Die Schilddrüse ist zwar mit einem Gewicht von 18 bis 25 Gramm ein relativ kleines Organ, hat aber eine enorme Bedeutung für den Stoffwechsel und den Funktionszustand vieler Organe. Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) beeinflussen z.B. den Grundumsatz, das Herz-Kreislauf-System, die Atemregulation, die Bildung roter Blutkörperchen, die Darmfunktion, den Knochenstoffwechsel, den Muskelstoffwechsel, den Lipid- und Kohlenhydratstoffwechsel sowie den Umsatz anderer Hormone. Auch die psychische Befindlichkeit und die kognitive Leistungsfähigkeit sind in einem erheblichen Umfang von der Schilddrüsenfunktion abhängig.

In der Papillon-Studie, einer bundesweiten Ultraschalluntersuchung, wurden bei einem Drittel der 96.278 Teilnehmer krankhafte Schilddrüsenveränderungen festgestellt. Fazit der Studie war, dass die Schilddrüsenerkrankungen echte Volkskrankheiten darstellen, wobei die Ursache meist ein chronischer Jodmangel ist. Etwa drei Prozent der Bevölkerung leidet an der chronisch verlaufenden Hashimoto-Thyreoiditis. Diese ist in Nicht-Jodmangelgebieten die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bei Erwachsenen. Der Morbus Basedow ist mit einer Überfunktion der Schilddrüse verbunden und betrifft rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung.

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen des Menschen und geht mit einer über Jahre verlaufenden Entzündung der Schilddrüse einher, die zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes führt. Nach einer anfänglichen Schilddrüsenüberfunktion kommt es dann im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Für die normale Funktion der Schilddrüse sind verschiedene Mikronährstoffe erforderlich. Das Spurenelement Jod ist ein integraler Bestandteil der Schilddrüsenhormone und wohl der prominenteste Vertreter der Mikronährstoffe für die Schilddrüse. Die folgenden weiteren Mikronährstoffe spielen ebenfalls eine Rolle.

 

Selen

Selen ist ein essentielles Spurenelement, das als Bestandteil verschiedener Selenoproteine hauptsächlich antioxidative und immunmodulierende Funktionen innehat. Die Schilddrüse ist neben dem Gehirn das selenreichste Organ des Körpers. Bei der Bildung der Schilddrüsenhormone entstehen fortlaufend größere Mengen von Wasserstoffperoxid, die zur Vermeidung von Schäden mit Hilfe von Selenoproteinen inaktiviert werden müssen. Bei einem Selenmangel kann das Wasserstoffperoxid das Schilddrüsengewebe schädigen. Eine wichtige Rolle spielt Selen auch für die Umwandlung von Tyroxin in Trijodtyronin und für die Inaktivierung der Schilddrüsenhormone. Eine übermäßige Anreicherung dieser biologisch sehr aktiven Hormone kann auch schädlich sein.

In mehreren Studien erwies sich eine Selensupplementierung als nützlich für die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis. Mehrfach konnte eine signifikante Abnahme der Thyreoperoxidase-Antikörper nachgewiesen werden. Die Thyreoperoxidase ist ein zentral wichtiges Enzym für die Bildung der Schilddrüsenhormone. Es gibt auch Hinweise, dass durch eine Selensupplementierung die Lebensqualität und die Stimmungslage von Hashimoto-Patienten verbessert wird. Selen kann auch beim Morbus Basedow von Nutzen sein. Italienische Wissenschaftler untersuchten den Effekt von 2 mal 100 µg Selen täglich auf die Augenbefunde von Basedow-Erkrankten. Typisch für diese Erkrankung sind Schwellungen von Bindehaut und Lidern sowie ein Hervortreten der Augäpfel. Diese Symptome lassen sich durch eine Therapie mit Selen vermindern.

 

Eisen

Das Enzym Thyreoperoxidase ist eisenabhängig. Seine Funktion wird durch einen Eisenmangel beeinträchtigt. Daraus kann man schließen, dass ein Einsenmangel die gesamte Schilddrüsenfunktion beeinflusst. In einer Studie einer Münchner Universitäts-Ambulanz wurden bei 188 Schilddrüsenpatienten die Spiegel des Eisenspeicherproteins Ferritin bestimmt. Bei den Personen mit einer niedrigen Ferritinkonzentration (< 30 µg/ l) lagen die Konzentrationen des freien T3 und freien T4 signifikant niedriger als bei den Personen der Kontrollgruppe.

Bei Funktionsstörungen der Schilddrüse sollte unbedingt auch auf einen möglichen Eisenmangel geachtet werden, wobei hiervon hauptsächlich Schwangere, Heranwachsende und Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind.

 

Zink

Zink ist an vielen biochemischen Prozessen beteiligt. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den Zinkstoffwechsel. Ein Zinkmangel wiederum beeinflusst die Schilddrüsenfunktion. Türkische Wissenschaftler konnten in einer Studie bei Patienten mit verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen nachweisen, dass der Zinkspiegel im Serum mit der Größe einer Struma, mit den Schilddrüsen-Autoantikörpern bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und mit der fT3-Konzentration bei Patienten mit normaler Schilddrüsenfunktion korreliert.

Die Schilddrüsenhormone verhindern die Synthese des Enzyms Carboanhydrase, eines wichtigen zinkhaltigen Enzyms, in den roten Blutkörperchen.

