Dezember 2005/ Nr.
10
Jetzt im Winter ist
Vorsicht geboten: Atemwegserkrankungen!
Atemwegserkrankungen
umfassen ein breites Spektrum an Krankheitsbildern, die in der ärztlichen
Praxis relativ häufig auftreten. Die meisten Erkältungskrankheiten wie Rhinitis, Sinusitis, Pharyngitis, Laryngitis, Angina tonsillaris und akute
Bronchitis sind entzündlich-infektiöse Atemwegserkrankungen. Dazu gehören
auch die Pneumonien.
Aus der Sicht der
Orthomolekularen Medizin sind hier vor allem immunstärkende Mikronährstoffe
wirksam. Zu den chronisch unspezifischen Atemwegserkrankungen gehört die
chronische Bronchitis, das Asthma bronchiale und das Lungenemphysem.
Kennzeichen dieser Erkrankungen ist die Obstruktion der Atemwege sowie
chronisch-entzündliche Prozesse der Bronchialschleimhaut. Zu erwähnen sind
noch die restriktiven Lungenerkrankungen, dazu gehören:
Strukturveränderungen von Lunge und Thorax wie Pleuraschwarte,
Bronchiektasien, Kyphoskoliose etc. sowie interstitielle Lungenerkrankungen
wie Silikose, Sarkoidose.
Am Beispiel des Asthma
bronchiale wird im Folgenden aufgezeigt, wie Mikronährstoffe
pathobiochemische und pathophysiologische Veränderungen bei
Atemwegserkrankungen positiv beeinflussen können.
Asthma
bronchiale und Mikronährstoffe
Asthma bronchiale ist
ein klinisches Syndrom mit verschiedenen Symptomen, die von milden
saisonalen Beschwerden bis zu einer schweren, lebensbedrohlichen Atemnot
reichen können. Der Atemfluss wird durch asthmatische Bronchokonstriktion,
Schwellung der Schleimhäute, Hypersekretion der Drüsen und eine
Viskositätszunahme des Schleims beeinträchtigt. Typisch für das Asthma
bronchiale ist auch eine bronchiale Hyperreagibilität, bei der das
Bronchialsystem des Betroffenen auf verschiedene Reize wie kalte Luft,
körperliche Anstrengung etc. mit einer Bronchokonstriktion reagiert.
Der Asthma-Symptomatik
liegt eine chronische Entzündung der Bronchien mit Zellinfiltraten zugrunde,
bestehend aus Mastzellen, Lymphozyten und eosinophilen Granulozyten.
Lymphozyten bilden proinflammatorische Zytokine; Mastzellen speichern und
sezernieren Mediatoren wie Histamin, Tryptase und Prostaglandin D2;
eosinophile Granulozyten produzieren Leukotriene, Sauerstoffradikale und
verschiedene toxische Metabolite wie das Major Basic Protein (MBP) und die
eosinophile Peroxidase (EPO).
Unter den Zytokinen
ist das Interleukin-5 spezifisch für eosinophile Granulozyten. Die
Bestimmung von IL-5 könnte zukünftig für die Diagnostik und für die
Verlaufskontrolle des Asthmas eine wichtige Rolle spielen.
Die
Hauptschwerpunkte der antiasthmatischen Therapie sind die
Bronchospasmolyse und die Entzündungshemmung. Darüberhinaus können
verschiedene Mikronährstoffe als adjuvante Therapie den Verlauf und
Schweregrad des Asthma bronchiale bessern. Einige Mikronährstoffe haben
immunmodulierende, antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften und
können deshalb die pathobiochemischen Mechanismen des Asthma bronchiale
günstig beeinflussen.
Vitamin A
Ein marginaler
Vitamin-A-Mangel fördert Erkrankungen der Atemwege durch Veränderungen
der Respirationsschleimhaut. Diese Veränderungen bestehen aus einem
Verlust an Flimmerepithel und einer Zunahme sezernierender Zellen.
Zwischen einem leichten Vitamin-A-Mangel und der Häufigkeit
respiratorischer Infekte besteht eine nachgewiesene Korrelation. Vitamin
A reguliert die Genexpression der Immunglobuline. Bei einem Vitamin-A-Mangel
kann deshalb die Antikörperbildung vermindert sein. Außerdem wird eine
Verringerung der Zahl der NK-Zellen beobachtet.
Eine
Vitamin-A-Supplementierung verbesserte bei Patienten mit COPD die
Lungenfunktion; bei Kindern senkte Vitamin A die Zahl und Länge
respiratorischer Infekte.
