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Eine ausreichende Verfügbarkeit von Mikronährstoffen ist von grundlegender Bedeutung für eine normale Funktionsfähigkeit des Stoffwechsels und für die Gesunderhaltung des Organismus. Dies gilt uneingeschränkt für alle Lebensphasen. Besonders vulnerabel gegenüber Mikronährstoffdefiziten ist der heranwachsende Organismus. Es ist bekannt, dass Versorgungslücken mit Mikronährstoffen im so genannten 1000-Tagefenster, also von der Zeugung bis Ende des zweiten Lebensjahres, zu irreparabel Entwicklungsdefiziten führen.

Das menschliche Gehirn wächst besonders stark vom letzten Drittel der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. In dieser Zeitspanne liegt der Schwerpunkt des Wachstums der Dendriten und der Ausbildung von Synapsen. Wenn in dieser Hirnentwicklungsphase ein spezifischer Mikronährstoff fehlt, z. B. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Jod und viele andere, kommt es zwangsläufig zu einer Störung der strukturellen Entwicklung des Gehirns. Die kognitiven Defizite bestehen meist lebenslang und können unter Umständen erheblich die persönliche und berufliche Entwicklung eines Menschen beeinträchtigen.

Die Entwicklung des Gehirns ist natürlich mit dem zweiten Lebensjahr nicht abgeschlossen, sondern setzt sich bis ins frühe Erwachsenenalter fort. Das Frontalhirn ist die Hirnregion, die am längsten für eine volle Ausreifung braucht. Das Frontalhirn ist verantwortlich für komplexere kognitive Funktionen wie Planung, Entwicklungsstrategien, Problemlösung etc. Zeitliche Schwerpunkte für die Entwicklung des Frontalhirns sind der Zeitraum von der Geburt bis zum zweiten Lebensjahr, vom siebten bis zum neunten Lebensjahr und im mittleren Teenageralter. Daraus ergibt sich auch, dass Mikronährstoffmängel nicht nur die kognitive Entwicklung von Kleinkindern beeinträchtigen können, sondern auch von Schulkindern und Jugendlichen.

Angesichts eines riesigen Nahrungsmittelangebots in Deutschland könnte man meinen, dass bei Jugendlichen gar keine Probleme mit der Mikronährstoffversorgung auftreten können. Die Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen aber, dass gerade in dieser Altersgruppe eine teilweise gravierende Unterversorgung mit Mikronährstoffen vorliegt, z. B. ein Vitamin-D-Mangel bei beiden Geschlechtern. Über 90 Prozent der Jugendlichen liegen unter den Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ungefähr jeder fünfte Jugendliche nimmt eine zu geringe Menge von Vitamin B1 und B2 über die Nahrung auf. Bei der Folsäure sind rund 70 Prozent der Jugendlichen unterversorgt. 33 Prozent der weiblichen Jugendlichen haben eine zu geringe Zufuhr von Vitamin B12. 30 Prozent der Jugendlichen haben eine Unterversorgung mit Vitamin C. 76 Prozent der weiblichen Jugendlichen haben Defizite in der Eisenversorgung. Bei knapp 30 Prozent der Jugendlichen ist auch die Zinkaufnahme zu gering.

Im Folgenden werden die Mikronährstoffe vorgestellt, die für die Hirnentwicklung sowie für die Hirnleistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter eine besondere Bedeutung haben:

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