Naturheilpraxis, April
2009
Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler:
Gedächtnis und Mikronährstoffe
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Das Gehirn unterliegt wie alle
anderen Organe auch einem Alterungsprozess, der zu einer Verminderung
verschiedener Hirnleistungen führt. Wie kernspintomographische
Untersuchungen gezeigt haben, kommt es bereits im mittleren
Erwachsenenalter zu einer Volumenverringerung gedächtnisrelevanter
Hirnregionen wie des Hippokampus und des präfrontalen Kortex. Neben
einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung treten etwa ab dem
siebzigsten Lebensjahr noch andere Hirnleistungsstörungen auf, z.B. eine
Verlangsamung der Reaktionszeit und der |
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Verarbeitungsgeschwindigkeit von
Informationen. Auch die räumliche Orientierungsfähigkeit nimmt ab. Das
Altern beeinträchtigt also vor allem die Tempoleistungen des Gehirns.
Sprachkenntnisse, Begriffsvermögen und berufliche Fähigkeiten bleiben
meist sehr gut erhalten und können sich sogar noch verbessern.
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Seit einigen Jahren ist
nachgewiesen, dass im Bereich des Hippokampus und im Riechkolben des
menschlichen Gehirns zeitlebens neue Nervenzellen entstehen können. Dieses
Phänomen nennt man adulte Neurogenese. Die Fähigkeit des Gehirns, neue
Nervenzellen zu bilden, kann durch bestimmte Verhaltensweisen unterstützt
werden. Wesentlich dabei ist, dem Gehirn immer wieder neuen Lern- und
Denkstoff zu bieten, d.h. einen anregenden, aktiven Lebensstil zu führen.
Man sollte sich also von der Vorstellung trennen, dass Altern zwangsläufig
mit einer Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit verbunden sein müsste.
Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit sind allerdings
keineswegs Phänomene, die nur im Seniorenalter auftreten; auch viele
Menschen im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter machen die Erfahrung,
dass sie ihr Gedächtnis im Stich lassen kann. Wenn einem plötzlich die Namen
von Geschäftspartnern oder Termine nicht mehr einfallen, kann dies schon
bedrohlich wirken. Für kognitive Probleme im mittleren Erwachsenenalter gibt
es verschiedene Ursachen. Sehr häufig ist chronischer Stress der Verursacher
von Gedächtnisproblemen. Ein kurzzeitiger Stresszustand hingegen schadet dem
Gehirn nicht, sondern kann sogar die Konturen der Erinnerung schärfen.
Anhaltender Stress führt über eine Aktivierung der HPA-Achse zu einer
Erhöhung des Cortisolspiegels. Wenn die Cortisolkonzentrationen über einige
Tage erhöht sind, können die Neuronen des Hippokampus bereits Schaden
nehmen. Die Zahl der Dendrite und synaptischen Verbindungen nimmt ab. Ein
hoher Cortisolspiegel führt auch dazu, dass deutlich weniger neue
Gehirnzellen entstehen; außerdem wird die Bildung des Nervenwachstumsfaktors
BDNF eingeschränkt.
Leichter Hypercortisolismus ist auch ein häufiger Befund bei depressiven
Erkrankungen.
Im Laufe wiederholter depressiver Episoden können sich die Schädigungen des
Hippokampus summieren, so dass es zu einer bleibenden Beeinträchtigung des
Gedächtnisses kommen kann, wenn die Depression nicht rechtzeitig behandelt
wird.
Gedächtnisprobleme oder andere kognitive Störungen im mittleren
Erwachsenenalter können durchaus auch mit Diabetes mellitus, Hypothyreose
oder anderen Erkrankungen zusammenhängen.
Eine wesentliche Voraussetzung für eine gute kognitive Leistungsfähigkeit
ist eine „hirngesunde“ Ernährung, die weitgehend der Ernährungsform
entspricht, die auch für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu
empfehlen ist. Die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren und
Cholesterin sollte gering gehalten werden. Wünschenswert sind eine hohe
Aufnahme von Obst und Gemüse und eine Bevorzugung von Kohlenhydraten mit
niedrigem glykämischen Index.
Bei Gedächtnisproblemen sollte altersunabhängig immer an eine unzureichende
Versorgung mit Mikronährstoffen gedacht werden. Kognitive Störungen sind
oftmals das erste Anzeichen eines Mangels an Vitaminen der B-Gruppe.
Mikronährstoffe sind für die Energieversorgung der Nervenzellen unerlässlich
und besonderes maßgebend für den Neurotransmittermetabolismus. Bekanntlich
ist das Neurotransmittergleichgewicht von entscheidender Bedeutung für die
Hirnleistungsfähigkeit und Befindlichkeit.