Vitamin C
Asthmatiker haben in
der Regel erniedrigte Vitamin-C-Konzentrationen im Blutplasma und im
epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Vitamin C ist neben Glutathion
das wichtigste Antioxidans im Bronchialsekret. Histamin ist ein
Entzündungsmediator, der bronchokonstriktorisch wirkt und die
Gefäßpermeabilität erhöht. Niedrige Vitamin-C-Plasma-Konzentrationen führen
zu einem Histaminanstieg im Blutplasma. Die chemotaktische Aktivität der
neutrophilen Granulozyten fällt bei einem Histaminanstieg im Blutplasma ab
und steigt bei einer Vitamin-C-Supplementierung an.
Vitamin C hat
offensichtlich auch einen protektiven Effekt gegen Anstrengungsasthma. In
Placebo-kontrollierten Versuchen zeigten 2 g Vitamin C vor einer
siebenminütigen körperlichen Belastung bei ca. 50 % der Patienten eine
vorbeugende Wirkung gegen Asthma-Anfälle.
Vitamin E
Bei Asthmapatienten
werden vermehrt Leukotriene gebildet. Die wasserlöslichen Leukotriene sind
potente Bronchokonstriktoren und dabei 200- bis 2000fach stärker wirksam als
Histamin. Vitamin E beeinflusst den Arachidonsäuremetabolismus durch
Verminderung der Aktivität der Lipoxigenase und Cyclooxigenase. Dadurch
werden weniger proinflammatorische Leukotriene und Prostaglandine gebildet.
Neben dem
antientzündlichen Effekt spielt auch die antioxidative Wirkung von Vitamin E
bei Asthma eine Rolle, da Entzündungsmediatoren vermehrt freie Radikale
erzeugen. Eine Stichprobe von ca. 2600 Erwachsenen ergab, dass höhere
Vitamin-E-Konzentrationen mit niedrigeren IgE-Serum-Konzentrationen und mit
einer weniger häufigen Allergen-Sensibilisierung assoziiert sind.
Vitamin B6
Bei Asthma-Patienten
wurden in einer Studie signifikant niedrige Vitamin-B6-Konzentrationen
gefunden. Eine hochdosierte Vitamin-B6-Supplementierung mit 2 x 50 g führte
zu einer Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad der Asthma-Attacken. In
einigen Studien wurde nachgewiesen, dass eine antiasthmatische Therapie mit
Theophylin die Vitamin-B6-Spiegel erheblich verminderte, so dass bei einer
Therapie mit Theophylin auf jeden Fall auf eine ausreichende
Vitamin-B6-Versorgung geachtet werden muss.
Vitamin B12
In einer Untersuchung
führte eine wöchentliche intramuskuläre Injektion von 1000 µg Vitamin B12
über einen Zeitraum von 4 Wochen zu einer deutlichen Verbesserung der
Asthma-Symptomatik. Eine Sulfit-Intoleranz verschlechtert die Symptomatik
bei vielen Asthma-Patienten. In einer kleinen Studie an Kindern mit Asthma
und nachgewiesener Sulfit-Intoleranz konnte ein Bronchospasmus nach
Sulfitexposition verhindert werden, wenn zuvor 1,5 mg Cyanocobalamin
eingenommen wurde.
Magnesium
Bei Asthmapatienten
wurden mehrfach erniedrigte Magnesiumkonzentrationen im Serum und in den
Erythrozyten nachgewiesen. Verminderte Magnesium- und
Phosphatkonzentrationen sind die häufigste Elektrolytstörungen bei Patienten
mit chronischem Asthma. In einigen Studien erwies sich Magnesium in Form
einer intravenösen Magnesiumsulfat-Applikation als hilfreich in der
Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls, besonders wenn die
Magnesium-Injektion rechtzeitig durchgeführt wurde. Ein Magnesium-Defizit
senkt die allergische Reaktionsschwelle; Mastzellen setzen dann schneller
und vermehrt Histamin frei.
Zink
Bekanntlich ist Zink
von herausragender Bedeutung für das Immunsystem. Bei einem Zinkmangel
kommt es zu einer reduzierten zellulären und humoralen Immunreaktion. Ein
Zinkdefizit fördert eine TH2-Polarisierung der Immunantwort. Die
Proliferation von TH2-Zellen wird forciert auf Kosten der TH1-Zellen.
TH2-Cytokine spielen eine zentrale Rolle für die Auslösung
allergisch-entzündlicher Reaktionen.
Zink ist Teil der Cu/Zn-Superoxiddismutasen,
die die Zellmembranen vor der oxidativen Schädigung schützen. Zink wird
benötigt zur Synthese des retinolbindenden Proteins, deshalb ist auch der
Vitamin-A-Metabolismus zinkabhängig.
Selen
Über den Effekt
einer Selen-Supplementierung bei Asthma bronchiale wurden bisher nur wenige
Studien durchgeführt. Die vorhandenen Daten lassen aber den Schluss zu, dass
eine Selensupplementierung bei Asthma bronchiale eine sinnvolle adjuvante
Therapie darstellt. Ähnlich wie ein Zinkmangel fördert auch ein Selenmangel
eine TH2-Immundominanz. Die selenhaltigen Glutathionperoxidasen sind
wichtige antioxidative Schutzmechanismen.
