Glycin ist eine nicht essentielle Aminosäure, deren umfassende Funktionen im Stoffwechsel mehr und mehr entdeckt werden: Glycin ist Baustein von Proteinen und an der Synthese zahlreicher wichtiger Stoffwechselmoleküle beteiligt. Dazu gehören u.a: Glutathion, Creatin, Porphyrine, Purine. Glycin ist auch für den Stoffwechsel der Folsäure sowie für die Bildung der Gallensäuren erforderlich. Das therapeutische Potential für das Immunsystem, für entzündliche Prozesse, für die Entgiftung und für den Nervenstoffwechsel wurde bisher leider wenig beachtet.

Die Aminosäure Glycin kann mit der Nahrung zugeführt oder im Stoffwechsel selbst aus den Aminosäuren Serin und Threonin hergestellt werden. Wichtige pflanzliche Nahrungsquellen für Glycin sind Sojabohnen und Linsen.

 

 

Entgiftung, antioxidativ

Glycin ist an zahlreichen Entgiftungsreaktionen beteiligt und wirkt antioxidativ. Entgiftungsprozesse in der Leber werden als Biotransformation bezeichnet. Dabei werden schädliche Stoffwechselprodukte und Fremdstoffe chemisch so verändert, dass Sie anschließend durch Anbindung an körpereigene Substanzen (so genannte Konjugation) wasserlöslich und ausscheidungsfähig sind. Glycin und auch das Biomolekül Glutathion sind Konjugationssubstanzen.

Glutathion wird aus den Aminosäuren Glycin, Glutaminsäure und Cystein gebildet; es ist eines der wirksamten Antioxidantien im Organismus.

 

Antientzündlich, immunmodulierend

Glycin hat durch die Verminderung der Freisetzung von TNF-Alpha antientzündliche Eigenschaften. TNF-Alpha wird von immunologisch aktiven Zellen produziert. Glycin verhindert die Bildung von entzündunsfördernden Stoffen, den so genannten Eicosanoiden, die aus der Arachidonsäure entstehen.

Glycin kann überschießende immunologische und entzündliche Reaktionen abschwächen, wie sie z.B bei alkoholbedingten Leberschädigungen oder chronisch-entzündlichen Darm- und Gelenkerkrankungen auftreten.

 

Neurotransmitterstoffwechsel

Auch für das Nervensystem ist diese Aminosäure wesentlich. Vor allem im Rückenmark wirkt Glycin erregungsdämpfend an Glycinrezeptoren. Dadurch ist Glycin an der Regulierung der Bewegungsabläufe beteiligt. Im Gehirn wirkt Glycin als Coagonist an Glutamatrezeptoren und hat deshalb einen positiven Einfluss auf Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Aus Glycin kann Cholin gebildet werden. Cholin ist u.a. Ausgangssubstanz für die Bildung der Phospholipide, wichtige Bestandteile der Zellmembranen. Außerdem wird aus Cholin Acetylcholin gebildet, einer der wichtigsten Neurotransmitter. Acetylcholin vermittelt z.B. die Erregungsleitung zwischen Nerv und Muskel an der neuromuskulären Endplatte. Weiterhin stellt Acetylcholin den Transmitter dar, welcher die Übertragung von der ersten auf die zweite der beiden hintereinandergeschalteten Nervenzellen im vegetativen Nervensystem bewirkt.

 

Weitere wichtige Stoffwechselfunktionen

Glycin kann aber noch mehr: Es ist Baustein für die Bildung  des roten Blutfarbstoffes, ist erforderlich für die DNA-Synthese und für die Bildung von Creatin. Creatin befindet sich vorwiegend im Muskelgewebe und dient dort als Energiereserve. Glycin ist an der Produktion von Gallensäuren und damit am Fettstoffwechsel beteiligt, und es kann bei Diabetikern die Verzuckerung der Blutgefäße verhindern.

Glycin dürfte wohl die Aminosäure mit den vielseitigsten Eigenschaften sein, und es ist höchste Zeit, dass ihr therapeutisches Potential auch genutzt wird. Insbesondere bei entzündlichen und immunolgoischen Prozessen kann diese Aminosäure eine große medizinische Hilfe sein.

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