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Report Naturheilkunde,
Oktober 2010, Ausgabe 5 Fit im Alter mit Mikronährstoffen
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Der Lebensabschnitt des Alters beginnt mit dem 65. Lebensjahr. Für den Erhalt der Gesundheit spielt, neben vielen anderen Faktoren, natürlich auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Im Alter ist der Energiebedarf eher rückläufig - bei gleichbleibendem oder sogar erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen. Ein Mehrbedarf an Mikronährstoffen kann z.B. durch Erkrankungen wie die atrophische Gastritis bedingt sein, die mit einer Einschränkung der Verdauungsleistung einhergehen. | |
| Bild: Rainer Sturm, pixelio.de | ||
Wie aus den Daten der Nationalen Verzehrstudie
II (NVS II) ersichtlich, ist die Mikronährstoffversorgung bei Senioren alles
andere als befriedigend. Besonders schlecht ist die Versorgungslage bei
Folsäure und Vitamin D. 94,2 Prozent der Männer zwischen 65 und 80 und 97,4
Prozent der Frauen im gleichen Altersabschnitt haben eine zu geringe
Vitamin-D-Zufuhr. Was die Folsäure betrifft, sind 90,8 Prozent der älteren
Frauen und 89,5 Prozent der älteren Männer unterversorgt. Auch bezüglich der
Vitamine B1, B2 und E sowie Calcium und Magnesium ist die Versorgung
insgesamt unbefriedigend.
Anfang Juni 2010 diskutierte eine renommierte Expertenrunde an der
Universität Hohenheim die Frage: „Vitaminversorgung in Deutschland – ein
Grund zur Sorge?“ Der Tenor der Veranstaltung war, dass die
Vitaminversorgung in Deutschland deutlich besser werden muss, ansonsten
droht ein Anstieg typischer Alterskrankheiten wie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Demenz.
In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Fachartikel, die sich mit den
Zusammenhängen zwischen altersassoziierten Erkrankungen und der Versorgung
mit einzelnen Mikronährstoffen beschäftigen.
Folsäure
Folsäure ist ein wichtiger Methylgruppen-Donator im Stoffwechsel und an
vielen biochemischen Reaktionen beteiligt. Eine Erhöhung der
Homocysteinkonzentration ist häufig Folge einer unzureichenden
Folsäure-Versorgung. In einer placebokontrollierten niederländischen Studie
erhielten mehr als 800 Probanden täglich entweder ein Placebopräparat oder
800 mg Folsäure über einen Zeitraum von drei Jahren. Am Studienende hatte
die Verumgruppe bei der Gedächtnisleistung, der Informationsverarbeitung und
der sensomotorischen Geschwindigkeit signifikant bessere Ergebnisse als die
Kontrollpersonen. Die Einnahme von Folsäure führte dazu, dass die Leistungen
bei der Folsäuregruppe mit denen von zwei bis fünf Jahre jüngeren Menschen
vergleichbar war.
2007 wurde im „Lancet“ eine Metaanalyse der Feinberg School of Medicine in
Chicago publiziert, die sich mit der Frage beschäftigte, inwieweit Folsäure
eine präventive Wirkung auf Schlaganfall hat. Dazu wurden 8 randomisiert
kontrollierte Studien ausgewertet; es zeigte sich eine grenzwertig
signifikante Reduktion der Schlaganfallhäufigkeit um 18 Prozent.
Vitamin B12
Wissenschaftler der Universität Oxford untersuchten bei 107 Personen im
Alter von 61 bis 87 Jahren kernspintomographisch die Hirngröße sowie die
Konzentration verschiedener Vitamine. Die gleichen Untersuchungen wurden
nach fünf Jahren wiederholt. Dabei zeigte sich, dass die altersbedingte
Hirnatrophie bei den Probanden mit der niedrigsten B12-Konzentration in der
Ausgangsuntersuchung am größten war. Im Drittel mit der niedrigsten
B12-Konzentration (< 416 ng/ l) wurden mehr als sechsfach häufiger Verluste
an Hirnvolumen festgestellt.
Vitamin C
Eine hohe Vitamin-C-Aufnahme war bei älteren Männern mit geringeren
Knochenverlusten verbunden, so die Ergebnisse der Framingham Osteoporosis
Study. In einer mexikanischen Studie wurde nachgewiesen, dass eine
Supplementierung von 400 I.E Vitamin E und 1000 mg Vitamin C über einen
Zeitraum von einem Jahr das Voranschreiten der altersassoziierten
Osteoporose deutlich verminderte.
Vitamin E
Bei 827 Personen über 65 Jahren wurde ein Zusammenhang zwischen der
Vitamin-E-Konzentration und der Entwicklung von Gebrechlichkeit untersucht.