Cystein/ Glutathion
Glutathion ist das
wichtigste Antioxidans im epithelialen Flüssigkeitsfilm der Lunge. Bei
Asthmapatienten sind im Bronchiallumen vermehrt eosinophile Granulozyten,
Mastzellen und Makrophagen nachweisbar. Letztere weisen einen deutlich
höheren Aktivierungsgrad auf als bei Normalpersonen. Die vermehrte
Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Sauerstoffradikalen erhöht den
Glutathionverbrauch. Verschiedene Transkriptionsfaktoren wie AP-1 und
NF-Kappa-B sind redoxsensitiv und werden bei einem Glutathionmangel
vermehrt aktiviert. Dies führt zu einer verstärkten Bildung und Freisetzung
proinflammatorischer Mediatoren.
Verschiedene Studien
haben gezeigt, dass eine Cysteinsupplementierung in Form von
N-Acetylcystein die Glutathionspiegel im Blut und in der Lunge verbessern
kann. NAC wird im Körper in Cystein umgewandelt und eignet sich wegen
seiner chemischen Stabilität besser zur Supplementierung als das
oxidationsempfindliche Cystein. Ein Mangel an Thiolverbindungen (Cystein
und Glutathion) begünstigt eine TH2-Immundominanz. Glutathion ist eines der
wichtigsten Entgiftungmoleküle des Stoffwechsels; Umweltgifte,
Zigarettenrauch, Autoabgase etc. erhöhen den Glutathionbedarf. Im Rahmen der
hepatischen Biotransformation werden Steroidverbindungen mittels Glutathion
entgiftet. Glu-cokortikoide sind häufig eingesetzte Medikamente gegen
Asthma bronchiale. Eine Supplementierung mit Alpha-Liponsäure kann
ebenfalls die Glutathionspiegel anheben und verbessert das Verhältnis von
reduziertem zu oxidiertem Glutathion.
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Studien: Asthma Bronchiale und Mikronährstoffe
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Eine niedrige Manganaufnahme führt zu einer bronchialen Hyperreagibilität;
außerdem ist bekannt, dass bei Asthmapatienten die NO-Bildung signifikant
erhöht ist. Bei einem Mangandefizit ist die Aktivität des Enzyms Arginase
vermindert, was die Bildung von Stickoxid aus Arginin forciert.
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In
einer türkischen Studie konnte nachgewiesen werden, dass bei Kindern mit
Asthma-Symptomatik tatsächlich die Arginaseaktivität und die
Mangankonzentrationen signifikant niedriger waren und die
NO-Konzentrationen signifikant höher als bei den Kontrollpersonen. Diese
Untersuchung zeigt, dass beim kindlichen Asthma bronchiale unbedingt die
Mangankonzentration kontrolliert werden und ggf. Mangan supplementiert
werden sollte.
Kocyigit A
et al.: Relationship among manganese, arginase, and nitric oxide in
childhood asthma; Biol Trace Elem Res. 2004 Winter; 102(1 – 3): 11-8
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Bei
24 Kindern mit chronischer Rhinosinusitis wurden die Konzentrationen
verschiedener Mikronährstoffe im Blut bestimmt und mit einer
Kontrollgruppe verglichen. Bei den Rhinosinusitis-Patienten waren die
Konzentrationen von Vitamin E, Vitamin C, Kupfer und Zink signifikant
niedriger als in der Kontrollgruppe. Daraus kann abgeleitet werden, dass
der Serum-Spiegel antioxidativer Vitamine und Spurenelemente bei der
Pathogenese und Behandlung der chronischen Rhinosinusitis eine bedeutende
Rolle spielen könnte.
Unal M et al.: Serum levels of antioxidant vitamins, copper, zinc and magnesium in
children with chronic rhinosinusitis; J Trace Elem Med Biol. 2004; 18(2):
189-92
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Coenzym Q10 bei Migräne
In
den letzen Monaten sind verschiedene Studien publiziert worden, die
aufzeigen konnten, dass Coenzym Q sowohl die Häufigkeit von Migräne-Attacken
vermindert als auch die Progredienz des M. Parkinson verlangsamen kann.
Coenzym Q ist ein wichtiges Molekül für die Funktion der Atmungskette und
damit der ATP-Synthese. Die Mitochondrien sind besonders vulnerable
Zellorganellen; es besteht kein Zweifel daran, dass Alterungsprozesse und
krankhafte Veränderungen des Zellstoffwechsels wesentlich durch eine
gestörte Mitochondrienfunktion hervorgerufen werden.
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