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Bild: Ernst Rose, pixelio.de |
Die
nationale Verzehrstudie II, eine bundesweite Erhebung zur
Ernährungssituation von Erwachsenen und Jugendlichen, hat ergeben, dass in
Deutschland 66 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen übergewichtig
oder adipös sind. Übergewicht besteht definitionsgemäß bei einem BMI
zwischen 25 und 30, ab 30 aufwärts spricht man von Adipositas. Übergewicht
und Adipositas nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Auch bei Kindern ist
in den letzten 30 Jahren ein deutlicher Anstieg von Übergewicht zu
verzeichnen.
Grundsätzlich liegt der Entwicklung von Übergewicht eine erhöhte
Energiezufuhr zugrunde. Adipöse und nicht-adipöse Menschen neigen dazu,
ihre Energiezufuhr deutlich niedriger einzuschätzen, als sie tatsächlich
ist. Jedenfalls hat die Gesamtenergieaufnahme in den letzen Jahren um rund
15 Prozent zugenommen. Häufig ist auch nicht bekannt, dass mit zunehmendem
Lebensalter der Energiebedarf geringer wird. Allein das Beibehalten
bisheriger Ernährungsgewohnheiten kann mit zunehmendem Lebensalter die
Ursache einer Gewichtszunahme sein.
Übergewicht bzw. Adipositas führen in Abhängigkeit vom Ausmaß zu einer
ganzen Reihe von Stoffwechselveränderungen. Häufig bestehen
Fettstoffwechselstörungen sowie eine Beeinträchtigung des
Kohlenhydratstoffwechsels wie Insulinresistenz und erhöhte
Nüchterninsulinspiegel. Für die pathophysiologische Veränderungen bei
Adipositas spielt das viszerale Fett, d.h. die Menge an Fettgewebe im
Bauchraum, eine entscheidende Rolle. Das viszerale Fett produziert
verschiedene Signalstoffe wie Interleukin 6, TNF-Alpha, Angiotensin,
Resistin, Östrogene etc. Das viszerale Fettdepot ist somit ein
entscheidender Risikofaktor für viele Erkrankungen, die mit Übergewicht/
Adipositas zusammenhängen, z.B. Hypertonie, Diabetes mellitus II,
metabolisches Syndrom etc. Weitere typische Veränderungen bei Adipositas
sind ein oxidativer Stress und eine „low grade“-Inflammation. Außerdem
beschleunigt Adipositas die biologische Alterung des Gehirns.
Eine zu hohe Zufuhr von Nahrungsenergie bedeutet nun keineswegs, dass
übergewichtige oder adipöse Menschen optimal mit Nährstoffen oder
Mikronährstoffen versorgt wären. Vielmehr zeigt sich häufig, dass die
Mikronährstoffversorgung alles andere als optimal ist, weil bevorzugt
energiedichte, aber mikronährstoffarme Lebensmittel verzehrt werden.
Auch ein erhöhter Körperfettanteil soll einen negativen Einfluss auf die
Mikronährstoffversorgung haben, da z.B. lipophile Vitamine vermehrt ins
Fettgewebe gelangen und dort gespeichert werden. Eine gezielte
Supplementierung von Mikronährstoffen kann aus mehreren Gründen bei
übergewichtigen oder adipösen Menschen von Nutzen sein, z.B. zur
Verbesserung der Fettverbrennung, Verminderung des oxidativen Stresses,
Verbesserung der Endothelfunktion, Modulierung der Appetitregulation,
Sicherstellung einer ausreichenden Immunkompetenz u.v.m.
Vitamin C
Vitamin C ist ein wichtiges wasserlösliches Antioxidans und an zahlreichen
biochemischen Reaktionen beteiligt wie z.B. auch an der Biosynthese von
Neurotransmittern. Was Übergewicht/ Adipositas anbelangt, ist bedeutsam,
dass Vitamin C einen protektiven Effekt auf die Endothelfunktion und die
Immunkompetenz ausübt. Außerdem ist Vitamin C für die Carnitinsynthese
notwendig. In einer US-amerikanischen Studie, die 2008 publiziert wurde,
konnte nachgewiesen werden, dass Vitamin C bei übergewichtigen/ adipösen
Erwachsenen die fibrinolytische Regulation verbessert. Bei Übergewicht/
Adipositas sind häufig die Fibrinogenspiegel erhöht. Eine Behandlung mit
Vitamin C konnte auch erhöhte CRP-Konzentrationen senken.
Vitamin D
Calcitriol wirkt als Steroidhormon im Stoffwechsel und übt in
verschiedenen Organsystemen eine regulierende Wirkung. Übergwichtige oder
Adipöse haben häufig sehr niedrige Vitamin-D-Konzentrationen. Man kann
davon ausgehen, dass es bei Übergewichtigen zu einer vermehrten
Einlagerung von Vitamin D in das Fettgewebe kommt und dadurch zu einer
verminderten Bioverfügbarkeit. Auch ist der Anstieg der
Vitamin-D3-Konzentration nach UV-Bestrahlung deutlich geringer als bei
normalgewichtigen Menschen. Zum Ausgleich von Defiziten benötigen
Übergewichtige meist auch höhere Dosen an Vitamin D als Normalgewichtige.
In einer Studie der Universität von Minesota konnte nachgewiesen werden,
dass die Vitamin-D-Werte vor Beginn einer Reduktionsdiät in linearem
Zusammenhang zum Abnehmeerfolg standen : Je höher der Vitamin-Spiegel vor
der Diät lag, desto größer war der erzielte Gewichtsverlust.