Im Folgenden werden die bei kognitiven Störungen relevanten Mikronährstoffe
beschrieben:
Arginin
Arginin ist die Vorstufe des Signalgases Stickstoffmonoxid (NO), das für die
Regulierung der Gefässweite und der Durchblutung benötigt wird. NO wirkt
auch an Synapsen und beeinflusst dort, je nach Typ, die Freisetzung
verschiedener Neurotransmitter. Es gibt zunehmend Hinweise, dass NO als
retrograder Botenstoff auch an der Gedächtnisbildung beteiligt ist.
Glutaminsäure
Glutaminsäure ist die Drehscheibe des Aminosäurenstoffwechsels; im Gehirn
wirkt sie als exzitatorischer Neurotransmitter. Die Glutamatrezeptoren sind
für die synaptische Plastizität im Rahmen von Lernen und Gedächtnis
unentbehrlich. Bei Schulkindern mit Lernschwierigkeiten konnte durch eine
Glutamatsupplementierung eine Verbesserung der Merkfähigkeit erreicht
werden. Es ist aber zu beachten, dass Glutamat auch ein erhebliches
neurotoxisches Potential (Exzitotoxizität) besitzt und an der Pathogenese
von Schlaganfällen, neurodegenerativen Erkrankungen und Epilepsien beteiligt
ist. Bei diesen Krankheitsbildern sowie bei einer nervösen Übererregbarkeit
darf Glutamat nicht supplementiert werden.
Cystein
Cystein ist meist der limitierende Faktor für die Synthese von Glutathion,
dem wichtigsten Antioxidans in der Zelle. Mit zunehmendem Alter kommt es zu
einer signifikanten Verminderung der Cystein-Plasmakonzentration, wodurch
auch die Glutathionsynthese beeinträchtigt wird. Generell ist der
Alterungsprozess mit einer Verminderung der antioxidativen Kapazität in
Blutplasma und Gehirn verbunden.
Die Zunahme des oxidativen Stresses und die damit einhergehende Schädigung
von Zellstrukturen und Molekülen im Gehirn kann allmählich zu einer
Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit führen. Eine Supplementierung
von Cystein in Form von N-Acetyl-Cystein (NAC) erweist sich als ein
bewährtes Verfahren zur Verbesserung der Glutathionsynthese. NAC kann die
NO-Verfügbarkeit verbessern und hat einen antiinflammatorischen Effekt.
Letzterer ist deshalb bedeutsam, weil es mit steigendem Lebensalter auch zu
einer Zunahme der Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine im Gehirn
kommt.
Glycin
Glycin ist ein inhibitorischer Neurotransmitter an glycinergen Rezeptoren,
die sich im Rückenmark und in den Basalganglien befinden. Glycinsupplemente
haben deshalb einen entspannenden und spasmolytischen Effekt. Glycin ist
aber auch ein Coagonist an den NMDA-Rezeptoren, die für das Lernen und die
Gedächtnisbildung sehr wichtig sind. 1999 wurde eine Studie publiziert, in
der mit einer besonderen Darreichungsform von Glycin in allen Altersgruppen
eine deutliche Verbesserung der Gedächtnisleistungen erzielt wurde.
Serin
Serin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Cholin, Acetylcholin und
Phospholipiden. Acetylcholin, ein wichtiger Botenstoff im ZNS, erweist sich
u.a. auch für die Aufmerksamkeit und das Lernen als erforderlich. Serin
erfüllt ferner eine wichtige Aufgabe im Homocysteinmetabolismus. Die
Methylgruppe des Serins wird für die Bildung von 5-Methyl-THF (Coenzymform)
aus THF (Tetrahydrofolsäure) benötigt; somit hängt die Remethylierung des
Homocysteins von einer ausreichenden Serinverfügbarkeit ab. Außerdem ist
Serin an der Cysteinbildung aus Homocystein beteiligt. Eine
Serinsupplementierung vermindert den Homocysteinanstieg nach einer
Methioninbelastung.
Tryptophan
Tryptophan ist die Ausgangssubstanz für die Bildung des Neurotransmitters
Serotonin. Serotonin hat sehr vielfältige Funktionen im ZNS; u.a. ist das
serotoninerge System auch für das Lernen und für das Gedächtnis zuständig.
Mit dem Tryptophandepletionstest kann man experimentell relativ einfach
einen Serotoninmangel im Gehirn erzeugen und dadurch die Folgen für die
Hirnfunktion beurteilen. Mit Hilfe dieser Methode konnte gezeigt werden,
dass ein Tryptophanmangel vor allem die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses
beeinträchtigt.
Bei anhaltendem psychosozialen Stress besteht häufig ein deutlich erhöhter
Tryptophanbedarf, da Cortisol zu einem beschleunigten Tryptophanabbau führt.
Das ist einer der Gründe, warum man bei Gedächtnisstörungen unbedingt auf
eine gute Tryptophanversorgung achten soll.
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Autor:
©
Dr. med. Hans-Günter Kugler
Diagnostisches Centrum für Mineralanalytik
und Spektroskopie DCMS GmbH
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