Das Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom ist die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen.

Im November 2010 berichteten die amerikanischen „Centers for Disease control and prevention“ (CDC), dass bei 10 Prozent der Kindern in den USA die Diagnose ADHS gestellt wurde.

Im Zeitraum von 2003 bis 2007 war ein Anstieg dieser Diagnose um fast 25 Prozent zu verzeichnen. In Deutschland liegt die Prävalenz laut KIGGs-Studie 2006 bei 2,9 Prozent der Vorschulkinder und bis zu 7,9 Prozent der Jugendlichen. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. ADHS gilt als ein multifaktoriell bedingtes Störungsbild. Dabei spielen Situations- und Umgebungsfaktoren, genetische und neurobiologische Faktoren eine Rolle. In verschiedenen Studien zeigten und zeigen sich auch Zusammenhänge zwischen Ernährungsfaktoren und ADHS. Dazu einige Studien neueren Datums, die in den letzten Monaten publiziert wurden:

 

Zink

In mehreren kontrollierten Studien in verschiedenen Ländern konnte nachgewiesen werden, dass die Zinkspiegel bei ADHS-Kindern niedriger lagen als bei Kontrollpersonen, ungeachtet unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten.

Zwei kontrollierte Studien zeigten einen vorteilhaften Effekt einer Zinksupplementierung auf die ereigniskontrollierten Potentiale. Darunter versteht man Wellenformen im EEG, die entweder von Sinneswahrnehmungen ausgelöst oder mit kognitiven Prozessen, z.B. Aufmerksamkeit, korreliert sind. Zink verbessert also nachweislich die Aufmerksamkeit.

Kanadische Wissenschaftler untersuchten in einer Pilotstudie die Nährstoffaufnahme bei ADHS-Kindern. An der Studie nahmen 43 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren teil. Die Aufnahme an Nährstoffen war vergleichbar mit der der übrigen Bevölkerung, bei Zink und Kupfer zeigten sich Unterschiede. Bei 66 Prozent der ADHS-Kinder war die Zinkaufnahme zu niedrig, und bei 23 Prozent auch die Kupferaufnahme. Bei dieser Studie wurde erstmalig eine zu niedrige Kupferaufnahme bei ADHS-Kindern festgestellt.

In einem Fachartikel, der im September 2010 in der Zeitschrift CNS Drugs erschien, diskutierten britische Wissenschaftler die Frage, welche Bedeutung ein Zinkmangel in der Pathogenese der ADHS-Symptomatik hat. In-vitro-Beobachtungen haben gezeigt, dass der menschliche Dopamin-Transporter eine Zink-Bindungsstelle enthält, die die Funktion des Transporters moduliert. Viele In-vivo-Studien lassen den Schluss zu, dass bei ADHS-Patienten mit Zinkmangel das Ansprechen auf Stimulantien reduziert ist. Man kann davon ausgehen, dass eine Zinksupplementierung bei ADHS-Patienten die Zinkbindung an den Dopamintransporter verbessert und dadurch auch dessen Funktionsfähigkeit.

Bekanntlich ist Zink auch für die Funktionsfähigkeit anderer Neurotransmittersysteme bedeutsam, z.B. Glutamat, Glycin und GABA.

 

Eisen/ Ferritin

Mehrfach wurden bei ADHS-Kindern auch verminderte Ferritinkonzentrationen nachgewiesen.
Im März 2010 wurde in der Zeitschrift Child. Psychiatry & Human Development ein Artikel über eine Studie publiziert, in der bei 118 ADHS-Kindern und Jugendlichen der Einfluss der Eisen- und Zinkkonzentration bei ADHS untersucht wurde. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass sowohl niedrige Zink- als auch niedrige Ferritinkonzentrationen mit stärkeren Hyperaktivitäts-Symptomen verbunden waren. Der Zinkspiegel korrelierte auch mit Ängstlichkeit und Kontaktproblemen. Da Zink und Eisen im Dopaminstoffwechsel eine Rolle spielen, kann man davon ausgehen, dass ein kombinierter Zink- und Eisenmangel mit einer stärkeren Störung des dopaminergen Systems einhergeht.

