei unzureichender Fufuhr bereits nach vier Monaten auftreten. In den USA leiden 10 bis 27 Prozent der älteren Erwachsenen über 65 Jahre an einem Vitamin-B2-Mangel. Bei Patienten mit Depressionen sind marginale B2-Spiegel häufiger anzutreffen - wahrscheinlich, weil Vitamin B2 für das Glutathionssystem im Gehirn eine wichtige Rolle spielt.


Vitamin B6

Vitamin B6 ist an der Glykolyse, an Methylierungsreaktionen und am Glutathionstoffwechsel beteiligt. Höhere Vitamin-B6-Spiegel sind mit einem geringeren Auftreten von Depressionen bei Heranwachsenden assoziiert. Eine niedrige Vitamin-B6-Aufnahme und niedrige B6–Spiegel im Blut erhöhen das Risiko und den Schweregrad von Depressionen bei geriatrischen Patienten und waren in prospektiven Studien mit einem vermehrten Auftreten von Depressionen assoziiert. Frauen, die Verhütungsmittel einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B6-Mangel.


Folsäure

Folsäure wird für die Bildung von Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, DNA und Phospholipiden benötigt. Ein Folsäuremangel der werdenden Mutter erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte. Ein Folsäuremangel kommt bei Patienten mit psychischen Störungen sehr häufig vor und korreliert mit dem Schweregrad der Symptome. In einer Studie an 2682 finnischen Männern hatten diejenigen, die im unteren Drittel der Folsäureaufnahme lagen, ein um 67 Prozent erhöhtes Risiko für Depressionen. In einer Metaanalyse von 11 Studien mit 15.315 Personen zeigte sich, dass niedrige Folsäurespiegel mit einem signifikanten Risiko für Depressionen verbunden waren. Bereits Folsäurespiegel, die nur im niedrig-normalen Bereich liegen, können zu einer schlechteren Stimmungslage führen. Bei Patienten, bei denen erstmals eine Psychose auftrat, wurden niedrigere Spiegel von Folsäure, B12 und DHA als bei gesunden Kontrollpersonen festgestellt. Klinische Studien haben gezeigt, dass verschiedene Formen der Folsäure eine Therapie mit Antidepressiva verbessern können.


Vitamin B12

Vitamin B12 ist an der Bildung von Monoamin-Neurotransmittern und Myelin beteiligt. Bei bis zu einem Drittel der depressiven Patienten kann ein Vitamin-B12-Mangel nachgewiesen werden, wobei es auch zu einer Beeinträchtigung der Wirksamkeit von Antidepressiva kommt. Ein Vitamin-B12-Mangel vermag Depressionen, Reizbarkeit, Übererregbarkeit, Psychosen und Zwangssymptome hervorzurufen. Niedrige Vitamin-B12-Spiegel und erhöhte Homocysteinkonzentrationen erhöhen das Risiko für einen kognitiven Abbau und für die Alzheimererkrankung. Niedrige Vitamin-B12-Spiegel steigern eine Hirnatrophie bis um das Fünffache. Psychiatrische Symptome bei Vitamin-B12-Mangel können bereits auftreten, bevor sich Blutveränderungen zeigen. Eine Folsäuresupplementierung kann eine Anämie infolge Vitamin-B12-Mangel maskieren, aber nicht die Entwicklung psychiatrischer Symptome aufhalten. Bei 10 Prozent der Patienten mit einer unzureichenden Vitamin-B12-Versorgung (zwischen 200 und 400 ng/ l) wurden erhöhte Homocysteinkonzentrationen ermittelt.  

 

Vitamin C

Vitamin C wird für die Bildung von Serotonin und Noradrenalin benötigt. Im Gehirn fungiert Vitamin C hauptsächlich als Antioxidans, außerdem wird es für Methylierungsreaktionen, für die Kollagensynthese und den Stoffwechsel der Xenobiotika benötigt. 13,7 Prozent der US-Amerikaner sind mit Vitamin C unterversorgt. Bei älteren Erwachsenen mit Depressionen ist die Vitamin-C-Aufnahme signifikant vermindert. Es gibt auch Hinweise, dass Patienten mit Schizophrenie verminderte Vitamin-C-Spiegel sowie eine Dysfunktion der antioxidativen Schutzmechanismen haben.

 

Fettlösliche Vitamine

Die Bedeutung von Vitamin A im Gehirn ist noch wenig verstanden. Von großer Bedeutung ist jedoch, dass Retinol, die aktive Form des Vitamin A, für die Bildung von Opsinen benötigt wird, die wiederum die biochemische Basis für den Sehvorgang darstellen.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Vitamin D auch verschiedene Funktionen im Hirnstoffwechsel und in der Hirnentwicklung ausübt. Sowohl neuronale Zellen als auch Gliazellen besitzen Vitamin-D-Rezeptoren im Hippocampus, Hippothalamus, Thalamus, in der Substantia nigra, im Präfrontalkortex - alles Regionen, die mit der Pathophysiologie von Depressionen in Zusammenhang stehen.

Zu den fettlöslichen Vitaminen gehört auch Vitamin E, ein wichtiges fettlösliches Antioxidans, das die Membranen der Nervenzellen vor Oxidation schützt. Es gibt insgesamt acht Isoformen des Vitamins E: vier Tocopherole und vier Tocotrienole. Die Tocotrienole dürften für die Regulierung verschiedener Transkriptionsfaktoren im Gehirn eine Rolle spielen. Bei depressiven Patienten sind die Vitamin-E-Spiegel häufig erniedrigt, was vermutlich nicht nur auf eine zu geringe Zufuhr zurückzuführen ist. Bei älteren Erwachsenen konnte in bis zu 70 Prozent der Fälle ein niedriger Vitamin-E-Status festgestellt werden.


Referenz:
Philip R. Muskin, MD: Vitamin deficiencies and mental health: How are they linked; Current Psychiatry, Vol. 12, Nc. 1

 

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