Die Zinkkonzentration in den roten Blutkörperchen ist ein Marker für die mittlere Schilddrüsenhormonkonzentration - so ähnlich wie das HbA1c, welches die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern widerspiegelt. Japanische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Zinkkonzentration in den roten Blutkörperchen bei Patienten mit dauerhafter Schilddrüsenunterfunktion deutlich niedriger ist als bei Patienten, die unter einer vorübergehenden Unterfunktion litten. Durch die Bestimmung der Zinkkonzentration kann man also unterscheiden, ob eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen notwendig ist oder nicht.

 

Vitamin D

Vitamin D ist auch ein wichtiger Modulator des Immunsystems. Bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen, einschließlich MS und des Systemischen Lupus erythematodes (SLE), konnte eine Verminderung der Vitamin-D-Konzentration nachgewiesen werden. Bei Patienten mit Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen zeigte sich in einer Studie signifikant häufiger ein Vitamin-D-Mangel als bei gesunden Kontrollpersonen. Der Vitamin-D-Mangel korrelierte auch mit der Anwesenheit von Schilddrüsen-Autoantikörpern und mit abnormalen Schilddrüsenfunktionstests. In einer anderen Studie, die von türkischen Wissenschaftlern durchgeführt wurde, wurde die Vitamin-D-Konzentration bei 161 Patienten mit Hashimoto -Thyreoiditis bestimmt und mit den Werten von ebenso vielen Kontrollpersonen verglichen. Bei den Hashimoto-Patienten war signifikant häufiger ein Vitamin-D-Mangel nachweisbar. Außerdem zeigte sich, dass bei einer Schilddrüsenunterfunktion der Vitamin-D-Mangel ausgeprägter war.

 

Antioxidative Vitamine

Sowohl eine Unter-, als auch eine Überfunktion der Schilddrüse führt zu einer vermehrten Bildung von Sauerstoffradikalen. Dadurch kommt es auch zu einer Beeinflussung der Konzentrationen antioxidativer Vitamine. Bei Patienten mit Hyperthyreose konnte durch eine Supplementierung mit den Vitaminen C und E als Ergänzung zur medikamentösen Therapie eine schnellere Besserung der Symptome erreicht werden.

 

Homocystein und B-Vitamine

Die Vitamin-B2-Konzentration wird von der Schilddrüsenfunktion beeinflusst - dies wurde bei stationären Psychiatrie-Patienten nachgewiesen. Ein Vitamin-B2-Mangel wiederum wirkt sich auf verschiedene Methylierungsreaktionen aus. Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion zeigten verschiedentlich erhöhte Homocysteinkonzentrationen. Die Kombination aus erhöhten Homocysteinspiegeln und Störungen des Fettstoffwechsels sind wohl wichtige Faktoren, die das gesteigerte cardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion erklären.

Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse haben eine höhere Prävalenz für perniziöse Anämie im Vergleich zur Normalbevölkerung. In einer israelischen Studie wurde nachgewiesen, dass bei diesen Patienten recht häufig auch sehr niedrige Vitamin B12-Spiegel vorliegen. Eine von pakistanischen Wissenschaftlern durchgeführte Untersuchung ergab einen Vitamin-B12-Mangel bei 40 Prozent der Patienten mit der Diagnose Hypothyreose.

 

Vitamin A

Vitamin A kann den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone beeinflussen. Eine Therapie mit Vitamin A führt zu einer Verminderung der TSH-Konzentrationen und zu einer Reduzierung der Strumagröße. Eine Vitamin-A-Supplementierung kann also eine Überstimulierung der Schilddrüse vermindern.

 

Carnitin

In Zellkulturversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Carnitin als peripherer Antagonist der Schilddrüsenhormone wirken kann. In einer randomisierten Studie zeigte sich, dass zwei und vier Gramm Carnitin pro Tag die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion rückgängig machen konnten. Carnitin erwies sich ebenso bei der Behandlung einer Schilddrüsen-Überfunktionskrise als nützlich. Bei Personen mit Schilddrüsenüberfunktion wurden verminderte Carnitinspiegel in der Muskulatur nachgewiesen, aber auch bei einer Unterfunktion waren die Carnitinkonzentrationen in der Muskulatur niedriger als bei Kontrollpersonen mit einer normalen Schilddrüsenfunktion. Vermutlich sind die verminderten Carnitinkonzentrationen in der Muskulatur ein wesentlicher Faktor für die Entstehung einer Schilddrüsenmyopathie.

 

Aminosäuren

Bei mehreren Schilddrüsenerkrankungen spielen oxidativer Stress und eine erhöhte Entzündungsaktivität eine wesentliche Rolle. In Zellkulturversuchen konnte N-Acetyl-Cystein den oxidativen Stress und eine Infiltration mit Entzündungszellen verhindern. Bei chronisch kranken Patienten kann ein Syndrom auftreten, das durch eine niedrige T3-Konzentration gekennzeichnet ist. Entzündungsmediatoren wie Interleukin-6 können die Bildung von biologisch aktivem T3 verhindern. Dieser Effekt konnte durch NAC aufgehoben werden. Bekanntlich ist NAC eine wichtige Ausgangssubstanz für die Bildung von Glutathion. Interleukin-6 stört wahrscheinlich die T3-Bildung insofern, als es zu einer Glutathionverarmung der Zelle kommt.

N-Acetyl-Cystein konnte auch DNA-Schäden der Lymphozyten bei Morbus Basedow vermindern.

 

Referenz:
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Autor:
Dr. Hans-Günter Kugler, März 2012

Unsere Empfehlung für eine Mikronährstoffanalyse: DCMS-Neuro-Check

 

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