Vitamin E
Bei Adipositas besteht häufig ein oxidativer Stress. Vitamin E ist ein
wichtiges lipophiles Antioxidans mit antientzündlichen, antithrombotischen
und endothelprotektiven Eigenschaften. Vitamin E hat sich auch bei der
Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber, einer typischen Komplikation
von Übergewicht/ Adipositas, als wirksam erwiesen.
Magnesium
2010 wurde publiziert, dass 60 Prozent der Erwachsenen in den USA zu wenig
Magnesium aufnehmen. Ein niedriger Magnesiumspiegel kann mit einer ganzen
Reihe von körperlichen Störungen assoziiert sein, u.a. auch mit einer
erhöhten Entzündungsbereitschaft. Dies ist insofern von Bedeutung, als
Übergewicht ohnehin mit einer erhöhten Entzündungsaktivität verbunden ist.
Eine niedrige Magnesiumzufuhr fördert auch das Auftreten eines
metabolischen Syndroms, bei dem Adipositas eine wesentliche Komponente
darstellt.
Calcium
Bei männlichen Jugendlichen konnte eine inverse Beziehung zwischen der
Calciumaufnahme und dem Risiko für Adipositas nachgewiesen werden. Bei
prämenopausalen Frauen war eine höhere Calciumzufuhr mit einer günstigeren
Fettverteilung assoziiert, d.h. mit einem geringeren intraabdominellen
Fettdepot.
Zink
Zink ist ein wichtiges Spurenelement für die Immunkompetenz und besitzt
auch antioxidative Eigenschaften. Eine Stabilisierung bzw. Verbesserung
der Immunkompetenz und eine Verbesserung der antioxidativen Kapazität sind
wichtige Faktoren zur Begrenzung von Schäden durch Adipositas. Eine
Supplementierung von Zink führte bei adipösen Kindern zu einer deutlichen
Verbesserung der Insulinsensitivität und der Nüchtern-Glucosespiegel.
In einer anderen Untersuchung wurde bei übergewichtigen Kindern auch eine
Verminderung des CRP nachgewiesen.
Die Zinkkonzentration im Blutplasma konnte durch eine kurzzeitige
Gewichtsreduktion deutlich verbessert werden.
Chrom
Chrom ist Bestandteil eines Biomoleküls mit dem Namen Chromodulin. Dieses
Molekül erhöht die Effizienz der Signalübertragung von Insulin. Bei einer
guten Chromversorgung werden deshalb für eine vergleichbare Insulinwirkung
geringere Insulinmengen benötigt.
Arginin
Arginin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Stickoxid und spielt
deshalb eine zentrale Rolle für die Endothelfunktion und für die
Regulierung der Gefäßweite. Sowohl Übergewicht, Insulinresistenz und
Diabetes sind unabhängig voneinander mit einer reduzierten
NO-Verfügbarkeit assoziiert.
Möglicherweise kann eine Argininsupplementierung auch die STH-Sekretion
anregen, wobei dies allerdings nur für eine intravenöse Argininapplikation
belegt ist.
Tryptophan
Der Botenstoff Serotonin wird aus Tryptophan gebildet, wobei die Synthese
im ZNS sehr stark von der Tryptophan-Serumkonzentration abhängt. Neben
vielen anderen Funktionen ist Serotonin auch für die Appetitregulation von
Bedeutung. Höhere Serotoninkonzentrationen wirken appetitvermindernd und
können dadurch auch zu einer Reduzierung der Nahrungsaufnahme beitragen.
Leucin
Leucin gehört zu der Gruppe der verzweigtkettigen Aminosäuren, die für den
Muskelstoffwechsel und für die Muskelproteinsynthese eine zentrale Rolle
spielen. Leucin ist ein wichtiger anaboler Signalgeber und kann bei einer
Reduktionsdiät einen verstärkten Muskelproteinabbau vermindern. In einer
Studie der University of North Carolina konnte nachgewiesen werden, dass
eine höhere Aufnahme von verzweigtkettigen Aminosäuren das Risiko für
Übergewicht/ Adipositas bei gesunden Erwachsenen senkt.
Carnitin
Carnitin ist ein Transportmolekül für die beförderung langkettiger
Fettsäuren in die Mitochondrien und ist deshalb für die Fettverbrennung
unerlässlich. Carnitin ist aber kein „Fettburner“, der bei körperlich
inaktiven Menschen eine Ankurbelung des Fettabbaus bewirken könnte. Es
gibt aber Hinweise aus Studien, dass eine Carnitinsupplementierung im
Rahmen eines Bewegungsprogramms eine Gewichtsreduktion unterstützt. Auch
eine Verbesserung der Blutfettwerte konnte nachgewiesen werden.
Homocystein
Patienten mit Bluthochdruck, die übergewichtig sind, haben sehr viel
häufiger erhöhte Homocysteinkonzentrationen als normalgewichtige
Hypertoniker. Generell leiden übergewichtige Menschen häufiger an einer
endothelialen Dysfunktion. Bei prämenopausalen Frauen wurden mit
zunehmendem BMI vermehrt niedrige Folsäurekonzentrationen nachgewiesen.
Bekanntlich ist die Folsäure von zentraler Bedeutung für den
Homocysteinabbau.
Referenz:
Übergewichts-Screening
Bestimmt im Blut/ Serum werden:
• Arginin
• Tryptophan
• Calcium
• Magnesium
• Zink
• Chrom
• Carinitin
• Coenzym Q10
• Homocystein
• Vitamin C
• Vitamin D3
• Vitamin E
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