In einem umfangreichen Übersichtsartikel beschäftigten sich Wissenschaftler aus der Slowakei mit pathophysiologischen und pathobiochemischen Auffälligkeiten bei depressiven Störungen. Inzwischen steht die Majo-Depression an vierter Stelle der Liste der Behinderungen weltweit und dürfte bis zum Jahr 2030 die zweithäufigste Erkrankung sein.

Verschiedene molekulare Mechanismen sind an der Pathogenese der Depression beteiligt, z.B. Abnormalitäten im Stoffwechsel der Neurotransmitter, entzündliche Prozesse, eine verminderte Neurogenese und dadurch krankhafte Reorganisation des zentralen Nervensystems, eine mitochondriale Dysfunktion sowie eine Dysfunktion der HPA-Achse. Außerdem sind verminderte Konzentrationen von Antioxidantien sowie erhöhte Level von oxidativem Stress nachweisbar. Bei Patienten mit Depressionen und bipolaren Störungen kommt es typischerweise zu einer Verminderung der Konzentrationen des Nervenwachstumsfaktors BDNF. Erhöht sind typischerweise die Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine, die durch den Transkriptionsfaktor NF-Kappa-B ausgelöst werden. Bei Depressionen sind die Konzentrationen von NO (Stickstoffmonoxid) häufig erhöht, was zu einer Hypernitrosylation von Aminosäuren und Proteinen führt, z.B. zur Bildung NO-Tyrosin, NO-Tryptophan, NO-Arginin. Typischerweise treten bei Depressionen und anderen psychiatrischen Erkrankungen auch DNA-Schäden auf, z.B. eine beschleunigte Verkürzung der Telomere, wodurch Alterungsprozesse beschleunigt werden.

Verschiedene Mikronährstoffe sind wichtig bei Depressionen. Die Fettsäure EPA besitzt signifikante antidepressive und antiinflammatorische Effekte. Coenzym Q10 ist ein bedeutendes Antioxidans mit antientzündlichen und neuroprotektiven Eigenschaften. Auch N-Acetyl-Cystein ist ein Antioxidans, das die Glutathionkonzentration erhöht. Die Anwendung von NAC bei Patienten mit Depressionen, im Rahmen einer bipolaren Störung, führte zu einer signifikanten Verminderung des depressiven Schweregrades. Ein Magnesiummangel vermag eine leichte Entzündung auszulösen. Neben einem Magnesiummangel sind Depressionen üblicherweise auch mit einem Eisenmangel assoziiert. Defizite der Vitamine E und C waren in Studien häufig mit einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik und mit Ängstlichkeit verbunden. Bei Depressionen besteht eine erhöhte Lipidperoxidation, was sich häufig in einer Erhöhung der Konzentrationen von Malondialdehyd zeigt. Insgesamt ist festzustellen, dass die Majo-Depression viele pathophysiologische Gemeinsamkeiten, z.B. mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hat. Die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und Depressionen ist zweifellos ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Pathophysiologie der Depressionen.


Referenz:
Magdaléna Vaváková, Zdeňka Ďuračková, and Jana Trebatická: Markers of Oxidative Stress and Neuroprogression in Depression Disorder; Oxidative Medicine and Cellular Longevity, Volume 2015 (2015), Article ID 898393, 12 pages

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