Das Risiko, gebrechlich zu werden, war bei den Probanden mit den höchsten
Vitamin-E-Konzentrationen deutlich geringer als bei den Probanden mit den
niedrigsten Vitamin-E-Spiegeln.
Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kam eine Studie, die 2008 in JAMA
publiziert wurde. Bei 698 älteren Personen waren niedrige
Vitamin-E-Konzentrationen mit einem stärkeren körperlichen Abbau assoziiert.
Vitamin D
In den letzen Jahrzehnten hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass das Vitamin D
über seine Bedeutung als Knochenvitamin hinaus vielfältige Funktionen im
Stoffwechsel inne hat. Nach US-amerkanischen und niederländischen Daten
weisen über 50 Prozent der Senioren einen Vitamin-D-Mangel auf. Die
körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut verringert sich mit zunehmendem
Lebensalter, mit 70 Jahren beträgt sie nur noch 50 bis 70 Prozent der
Leistung in jüngeren Jahren.
Eine gute Vitamin-D-Versorgung hat einen protektiven Effekt gegen zahlreiche
altersassoziierte Erkrankungen. Aus der Vielzahl von Publikationen zu diesem
Thema können hier natürlich nur einige Beispiele aufgeführt werden.
Durch Supplementation von Vitamin D lässt sich die Sturzrate bei Menschen
über 65 Jahren deutlich reduzieren, so das Ergebnis einer Metaanalyse von
acht Studien mit insgesamt 2426 Teilnehmern. 25-OHD-Spiegel unter 60 nmol/ l
übten keinen Schutzeffekt aus.
Im Rahmen der European Male Ageing Study (EMAS) wurden bei 3133 Männern im
Alter zwischen 40 und 79 Jahren die Vitamin-D-Konzentrationen im Blut
gemessen sowie eine Reihe von Testes zur kognitiven Leistungsfähigkeit
durchgeführt. Die Studienteilnehmer mit höherer Vitamin-D-Konzentration
schnitten bei den Tests, bei denen es um Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und
Verarbeitungsgeschwindigkeit ging, durchweg besser ab als die
Studienteilnehmer mit niedrigeren Vitamin-D-Spiegeln. Dieser Effekt war umso
ausgeprägter, je älter die Männer waren.
2007 wurden die Ergebnisse einer großen Metaanalyse publiziert, in der der
Effekt einer Supplementierung von Vitamin E auf die Sterblichkeit untersucht
wurde. Dabei zeigte sich, dass die Menschen, die zusätzlich zur Nahrung
Vitamin D einnahmen, ein um sieben Prozent niedrigeres Sterberisiko
aufwiesen als diejenigen, die keine Nahrungsergänzungsmittel schluckten.
In einer großen US-amerikanischen Studie, in der die Daten von 27.686
Menschen ab 50 ausgewertet wurden, lag die Sterbewahrscheinlichkeit bei den
Probanden, die wenig Vitamin D im Blut aufwiesen, um 75 Prozent höher als
bei Menschen mit normalen Werten. Ein Vitamin-D-Mangel erhöhte das Risiko
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 45 Prozent, die Gefahr eines Apoplex
sogar um 78 Prozent. Ein hoher Vitamin-D-Spiegel halbiert einer Metaanalyse
zufolge das Diabetesrisiko. Auch das metabolische Syndrom war bei Probanden
mit hohen Vitamin-D-Spiegeln nur halb so häufig wie bei Studienteilnehmern
mit wenig Vitamin D.
Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen könnten auch das Risiko für M. Parkinson
erhöhen, so jedenfalls die Ergebnisse des Mini-Finland Health Survey.
Zink
Bei 50 älteren Menschen im Alter zwischen 55 und 87 Jahren wurde der Effekt
einer Zinksupplementierung auf die Infekthäufigkeit untersucht. Die
Verumgruppe erhielt 45 mg Zink täglich über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Während dieses Zeitraums wurde das Auftreten von Infektionen dokumentiert,
außerdem wurden verschiedene immunologische Parameter vor und nach der
Therapie bestimmt. Im Vergleich zu einer Gruppe jüngerer Erwachsener hatten
die älteren Versuchsteilnehmer signifikant niedrigere Zinkkonzentrationen,
erhöhte Marker von inflammatorischen Zytokinen und oxidativem Stress. Bei
den Probanden, die Zink eingenommen hatten, traten Infektionen deutlich
seltener auf, und die Bildung von Entzündungsmarkern und oxidativem Stress
war signifikant niedriger als in der Placebogruppe.
Autor:
©
Dr. med. Hans-Günter Kugler
Diagnostisches Centrum für Mineralanalytik
und Spektroskopie DCMS GmbH
Löwensteinstraße 9
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