Eisenmangel 320Normaler Hämoglobin-Wert schließt Eisenmangel nicht aus

Ein Eisenmangel gilt weltweit als der häufigste Nährstoffmangelzustand. Etwa ein Viertel der Menschheit dürfte unter einem Eisenmangel leiden. Rund 750 Millionen Menschen sind von einer Eisenmangelanämie betroffen. Ein Eisenmangel tritt aber sehr viel häufiger auf als eine Eisenmangelanämie. Ein normaler Hb-Wert kann zwar eine Eisenmangelanämie ausschließen, aber nicht einen Eisenmangel. Für die Diagnose eines Eisenmangels ist die Bestimmung verschiedener Parameter notwendig.

Das kleine Blutbild ist die Basisuntersuchung zur Erfassung der Zusammensetzung des Blutes. Im Rahmen des kleinen Blutbildes wird auch der Hämoglobinwert bestimmt. Der Wert sinkt erst unter die Normgrenze, wenn nicht mehr genügend rote Blutkörperchen gebildet werden. Bei Frauen mit Hämoglobinwerten unter 12 g/dl liegt eine Anämie vor. Beschwerden durch einen Eisenmangel, z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Haarausfall, Stimmungsschwankungen und vieles mehr, können auch bei normalen Hb-Werten auftreten.


Ferritin ist zunächst der sinnvollste Parameter zur Beurteilung der Eisenversorgung

Ferritin ist ein Eisenspeicherprotein, das im ganzen Körper vorkommt. Ferritin ist ein sehr guter Parameter zur Beurteilung des Eisenstatus, es sei denn, es liegt eine Entzündung oder eine Infektion vor. In diesen Fällen ist Ferritin dann nicht brauchbar zur Beurteilung der Eisenversorgung. Bei der Beurteilung der Ferritinkonzentration sollte man auch beachten, dass häufig ein sehr großer Normbereich angegeben wird, und Ferritinkonzentrationen um 20 oder 30 µg/ l als unterer Grenzwert gelten. In sehr vielen großen Studien wird mittlerweise ein Ferritinwert unter 100 µg/ l als Defizit definiert.

Niedrige Ferritinkonzentrationen sind häufg mit Eisenmangelsymptomen assoziiert. Bei Ferritinkonzentrationen unter 70 µg/ l ist bei Frauen z.B. vermehrter Haarausfall zu beobachten.

Die Bestimmung von Eisen selber eignet sich nicht zur Beurteilung des Eisenstatus, Eisen wird aber zur Bestimmung der Transferrinsättigung benötigt. Die Transferrinsättigung gibt an, wie viel Prozent des Transferrins mit Eisen beladen sind. Transferrin ist das Transporteiweiß von Eisen zu den Geweben. Ähnlich wie Ferritin ist auch die Transferrinsättigung bei Entzündungen oder Infekten nicht aussagekräftig.


Löslicher Transferrin-Rezeptor - unbeeinflusst von Entzündungen und Infekten

Ein wichtiger Laborwert zur Beurteilung des Eisenstatus ist der lösliche Transferrinrezeptor, der im Gegensatz zu Ferritin und der Transferrinsättigung nicht durch eine erhöhte Entzündungsaktivität beeinflusst wird. Zellen, die Eisen aufnehmen wollen, besitzen an ihrer Oberfläche Rezeptoren für Transferrin. Ein Teil dieser Rezeptoren wird ins Blut abgegeben und kann als löslicher Transferrinrezeptor gemessen werden. 80 bis 95 Prozent der Transferrinrezeptoren befindet sich auf den Vorstufen der roten Blutkörperchen.


Eisenstoffwechsel und andere Mikronährstoffe

Bei der Behandlung eines Eisenmangels ist wichtig zu beachten, dass im Eisenstoffwechsel auch zahlreiche andere Mikronährstoffe eine Rolle spielen und der Erfolg einer Eisensupplementierung auch von einer ausreichenden Verfügbarkeit dieser Mikronährstoffe abhängt.

Ein Vitamin-A-Mangel kann z.B. eine durch Eisenmangel hervorgerufene Anämie verstärken. Eine kombinierte Therapie von Eisen mit Vitamin A zeigte bessere Erfolge als eine Monotherapie mit Eisen und Vitamin A.

Möglicherweise beeinflusst auch Vitamin D3 den Eisenstoffwechsel, indem es die Konzentration des Regulatorhormons Hepcidin verändern kann.

Vitamin C vermag die Bioverfügbarkeit von Eisen in Nahrungsmitteln zu erhöhen.

Eine unzureichende Vitamin-B2-Versorgung hat einen nachteiligen Einfluss auf den Eisenstoffwechsel. Allerdings ist derzeit noch nicht geklärt, über welche Mechanismen Vitamin B2 den Eisenstoffwechsel beeinflusst.

Vitamin B6 ist ein wichtiges Coenzym für die Häm-Synthese. Ein Vitamin-B6-Mangel stört deshalb die Hämoglobinbildung und führt zu einer mikrozytären Anämie.

Bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel kommt es zu einem Auftreten von überdurchschnittlich großen hämoglobinreichen Erythrozyten.

Unter den Spurenelementen sind besonders Zink und Kupfer wichtig für den Eisenstoffwechsel. Zink ist für die Häm-Biosynthese erforderlich, Kupfer wird benötigt für die Eisenmobilisierung aus den Speichern. Bei einem Kupfermangel kann das Protein Transferrin nicht ausreichend beladen werden.

 

Auch Aminosäuren spielen eine wichtige Rolle im Eisenstoffwechsel

Die Aminosäure Histidin ist aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ein wichtiger Ligand für Metallionen und erforderlich für die Bindung von Eisen im Hämoglobinmolekül und anderer Eisenverbindungen.

Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure und dient dem Stoffwechsel als Schwefelquelle. Grundsätzlich sind der Eisen- und Schwefelstoffwechsel sehr eng miteinander verknüpft. Es gibt zahlreiche Eisen-Schwefel-Cluster, also Mehrfachkomplexe aus Eisen und Schwefel. Diese sind unter anderem für die Energiebildung in den Mitochondrien erforderlich.

Das Tripeptid Glutathion kommt in den meisten Zellen in relativ hohen Konzentrationen vor und hat neben zahlreichen anderen Funktionen auch eine große Bedeutung für den intrazellulären Eisenstoffwechsel.

Das "Große Eisenprofil" ist eine Mikronährstoffanalyse, die umfassend die verschiedenen Parameter des Eisenstoffwechsels sowie auch das Zusammenspiel von Eisen und anderen Mikronährstoffen beinhaltet.

Großes Eisenprofil

Groes Eisenprofil 150Das Große Eisenprofil ist eine aussagekräftige Mikronährstoffanalyse, die den Eisenstoffwechsel betrifft. Neben zahlreichen Mikronährstoffen, werden auch verschiedene Parameter des Eisenstoffwechsels bestimmt, um auch abzuklären, wie hoch der Stoffwechselbedarf an Eisen ist...weiterlesen

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