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Interview mit Dr. Garen Artyunyan,
Internist in der HG Naturklinik Michelrieth, Schwerpunkt Kardiologie

 

DCMS:
Herr Dr. Artyunyan, Sie sind als Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
für den Bereich Kardiologie in der HG Naturklinik Michelrieth verantwortlich. Können Sie kurz skizzieren, welches die Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind?

Dr. G. Artyunyan
Die Hauptrisikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck, grenzwertige Blutzuckerwerte, erhöhtes Homocystein, Bewegungsmangel und noch einiges mehr. Dazu gibt es noch Faktoren, die man nicht verändern kann, wie Alter, Geschlecht, genetische Disposition.

 

DCMS:
Welche Laborwerte sind für Sie maßgeblich?

Dr. G. Artyunyan
Da man die Risikofaktoren zuerst untersuchen muss, sind natürlich die Laborwerte wichtig, denn sie zeigen uns, ob Risikofaktoren vorhanden sind: z.B. das Gesamtcholesterin und das so genannte schlechte (LDL) und das gute (HDL)Cholesterin; oder der Blutzucker, der HDA1c-Wert und das Homocystein; ferner die Vitaminwerte, die ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen, wie etwa Vitamin B12 und Folsäure; und schließlich die Mineralien und Spurenelemente wie Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium und besonders Selen.

 

DCMS:
Sie bestimmen also auch die Mikronährstoffe. Welchen Stellenwert hat die Orthomolekulare Medizin in Ihrer Klinik bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Dr. G. Artyunyan
In unserer Klinik ist die Orthomolekulare Medizin ein fester Bestandteil unserer vielfältigen Diagnose- und Therapieverfahren. Der Vorteil besteht darin, dass die für eine diesbezügliche Diagnose unerlässlichen Mikronärstoffanalysen von kompetenten Fachkräften in unserem Haus durchgeführt und ausgewertet werden. So können z.B. die Mikronährstoffe, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen, im Blut untersucht und aufgrund des Analyseergebnisses entsprechend ergänzt werden. Da wir diese Diagnoseform in unserem Haus regelmäßig anwenden, konnten wir feststellen, dass Mängel von Vitamin B12, Folsäure und Selen sehr häufig vorkommen. Auch Vitamin D, das laut neueren Forschungsergebnissen im menschlichen Körper eine mehrfache Rolle spielt, ist oftmals bei älteren wie auch bei jüngeren Patienten defizitär. Die eben genannten Mikronährstoffe sind für Herz und Kreislauf sehr bedeutend.

 

DCMS:
Muss man vor einer Mikronährstoff-Therapie unbedingt eine Blutanalyse machen?

Dr. G. Artyunyan
Ja. Eine Blutanalyse ist unumgänglich, weil sie die Voraussetzung für eine gezielte Therapie ist. Leider ist bekannt, dass viele Menschen aus eigener Initiative verschiedene Multinährstoffpräparate einnehmen – ohne vorausgegangene Blutuntersuchung. Dadurch laufen sie Gefahr, ihren Körper zusätzlich zu belasten, da er ja die Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren etc., die er augenblicklich gar nicht benötigt, ausscheiden muss. Umgekehrt erhält er dann nicht genau die Stoffe, die ihm tatsächlich fehlen. Für den Körper ist es in jedem Fall sinnvoll und empfehlenswert, zuerst zu untersuchen und dann entsprechend dem Ergebnis zu therapieren.

 

DCMS:
Und wie sieht die Therapie mit Mikronährstoffen aus? Beschränkt sie sich auf die Zeit des Klinikaufenthaltes? Wie lange nimmt der Patient die Präparate?

Dr. G. Artyunyan
Die Länge der Therapie ist natürlich vom Ausmaß der Mängel abhängig. Bei ausgeprägten Mängeln führen wir zuerst eine Infusionstherapie durch, und danach verschreiben wir die fehlenden Mikronährstoffe zum Einnehmen. Man kann sie, abhängig vom Bedarf, einen Monat bis ein Jahr lang nehmen. Wichtig ist eine anschließende Kontrolluntersuchung, weil wir prüfen müssen, ob unsere Therapie erfolgreich ist.

 

DCMS:
Wie ist die Erfolgsquote? Kann man den Erfolg überhaupt messen?

Dr. G. Artyunyan
Die Erfolgsquote kann man messen. Sie ist sehr hoch – allerdings liegt sie nicht bei 100 Prozent. Die Erklärung hierfür ist, dass es bei manchen Patienten Resorptionsschwierigkeiten gibt, und gerade deswegen ist die Infusionstherapie zur Ergänzung der mangelnden Stoffe so wichtig.