Im Rahmen einer US-amerikanischen Studie zur Zinksupplementierung in der Behandlung von ADHS wurden auch die Ferritinkonzentrationen bestimmt. An der Studie nahmen 52 Kinder im Durchschnittsalter von 10 Jahren teil. Die durchschnittliche Ferritinkonzentration war 18,4 ng/ ml. 23 Prozent der Kinder hatten Spiegel unter 7 ng/ ml. Die Ferritinkonzentration war invers mit Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität/ Impulsivität und mit der gesamten ADHS-Symptomatik assoziiert. Je niedriger die Ferritinkkonzentration, desto höher war der Bedarf an Amphetaminen.

Das Ergebnis der Studie bestätigt die bisherigen Zusammenhänge zwischen Eisenstatus und ADHS-Symptomatik. Eine Eisentherapie sollte auch mit der Zielsetzung durchgeführt werden, die Psychostimulantien-Dosis zu reduzieren.

Mittels Kernspintomographie wurden die Eisenkonzentrationen bei ADHS untersucht, auch hinsichtlich der Frage, inwieweit der Serum-Ferritinspiegel mit dem Eisengehalt des Gehirns korreliert. An der Studie nahmen 36 Kinder teil, 18 mit und 18 ohne ADHS-Symptomatik. Bei den ADHS-Kindern wurden, im Vergleich zu den Kontrollpersonen, signifikant niedrigere Eisenspiegel im Thalamus festgestellt.

 

Vitamin C

Koreanische Wissenschaftler konnten keinen Zusammenhang zwischen dem Zuckerkonsum und dem ADHS-Risiko feststellen. Vielmehr zeigte sich in ihrer Studie mit 107 Grundschülern, dass die Vitamin-C-Aufnahme mit dem ADHS-Risiko korrelierte.

 

Western-Diet

In einer australischen Langzeitstudie konnte nachgewiesen werden, dass die Diagnose ADHS mit der Bevorzugung des Western-Diet-Ernährungsstils korrelierte. Der Western-Diet-Ernährungsstil ist durch einen hohen Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten, gesättigten Fettsäuren und raffinierten Kohlenhydraten und durch eine eher geringe Zufuhr von Obst und Gemüse gekennzeichnet.

 

Referenzen:

  • Joy Y. Kiddie et al.: Nutritional status of children with attention deficit hyperativity disorder: a pilot study; International Journal of Pediatrics, Volume 2010, Article ID 767318, 7 pages
  • Lepping, Peter et al.: Role of zinc in the pathogenesis of attention-deficit hyperactivity disorder: Implications for research and treatment; CNS Drugs, 1 September 2010, Volume 24, Issue 9, pp721-728
  • Ozgur Oner et al.: Effects of zinc and ferritin on parent and teacher reported symptom scores in attention deficit hyperactivity disorder; Child Psychiatry & Human Development, Volume 41, Number 4, 441-447
  • Calarge C et al.: Serum ferritin and amphetamine response in youth with attention-deficit/ hyperactivity disorder; J Child Adolesc Psychopharmacol. 2010 Dec; 20(6): 495-502
  • Monica Juneja et al.: Iron deficiency in Indian children with attention deficit hyperactivity disorder; Indian Pediatrics, Volume 47, Number 11, 955-958
  • Samuele Cortese et al.: Brain iron levels in attention-deficit/ hyperactivity disorder: A pilot MRI study; World Journal of Biological Psychiatry; informahealthcare.com; May 2011
  • Yujeong Kim et al.: Correlation between attention deficit hyperactivity disorder and sugar consumption, quality of diet, and dietary behaviour in school children; Nutrition Research and Practice 2011; 5(3): 236-245
  • Amber L Howard et al.: ADHS is associated with a “Western” dietary pattern in adolescents; ScienceDaily (July 29, 2010)

 

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