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Die bipolare Störung wurde bis vor einigen Jahren als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Die bipolare Störung gehört zu den Affektstörungen und zeigt sich in entgegengesetzten (bipolar) Auslenkungen von Stimmung, Aktivität und Antrieb in Richtung Depression oder Manie. Die bipolare Störung beginnt meist früher als die unipolare Störung, nämlich im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Die bipolaren Störungen werden unterteilt in Bipolar 1 und Bipolar 2. Als Bipolar 1 wird eine sieben- bis vierzehn Tage andauernde manische Episode bezeichnet, der mindestens eine depressive Episode nachfolgt. Bipolar 2 ist eine mindestens 14 Tage andauernde depressive Episode, gefolgt von mindestens einer leichteren Form der Manie, der so genannten Hypomanie. Im Rahmen der bipolaren Störung gibt es auch einen manisch-depressiven Mischzustand, wenn depressive und manische Symptome gleichzeitig auftreten. Ein Beispiel ist sehr schnelles Denken und Sprechen als Kennzeichen einer Manie und gleichzeitig Ängstlichkeit oder gedrückte Stimmung als Kennzeichen einer Depression.

Bei affektiven Erkrankungen spielen verschiedene auslösende Faktoren eine Rolle, z.B. genetische, biologische oder psychosoziale Faktoren. Im Vergleich zur unipolaren Depression geht man heute davon aus, dass bei bipolaren Störungen die genetische Disposition eine besonders große Rolle spielt. Zu den biologischen Faktoren gehören auch Veränderungen des Mikronährstoffhaushalts und damit zusammenhängende biochemische Parameter, die in der Konsequenz auch zu einer Beeinträchtigung der Hirnfunktion und psychischen Befindlichkeit führen.

 

Spurenelemente

Kinder und Jugendliche mit einer Eisenmangelanämie hatten in einer Studie taiwanischer Wissenschaftler von 2013 ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen. Der Zusammenhang zwischen Eisenmangelanämie und psychiatrischen Erkrankungen war bei der bipolaren Störung am ausgeprägtesten. Wissenschaftler aus Spanien untersuchten bei 25 Patienten mit bipolaren Störungen und bei 29 Kontrollpersonen Kupfer, Zink, Blei und Cadmium. In der manischen Phase der Erkrankung kam es zu einem signifikanten Anstieg der Zinkkonzentration. Sowohl die Blut-, wie auch die Urinkonzentrationen von Blei und Cadmium waren bei den Patienten mit bipolaren Störungen signifikant größer als bei der Kontrollgruppe.

Magnesium in Form von Infusionen wurde als Zusatztherapie auch mit Erfolg bei einer schweren Manie eingesetzt.

 

Oxidativer Stress, Antioxidantien

Bei Patienten mit affektiven Erkrankungen wurde in zahlreichen Studien ein oxidativer Stress nachgewiesen, der auch an der Pathophysiologie der bipolaren Störung beteiligt sein dürfte. Im August 2014 wurde von Seiten kanadischer Wissenschaftler eine Metaanalyse von Studien publiziert, die die Parameter des oxidativen Stresses bei Patienten mit bipolaren Störungen untersuchten. In die Metaanalyse wurden 27 Studien einbezogen. Die Lipidperoxidation, DNA- und RNA-Schäden sowie Stickstoffmonoxid waren bei den Patienten mit bipolarer Störung im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant erhöht. Das Ausmaß der Lipidperoxidation war darüber hinaus sehr hoch. Auch polnische Wissenschaftler kamen 2013 zu dem Schluss, dass oxidativer Stress an der Pathophysiologie von Depressionen und bipolaren Störungen beteiligt ist. Auch eine mitochondriale Dysfunktion könnte an der Entstehung der bipolaren Störung beteiligt sein - so jedenfalls die Ergebnisse einer Literaturstudie von Wissenschaftlern des Massachusets General Hospitals.

N-Acetylcystein ist ein wichtiges Antioxidans und Ausgangssubstanz für die Bildung von Glutathion. Aus diesem Grund wurde N-Acetylcystein in mehreren Studien als adjuvante Therapie mit vielversprechenden Ergebnissen bei bipolaren Störungen eingesetzt, wobei eine abschließende Beurteilung der Wirksamkeit noch nicht möglich ist.  

 

Vitamine, Homocystein

Canadische Wissenschaftler publizierten 2011 eine Studie, in der sie bei 97 Erwachsenen mit bipolarer Störung oder mit Major Depression die Nährstoffaufnahme abfragten. Als Referenz dienten Daten des British Columbia Nutrition Survey. Bei den Personen mit Major-Depression und bipolaren Störungen wurde bei mehreren Mikronährstoffen eine zu niedrige Aufnahme festgestellt, z.B. bei Vitamin B1, Vitamin B2, Folsäure, Phosphor und Zink, ebenso bei Vitamin B6 und B12. Die Art der Medikamenteneinnahme war mit der Nährstoffaufnahme assoziiert. Bei Einnahme von Antidepressiva zeigte sich eine niedrigere Vitamin-B1- und Phosphor-Aufnahme. Medikamente gegen Angsterkrankungen waren mit einer höheren Calcium- und Eisenzufuhr assoziiert. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass Erwachsene mit psychischen Störungen ein erhöhtes Risiko für einen Mikronährstoffmangel haben.

In verschiedenen Studien wurden bei Patienten mit einer bipolaren Störung erhöhte Plasmahomocysteinspiegel nachgewiesen. 2009 publizierten spanische Wissenschaftler eine Studie, in der sie sowohl die Homocysteinkonzentration wie auch die neurokognitive Kapazität bei Bipolar-Patienten bestimmten. Die Patienten mit erhöhten Homocysteinkonzentrationen zeigten bei neurokognitiven Tests im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant schlechtere Testergebnisse. Wissenschaftler aus Tunesien stellten bei 92 Patienten mit Bipolare 1 signifikant häufiger eine Hyperhomocysteinämie fest als bei Kontrollpersonen. Bei den Patienten, die Lithium oder Carbamazepin erhielten, wurden auch verminderte Folsäurekonzentrationen nachgewiesen. Türkische Forscher publizierten 2013, dass sie bei Patienten mit bipolarer Störung im Vergleich zu Normalpersonen deutlich niedrigere Methioninkonzentrationen gefunden hatten. Daraus ergäben sich auch eine Verminderung der SAM-Synthese und verschiedene Komplikationen bei Methylierungsreaktionen. Polnische Wissenschaftler untersuchten bei 112 Patienten während einer depressiven Episode im Rahmen einer bipolaren Erkrankung die Serumkonzentrationen von Homocystein, Vitamin B12, Folsäure sowie verschiedene Marker der Endothelfunktion. Bei 50 Patienten wurden Homocysteinkonzentrationen größer 15 mmol/l nachgewiesen. Außerdem zeigte sich eine Korrelation zwischen erhöhten Homocysteinkonzentrationen und niedrigeren Spiegeln von Vitamin B12 und Folsäure.

 

Fazit:
Bei affektiven Erkrankungen, so auch bei der bipolaren Störung, sind häufig Mikronährstoffdefizite nachweisbar, wodurch dann auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist.

Durch eine geeignete Mikronährstoffanalyse können diese Defizite objektiviert und eine individuelle Mironährstofftherapie eingeleitet werden.

 

Referenzen:

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