Wir kombinieren die orthomolekulare Therapie häufig mit anderen naturheilkundlichen und schulmedizinischen Anwendungen. Allerdings haben wir bei Patienten in stabilem Zustand gute Erfahrungen mit einer ausschließlich orthomolekularen Therapie gemacht. Sehr gute Erfolge zeigten sich z.B. bei Patienten mit Angina pectoris (einer krankhaften Verengung der Herzkranzgefäße), die sich in gutem und stabilem Zustand befanden und keine intensive Therapie benötigten. Bei solchen Patienten führe ich eine ausschließlich orthomolekulare Therapie durch, z.B. mit Arginin, Selen und Folsäure. Durch diese Therapie lässt sich der Blutdruck verbessern, und auch die für Angina pectoris typischen Schmerzen lassen sich mildern oder beheben. Diese Erfahrung habe ich gemacht.

Bei Angina pectoris konnte ich auch mit der therapeutischen Kombination der beiden Aminosäuren Arginin und Taurin gute Ergebnisse erzielen. Arginin wirkt gefäßerweiternd und verbessert die Fließeigenschaft des Blutes, Taurin hat eine antiarrhythmische Wirkung und stärkt gleichzeitig die Herzmuskelleistung.

Weitere positive Ergebnisse stellten sich bei Patienten mit hohem Blutdruck und Diabetes ein. Bei Herzrhythmusstörungen muss man kombinieren, mit Mikronährstoffen allein geht es nicht: Erst die Kombination mit homöopathischen und pflanzlichen Mitteln bringt den gewünschten Erfolg.

 

DCMS:
Setzen Sie die Orthomolekulare Medizin nur für die Behandlung oder auch für die Prophylaxe ein?

Dr. G. Artyunyan
Für die Prophylaxe ist die Orthomolekulare Medizin besonders sinnvoll. Wenn wir rechtzeitig die entsprechenden Mängel feststellen, können wir eine Substitutionstherapie durchführen und vorbeugen. Was dabei sehr wichtig ist: Viele der Risikofaktoren tun nicht weh und bleiben deshalb oft unerkannt; wenn die Patienten nun zum Aufbau oder zur Kur kommen, können wir mittels einer Analyse im Blut feststellen, ob Mängel vorliegen oder ob z.B. der Homocysteinspiegel zu hoch ist – und dann kann man diese Mängel behandeln.

So verhält es sich z.B. häufig bei Diabetes Typ II, insbesondere wenn Übergewicht vorliegt. Es gibt oftmals lange Zeit keine Beschwerden, und erst dann, wenn der Patient einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erleidet, wird die auslösende Krankheit festgestellt – dann ist es natürlich zu spät. Gerade in dieser Richtung können wir vorbeugend viel tun.

 

Zum Schluss zeigt uns Herr Dr. Artyunyan noch zwei Fallbeispiele aus der HG Naturklinik auf:
 

Fall Angina pectoris

Ein 76-jähriger Patient mit dem klinischen Bild einer starken Herzmuskelschwäche und Angina pectoris, also einer Herzkranzgefäßverengung, kam stationär zu uns. Da sein Zustand relativ stabil war, wurde ausschließlich die orthomolekulare Diagnostik und Therapie durchgeführt. Aufgrund des Analyse-Ergebnisses bekam er eine Mischung aus Arginin und Taurin und Infusionen speziell mit Folsäure, Vitamin B12 und dem Vitamin-B-Komplex. Mit dieser Therapie erreichten wir eine weitgehende Stabilisierung seines Zustandes, so dass er bei Belastung keine Schmerzen mehr verspürte und weniger an Atemnot litt. Zu Hause führte er die Mikronährstofftherapie noch weiter durch.

 

Fall Hypertonie

Eine 49-jährige Patientin mit chronischer Hypertonie und langandauernder Stresssituation in der Familie und im Beruf kam zu uns mit einer hypertensiven Krise – das bedeutet Blutdruckwerte von 240 zu 120, die mit den üblichen schulmedizinischen Mitteln nicht gut eingestellt werden konnten.

Auch bei ihr wandten wir die orthomolekulare Diagnoseform an, indem wir die entsprechende Mikronährstoffanalyse im Blut und aufgrund des Ergebnisses eine gezielte Infusionstherapie mit hochdosiertem Vitamin C (15 g) und Vitamin B12, mit dem B-Komplex und Folsäure durchführten. Zusätzlich erhielt sie auch die große Eigenblutbehandlung. Nach 10 Infusionen und Eigenblutbehandlungen lag der Blutdruck im Normbereich – nur aufgrund dieser Therapie.

Selbstverständlich nimmt die Patientin die vorgenannten Mikronährstoffe weiterhin in Tablettenform ein.

 

DCMS:
Vielen Dank für das Gespräch.

 


 

HG Naturklinik Michelrieth
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Dezember 2006